Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Die Hauptgeschichte bleibt weitestgehend unberührt, was diesen Band trotzdem nicht für Quereinsteiger empfehlenswert macht. Eingefleischte Fans und Komplettisten sind hier am besten beraten.

Zeichnung

Ein regelrechtes Auf und Ab. Der ständige Wechsel kommt dem Lesefluss nicht unbedingt zugute, kann aber mit diversen Lichtblicken aufwarten.

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Marcel Scharrenbroich
Ergänzungslektüre

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Nov 2019

Mal was anderes

Okay, Bühne frei für eine neue Geschichte aus dem Black Hammer Universum. Besser gesagt, GeschichteN… Plural. Denn „Straßen von Spiral City“ umfasst nicht eine durchgängige Story, wie es die letzten Spin-off-Bände getan haben, sondern ist eine Zusammenstellung aus US-One-Shots - also abgeschlossenen Einzelausgaben -, einer Enzyklopädie, die helfen soll, bei der stetig wachsenden Welt von Autor Jeff Lemire nicht den Überblick zu verlieren, und einem Beitrag vom amerikanischen Free Comic Book Day 2019. Ein buntes Sammelsurium, welches einerseits altbekannte und noch kommende Charaktere mit Biografien näher vorstellt, auf der anderen Seite mit zu vielen Abzweigungen aber Gefahr läuft, die Hauptgeschichte langsam aber sicher zur Nebensache zu degradieren. Mit dem vorliegenden Titel überholen die Spin-offs nämlich sogar die Hauptreihe, die mit „Age of Doom – Buch 2“ zwar aktuell wieder aufschließt, im Februar 2020 aber schon wieder in Rückstand gerät… dann liegt mit „Black Hammer ‘45“ nämlich das nächste Spin-off im Händlerregal. Dennoch ist es lobenswert, dass der Splitter Verlag den deutschen Lesern diese zusätzlichen Storys nicht vorenthält und Lemires etwas andere Superhelden-Saga so komplett wie möglich veröffentlicht.

Zeitreisen, alte Götter und schreckliche Hütten

Direkt die erste Geschichte, die aus dem amerikanischen „Black Hammer: Giant-Sized Annual“ stammt, bildet für mich das Kernstück des Bandes. Einfach aus dem Grund, weil sie die einzige Story ist, die einen direkten Bezug zum Hauptwerk hat, auch wenn Leser des dritten Bandes, „Age of Doom – Buch 1“, schon ein wenig weiter sind und das „gigantische Jahrbuch“ chronologisch nach „Black Hammer – Band 1: Vergessene Helden“ spielt und somit den ersten Zyklus (US-Ausgaben #1 - 6) abrundet. Hier schwirrt der leicht zerstreute und schwer durchschaubare Colonel Weird über die Farm, die die ehemaligen Superhelden von Spiral City durch eine unsichtbare Barriere nicht mehr verlassen können, und wechselt nach einer merkwürdigen Sichtung in die Para-Zone, die nur er ohne Gefahr betreten kann, was seinem Geisteszustand in den letzten Jahren nicht unbedingt gutgetan hat. Das Wesen, dem er folgt - aussehend wie ein riesiges Glubschauge mit mehreren tentakelartigen Armen -, kennt er bereits aus früheren Begegnungen, kann die Puzzleteile aber nicht mehr passend zusammensetzen. Was folgt, sind Begegnungen, die das Wesen mit den anderen Helden aus Spiral City hatte, bevor es sie nach dem Kampf gegen Anti-Gott auf die Farm verschlug. Abraham Slamkowski, dessen Gegner im Boxring von der Kreatur attackiert wird, Gail Gibbons, die zu ihrem Alter Ego Golden Gail switchen muss, um ihre erste Liebe vor dem Wesen aus der Para-Zone zu retten, Mark Marks, alias Barbalien, welcher nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst seine Brötchen als Privatdetektiv verdient und während eines neuen Falls auf den außerirdischen Störenfried trifft, und schließlich auch Joseph Weber, Black Hammer höchstpersönlich, auf dessen Gesicht der Parasit in Facehugger-Manier platzgenommen hat und nun nur noch von Madame Dragonfly entfernt werden kann. Zu guter Letzt trifft ein junger Randall Weird während eines Außeneinsatzes im unerforschten Weltall nicht nur auf das Glubsch-Alien, sondern auch auf sein älteres, verpeiltes Ich, welches ihn (und uns) mit ein paar kryptischen Sätzen aus der Geschichte entlässt. Hat uns das jetzt weitergebracht? Nein.

