Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Gemessen an den Vorgängern, ist dieser Band leider nur bedingt zu empfehlen. Potentielle Quereinsteiger sollten sowieso mit Band 1 beginnen… oder lieber zum „Doctor Star“-Spin-off greifen.

Zeichnung

Dank des schroffen Settings durchaus akzeptabel. Die gelungene Kolorierung sorgt für atmosphärische Pluspunkte.

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Marcel Scharrenbroich
Stars in ‘45

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2020

Die letzte Mission

Zur Zeit, in der der Zweite Weltkrieg tobte, waren es nicht nur die Superhelden, die sich dem Feind tapfer entgegenstellten. Ein bunter Trupp aus Normalos sorgte dafür, dass die Nazimaschinerie gehörig ins stottern geriet. Normalos, die allerdings über die beste Ausbildung verfügten. Die sogenannte Black Hammer Squadron wurde überall eingesetzt, wo es brenzlig war… und konnte die deutschen Invasoren mehrfach in ihre Schranken weisen. Anfangs noch ohne großes Medien-Aufsehen, da die Truppe um Sidney „Hammer“ Hawthorne, John Paul „JP“ Desjardins, Li Zhang Yong und George „Grips“ McReady aus allen Teilen der Welt zusammengewürfelt war und die Herkunfts-Frage, die heute erschreckenderweise noch immer eine gewichtige Rolle zu spielen scheint, die damalige Berichterstattung stark beeinflusste. Dies änderte sich aber nach den ersten erfolgreichen Missionen schlagartig und sie wurden als Helden gefeiert.

Während der Krieg sich im Jahr 1945 auf sein baldiges Ende zubewegt, muss die Black Hammer Squadron, die sowohl an Land, im Wasser und in der Luft erprobt ist, zu einer letzten – jedoch nicht unwichtigen – Mission aufbrechen. Ziel ist ein unbenanntes Gefangenenlager in der Nähe von Wien. Dort soll der Wissenschaftler Herman Greenbaum befreit werden, der dort mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn festgehalten wird. Greenbaum arbeitet an interdimensionalen Forschungen, die die Deutschen für ihre Zwecke nutzen wollten. Da die Krauts aber gerade ganz andere Probleme haben und der Wissenschaftler nicht mehr in der obersten Prioritäts-Liga spielt, soll seine Exekution verhindert werden. Natürlich soll dies nicht aus reiner Nächstenliebe erfolgen, denn die Amis brennen darauf, Greenbaums W.E.I.R.D.-Projekt in die Hände zu bekommen. Es ist jedoch noch eine weitere Partei an den Ergebnissen interessiert: Die Russen.

So beginnt ein Wettlauf mit der Zeit… und gegen die Konkurrenz. Während die Amerikaner auf ihre besten Pferde im Stall, die Black Hammer Squadron, setzen, werfen die Russen Aleksandra Nazarova, „Die Rächerin von Stalingrad“, ins Rennen. Diese ist mit ihren überdimensionierten Mechs, die unter dem Namen Einheit 006 bekannt sind, bereits auf dem Weg zum Lager der Deutschen. Ganz ohne Gegenwehr will man Greenbaum selbstverständlich keiner der konkurrierenden Parteien überlassen… und so wird der gefürchtete Oberst Klaus von Löwe auf die drohende Gefahr angesetzt. Auch bekannt als das todbringende Flieger-Ass Ghost Hunter.

Große Vorbilder

Dass Superhelden im Zweiten Weltkrieg agieren ist nicht neu. Auch nicht besonders innovativ. Da hatten wir schon Superman, Captain America, Wonder Woman, Batman… und unzählige Pulp-Charaktere, die Hitler stellvertretend den Arsch bis zum Stehkragen aufgerissen haben. Gerade zur damaligen Zeit, wo Helden-Figuren, zu denen die Leser aufschauen konnten, dringend benötigt wurden, boomte das goldene Zeitalter der Comics. Nach Beendigung des Krieges ebbte das allgemeine Interesse an Identifikationsfiguren ab und nur der harte Kern überlebte. Natürlich erholten sich die Helden von dem Konsumenten-Rückschlag und dank der ausufernden Verfilmungs-Welle dieses noch jungen Jahrtausends wissen wir, dass es für Supes, Bats & Co. Ein Happy End gab. Aber warum springen wir im Jahr 2020 wieder in dieses doch eigentlich schon ausgediente Comic-Setting?

Jeff Lemires „Black Hammer“-Reihe verstand sich von Anfang an als Hommage an das Golden Age. Klassische Charaktere, unverwechselbar an Figuren aus den Häusern MARVEL und DC angelehnt. Scheinbar simple und beliebig austauschbare Reminiszenz-Klone, die allerdings deutlich mehr zu bieten haben, als auf den ersten Blick ersichtlich. Lemire hat sie vor eine ganz besondere Herausforderung gestellt, die als Aufhänger für eine epische Erzählung diente. Während der Hauptstory hat er sich genügend Zeit gelassen, um der Story den nötigen Raum zur Entfaltung zu geben. Hat seinen Figuren interessante Hintergründe verpasst und sie somit weit aus ihrer Eindimensionalität herauskatapultiert. Jeff Lemire ist einfach ein verdammt guter Geschichtenerzähler, der am Rande immer wieder geschickt neue Figuren etabliert, die nicht nur Randnotizen oder Stichwortgeber bleiben. So expandiert die „Black Hammer“-Welt immer weiter… und da ist es auch nicht verwunderlich, dass die Comic-Epoche, die ihn zu seiner Arbeit inspirierte, auch mal zum Hauptschauplatz wird. An räumliche und zeitliche Grenzen hält sich der umfassende Kosmos nämlich überhaupt nicht. Ein Spin-off aus der Steinzeit würde da also ebenfalls nicht für Verwunderung sorgen. (Mr. Lemire, bitte lesen Sie den letzten Satz NICHT.)

