Invincible 3

Erschienen: Juli 2020

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Die wendungsreiche Story öffnet immer mehr Türen und fährt einen soliden Kurs ohne Abnutzungserscheinungen. Der Bonus-Comic ist eine nette Zugabe, mehr aber nicht.

Zeichnung

Bunt und brachial. Die Action ist satt in Szene gesetzt und die ruhigen Momente können ebenfalls überzeugen.

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Marcel Scharrenbroich
Wiedersehen mit Folgen

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mär 2021

>DING! DONG!<

Da staunt Mark Grayson aber nicht schlecht, als auf einmal seine Lieblings-Comicfigur in Echt und Wirklichkeit vor der Haustür steht: Science Dog. Ohne lange zu fackeln, gibt’s erstmal was aufs Maul, denn schließlich KANN der fiktive Superheld nicht existieren und es sich somit nur um eine Falle handeln. Wenn es vermeintliche Superschurken schon zum Haus seiner Familie zieht und Marks Mutter in Gefahr bringen, versteht der Teenager keinen Spaß. Schließlich ist er Invincible und stammt väterlicherseits von viltrumitischem Geblüt ab, was ihm ungeheure Kräfte verleiht. Das Vater-Ding ist eh so eine Sache, die in die Grayson-Familie grätschte, wie ein Kreisliga-Kicker auf Speed… aber dazu kommen wir noch. Jedenfalls geht Invincible direkt auf Konfrontationskurs, lässt sich jedoch nach einer kurzen Keilerei mit Science Dog dazu überreden, sodass dieser sich erklären kann. Natürlich handelt es sich bei dem unangemeldeten Besuch NICHT um Science Dog, sondern um eine clever getarnte Heuschrecken-ähnliche Kreatur von einer fremden Welt, was… die Sache jetzt auch nicht unbedingt besser macht, dafür aber Klarheit schafft.

Der außerirdische Besucher, der eine lange Anfahrt in Kauf nahm, erklärt Mark, dass sein Volk in großer Gefahr schwebt und sich einer kosmischen Bedrohung ungeahnten Ausmaßes konfrontiert sieht. Man habe Mark und sein Superhelden-Alter Ego aus der Ferne ausspioniert und kam wohl zum Schluss, dass Invincible der einzige Erdenbewohner ist, der es mit dieser Bedrohung aufnehmen könnte. Welch Ehre… Invincible, der als Vorzeige-Held das Herz am rechten Fleck trägt, stimmt sofort zu, dem hilfesuchenden Besucher zu helfen. Dabei schlägt er die Warnungen seines Vorgesetzten Cecil in den Wind. Auf eigene Faust und ohne Kontakt zur Erde nimmt Mark den Weg ins Unbekannte in Kauf… auch wenn der Weg zur Heimatwelt des Außerirdischen sechs Tage dauert. Leider schafft er es nicht, seine Mutter zu informieren, da diese - mal wieder - Trost im Alkohol suchte und temporär nicht ansprechbar ist. Auch Amber, seiner Freundin, kann Mark nur die nötigsten Informationen liefern, obwohl sie mittlerweile von seinem Doppelleben weiß. So angetan sie anfangs noch davon war, einen Superhelden zum Freund zu haben, so bewusst wird sie sich, dass ein normales Leben an Invincibles Seite wohl unmöglich erscheint. Doch das dickste Ende kommt noch…

Das dicke Ende

Nein, natürlich nicht das Ende von Robert Kirkmans „Invincible“-Saga und auch lange nicht das Ende des dritten Bandes. Dafür folgt der Paukenschlag, als Mark mit dem Alien endlich in dessen Heimatwelt ankommt. Die angedrohte Bedrohung kosmischen Ausmaßes verpufft nämlich in Luft und entpuppt sich als Vorwand, um Mark auf den entlegenen Planeten zu locken. Dafür verantwortlich: Omni-Man, Marks verschollen geglaubter Vater…

Dieser hat sich scheinbar gegen sein eigenes kriegerisches Volk gewendet und mittlerweile ein neues Leben aufgebaut. Dort laufen die Uhren allerdings anders und Marks Dad hat ein lebensveränderndes Geschenk für ihn, dass große Verantwortung voraussetzt…

