Black Hammer - Bd. 3: Age of Doom - Buch 1

Erschienen: April 2019

Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Konsequente Fortführung, die mit Twists überrascht, mit neuen Ausgangssituationen konfrontiert und auch die beiden Spin-offs mit einbezieht. Ein brillantes und hervorragend durchdachtes Universum.

Zeichnung

Als alleiniger Zeichner bleibt Dean Ormston seinem Retro-Stil treu. In den Kapiteltrennern kommen auch namhafte Zeichner wie Skottie Young, Fábio Moon, Michael Cho und Lemire himself zum Zug.

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
12345678910

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Comic ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

2 x 10
0 x 9
0 x 8
1 x 7
0 x 6
1 x 5
0 x 4
0 x 3
0 x 2
0 x 1
B:80
V:4
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":1,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":1,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":2}
Marcel Scharrenbroich
Gute Nacht, John-Boy…

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2019

Résumé

Die Erwartungshaltung ist extrem hoch! Bereits der „Black Hammer“-Auftakt „Vergessene Helden“ schlug ein, wie eine Bombe und wurden neben weltweiten Auszeichnungen auch unser „Buch des Jahres 2018“. Die Fortsetzung „Das Ereignis“ hielt das hohe Niveau und die eingeführten Charaktere erlangten noch mehr Tiefe. Auch storytechnisch gab es keine Einbrüche… ganz im Gegenteil. Mit ungeahnten Wendungen wurde die Spannung konstant hoch gehalten und das eigens kreierte Universum um interessante Facetten erweitert. Obwohl erst zwei Bände der Hauptreihe erschienen waren, folgten bereits ebenso viele eigenständige Spin-offs, die sich Figuren widmeten, die bislang nur am Rande in Erscheinung getreten sind.

Hier wurde die Geschichte der unfreiwilligen Farmbewohner - rund um den gealterten Ex-Superhelden Abraham Slam und seinen ehemaligen Mitstreitern, die in einer gigantischen Explosion verschwanden, während sie ihre Stadt Spiral City vor zehn Jahren vor dem Anti-Gott retteten und seither für tot gehalten werden, stattdessen aber auf einer abgelegenen Farm leben, deren unsichtbare Mauern sie nicht durchbrechen können – elegant ausgeblendet und auf Pause gestellt. Lucy Weber, Tochter des legendären Black Hammer, der bei seinem Versuch, die Grenzen des Gefängnisses zu durchbrechen ums Leben kam, war nun ebenfalls eine Gefangene, als sie unvermittelt auch auf der Farm auftauchte und für großes Staunen bei den Helden im vorgezogenen Ruhestand sorgte.

Der erste Ableger „Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels“ befasste sich mit ihrer Suche nach dem namensgebenden Superschurken, nachdem sie vor Jahren von Dr. James Robinson – alias Doctor Star – den Zugang zum Vermächtnis ihres heldenhaften Vaters bekommen hatte… der „Hall of Hammer“. Fest im Glauben, dass Spiral Citys Retter noch irgendwo am leben waren, versuchte Lucy Informationen von den Gegnern ihres Dads zu kommen, was sie akribisch in Angriff nahm.

Besagter James Robinson war dann auch Hauptprotagonist des zweiten Spin-offs „Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung“. Dieses sehr bewegende Werk erklärte, woher Robinson seine Kräfte bekam und wie er seine neugewonnene Macht unbedacht einsetzte. Besessen davon Gutes zu tun, ließ er das Wichtigste aus den Augen. Ein folgenschwerer Fehler, der mir beim Lesen die Kehle zuschnürte und einem Schlag in die Magengrube glich. Unglaublich bewegend und der bisherige emotionale Höhepunkt in Jeff Lemires „Black Hammer“-Universum.