Der nächste One-Shot „Black Hammer: Cthu-Louise“ erschien in den Staaten im Dezember 2018, also während des zweiten Teils des „Age of Doom“-Zyklus, der bei uns aktuell im zweiten Sammelband (insgesamt Band 4 der Hauptgeschichte) vorliegt. Allzu relevant ist dies aber nicht, da „Cthu-Louise“ keinen großen Einfluss auf den Kanon hat und bisher nur in „Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels“, dem ersten deutschen Spin-off, kurz in Erscheinung trat. Die kleine Louise ist die Tochter von Louis Kaminski, einem einfachen Klempner, der einen Job in der Kanalisation von Spiral erledigte, als er dort vom Großen Alten (H. P. Lovecraft lässt grüßen) verspeist und zu dessen Abgesandten auf Erden wurde: Cthu-Lou. Gesegnet mit grüner, glitschiger Haut, mehreren Augen und einer Menge Tentakeln, die lustig aus dem Gesicht bommelten, wurde sein Schicksal als Superschurke damit quasi besiegelt. Mittlerweile im Ruhestand, verbringt der Vater einer Tochter die meiste Zeit qualmend vor der Glotze. Und da der Apfel bekanntlich nicht weit vom Stamm fällt, hat Louise Daddys hübsches Äußeres geerbt. Hurra. Obwohl Mutationen in Spiral City nicht zum Ungewöhnlichsten gehören, was die Stadt zu bieten hat, ist Louise trotzdem ständig den verachtenden Blicken der Einwohner ausgesetzt. Besonders der Schulalltag erweist sich jeden Tag aufs Neue als Spießrutenlauf. Beleidigungen, Ausgrenzung und Demütigungen… und das Tag für Tag. Auch im Hause Kaminski hängt der Haussegen gewaltig schief, was so weit geht, dass Lou sogar handgreiflich gegenüber seiner Tochter wird. Louise hat die Nase voll und folgt dem Ruf des Großen Alten, um ihr Schicksal anzunehmen… welches sich am Ende leider als wenig überraschend erweist. Zumindest für diejenigen, die schon mal eine Folge der „Twilight Zone“ gesehen haben.

Der nächste Part in „Straßen von Spiral City“ widmet sich der bunten und illustren Figuren-Schar, die wir aus den bisherigen Comics kennen und es werden sogar Charaktere vorgestellt, die uns erst in Zukunft über den Weg laufen werden. So zum Beispiel die Black Hammer Squadron, die im nächsten Spin-off „Black Hammer ‘45“ ihr Debüt feiern wird. Ebenfalls der Nazi Oberst Klaus von Löwe, alias Ghost Hunter, auf den wir in der letzten Geschichte dieses Bandes schon einen minimalen Blick werfen können. Die „The World of Black Hammer Encyclopedia“, überm Teich im Juli 2019 erschienen, stellt uns zudem schon Skulldigger & Skeleton Boy vor, die im Dezember 2019 in den USA mit ihrer Ongoing-Reihe aus dem Black Hammer Universum an den Start gehen und uns zu einem späteren Zeitpunkt mit Sicherheit ebenfalls erreichen werden. Begleitet werden die informativen Biografien und Texte zu den Figuren und Handlungsschauplätzen von Zeichnungen von David Rubín, Wilfredo Torres, Tyler Crook, Christian Ward, Tonci Zonjic, Matt Kindt, Emi Lenox, Ray Fawkes, Brian Hurtt, Lucy Sullivan, Marie Enger, Rich Tommaso, Sandy Jarrell und Sina Grace.

