Black Hammer - Bd. 4: Age of Doom - Buch 2

Erschienen: November 2019

Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Ein Kniefall vor dem klassischen Superhelden-Genre. Großartig erzählt, werden wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge vorerst in den Stand by-Modus versetzt.

Zeichnung

Ormston bleibt als Hauptzeichner seiner klassischen Linie treu, während Tommaso künstlerisch zwar aus dem Rahmen fällt, im Kontext der Story jedoch frischen Wind mitbringt. Das muss nicht jedem gefallen, passt aber zum Gesamtwerk „Black Hammer“.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Alles auf Anfang

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Feb 2020

Reboot?

Mmmja, irgendwie schon. Denn nachdem die Blase im letzten Band, „Age of Doom – Buch 1“, zerplatzte und Spiral Citys ehemalige Vorzeigesuperhelden feststellten, dass ihr langjähriger Aufenthalt auf der mysteriösen Farm, von der es kein Entrinnen gab, nur ein Trugbild war, lenkt Colonel Weird das Schiff mit der gesamten Truppe in die Para-Zone. So muss es geschehen… Weird hat es bereits gesehen…

Eines hat er jedoch nicht gesehen… Er erwacht auf dem Schiff. Mutterseelenallein. Gestrandet im All, wagt er den unvermeidlichen Schritt ins Unbekannte. Lässt sich treiben. Ängstlich. Erstmalig nicht wissend, was ihn erwartet. Was dann passiert, KONNTE er auch nicht erwarten… und WIR auch nicht. Weird schlägt hart auf. Auf dem Boden der Tatsachen und gleichzeitig auf dem von Inspector Insectors Büro. Der klassische Hard-Boiled-Schnüffler-Typ: Weißes Hemd, Krawatte, Trenchcoat… Ach ja, vier Arme und einen Heuschrecken-Schädel hat er auch noch. Er empfängt den Neuankömmling und führt ihn durch die postapokalyptische, sich ständig verändernde Welt. Entworfen vom „Boss“. Neben Inspector Insector finden sich hier noch weitere illustre Gesellen, wie Soldier X, Mr. Grizzly, Excali-Burt oder Ham Slamwich. Eine weitere Superhelden-Kombo? Nein… denn bei ihnen handelt es sich um nicht umgesetzte Figuren aus unvollendeten Geschichten. Und damit sollte klar sein, wer hier der „Boss“ ist. Erschreckenderweise hat Colonel Weird auch den Weg für die Rückkehr von Anti-Gott bereitet, dessen Bekämpfung Jeff Lemires Superhelden-Epos erst losgetreten hat. Um seine Freunde in ihrer neuen „Realität“ vor Anti-Gott zu warnen, muss er wieder Teil der Geschichte werden.

Lucy Weber führt derweil ein einsames und tristes Leben in Spiral City. Vom Traumberuf Journalistin ist sie weit entfernt und verdient sich ihre Brötchen als Kellnerin in Gino’s Pizza. Und in der Nacht plagt sie regelmäßig das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Etwas Bedeutendes, das sie jedoch nicht näher definieren kann. Es schlummert etwas in ihr, aber bislang ohne Chance geweckt zu werden. Zur gleichen Zeit und ebenfalls ohne Kenntnis der vorangegangenen Ereignisse arbeitet Abraham Slamkowski in der Nachtschicht als Museumswächter. Völlig außer Form, sind die Comic-Hefte, die er zum Zeitvertreib liest, das Einzige, was ihn mit einem Superhelden auch nur annähernd in Verbindung bringt. Auf dem Mars wurde Mark Markz von seinem eigenen Volk verstoßen und plant, den Planeten Richtung Erde mit seinem Geliebten zu verlassen. Und die einst immer junge Golden Gail? Nun ja, die sitzt hilflos im Altersheim… welch Ironie des Schicksals.

Erst ein anonymer Anruf in Gino’s Pizza bringt Bewegung in die Sache. Der Unbekannte am anderen Ende der Leitung behauptet, dass er eine Nachricht von Lucys verstorbenen Vater hätte… Joseph Weber. Diesen kennen wir bereits als strahlenden Superhelden Black Hammer, der sein Leben beim Versuch die Farm zu verlassen ließ. In Lucys Welt jedoch war ihr Dad kein Held. Er war ein einfacher Cop, der nach einem Routine-Einsatz wegen häuslicher Gewalt nicht mehr nach Hause kam. Obwohl bei Lucy alle Alarmglocken klingeln, nagt die Ungewissheit an ihr. Was weiß der unbekannte Anrufer? Kannte er ihren Vater wirklich? Und findet sie bei dem Fremden vielleicht sogar die Gründe für ihre nächtliche Unruhe? Was hat sie zu verlieren? Nichts… und deshalb willigt sie einem Treffen ein…

Erst „Pfui“ dann „Hui“

Zumindest was den künstlerischen Teil angeht. Storytechnisch tischt der Kanadier Jeff Lemire hier wieder auf, dass sich die Balken biegen. Höchst kreativ und um keine Abwegigkeit verlegen, beweist er einmal mehr, warum er sich derzeit verdient im Autoren-Olymp sonnt. Weiter im Vorwärtsgang, rast die Hauptstory ihrem (vorläufigen) Ende entgegen und nimmt immer größere Ausmaße an. Dafür kann es nur die volle Punktzahl geben, weil Lemires Art des Erzählens einfach brillant durchdacht ist und ihr zu keiner Zeit die Puste ausgeht.

