Hilda und der Mitternachtsriese

Erschienen: September 2016

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Bewegend, spannend und einfach sympathisch. Hilda MUSS man einfach mögen. Ein Kinder-Comic für Erwachsene mit ganz, ganz viel Herz und Inhalt.

Zeichnung

Warme Farben, die den kindgerechten Inhalt präsentieren. Stets übersichtlich und ansprechend klassisch dargestellt, mischt sich hier ein moderner Stil mit einer nostalgischen Struktur.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Riesen und andere Kleinigkeiten

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Okt 2018

Psycho-Terror

Ja was ist denn da im gemütlichen Häuschen von Hilda und ihrer Mutter los? Seit Wochen werden sie mit Drohbriefen, die zu abendlicher Stunde vor die Tür gelegt werden, torpediert. DAS stört die harmonische Idylle in der sonst so friedlich erscheinenden Natur natürlich immens. Auch Hilda und ihre Mutter sind zusehends genervt von den mysteriösen Warnungen. Der Inhalt der unerwünschten Post ist dabei gar nicht so leicht zu entziffern, handelt es sich doch um winzige Mini-Schriftstücke, die sich nur mit einer Lupe entziffern lassen. Im Kurzen lässt sich das Geschriebene so zusammenfassen: Die kleine Familie soll das Feld räumen und umziehen.

Da haben die Absender – bei denen es sich um das sogenannte „Verborgene Volk“ handelt – die Rechnung aber ohne Hilda gemacht. Die wütende und selbsternannte Abenteurerin verfasst kurzerhand ein Antwort-Schreiben an das Volk, bemüht sich jedoch, den guten Ton zu wahren. Höflichst bittet sie die unbekannten Querulanten die Drohungen zu unterlassen und deponiert den Brief vor dem Haus. So… das sollte eigentlich reichen. Aber falsch gedacht. Kaum ist wieder Ruhe im Häuschen eingekehrt, erreicht der nächtliche Terror eine neue Stufe.

Kleine Stein-Geschosse durchbrechen die geschlossenen Fenster, was Hilda und die Mutter aufschrecken lässt. Begleitet wird dieser überraschende Angriff von einer neuen Nachricht… diesmal allerdings in mündlicher Form. Kurz: Da nach ausreichenden Warnungen nicht kooperiert wurde, werden jetzt andere Saiten aufgezogen. Das gemütliche Haus soll geräumt werden… und zwar gewaltsam.

Jetzt platzt Hilda aber endgültig der kleine Kragen! Bewaffnet mit einem Besen versucht sie die unliebsamen Eindringlinge, die mit ihren Steinen bereits die Einrichtung demolieren, zu vertreiben. Aufgebracht schlägt das Mädchen um sich. Dies ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die meisten Hiebe gehen ins Leere. Kein Wunder, ist das „Verborgene Volk“ doch für Normal-Sterbliche unsichtbar. Dennoch gelingt es Hilda die Eindringlinge erfolgreich aus dem Haus zu jagen. Mit dem, was dort erblickt, hätte sie allerdings nicht gerechnet und versetzt ihr einen gehörigen Schrecken. Ein turmhoher Riese steht da mitten in der Wildnis und blickt sie direkt an… aus weißen Augen, die aus dem Nachthimmel auf sie herabschauen.

In eine gänzlich neue Welt…

…soll Hilda womöglich bald geworfen werden. Ihre Mutter spielt mit dem Gedanken, in die Stadt zu ziehen. Ein Gedanke, der für das aufgeweckte Mädchen absolut nicht zur Diskussion steht. Das nächtliche Treiben des Zwergen-Volkes verstärkt den Wunsch nach einem Tapetenwechsel in der Mutter allerdings nur noch. Ihre Tochter soll auf eine „normale“ Schule, soll mit „normalen“ Kindern ihres Alters und in einer „normalen“ Umgebung aufwachsen… nicht zwischen Feen, Trollen und radikalen Zwergen. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch im Raum und Hilda soll vorher noch eine ganz andere Welt kennenlernen.