Abschließend gibt es die Kurzgeschichte „Schrecken der Zukunft“, die aus dem Heft zum amerikanischen Free Comic Book Day 2019 entnommen wurde. Hier führt uns Madame Dragonfly durch ihre Hütte des Schreckens, in der sich hinter jeder Tür eine andere Geschichte verbirgt. Aus einer dieser Türen stolpert ein aufgewühlter Jack Sabbath, Geisterführer von Beruf, der der Madame ein Comicheft aus dem Jahre 1985 vor die Nase hält, auf dem er selbst abgebildet ist… und zwar noch höchst lebendig. Madame Dragonfly prophezeit Jack daraufhin eine interessante und vielversprechende Zukunft… an der Seite von Black Hammer! Nun, wir werden sehen…

Schlichtweg schlicht

Künstlerisch schwankt „Straßen von Spiral City“ wirklich extrem und kann leider nur sporadisch wirklich glänzen. An dem Sprichwort „Viele Köche…“ scheint in diesem Falle wirklich was dran zu sein, denn die Tatsache, dass wir es hier mit einer Zusammenstellung aus vielen Einzel-Quellen zu tun haben sorgt dafür, dass gerade wenn wir uns an einen Zeichenstil gewöhnt haben, ein anderer Künstler das Ruder übernimmt und das Ergebnis schlussendlich nicht wirklich rund erscheint. Allein am „Annual“ waren sechs(!) unterschiedliche Zeichner beteiligt, die jeweils einen Part des Zusammentreffens zwischen unseren Helden und dem Glubsch-Alien aus der Para-Zone inszeniert haben. Besonders stechen hier Dustin Nguyens kontrastreiche Golden Gail-Story und die stimmungsvoll-blassen Aquarelle von Ray Fawkes in dessen Barbalien-Abschnitt hervor. Die Rahmenhandlung von Nate Powell, die die Kurzgeschichten miteinander verbindet, bewegt sich ebenfalls auf sehr hohem Niveau.

„Cthu-Louise“ wirkt insgesamt sehr steif und detailarm inszeniert. Auch die Farben und Farbverläufe sind sehr schlicht, was nicht unbedingt für die Arbeit von Emi Lenox und Dave Stewart spricht. Die wenig überraschende Story funktioniert so zwar über weite Teile, lässt aber durch die Zeichnungen den Eindruck erwecken, als wäre sie für ein jüngeres Publikum gedacht.

David Rubín, der bereits „Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels“ in Szene setzte, hatte bei seinem künstlerischen Beitrag zum Free Comic Book Day 2019 anscheinend auch nicht seinen besten Tag und liegt weit hinter seinen Möglichkeiten. Schade.

Fast schon obligatorisch gibt es im Anhang noch das altbekannte Black Hammer Sketchbook. Hier lassen uns Ray Fawkes, Mike Allred und Nate Powell am Entstehungsprozess einiger Seiten teilhaben, was eine schöne Ergänzung zum Ergänzungsband ist.

Fazit:

Für „Black Hammer“-Verhältnisse waren das jetzt ganz schön viele negative Punkte, die auch mit rosaroter Fan-Brille nicht von der Hand zu weisen sind. Trotzdem ist und bleibt „Black Hammer“ eine Ausnahme-Reihe, die auch einen leichten Tiefschlag locker wegstecken kann. So lange die Hauptreihe weiterhin auf hohem Niveau überzeugt, sei es Jeff Lemire und dem stetig wachsenden Kreis von Künstlern, die diese kreative Welt weiter formen und entwickeln, auch verziehen, dass nicht jeder Spin-off-Schuss ins Schwarze trifft.

Black Hammer: Straßen von Spiral City

Black Hammer: Straßen von Spiral City

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