Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Der dritte Band setzt nochmals einen drauf und ist somit in der höchsten Wertungsregion angekommen. Pearson setzt mit dem konsequenten Ortswechsel einen neuen Startpunkt, der vollkommen gelingt und überzeugt.

Zeichnung

Luke Pearson beherrscht nicht nur die idyllische Natur, sondern setzt auch die ungewohnte Stadtkulisse gekonnt in Szene. Anders, aber dennoch vertraut, setzt sich das warme Spiel mit atmosphärischen Farben auch im neuen Setting fort.

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Marcel Scharrenbroich
Alles neu… und doch vertraut.

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Feb 2019

Tapetenwechsel

„Hach, wie schöööön… es hat sich nichts verändert“ dachte ich beim Aufklappen dieses dritten Bandes. Ein neuer Tag bricht an in der malerischen und unberührten Natur, in der das gemütliche Holzhäuschen, welches Hilda mit ihrer Mutter bewohnt, immer noch einsam steht. Die Kleine rennt voller Vorfreude die knarzende Treppe hinunter, stopft sich quasi beiläufig das Frühstück in den Mund, bevor die Sachen gepackt werden. Raus ins Freie soll es gehen. Eine kleine Entdeckungstour an der frischen Luft, um nach neuen Pflanzen Ausschau zu halten. Und was hüpfte mein Herz, als Hilda anmerkte, dass sie auch dem kleinen Holzmännchen einen Besuch abstatten wolle. Jenem wortkargen, holzigen Gesellen, der schon in „Hilda und der Troll“ immer ungefragt die Behausung des Mädchens aufsuchte, um es sich vor dem knisternden Kamin gemütlich zu machen. Wohlwollend nickend hörte ich mich sagen „Ja… den einsamen, kleinen Burschen kann sie gerne mal besuchen“ und freute mich auf den Abstecher. Der kleine Holzkopp hat nämlich ein richtig stylishes Eigenheim, bekommt aber nur selten Besuch… weshalb er quasi bei Fremden einsteigt, um deren Gesellschaft zu genießen. Na ja… wohl eher ein fragwürdiges Hobby, aber immerhin bringt der Gute direkt sein eigenes Brennholz mit… was ja auch ganz nett ist. Der Gedanke zählt.

Doch direkt nach der zweiten Seite erledigte sich die Stippvisite beim Holzmännchen von ganz alleine. Wir springen ein Jahr in die Zukunft und sehen, dass sich das bewahrheitet hat, was sich schon in „Hilda und der Mitternachtsriese“ ankündigte. Hilda und ihre Mutter sind umgezogen. Die schöne Landschaft mit all ihren Bergen und Fjorden musste der Stadtkulisse von Trolberg weichen. Der trostlose Blick aus dem Fenster, welcher auf graue und unwirtliche Häuserfassaden fällt und der ebenso trostlose Blick in die Augen von Hilda zeigen nur zu deutlich, dass das Mädchen sich hier nicht heimisch fühlt. Drei Tage ist der Umzug erst her, doch Hilda wünscht sich bereits jetzt nichts sehnlicher, als in ihre alte Heimat zurückzukehren. Trotz der negativen ersten Eindrücke sind Entdeckungstrieb und Neugier des Energiebündels ungebrochen. Ihre besorgte Mutter macht Hilda jedoch einen Strich durch die Rechnung. Sie ist besorgt, dass Hilda sich in der neuen Umgebung verlaufen könnte und wer weiß, welche Gefahren sonst noch in der Großstadt lauern? Eine Sorge, die für das Mädchen gänzlich unverständlich ist… da hat sie sich schon mit ganz anderen Problemen herumgeschlagen. Trollen, Riesen… und so weiter.

Als Kinder aus Hildas Schulklasse klingeln und das Mädchen zum gemeinsamen Spielen einladen, lässt sich die Mutter aber doch erweichen. Unter der Voraussetzung früh genug wieder zuhause zu sein, da man am Abend noch gemeinsam die Parade in der Innenstadt besuchen möchte, macht Hilda sich mit ihren neuen Freunden auf den Weg, um die Nachbarschaft kennenzulernen. Außerdem ist sie gespannt, wie die Kinder sich hier so die Zeit vertreiben. Außer kindischen Streichen und gelangweiltem Herumsitzen haben die Stadtkinder aber nicht viel zu bieten. Eine Mischung aus beidem sorgt dann wohl auch dafür, dass man Steine auf Vögel wirft, die friedlich in einem Baum sitzen. Es kommt, wie es kommen muss… Ein geworfener Stein verletzt einen Vogel, der daraufhin auf den schneebedeckten Boden fällt. Aus Angst erwischt zu werden, suchen die Kinder das Weite… doch nicht Hilda. Das hilfsbereite Mädchen hat das Herz am rechten Fleck und nimmt sich des ausgeknockten Flattermanns an.