In der gleichen ereignisreichen Nacht, in der das unsichtbare Völkchen in Hildas Heim wütete und sie den wartenden Riesen vor dem Haus sah, offenbart sich einer der Quälgeister nämlich dem Mädchen. Der kleine Besucher gibt sich als Elfling zu erkennen und sitzt direkt in Hildas Ohr, von wo aus der Kurze mit ihr kommuniziert. Er hat auch eine Menge Papierkram im Gepäck. Dieser ist nämlich notwendig, damit Hilda das unsichtbare Elfen-Volk sehen kann. Fix wird alles bürokratische erledigt und der anschließende, morgentliche Blick aus dem Fenster lässt die überraschte Hilda Bauklötze staunen. Wooooooow… das Haus, das ihr Uropa einst baute, steht mitten in einer kleinen Stadt… nein, das ist sogar mehr… eher eine Großstadt… in Miniatur-Format!

Elfling Alfur erklärt Hilda, dass es sich sogar um mehrere Länder handelt, die sich da über das weite Feld erstrecken. Ebenfalls, dass der Premierminister seinem Volk versprochen hat, Hilda und ihre Mutter loszuwerden. Bevor das abenteuerlustige Mädchen diesen aber mit der Situation konfrontieren kann, muss sie erstmal dem Bürgermeister gegenübertreten. Dem Bürgermeister DER Stadt, die für die Zerstörungs-Arie in ihrem Elternhaus verantwortlich ist. Genau der richtige Job für die aufgeweckte Hilda!

Und außerdem ist da ja auch noch der mysteriöse und bedrohliche Riese, der Nacht für Nacht vor dem Haus verharrt…

Für Elflinge und Riesen…

…also besser gesagt, für KLEINE und GROßE Leser… ist Luke Pearsons phantastische „Hilda“-Welt gleichermaßen zu empfehlen. Unbekümmert, sympathisch und vor allem neugierig durchstreift seine kleine Heldin die hervorragend gestaltete Fantasie-Welt. Der chronologisch zweite Band steht seinem Vorgänger „Hilda und der Troll“ in nichts nach und übertrifft ihn sogar noch. Zeichnerisch bleibt der britische Autor und Illustrator Pearson seinem eher simplen Stil treu. Dies ist durchaus positiv gemeint, denn trotz einfacher Illustrationen versprüht jedes der übersichtlichen Panels einen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Eingetaucht in warme Sepia-Farben fühlt man sich als Leser sofort wohl und kann einfach nicht anders, als bis zum Ende mitzufiebern.

Auch in Sachen Story legt Pearson im Vergleich zum Erstling noch einen drauf. Auf eine sehr bewegende Art werden hier Werte vermittelt, die nicht mit dem Holzhammer bzw. der Moralkeule auf den Tisch geknallt werden. Subtil bildet sich der Subtext Stück für Stück heraus. Gesellschaftliche Themen wie bürokratischer Irrsinn, Integration und Ausgrenzung könnten in einem Comic für Kinder vielleicht deplatziert wirken, tun sie aber nicht… NICHT, wenn man sie so geschickt und intelligent verpackt wie Luke Pearson.

Fazit:

Melancholische Momente, rührende Beziehungen, fantasievoller Humor, kreative und ansprechende Optik und behutsam vermittelte Werte. „Hilda und der Mitternachtsriese“ bietet all das und noch viel mehr. Kein Wunder, dass Luke Pearson für sein zweites „Hilda“-Abenteuer für den renommierten „Eisner Award“ nominiert wurde. Zudem wurde sein Werk 2014 mit dem „Max und Moritz-Preis“ als bester Comic für Kinder auf dem „Comic Salon Erlangen“ ausgezeichnet. Macht sich bestimmt gut neben dem „British Comic Award 2012“, den „Hilda“ ebenfalls abgeräumt hat. Und womit? Mit Recht!

Ebenso wie „Hilda und der Troll“ ist „Hilda und der Mitternachtsriese“ sowohl als Hardcover mit Leinenrücken, als auch als günstigere Softcover-Ausgabe mit Spotlack-Veredelung erhältlich. Qualitativ kann auch die Edition für den schmalen Geldbeutel voll überzeugen. Große und kleine Fans der „Hilda“-Netflix-Serie werden also mit beiden Auflagen des Reprodukt Verlages ihren Spaß haben und voll auf ihre Kosten kommen.

Ach ja, bevor ich es vergesse… es gibt im zweiten Band natürlich auch ein Wiedersehen mit meinem neuen Freund, dem Holzmännchen… ein feiner, kleiner Kerl.

Hilda und der Mitternachtsriese

Hilda und der Mitternachtsriese

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