Unverhofft kommt oft

Zwei große Konflikte stechen aus dem dritten „Invincible“-Band heraus. Zum einen das Wiedersehen mit Nolan Grayson alias Omni-Man, der seine Familie einst verriet und seine Pläne, die Viltrumiter die Erde übernehmen zu lassen, offenbarte, was zu einem blutigen Kampf zwischen Vater und Sohn führte, und zum anderen Marks Privat- beziehungsweise sein Liebesleben. Hier zeigen sich nämlich die Schattenseiten des Helden-Daseins. Kann die Teenager-Liebe zwischen einer Sterblichen und einem halb-außerirdischen Superhelden, der im Minutentakt die Welt retten muss, bestehen? Und wie sieht es aus, wenn als Sahnehäubchen auf die Krise auch noch Eifersucht hinzukommt? Die kommt nämlich aufs Tableau, als Mark und Amber für einen Kurzurlaub nach Afrika fliegen… auf Einladung seiner Superhelden-Freundin Atom Eve, die sich mittlerweile dort niedergelassen hat.

Somit ist Band 3 wieder randvoll mit Action, Spannung, Konflikten und Drama, was auch in den leisen Tönen überzeugend ins Gerüst passt. Als Bonus gibt es noch den Comic „The Pact“, in dem Invincible Teil einer jungen Helden-Truppe ist. Bestehend aus einer längeren und ein paar Kurz-Storys, griff hier Jason Howard zum Zeichenstift. Anschließend folgt wieder ein von Robert Kirkman textlich begleitetes Sketchbook, in dem es zahlreiche Skizzen zu sehen gibt, bevor der Autor dann noch das Nachwort übernimmt.

Invincible Prime

Ab dem 26. März 2021 geht es rund! Für dieses Datum ist nämlich der Start der animierten „Invincible“-Serie auf AMAZON PRIME vorgesehen. Passend zum 18. Geburtstag der Comic-Serie, die 2003 vom „Walking Dead“-Schöpfer Kirkman in die amerikanischen Händlerregale geballert wurde. Für die erste Staffel sind acht Episoden veranschlagt, die sich inhaltlich an die Comic-Vorlage halten. Somit ist davon auszugehen, dass die Show auf ein erwachsenes Publikum ausgelegt ist, da es auch in der gedruckten Version nicht gerade zimperlich zugeht. Der Trailer lässt dies zumindest schon vermuten. Zum Serien-Auftakt gibt es die ersten drei Folgen gebündelt, während die weiteren in wöchentlichem Abstand abrufbar sein werden.

Für die Original-Vertonung konnte eine hochkarätige Besetzung gewonnen werden. Der Cast besteht aus bekannten Namen wie J. K. Simmons (Sam Raimis „Spider-Man“-Trilogie, „Whiplash“, „The Accountant“) als Omni-Man, Steven Yeun („The Walking Dead“, „Okja“, „Mayhem“) als Invincible, Sandra Oh („Grey’s Anatomy“, „Killing Eve“) als Debbie Grayson, Mark [fucking Luke Skywalker!!!] Hamill („Slipstream“, „Jay & Silent Bob schlagen zurück“) als Art Rosebaum, Gillian Jacobs („Community“, „Love“, „The Box“) als Atom Eve, Walton Goggins („Predators“, „Tomb Raider“, „The Hateful Eight“) als Cecil, die Comic-erfahrene Deutsch-Amerikanerin Zazie Beetz („Deadpool 2“, „Joker“) als Amber, Zachary Quinto („Heroes“, J. J. Abrams‘ „Star Trek“-Reboots, „NOS4A2“) als Robot und „Preacher“-Produzent und „The Boys“-Drehbuchautor Seth Rogen („Fanboys“, „The Green Hornet“, „Bad Neighbors“) als Allen der Alien.

Damit ist aber noch nicht Schluss, denn folgende Stars kommen ebenfalls zu stimmlichen Ehren: Mae Whitman, Sonequa Martin-Green, Lauren Cohan, Michael Cudlitz, Ross Marquand, Michael Dorn, Jon Hamm, Ezra Miller, Clancy Brown, Djimon Hounsou und der zweifache OSCAR-Preisträger Mahershala Ali. Na DAS kann sich doch sehen… besser gesagt HÖREN lassen!

Fazit:

„Invincible“ bleibt auch im dritten Anlauf eine Mega-Serie, die jedem Freund von Superhelden-Comics ans Herz zu legen ist. Standard-Helden-Gekloppe mit x-beliebigen Schurken bleiben die Ausnahme, da der Fokus auf der menschlichen Seite liegt. Im komplizierten Liebes- und Privatleben des Teenagers Mark Grayson ist deutlich mehr los als in ein quietschbuntes Spandex-Outfit passt.

Invincible 3

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