Jeff, bist du es…?

Bis auf die mittlerweile vierbändige Hauptreihe, die (bis auf eine kleine Ausnahme in den ersten Kapiteln von Band 4) von Zeichner Dean Ormston umgesetzt wurde, durften sich schon einige Zeichner in den „Black Hammer“-Nebengeschichten austoben. Meist gelang dies durchaus zufriedenstellend, obwohl häufige Zeichner-Wechsel bei Comic-Freunden (nicht zu Unrecht) verpönt sind. Gerade in einer durchgehenden Story sorgen solche Stunts oftmals für Verwirrung. Da Lemires Welt aber derart komplex, umfang- und abwechslungsreich ist, stellte dies bisher nie ein Problem dar. Auch in „Black Hammer ‘45“ durfte wieder mal jemand ran, der bisher noch nicht mit den Figuren in Kontakt kam.

Der in New York geborene Comic-Autor und -Zeichner Matt Kindt, der hierzulande durch „DEPT. H – Unter Druck“ (Hinstorff) dem einen oder anderen Leser ein Begriff sein dürfte, arbeitete schon für die großen Verlage DC, MARVEL, Top Shelf, Dark Horse, Image, Boom! Studios oder Valiant Entertainment und ist somit bei weitem kein unbeschriebenes Blatt im Geschäft. Ob man nun aber Gefallen an seinem groben, eher kantigen Stil findet, steht auf einem anderen Zettel. Für mich funktionierte Kindts Umsetzung einigermaßen gut, auch wenn ich nicht vor Begeisterung im Achteck gesprungen bin. Vielmehr ist der Look dem Setting im Zweiten Weltkrieg angemessen. Er hat etwas Raues Die Bilder erscheinen abgenutzt und dreckig, was sich gut verorten lässt. Hätte ich nicht gewusst, wer hier am Werk war, hätte ich glatt angenommen, dass Lemire persönlich den Stift in die Hand nahm. An dessen Zeichnungen scheiden sich auch immer wieder die Geister, obwohl ich mir in seinem „Unterwasser-Schweißer“ (Hinstorff) nicht ein einziges Panel von einem anderen Künstler vorstellen möchte.

Ein großer Gewinn sind die Farben von Sharlene Kindt, welche durch vornehme Blässe überzeugen. Verwaschene Aquarelle, die sich angenehm zurückhalten. Eine ähnlich dezent-zarte Kolorierung sieht man aktuell häufig bei US-Variants der momentan sehr angesagten Künstlerin Peach Momoko.

Wie bei den „Black Hammer“-Veröffentlichungen des Splitter Verlages üblich, gibt es auch im neusten Spin-off das obligatorische Sketchbook im Anhang. Hier sieht man die Entwicklung von der einfachen Skizze bis zur fertig kolorierten Seite anhand von mehreren Beispielen. Allesamt kommentiert von Zeichner Matt Kindt.

Auf gefährlich dünnem Eis

Mit „Black Hammer ‘45“ liegt der mittlerweile fünfte Spin-off-Band vor, während die Hauptreihe erst auf vier Beiträge kommt. Und leider muss ich aussprechen, was sich schon seit längerer Zeit andeutete: Hier wird langsam zu schnell zu viel gewollt. Vor etwas mehr als zwei Jahren, im März 2018, erschien in Deutschland der erste Sammelband. Ein Volltreffer, keine Frage. Doch langsam stellt sich eine Übersättigung ein. Das Universum wächst und wächst… und die Qualität des Gebotenen beginnt unter dieser Masse zu leiden. „Black Hammer ‘45“ ist kein schlechter Comic, gewiss nicht. Aber ein Must-have ist er auch nicht. Klar, lassen Jeff Lemire und sein Co-Autor Ray Fawkes es sich nicht nehmen, bereits bekannte Charaktere zu involvieren, um das Geschehen im Zweiten Weltkrieg runder und zugänglicher zu machen, doch haut einen dieses jetzt auch nicht vom wackeligen Höckerchen.

Somit ist der neuste Ableger leider eine ganze Ecke von meinem bisherigen Favoriten „Doctor Star und das Reich der verlorenen Hoffnung“ entfernt. Dieses Spin-off hat mich einfach nur umgeblasen und eiskalt auf allen möglichen Ebenen erwischt. Zwar schaufelt die Rahmenhandlung, in die „Black Hammer ‘45“ eingebettet ist, ein wenig die liebgewonnenen Vibes Richtung Leser, jedoch wirkt dies auch mehr gewollt als gekonnt und somit als Mittel zum Zweck.

Fazit:

Komplettisten und Sammler kommen auch an diesem Band nicht vorbei. Allerdings sollte sich Mr. Lemire langsam mal Gedanken machen, wohin die Reise gehen soll. Ein neuer Zyklus der Hauptgeschichte wäre sicherlich die beste Wahl, um die „Black Hammer“-Fans weiter bei der Stange zu halten.

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