Black Hammer: Visions 2
Black Hammer: Visions 2
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Marcel Scharrenbroich
7101

Comic-Couch Rezension vonDez 2022

Story

Kelly Thompson und Cullen Bunn räumen ab. Von Scott Snyders „Horseless Rider“ bin ich dagegen enttäuscht.

Zeichnung

Leonardo Romero steht klar auf dem Siegertreppchen. Insgesamt sehr unterschiedliche Stile, die im Ganzen nur schwer alle Geschmäcker bedienen können.

Weiteres aus dem „Hammerverse“

Wiedersehen mit alten Bekannten

Auch Superhelden brauchen Liebe. Wobei… Skulldiger als Helden zu bezeichnen schon sehr weit aus dem Fenster gelehnt ist. Antiheld träfe eher zu. Sein Gerechtigkeitssinn sitzt zwar am rechten Fleck, moralisch sind seine Methoden doch eher fragwürdig. Als er eines Nachts in einem Museum, in dem eine große Diamanten-Ausstellung gastiert, auf die betörend schöne Diebin Bijou trifft, liegt sofort ein Knistern in der Luft. Die Maskierte entwischt ihm… und mit ihr verlässt ein überaus wertvoller Edelstein das Gebäude. Eine Leihgabe aus der beachtlichen Privatsammlung des Baulöwen Andres Vanger. Es dauert nicht lange, bis sich die Wege der beiden Nachtaktiven erneut kreuzen. Und so langsam beginnt Skulldigger ein Muster zu erkennen. Alle Objekte, in die in jüngster Zeit eingebrochen wurde, haben einen gemeinsamen Nenner: sie stehen alle in Verbindung mit Vanger. So ist Skulldigger, der in seiner täglichen Beschäftigung das Beil in einer Metzgerei schwingt, auch nur semi-überrascht, dass die schöne Bijou - zur Abwechslung mal unmaskiert - plötzlich im Laden steht und eine große Bitte im Gepäck hat. Sie mag nach dem Gesetz zwar eine Verbrecherin sein, hat hinter der kriminellen Fassade aber Gutes im Sinn. Neben den Schmetterlingen im Bauch, rennt sie damit beim wortkargen Antihelden gleich eine weitere Tür ein. Doch der Plan läuft kräftig aus dem Ruder…

Cthulhu ruft! Und das nicht gerade leise. Der Klempner Lou ist der irdische Abgesandte des Vieldimensionalen, was nicht nur Auswirkungen auf die ständigen Stimmen in seinem Kopf hat, sondern auch äußerlich gewisse Veränderungen mit sich brachte. Als Mischung aus Davy Jones und Tintenfisch süß-sauer ignoriert er gepflegt den Ruf vom Oberboss und hängt lieber mit ein paar Bierchen vor der Glotze… falls seine schwangere Gattin nicht dazwischen keift. Das passt Cthulhu gar nicht, bahnt sich doch dank einer mehr als ungewöhnlichen Sternenkonstellation seine langersehnte Rückkehr an. Lou stellt jedoch weiter auf Durchzug… selbst als er eine mahnende Erinnerung von Chefchens Bote - einer sprechenden Ratte - erhält. Dass Cthulhus Ruf aber auch von anderen Menschen vernommen wird, zwingt Cthu-Lou zum Umdenken. Zahlreiche Anhänger steigen hinab in die Kanalisation, um die Ankunft des Großen Alten vorzubereiten. Und so macht Lou, was er am besten kann: schnappt sich das Köfferchen mit seinem Arbeitsgerät, quetscht sich in den nächsten Gulli und stellt sich der Scheiße!