Nun liegt mit „Age of Doom – Buch 1“ endlich die sehnlichst erwartete Fortführung der Hauptgeschichte vor. Und wie eingangs bereits erwähnt, ist die Erwartungshaltung hoch. Bei einer Reihe, die sich bisher keine, aber auch KEINE Schwächen geleistet hat… wie lange kann das noch gutgehen? Wann kommt der Punkt, an dem Lemire die kreativen Ideen ausgehen? Wie lange wird er die Story weiterspinnen, bis sich Längen einschleichen, oder das Gefühl, dass man sich im Kreis dreht und der Autor nicht weiß, wie er die Erwartungen der Leser erfüllen soll? Tja, guten Gewissens kann ich sagen, dass die Besorgnis vollkommen umsonst war und NICHTS davon bei „Age of Doom“ eingetreten ist! Null! Nada! Niente! Nothing! Kurz: Der „Black Hammer“-Zug brettert weiter ungebremst voran…

Ausgeträumt

Während Abraham, Gail und Mark sich fast schon mit ihrer scheinbar ausweglosen Situation arrangiert zu haben scheinen, möchte Lucy Weber sich als jüngstes Mitglied der Zweckgemeinschaft nicht ihrem Schicksal fügen. Als sie den sagenumwobenen Hammer ihres verschollenen Vaters findet, wird sie zur neuen Black Hammer… und tritt ein großes Erbe an. Plötzlich kann sie sich an alles erinnern… an ALLES! Lucy weiß, WIE die Gestrandeten auf die Farm gelangt sind, WO sie sich befinden und vor allem WIE sie von dort entkommen können! In Anwesenheit von Madame Dragonfly und Colonel Weird will sie ihren Leidensgenossen gerade berichten, was sie herausgefunden hat, als sie… plötzlich verschwindet. Von einem Moment auf den anderen löst sie sich in Luft auf, als wäre sie nie dagewesen. Geschockt und völlig ratlos bricht es aus Gail heraus. Gefangen im kindlichen Körper ihres Alter Egos Golden Gail, hat es die Frau fortgeschrittenen Alters besonders satt, ihr Dasein in dem Kuhkaff im Nirgendwo zu fristen. Trost erhält sie von Abraham und Mark – alias Barbalien, dem Krieger vom Mars -, schließlich war man noch nie so nah an einem Ausweg. Noch nie so nah daran, endlich den Weg nach Hause zu finden.

Die verschwundene Lucy Weber wird währenddessen in einem heruntergekommenen Zimmer wach. Sie hat keine Ahnung, wo sie sich befindet und wie sie dort hingekommen ist. Als sie sich die Treppen des maroden Gebäudes heruntertastet, gelangt sie in einen schmierigen Pub, der sich im Erdgeschoss befindet. Hinter der Theke steht ein mysteriöser Kerl, der sich als Lonnie James vorstellt. Dies ist der sogenannte „Anteroom“… ein Versammlungsort für Monster, Ghule, verlorene Seelen und die Verdammten. Dass Lucy nun eine von ihnen sein soll, steht für die frischgebackene Superheldin außer Diskussion. Mit ein wenig Nachdruck ihres neuen Werkzeugs überzeugt sie Lonnie, ihr einen Weg aus der Grusel-Spelunke zu zeigen. Dieser führt Black Hammer allerdings dorthin, wo niemand landen möchte… und zwar direkt in die Hölle!

Zur gleichen Zeit überlegen die Farmbewohner, welche Hinweise Lucy gefunden haben könnte. Mark und Gail machen sich auf, zur Stadtbibliothek des angrenzenden Städtchens Rockwood. Dort wollen sie etwas über die örtliche Geschichte herausfinden, da alle Bücher, die etwas über die Vergangenheit des Ortes verraten könnten, laut Lucy angeblich leer waren.

Abe trifft sich mit seiner Geliebten Tammy, der Kellnerin des Diners, deren Ex, der eifersüchtige Sheriff von Rockwood, wie vom Erdboden verschluckt ist. Zur großen Überraschung beider, taucht dieser jedoch plötzlich wieder auf und scheint seine Einstellung dem Pärchen gegenüber geändert zu haben. Um 180 Grad gedreht, wünscht er ihnen sogar viel Glück in der frischen Beziehung… was so gar nicht zu dessen mürrischen und aufbrausenden Charakter zu passen scheint. Auch Mark beschließt noch mal, alles auf eine Karte zu setzen. Erneut gesteht er dem örtlichen Pfarrer seine Gefühle, da seine Abweisung gewaltig an dem sensiblen Krieger nagt. Völlig unverhofft erwidert der Geistliche Marks Gefühle.

