Text:   Zeichner: Luke Pearson

Hilda und Hörnchen (2): Der Eismann erwacht

Hilda und Hörnchen (2): Der Eismann erwacht
Hilda und Hörnchen (2): Der Eismann erwacht
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Kirsten Kohlbrei
9101

Comic-Couch Rezension vonFeb 2026

Story

Hildas Welt sind die Berge. Tolle Kulisse für abenteuerliche Geschichten mit Witz und Tiefgang.

Zeichnung

Facettenreich wie die Charaktere, die sie aufs Papier bringen.

Schnee marsch!

Hilda, ein Mädchen mit blauen Haaren, lebt mit ihrer Mutter und dem Hirschfuchs Hörnchen in einem Haus in den Bergen ihrer nordischen Heimat. Unerschrocken startet die kleine Abenteurerin ihre Erkundungstouren in die wilde Natur direkt vor ihrer Haustür und gerät dabei in die merkwürdigsten Situationen, mitunter ganz und gar nicht ungefährlich. Auch die Mitbewohner ihrer Bergwelt, deren Bekanntschaft Hilda macht, sind alles andere als gewöhnlich, denn Trolle, Riesen und Holzmännchen bevölkern ihre Nachbarschaft. Neben unsympathischen Unholden, gegen die Hilda sich zu Wehr setzen muss, trifft sie jedoch ebenso auf liebenswürdige Geschöpfe wie Burku. Zusammen mit ihren Eltern rastet die kleine Riesin auf dem Weg nach Hause in Hildas Tal und so verbringen die neuen Freundinnen ihre ganze Zeit miteinander.

„Eis“-Hörnchen und der besondere Tag

Vor allem das gemeinsame Versteckspiel macht einen Riesenspaß, wobei Hörnchen natürlich auch immer gefunden werden muss. Als der Aufbruch der Riesenfamilie bevorsteht, soll der Abschiedstag ein ganz besonderer werden. Früh im Jahr wird es am Vorabend schon kühl und das ist, der Legende nach, eindeutig ein Zeichen dafür, dass der Eismann, der unter den Bergen schläft zum Winter erwacht ist und Eis und Schnee mit sich bringen wird. Für Hilda steht fest: „Das wird der beste Tag aller Zeiten.“ Hirschfuchs Hörnchen dagegen ist weniger euphorisch. Auf der Suche nach dem weltbesten Versteck hat er am Tag eine unterirdische Kammer aus Eis entdeckt, dabei neugierig in ein riesiges Horn geblasen und damit scheinbar den Bewohner der eisigen Behausung aufgeweckt. Während Hilda am Abend ganz aufgedreht vor Aufregung nicht einschlafen kann, kommt ihr Hirschfuchs stattdessen vor lauter Sorge, was der muntere, frostige Geselle über Nacht alles anstellen könnte, nur schwer zur Ruhe.

Am nächsten Morgen sieht dann alles ganz anders aus. Es hat gar nicht viel geschneit und aus dem Superklasse-Schneetag, den Hilda sich erträumt hat, wird nichts. Ihre gute Laune ist dahin und kein anderes Spiel mit Burku kann die Enttäuschung mildern.

Da Hildas letzter Tag mit Burku scheinbar nur noch mit Schnee gerettet werden kann und die befürchtete Katastrophe ausgeblieben ist, wagt sich Hörnchen erneut in die Eisgrotte und „Tröööt“ bläst er noch einmal in das eisige Horn. Wer erscheint, ist kein furchterregender Eismann, sondern ein verschlafenes Eisbaby, das noch so müde ist, dass sich in Sachen Schnee weiter nichts tut. Erst als der Hirschfuchs mit dem kleinen Quengel auf dem Rücken einen wilden Ausritt startet, fühlt der sich plötzlich „so...so...wach!“ Und wächst und wächst. Mit dem Riesenbaby kommt Schnee, viel zu viel Schnee und der nun wirklich erwachte Eismann stapft dazu direkt auf das Haus von Hilda und ihrer Mutter zu. „Au weia. Ich werde nie... wieder... in ein seltsames Riesenhorn pusten.“ Da ist sich Hörnchen sicher, aber nun muss mitten im Schneesturm die Rettung her...

