Schnitzeljagd im goldenen Käfig
Luxusprobleme
Knatsch im Hause Gremillet. Besser gesagt zwischen Sarah und ihrer Mutter Magda. Es wurde nämlich über den Kopf der ältesten Tochter entschieden, dass man das Wochenende auf einer malerischen Insel verbringt, auf der Magdas gute Freundin Virginia ihrem Partner das Ja-Wort geben will. Die traumhafte Villa dient dabei als optimale Kulisse. Während Magda alle Hände voll zu tun hat, ihre hypernervöse Freundin zu unterstützen, die voller Perfektionismus durch jeden Aspekt der Vorbereitungen rotiert, sind sich Sarah und ihre Schwestern Kassiopeia und Lucille weitestgehend selbst überlassen. Nicht das größte Problem, denn die Zeit können die drei sich eigentlich sehr gut allein vertreiben. Nur schmollt Sarah noch immer, weshalb sie missmutig allein die Insel erkundet.
Als Sarah auf Virginias Tochter Aurelie trifft, sind die beiden in etwa gleichaltrigen Mädchen schnell auf einer Wellenlänge. Aurelie befindet sich ebenfalls in einer rebellischen Phase und möchte aus ihrem goldenen Käfig am liebsten ausbrechen. Sie nimmt ihrer Mutter die Hochzeit übel, da diese ausgerechnet in der Woche stattfindet, in der die Teenagerin Geburtstag hat. Absicht? In Aurelies Augen schon, zeigt es doch nur zu deutlich, wie sehr ihr ihre Tochter am Herzen liegt. Hach… Erwachsene haben einfach kein Feingefühl. Immer muss alles und jeder nach ihrer Pfeife tanzen. Gedanken, die Sarah so sofort unterschreiben würde.
Bei ihrer Erkundungstour steigen Aurelie und Sarah dann heimlich in die Kunstgalerie des Hauses ein, machen dort aber eine Entdeckung, mit der sie nicht gerechnet hätten. Von einem leeren Bilderrahmen führen merkwürdig farbige Fußspuren weg. Am Rahmen versteckt finden sie ein übergroßes Puzzleteil, welches auf der Vorderseite den Teil einer Uhr zu zeigen scheint. Mysteriöser ist aber die Rückseite, auf der ein verschachtelter Spruch steht, der ziemlich genau die Gedanken der Mädchen widerspiegelt. Seeehr rätselhaft…
Zeitgleich stößt Kassiopeia, die sich angeboten hat, eine tränenreiche Hochzeitsrede zu verfassen, in der Bibliothek der Villa auf ein ähnliches Puzzlestück. Das wäre der ideale Fall für den Club der drei Schwestern, wenn sich nicht gerade ein Keil zwischen die traute Dreisamkeit geschoben hätte. Dass das Rätsel gelöst werden soll, steht außer Frage, doch dieses Mal wird in ungewohnter Konstellation ermittelt. Sarah, die glaubt, eine neue Schwester im Geiste gefunden zu haben, tut sich mit Aurelie zusammen, während das Schwestern-Duo Kassiopeia und Lucille gemeinsam auf die Jagd nach Antworten geht. Mögen die Besseren gewinnen…
Lass die Sonne in dein Herz
Nachdem das letzte Abenteuer der Gremillet-Schwestern zur Weihnachtszeit spielte, stehen nun alle Zeichen auf Sommer. Passend zur Jahreszeit, kommt auf der idyllischen Insel reichlich Urlaubsflair auf. Natürlich spiegelt sich das auch in den wie immer wundervollen Zeichnungen von Alessandro Barbucci wider. Traumhaft koloriert, leuchten die Farben, dass es einen gleich nach Sonne und Strand dürstet. Selbst dann, wenn die Handlung kurzzeitig mal in Innenräumen spielt, strahlt die Sommersonne atmosphärisch herein und erleuchtet die Panels.
Die Story selbst fährt schon sehr hart auf dem Heile-Welt-Dampfer und nicht selten dachte ich „Eure Probleme hätte ich mal gerne…“. Wenn ich dies aber einem Comic verzeihe, dann ist es „Der Club der drei Schwestern“, denn immerhin handelt es sich um einen Comic, der vorrangig für Kinder gedacht ist. Da ich – zumindest laut Personalausweis – als Erwachsener durchgehe, bin ich manchen Punkten vielleicht zu kritisch und habe öfter mit den Augen gerollt als ich zugeben möchte, aber die Ängste und Nöte der Teenagerzeit sollten nicht unterschätzt werden. Wir waren alle mal in einem Alter, in dem wir unsere Problemchen für weltbewegend hielten. Und in diesem Moment waren sie es auch. Auch wenn die Gremillets und ihr Umfeld bestimmt nicht die Mitte unserer Gesellschaft widerspiegeln, sind die behandelten Themen durchaus universell.
Fazit:
Wo die junge Leserschaft sich womöglich emotional wiederfindet und verstanden fühlt, können erwachsene Leserinnen und Leser noch mal daran erinnert werden, wie es früher war, und in die aktuelle Gedankenwelt von Kindern und Teenagern eintauchen. Abgesehen von der Gefühls-Ebene bietet die Geschichte aber auch noch eine launige Schnitzeljagd, die ganz dem Charme der bisherigen Abenteuer des „Clubs der drei Schwestern“ entspricht.

Giovanni Di Gregorio, Alessandro Barbucci, toonfish








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