Es scheint sich tatsächlich langsam alles zum Guten zu wenden. Folgt nun der Lohn für die langjährige Gefangenschaft? Gerade jetzt, wo die Chance auf einen Ausweg zum greifen nah scheint? Es wäre fast zu schön, um wahr zu sein… FAST…

Die rote Pille

Werden in „Age of Doom – Buch 1“ Antworten geliefert? JA… und die haben es in sich! Zuallererst wird die Geschichte logisch und konsequent weitergeführt. Wir treten nicht auf der Stelle, sondern bewegen uns weiter nach vorne. Bisher lose Enden werden nicht außer Acht gelassen, aufgegriffen und miteinander verknüpft.

Nehmen die unvorhersehbaren Entwicklungen den Reiz aus der Ursprungs-Story? Absolut NICHT! Der kanadische Erfolgs-Autor Jeff Lemire ruht sich nicht auf seinen (verdienten) Lorbeeren aus und sorgt – für mich unerwartet früh – für einen gewaltigen Twist. Obwohl „unerwartet früh“ nur aus der Sicht der deutschen Leser gelten kann. Immerhin umfasst der vorliegende Band des Splitter Verlags ganze fünf US-Heftausgaben, die dort nur monatlich erscheinen. Nimmt man diese mit den Einzelheften der beiden ersten Hardcover zusammen und rechnet den Handlungs-Zeitraum um, kommt da schon ein ordentliches Sümmchen zusammen und es erscheint nur verständlich, dass aus der mittlerweile zur Komfort-Zone gewordenen Umgebung ausgebrochen werden muss. Dennoch ist der Schritt, mit dem Lemire sein „Black Hammer“-Universum auf den Kopf stellt, mutig. Vielleicht kommt er auch genau zur richtigen Zeit, denn die Geschichte ist trotz aller Wendungen noch lange nicht zu einem befriedigendem Ende erzählt. Vielmehr werden neue Fragen aufgeworfen, die das Warten auf den nächsten Sammelband zur regelrechten Nervenprobe mutieren lassen.

Wir können uns natürlich sehr glücklich schätzen, dass wir die Splitter-Bände in hochwertigen Hardcovern, mit Zusatzmaterial versehen und im größeren Book-Format bekommen… allerdings ergibt sich daraus der Nachteil, dass man unbedingt schnell Nachschub haben möchte, was natürlich nicht in den Händen des Verlages liegt. So hart es auch wird, die „Black Hammer“-lose Zeit zu überbrücken, ich nehme es gerne in Kauf, solange Lemire SO qualitativ abliefert!

Fazit:

Eine rundum gelungene Weiterführung der Golden Age-Hommage, die neue Wege einschlägt, jedoch nicht an Qualität einbüßt. Ebenso wie Autor Jeff Lemire, bleibt auch Zeichner Dean Ormston der Serie und ihrem Geist treu. Sogar ein Easter-Egg, in Form von „Sweet Tooth“ – einer weiteren Comic-Schöpfung von Lemire – findet im „Black Hammer“-Universum Platz, welches immer wieder aufs Neue überrascht UND überzeugt. Da in „Age of Doom – Buch 1“ sogar auf die stilistisch abweichenden Spin-offs eingegangen wird und diese sich trotz unterschiedlicher, künstlerischer Gestaltung nicht wie Fremdkörper im bunten „Hammerverse“ anfühlen, sondern dieses perfekt zu einem großen Ganzen formen, IST und BLEIBT „Black Hammer“ für mich die beste fortlaufende Comic-Reihe auf dem Markt.

Black Hammer - Bd. 3: Age of Doom - Buch 1

Black Hammer - Bd. 3: Age of Doom - Buch 1

Deine Meinung zu »Black Hammer - Bd. 3: Age of Doom - Buch 1«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Comic schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
07.05.2019 15:40:15
DocAphra

Vielen Dank für diese großartige Rezension, der ich in jedem Punkt zustimmen möchte. Dank deiner Kritik zum ersten Black Hammer-Band bin ich tatsächlich erst auf die Reihe aufmerksam geworden und sie ist tatsäclich aktuell neben Gideon Falls (ebenfalls J. Lemire) das BESTE, was dem Medium Comic passieren konnte.

Ich hoffe wirklich, dass die geplante TV-Serie liebevoll mit dem Stoff umgeht und ihn nicht verschandelt...