50:50

Skulldigger und Cthu-Lou haben mit ihren Geschichten ganz klar die Nasen vorn (obwohl ich mir nicht sicher bin, ob Cthu-Lou überhaupt eine Nase hat. Und falls ja… WO???). Wie in „Visions 1“ sind aber auch im zweiten und abschließenden Band der Mini-Serie aus dem „Hammerverse“ insgesamt vier Storys enthalten. Die dritte Geschichte führt uns erneut in die Meta-Welt, in die abgelehnte und zu Nebenfiguren degradierte Figuren uns bereits in „Black Hammer - Bd. 4: Age of Doom - Buch 2“ einblicken ließen. Damals hat das Auftauchen von Colonel Weird dort einiges durcheinandergebracht. Nun treffen wir unter anderem auf Ms. Moonbeam, die sich mit ihrem Schicksal in der Welt der Vergessenen nicht abfinden kann und in eine existentielle Krise stürzt. Geschrieben von Cecil Castellucci ist das zwar ganz nett, mehr aber auch nicht. Ein Abturner sind die ungelenken und recht dilettantisch wirkenden Zeichnungen von Melissa Duffy. Für „Black Hammer“-Verhältnisse leider unterdurchschnittlich.

Bei dem Namen Scott Snyder werden eingefleischte Comic-Fans hingegen aufhorchen. Der erfolgreiche „Batman“-Autor (u. a. „Batman: The Black Mirror“, „The Batman Who Laughs“ und „All-Star Batman“) konnte alle großen Comic-Awards abräumen und ist neben „American Vampire“, „Nocterra“ und den aktuellen US-Serien „We Have Demons“ und „Dark Spaces: Wildfire“ auch für „Wytches“ (SPLITTER), einen meiner absoluten Lieblings-Comics, verantwortlich. Und Snyders Story „The Horseless Rider“ bildet nun den Abschluss der „Visions“-Mini-Serie. Leider nicht sein größter Wurf, denn die Geschichte der Figur, die von Zeichner David Rubín schon vor längerer Zeit für das „Sherlock Frankenstein“-Spin-off entwickelt wurde, galoppiert mit ihren beiden parallel erzählten Handlungssträngen weitestgehend unspektakulär vorbei. Eine besondere Tragweite messe ich der Figur nicht zu. Zeichnerisch sehr dunkel und ohne nennenswerte Highlights.

So bleiben die Storys von Kelly Thompson („Captain Marvel and the Carol Corps“, „Hawkeye“, „Jessica Jones“, „Deadpool“, „Black Widow“) und Cullen Bunn („Die sechste Waffe“, „Venom“, „Moon Knight“, „Lobo“) die Speerspitze dieses Bandes. Vor allem Thompsons Skulldigger-Geschichte überzeugt. Das liegt nicht zuletzt an den atmosphärischen Noir-Bildern von Leonardo Romero („Shuri“, „Hawkeye“, „Vampirella/Red Sonja“), die er mit sehr klaren Linien und viel Tusche-Einsatz umgesetzt hat. Die MARVEL- und DC-Anleihen sind mehr als eindeutig, denkt man bei der Skulldigger/Bijou-Kombo doch unweigerlich an die Gut/Böse-Liebeleien von Spider-Man und Black Cat bzw. Batman und Catwoman. Aber dass der „Black Hammer“-Kosmos mit diesen Parallelen nur zu gerne spielt, sollte mittlerweile bekannt sein.

Im Bonusteil gibt es wieder das obligatorische Sketchbook mit zahlreichen Entwürfen. Davor finden sich bereits die Variant-Cover der DARK HORSE-Einzelhefte. Auch hier räumen die Motive zum fünften Heft ab. Annie Wu und Marguerite Sauvage setzen Bijou grandios in Szene.

Fazit:

Zwei sehr gute Storys und zwei weitere, die man lediglich als bemüht bis solide ansehen kann. Dass bestimmte Charaktere nochmals aufgegriffen werden ist zwar nicht verkehrt, da das stetig wachsende „Hammerverse“ so homogener wirkt, jedoch sollte man den Bogen nicht überspannen. Nicht jede Figur benötigt eine Origin-Story für ihre Daseinsberechtigung. Die eine oder andere sollte man vielleicht dabei belassen, was sie ist: eine Nebenfigur ohne zwingend nötige Tiefe.

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