Freundlich-schräge Serie für jedes Alter

„Der Eismann erwacht“ ist der zweite Band der Comic-Reihe „Hilda und Hörnchen“ des englischen Autors Luke Pearson. Sie ergänzt, die bisher in sechs Bänden erschienene, erfolgreiche Serie „Hilda“, die ebenfalls von den Erlebnissen der herzgewinnenden Hauptfigur und ihrem Begleiter erzählt, ist jedoch verstärkt aus der Sicht des tierischen Freundes geschrieben. Pearsons Geschichten wenden sich an Kinder ab dem Einschulalter, lesen sich aber als All-Ager par excellence. Ihre rasanten und überraschenden Handlungsverläufe bestechen durch ein ausgewogenes Verhältnis von Geschehnissen voller Spannung und Unheimlichem sowie alltäglicher und humoriger Ereignisse. Sämtliche Figuren sind individuell gestaltet. Besonders die Protagonisten Hilda und Hörnchen erscheinen als feinfühlig ausgearbeitete Charaktere, in denen sich jüngere Leser*innen leicht wiederfinden können. Ihre gegensätzlichen Mentalitäten bieten von Hildas ungestümer Abenteuerlust bis hin zur bedachten Ruhe von Hörnchen ein breites Spektrum an Identifikationsangeboten. Auch Hildas Mutter wird als Person sehr authentisch beschrieben, wenn sie in der Erziehung ihrer Tochter zwischen Freiräume lassen und Grenzen setzen, stets versucht das richtige Maß zu finden. Empathisch spiegelt sie ihrem kleinen Wildfang dessen Empfindungen wider, schenkt Geborgenheit und Unterstützung. Luke Pearson beschreibt typische Situationen und Konflikte im sozialen Miteinander und konfrontiert über seine Akteure auch die Leserschaft mit dadurch ausgelösten Emotionen. Dazu zeigt er Möglichkeiten eines angemessenen Umgangs mit den wahrgenommenen Gefühlen auf.

Als Autor mit sensiblem Sprachgefühl, gelingt es ihm nicht nur in Dialogen und Bemerkungen einen skurill- sympathischen Plot zu entwerfen, sondern auch als Illustrator die Atmosphäre am Schauplatz und die Stimmungen der Figuren einzufangen. Bilder von der quirligen Hilda in Aktion strotzen vor Dynamik, das knuffige Hörnchen tapst zerknirscht durch den Schnee und das Größenverhältnis zur gemeinsamen Freundin Burku wird in witzigen Details aufgegriffen. Kleine liebevolle Gesten machen den behutsamen, rücksichtsvollen Umgang untereinander sicht- und spürbar. Durch Generationen und „Kulturen“ hinweg. Die generell linear angeordneten, extra großen Panels für Leseanfänger werden gerne überraschend durch ganzseitige Bilderfolgen ersetzt, wobei stets auch die Farbwahl harmoniert. Erdige warme Gelb -, Rot - und Braun- Töne des Herbstwaldes werden vom kalten Weiß und Blau des Schneesturms abgelöst.

Fazit:

Luke Pearsons „Hilda und Hörnchen“-Reihe ist ein wahrer Glücksgriff in der Comic-Landschaft. Mit den absolut liebenswerten Charakteren, herzig dargestellt und schlagfertig, die sich in den fantasievollen Geschichten immer zu helfen wissen, sind die Bände garantierte Stimmungs- Aufheller. „Der Eismann erwacht“ macht beim Lesen warm ums Herz und lässt auch das eigene, persönliche „Schnee-Chaos“ schnell dahin schmelzen.

Hilda und Hörnchen (2): Der Eismann erwacht

Luke Pearson, Luke Pearson, Reprodukt

Hilda und Hörnchen (2): Der Eismann erwacht

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