Der Stammzeichner der „Black Hammer“-Hauptreihe, Dean Ormston, wird in den ersten beiden Kapiteln (US-Hefte #6 und #7) von seinem amerikanischen Kollegen Rich Tommaso ersetzt. Dessen Zeichenstil unterscheidet sich grundlegend von dem uns bisher bekannten. Sehr simpel umgesetzt, was sowohl Charaktere als auch die gesamte unmotiviert-schlichte Kolorierung betrifft, verortet man Bilder dieses Kalibers eher in US-Indie-Graphic Novels, als in Superhelden-Storys. Auf der einen Seite ist das nicht wirklich schön anzusehen, auf der anderen Seite aber wiederum genial, da wir uns während Tommasos Part außerhalb der eigentlichen Geschichte und somit in der ganz privaten Welt des Schöpfers befinden. Den Vogel abgeschossen hätte Lemire allerdings, wenn er für diese Outer Limits-Erfahrung selber zum Stift gegriffen hätte und dem Ganzen seinen eigenen markanten Stempel aufgedrückt hätte. An seinem Stil scheiden sich zwar auch die Geister, aber Tommaso bekleckert sich halt auch nicht mit Ruhm. Wer sich ein Bild von Lemires Zeichenkünsten machen will, sollte unbedingt „Der Unterwasser-Schweißer“ lesen… obwohl schlicht in der Darstellung, trifft er in jedem Panel den Nagel auf den Kopf. In allen Belangen.

Für die restlichen Kapitel (US-Hefte #8 - #12) ist dann wieder Ormston zuständig, dessen Bilder abermals vom genialen Dave Stewart stimmig koloriert wurden. So wird die Geschichte klassisch und mit atmosphärischen Golden Age-Vibes über die Bühne geschaukelt.

Und daaaaaann?

Während mit „Black Hammer ‘45“ bereits der nächste Spin-off-Band erschienen ist, schließt sich mit „Age of Doom - Buch 2“ der Kreis der Hauptgeschichte. Im September 2019 ging die zwölfte und somit letzte US-Ausgabe an den Start, doch Schluss soll deshalb noch lange nicht sein. Ob und wie es mit unseren Lieblings-Ex-Superhelden weitergeht, wird die Zeit zeigen, doch nach dem Abschluss von Phase 1 soll eine zukünftige neue Hauptreihe anscheinend Lucy Weber in den Fokus rücken. Aktuell läuft in den Staaten noch die „Black Hammer“-Mini-Serie „Skulldigger + Skeleton Boy“, die der Splitter Verlag voraussichtlich im Oktober 2020 auf die deutschen Fans loslässt. Für April ist auf dem US-Markt der Start der vierteiligen Mini-Serie „Colonel Weird: Cosmagog“ angekündigt, bei der Lemire mit Zeichner Tyler Crook zusammenarbeiten wird. Schon einen Monat später verlässt der Kanadier kurz sein eigenes Universum und schreibt für DCs Black Label den Epilog zum Dreiteiler „Joker: Killer Smile“, der als One-Shot mit dem Titel „Batman: The Smile Killer“ veröffentlicht wird. Das bereits erschienene fünfteilige DC/Dark Horse-Crossover „Black Hammer/Justice League: Hammer of Justice!“, welches in den USA Ende 2019 abgeschlossen wurde, steht derweil für die deutschen Leser noch aus. Man darf gespannt sein, wie dort verfahren wird, da Panini in Deutschland die Titel des DC Verlags vertreibt. Eines ist jedenfalls sicher: Die guten Storys und auch der „Black Hammer“-Nachschub werden uns in Zukunft nicht ausgehen.

Alles drin, alles drum, alles dran

Selbstverständlich sind in dem dicken Splitter-Sammelband auch diesmal Kapitel-Trenner von anderen namhaften Künstlern enthalten, die Cover der US-Ausgaben und deren Variants aus dem Dark Horse Verlag zeigen. Wie gewohnt gibt es zum Abschluss das schon obligatorische Sketchbook mit Notizen von Dean Ormston, welches die Entstehung einzelner Seiten zeigt. Des Weiteren gibt es Pin-ups zu den verschiedenen Kapiteln, die ganzseitig eine ordentliche künstlerische Bandbreite abdecken.

Optisch und qualitativ also ein weiterer „Black Hammer“-Leckerbissen, der sich perfekt in die Riege der bisher erschienenen Bände einreiht.

Fazit:

Wer bisher gezögert hat in Jeff Lemires fantastische Superhelden-Sause einzusteigen, kann und sollte dies jetzt unbedingt nachholen. Die (erste?) Hauptgeschichte wurde zufriedenstellend abgeschlossen, was jedoch nicht heißt, dass nun Schluss ist. Eine ganze Latte an erschienenen (und bereits angekündigten) Spin-off-Bänden lädt zum weiteren Verweilen in Jeff Lemires Golden Age-Hommage ein.

Black Hammer - Bd. 4: Age of Doom - Buch 2

Black Hammer - Bd. 4: Age of Doom - Buch 2

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