Kaum wieder aufgepäppelt bemerkt Hilda, dass der neue gefiederte Freund sprechen kann! Dumm nur, dass er durch den Aufprall sein kleines Gedächtnis verloren hat und sich nicht mal daran erinnern kann, wie man fliegt. Da stehen sie nun, Hilda und ihr neuer Begleiter… hilf- und planlos in der großen Stadt. Ohne die geringste Ahnung, wie sie wieder nach Hause findet und dem Piepmatz helfen könnte, um sein Gedächtnis wieder anzukurbeln. Doch Hilda wäre nicht Hilda, wenn sie diese Probleme nicht meistern könnte… oder?

Hilda III.

Die quirlige Abenteurerin mit dem knallblauen Haupthaar schafft es auch im dritten Anlauf spielend, die (wohl hauptsächlich junge) Leserschaft zu begeistern. Jedoch sollte man sich auch im fortgeschrittenen Alter nicht davon abhalten lassen, beherzt zuzugreifen, falls der Titel das Interesse weckt. Nur Mut… denn trotz kindlicher Verspieltheit können auch Erwachsene eine Menge aus Luke Pearsons „Hilda“-Abenteuern mitnehmen. Ich selber Nulle bald zu vierten Mal und hatte bereits mehrere unbeschwerte und vergnügliche Stunden mit der kleinen Entdeckerin. So auch beim chronologisch dritten Abenteuer, welches seine Hauptakteurin in ein gänzlich neues Umfeld wirft. Selbst in der grauen Stadt behält die Geschichte ihren natürlichen und warmherzigen Charme, auch wenn die farbenfrohe Natur zweckgemäß weiche musste.

Luke Pearson schafft es scheinbar mühelos, dass man sich als Leser sofort wieder heimisch fühlt. Ähnlich wie Hilda müssen wir uns als Außenstehende erstmal mit der neuen Situation arrangieren, sind aber schneller in einem neuen Abenteuer versunken, als wir Zeit haben, uns über Hildas neue Lebensumstände Gedanken zu machen. Pearsons warme Farben schaffen es dann auch, dass wir in der eigentlich kahlen und grauen Stadt plötzlich heimelige Farbkonstellationen bestaunen dürfen, die wir so nicht erwartet hätten. So funktioniert es, dass wir uns während der Geschichte „einleben“ und an die gegebene Situation gewöhnen.

Mutig, mutig…

DAS muss man dem Autor und Zeichner der „Hilda“-Reihe echt lassen. Eine etablierte Serie, die die Abenteuer eines kleinen Mädchens in der freien Natur in den Vordergrund stellt und diese dazu noch wunderschön bebildert hat, plötzlich aus dieser fantasievollen Umgebung, mit all ihren Fabelwesen und kauzigen Charakteren, zu ziehen und in ein komplett gegensätzliches Setting zu schleudern – quasi von einem Panel zum nächsten – ist wahrlich ein mutiger und riskanter Schritt. Ein Schritt, der nach hinten hätte losgehen KÖNNEN, es aber erfreulicherweise nicht tut, da dieser nur konsequent ist. Der Tapetenwechsel dient der Geschichte von Hilda und bereichert sie ungemein!

Nicht selten wechseln Familien den Wohnort und werden Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen. Das „Neue“ kann einschüchternd und beängstigend sein. Man kennt seine neue Heimat noch nicht, kennt keine gleichaltrigen Kinder, ist das „neue“ Kind in der Schule… fängt praktisch bei Null an. Luke Pearson greift all dies behutsam auf und zeigt, dass man dem Neuen aufgeschlossen gegenübertreten sollte. Neugierig konfrontiert er seine kleine Heldin mit diesen ihr neuen Umständen, was gleichzeitig ermutigend auf Kinder in ähnlichen Situationen wirken kann. Nicht nur auf Kinder… denn ein unschuldiger, unvoreingenommener und offenherziger Blick auf ungewohnte Bedingungen könnte uns allen ganz gut tun.

Fazit:

Mit „Hilda“ hat der Reprodukt Verlag eine wirklich hervorragende Reihe im Programm, die ich durch die Bank weg allen Altersklassen ans Herz legen kann. Ähnlich schöne Werke muss man auf dem Markt lange, lange suchen… falls man sie überhaupt findet. Das hochwertige Hardcover mit Leinenrücken fällt durch den partiellen Spotlack auf der Front auch sofort ins Auge und man möchte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Für den schmaleren Geldbeutel ist „Hilda und die Vogelparade“ ab sofort auch im günstigeren Softcover-Format erhältlich. Ebenso, wie die ersten zwei Bände. Aber ganz egal, für welche Variante man sich entscheidet… der Inhalt ist bei beiden Editionen Gold wert!

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