Text:   Zeichner: Reinhard Kleist

Lucky Luke - Hommage 8: Die Grimm Brothers

Lucky Luke - Hommage 8: Die Grimm Brothers
Lucky Luke - Hommage 8: Die Grimm Brothers
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Carsten Jaehner
9101

Comic-Couch Rezension vonJun 2026

Story

Die Brüder Grimm in Amerika lassen zwei unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen, was für viel Witz und Missverständnisse sorgt.

Zeichnung

Die Zeichnungen sind im gewohnten Stil des Autors, bilden aber eine gelungene Mischung mit den Originalen und passen zur Geschichte.

Zwei Kulturen prallen aufeinander

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm befinden sich auf Lesereise in den Vereinigten Staaten von Amerika! Sie wollen ihre Sammlung von Märchen bewerben und Bücher verkaufen, und da sie sich als Deutsche in Amerika überhaupt nicht auskennen und Lucky Lukde zufällig vorbeikommt, fragen sie ihn, ob er sie begleiten würde. Luke nimmt an, doch bald stellt sich heraus, dass die Amerikaner mit den Märchen aus Deutschland nichts anfangen können. Doch Luke weiß, was den Märchen fehlt: Cowboys.

So beschließen die Brüder, ihre Märchen um solche aus Amerika zu erweitern und suchen fortan nach entsprechenden Erzählungen. Da sie ja Märchen nicht selbst erfinden, sondern nur Märchen von anderen aufschreiben, benötigen sie jemanden, der ihnen Geschichten erzählt. Die sicherste Quelle für erfundene Geschichten ist Ma Dalton, die den Brüdern Geschichten über ihre vier eigenen Jungs erzählt und somit schnell die Herzen der Brüder Grimm und deren Leserschaft erobert. Doch tischt Ma Dalton den Grimm-Brüdern die Märchen von ihren vier guten Jungs auf, was die Daltons zur Weißglut treibt, denn ihr hart erarbeiteter Ruf als grausame Banditen gerät ins Wanken. So entführen sie die Grimm-Brüder, und bald schon stehen noch weitere Gauner bei den Daltons Schlange, um sich ein neues Image verpassen zu lassen…

Märchenland Wilder Westen

Im bereits achten Band der lose erscheinenden „Lucky Luke Hommage“-Reihe lassen die deutschen Autoren Flix (Text) und Reinhard Kleist (Zeichnungen) die berühmten Brüder Grimm in den Wilden Westen reisen, die dort zu einer Lesereise eingeladen wurden. Diese Reise hat in Wirklichkeit nie stattgefunden, die Brüder Grimm waren zeitlebens nie in Amerika. Aber die Geschichte wirkt daher umso mehr, als dass jeder ihre Märchen kennt, sich nur keiner für sie zu interessieren scheint.

Die Geschichte, die sich Autor Flix erdacht hat, ist originell und zeigt mit der Literatur einen weiteren Aspekt des Wilden Westens, der bislang nicht so beleuchtet wurde. Mit den Brüdern Grimm kommen zwei Deutsche nach Amerika, die schnell feststellen, dass sich ihre Märchen, mit denen sie gerade Europa erobern, in Amerika nicht verkaufen und erzählen lassen. Gerne heben sie sich auch von Hans Christian Andersen ab (ein kleiner Running Gag), der selbst Märchen schreibt, sie aber erfinden nicht, sondern erzählen weiter. Und so brauchen sie auch einen geeigneten Erzähler, und die Suche nach diesem gerät, wie so oft in diesem Setting, zunächst von einer Katastrophe in die nächste.

Es geht nach hinten los

Es bedarf eines erfahrenen Profis in Sachen Wilder Westen wie Lucky Luke, der schließlich die richtige Idee hat: Ma Dalton soll ihnen Geschichten erzählen, und diese erklärt sich nur zu gern bereit, den beiden Deutschen Märchen über ihre vier grundanständigen Jungs aufzutischen. Die Brüder Grimm, immer typisch Deutsch mit ihrem Wunsch nach Ordnung und einem vernünftigen Abendbrot, lassen sich nur zu gern darauf ein, haben sie doch nun endlich die Gelegenheit, in ihrem Ansinnen vorwärts zu kommen.

Natürlich strotzt dieser Band wie viele andere auch vor gewissen Stereotypen und Klischees, diese machen ja oft den Reiz und den Witz der Comics aus. Und auch wenn die Häuptlingsfrau der Indianer „Gestiefelte Katze“ meint: „Es ist nicht lustig, sich über Stereotype lustig zu machen“, so ist es genau das, was in diesem Band immer wieder auftaucht. Immer wieder tauchen einzelne Elemente aus den bekannten Märchen auf, so aus Hans im Glück, Rumpelstilzchen, Rotkäppchen und viele mehr. Dass aus den deutschen Salons die Saloons werden, ist noch ein weiterer hübscher Effekt.

Viele Anspielungen

Neben den Anspielungen auf die Märchen gibt es auch noch weitere Anspielungen auf die heutige Zeit, wie den Kutschenverleih „Rent-a-Carriage“ oder den Laden „Alleskauf J. Bezos“. Diese machen eine originelle Geschichte komplett. Die Zeichnungen von Reinhard Kleist haben seine deutliche Handschrift, sein Zeichenstil ist immer zu erkennen, trifft aber auch die bekannten Figuren, so dass der Hommage-Charakter der Geschichte voll getroffen ist. Die Texte von Flix haben auch Witz und Anspielungen, sind aber zum Teil sehr klein in den Sprechblasen untergebracht, was das Lesen bisweilen etwas anstrengend macht.

Und auch wenn den Brüdern am Ende entgegen ihrem eigentlichen Ansinnen eine eigene Geschichte über einen Viehhirten einfällt, der einsam, aber nicht allein war, so fällen sie doch ein beruhigendes Fazit ihrer Begegnung mit Lucky Luke: „Und da er nicht gestorben ist, lebt er noch heute.“

Fazit:

Die achte Hommage an Lucky Luke hat mit den Brüdern Grimm prominente Gäste in den Wilden Westen gelockt und lässt zwei völlig verschiedene Kulturen aufeinanderprallen, was immer Stoff für originelle und witzige Geschichten bietet. Es tauchen auch viele alte Bekannte auf, die den Band schön in die Hommage-Reihe einpassen lässt. Originell und gelungen.

Lucky Luke - Hommage 8: Die Grimm Brothers

Flix, Reinhard Kleist, Egmont

Lucky Luke - Hommage 8: Die Grimm Brothers

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