Zu früh gefreut…
„Ich hätte mich nie auf diesen kosmischen Scheiß einlassen sollen.“
Mit diesen weisen Worten, die schon früh in der Geschichte fallen, umschreibt Spacedigger recht treffend, wie das heillose Chaos im Multiversum nun auf die Spitze getrieben wird. „Hammerverse“-Mastermind Jeff Lemire tischt noch mal auf und serviert uns ein Finale, das nun alle losen Fäden zusammenführen soll. Kann dies - mit insgesamt acht Bänden der Hauptreihe und elf(!!!) weitestgehend eigenständigen Spin-off-Bänden - überhaupt gelingen? Die kurze Antwort ist: naja, irgendwie schon. Die längere Antwort: Lemire bringt es zwar zu einem Abschluss, aber nur mit Hängen und Würgen. Vom „epischen Finale“ einer (zumindest im US-Original) zehnjährigen Reise habe ich mir aber deutlich mehr versprochen. Es fängt damit an, dass die eigentliche Prämisse der Story schon recht früh innerhalb der Saga aufgeklärt wurde, was bereits etwas Luft herausnahm. Zwar wurden daraus neue Konflikte geboren, doch gerade die gewisse Kammerspiel-Atmosphäre mit ehemaligen Superhelden, die im limitierten Raum einer Kleinstadt gefangen waren, hatte ihren Reiz. Somit anfangs noch deutlich von generischen Superhelden-Tropes entfernt, näherte man sich diesen immer mehr an, bis letztendlich nur noch ein Event-Charakter übrigbleibt, wie man ihn von den Kollegen der Häuser MARVEL und DC zur Genüge kennt. Das muss per se ja nichts Schlechtes heißen, doch von einem begnadeten Autor wie Jeff Lemire hätte ich mehr erwartet. Speziell im Finale einer ansonst höchst soliden und immer wieder überraschenden Reihe, die auch an emotionalen Momenten selten gespart hat. Jedoch kann man nicht nur an den Zeichnungen (dazu später mehr…) sehen, dass wohl alle Beteiligten froh sind, unter dem „Black Hammer“-Kapitel endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Nach dem großen Showdown, der nun nicht wirklich überraschen bzw. überzeugen kann, werden die restlichen Problemchen mit Comic-Logik vom Tisch gewischt, während im Abgang dann noch mal hochtrabende Worte mit Kalenderspruch-Format das sülzige i-Tüpfelchen setzen. Selbstverständlich werden wir nicht ohne ein kleines Hintertürchen entlassen, denn „jedes Ende schafft ja auch einen neuen Anfang“… *sülz*
Die letzte Sch…lacht
Lucy Weber, die ihren Hammer an den Nagel gehängt hat, ist mit ihrer Familie auf der Farm in Rockwell gestrandet, wo Abe und Tammy mittlerweile in ihrer eigenen „heilen“ Welt leben. Über das, was früher war, wurde ein Mantel des Schweigens gelegt. Bislang erfolgreich. Doch mit Lucys Ankunft beginnt dieser sich zu lüften… und die Probleme innerhalb ihrer eigenen Familie nehmen ebenfalls immer weitreichenderen Platz ein.
Währenddessen sind die zwei Welten weiterhin unaufhaltsam auf Kollisionskurs. Apropos Welten: unzählige davon werden gerade durchforstet, um das bestmögliche Helden-Team zusammenzustellen. Anti-Gott ist fleißig auf dem Vormarsch, um das zu beenden, was er schon einmal verbockt hat. Daran hinderten ihn (die Älteren werden sich erinnern) die einst strahlenden Helden von Spiral City. Die gibt es entweder gar nicht mehr oder lediglich im selbstgewählten Ruhestand, weshalb Colonel Weird, Talky-Walky, Doctor Andromeda und Spacedigger versuchen, ihre Alternativ-Versionen zu rekrutieren. Kann dieses waghalsige Unterfangen ohne eine/einen „Black Hammer“ überhaupt funktionieren?
That's all Folks!
Nach dem dreiteiligen „Reborn“-Event, welches in den Bänden 5 bis 7 der Hauptreihe stattfand, war ich eigentlich guter Dinge, dass wir mit einem Gänsehaut-Finale abschließen, doch da habe ich Lemire wohl zu viel Vor-Vertrauen geschenkt. Was genau ich erwartet habe, kann ich gar nicht sagen, denn ich war mir sicher, dass der Autor schon weiß, was er da tut. Überraschen konnte er zuvor nämlich oft. Da lag ich dann wohl falsch, denn der insgesamt ziemlich lustlos heruntergekurbelte Comic ist nicht mehr als Superhelden-Stoff von der Stange. Mit den einst liebgewonnenen Figuren hat dies nicht mehr viel zu tun, was zu einem großen Teil auch an den fragwürdigen Zeichenkünsten von Malachi Ward liegt. Sterile Bilder ohne jegliche Tiefe. Details und Schattierungen sucht man vergebens. Als wäre unter Zeitdruck nur das Nötigste aufs Papier gebracht worden, fehlen extrem oft ganze Hintergründe, die lediglich flächig eingefärbt wurden. Quietschbunt, damit es wenigstens etwas Abwechslung fürs Auge gibt. Sorry, aber das reicht bei Weitem nicht und ist meilenweit vom bisherigen Niveau entfernt. Die Reihe hatte zwar immer schon Ausreißer nach oben und unten, aber so arg wie Ward hat es noch keiner verkackt, so ehrlich muss man es schon sagen. Und zwar so sehr, dass von der eigentlichen Bedrohung Anti-Gott, welcher seit Beginn der Serie finster über den Köpfen schwebte, in voller Pracht nur noch ein bunter Karnevalsprinz mit lustigem Helmchen übrigbleibt.
Fazit:
Scheiße. Das ist ein Finale, welches mich leider komplett unbefriedigt und auch etwas sauer zurücklässt. Was als Indie-Superhelden-Revolution begann, sich in stetiger Bewegung immerhin weiterentwickelte und einen sogar emotional richtig an den Eiern hatte, wird nun - anstelle eines großen Knalls - mit einem lauen Lüftchen beendet. Würde nicht groß und breit draufstehen, dass es von Lemire geschrieben ist, könnte ich es nicht glauben.

Jeff Lemire, Malachi Ward, Splitter




















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