Erfolg durch Scheitern
Park of the Dragon
Vor Jahren gründeten die Gremillet-Schwestern Sarah, Kassiopeia und Lucille im örtlichen Park ihren geheimen Club. Den „Club der drei Schwestern“. Sie schworen sich, auf ewig zusammenzuhalten, während gemeinsamer Abenteuer durch Dick und Dünn zu gehen und dass kein Blatt zwischen ihre Verbundenheit passen würde. Trotz mancher Widrigkeit, meist hervorgerufen durch altersbedingte Neuausrichtungen oder der Entfaltung der individuellen Identität, hat dieser Schwur bis zum heutigen Tag gehalten. Blut ist halt dicker als Wasser, bla, bla, bla… Jedenfalls hat dieser ganz bestimmte Ort im Park eine enorme Bedeutung für die drei Geschwister. Umso größer ist der Schock, als die goldene Drachenstatue, das Herzstück des beliebten Parks, vor dem sie ihren Club gründeten, plötzlich nicht mehr an Ort und Stelle ist. Vor ihnen steht nur noch der leere Sockel… und von ihrem Schutzpatron fehlt jegliche Spur. Wenn DAS kein Fall ist, was dann?
Obwohl die Suche nach Antworten eigentlich oberste Priorität hat, müssen die Schwestern sich nebenbei noch ihren ganz eigenen Aufgaben stellen: Sarah ist mit ihrem Hockeyteam mitten in einer Meisterschaft und die Chancen stehen gut, dass das ehrgeizige Mädchen mit ihrer Mannschaft ins Finale einzieht. Lucille, das Nesthäkchen der Gremillet-Familie, hat ihre Tierliebe ins Tierheim gezogen, wo sie sich als Freiwillige Tag für Tag mit neuen Vierbeinern anfreundet. Ein kleiner Kerl hat es ihr besonders angetan. Ein scheuer Welpe, den sie Inu nennt, taut in ihrer Anwesenheit sofort auf. Für Lucille ein eindeutiges Zeichen, dass sie füreinander gemacht sind. Nur muss Mama Magda davon noch überzeugt werden. Kassiopeia verbringt ihre Freizeit hingegen in einer kleinen familiengeführten Buchhandlung. Dort nimmt sie an Leserunden teil und wird von der Besitzerin sogar dazu inspiriert, mit einer eigenen Geschichte an einem Schreibwettbewerb teilzunehmen. Gesagt, getan.
Kassiopeia nutzt den Fall des verschwundenen Drachens, um sich und ihre Schwestern in eine abenteuerliche Fantasy-Geschichte zu katapultieren. Eine klassische Heldenreise voller Gefahren, die sie – wie sollte es anders sein – auf die Suche nach einem riesigen goldenen Drachen verschlägt. Fantasie und Realität legen den Schwestern jedoch viele Steine in den Weg.
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen…
Der mittlerweile siebte Band der Reihe hat sich sofort aufs Treppchen meiner Lieblingsalben aus dem „Club der drei Schwestern“ katapultiert. Die farbenfrohen Zeichnungen von Alessandro Barbucci sind selbstverständlich wieder auf Top-Niveau. Die Abschweifungen in Fantasy-Gefilde nutzt Barbucci sichtlich gerne, um nochmals eine Schippe draufzulegen. Vielmehr ist es hier aber die Story, die mich richtig gecatcht hat. Es läuft nämlich mal NICHT alles am Schnürchen. Und das ist eine Botschaft, die es in Comics bzw. Geschichten für eine jüngere Zielgruppe nicht im Übermaß gibt. Ich lasse jetzt keine Katze aus dem Sack, wenn ich sage, dass es trotzdem ein Happy End gibt, aber der fröhliche Moment führt nur übers vorherige Scheitern. Die Schwestern müssen – jede für sich – lernen, dass sie auch mal mit Verlusten und Enttäuschungen umgehen müssen. Dass es wichtig ist, danach nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Und dass aus Niederlagen auch Chancen entstehen können, die den Charakter formen und somit viel Größeres hervorbringen können. All dies hat Autor Giovanni di Gregorio auf 72 Seiten so wunderbar verspielt und herzlich verpackt, dass ich selbst das etwas übertriebene Heile-Welt-Ende gerne verzeihe. Man sollte Illusionen der jüngsten Leserschaft ja nicht zu früh zerstören, denn in der Realität folgt nach einem Scheitern ja nicht automatisch das nächste Hoch. Umso wichtiger, dass überhaupt erstmal eine gewisse Akzeptanz für Niederschläge entsteht.
Fazit:
Im aktuellsten Band vom „Club der drei Schwestern“ zeigen Giovanni di Gregorio und Alessandro Barbucci, dass in der Reihe noch immer enorm viel Potential steckt. Eine wunderschöne Geschichte, die die Eigenheiten der drei Schwestern feinfühlig in den Vordergrund rückt und mit verspielten Fantasy-Elementen in Einklang bringt.

Giovanni Di Gregorio, Alessandro Barbucci, toonfish








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