Text:   Zeichner: Frauke Berger

Das Schiff der verlorenen Kinder - IV. Das Ende der Welt

Das Schiff der verlorenen Kinder - IV. Das Ende der Welt
Das Schiff der verlorenen Kinder - IV. Das Ende der Welt
Wertung wird geladen
Marcel Scharrenbroich
9101

Comic-Couch Rezension vonOkt 2025

Story

Das Finale hält einige Überraschungen parat und zieht in Sachen Tempo ordentlich an.

Zeichnung

Ein toller Zeichenstil mit perfekter Farbwahl. Schön und grotesk zugleich.

Eine letzte Reise?

„Das Ende der Welt“

Welch apokalyptischer Titel, um die phantastische Reise mit diesem vierten Band zu beenden. Doch es geht nicht wirklich um das Ende unseres Planeten, welcher uns früher oder später sowieso um die Ohren fliegen wird, aber noch nicht jetzt… vielmehr geht es AN das Ende der Welt. Was es da zu sehen gibt? Man weiß es nicht. Bis an den Rand fahren, hintenüberkippen, das war‘s? Höchstwahrscheinlich nicht. Man möchte es aber auch gar nicht so genau wissen, denn den Kurs haben die grausigsten Kreaturen gesetzt, die man sich nur vorstellen kann. Das Schiff „Seelenfänger“ ist selbst nach der erfolgreichen Zerstörung des Nachtturms noch auf dem finsteren Nachtmeer unterwegs. Mit voller Fahrt ins drohende Verderben.

An Bord befinden sich neben den Brüdern Felix und Leo und den Mädchen Chrissy und Asra noch zahlreiche weitere Kinder, die der Rückseite der Wirklichkeit nur zu gerne entkommen würden. Dafür müssen sie aber entweder die mächtigen Weltenschlüssel finden, um in ihre Welt zurückzukehren, oder aber den Kapitän der „Seelenfänger“ ausfindig machen, welcher noch irgendwo im Bauch des riesigen Kahns seinem Schicksal erliegt. Ersteres gleicht einem Lottospiel, denn wo anfangen mit der Suche? Vor allem, weil die Zeit rennt. Also machen die Kinder sich auf, den ehemaligen Schiffsführer zu finden. Stets in Gefahr laufend, von den patrouillierenden Monstern entdeckt zu werden. Es sei verraten, dass sie fündig werden… aber was sie finden, wird ihnen nicht gefallen.

Auf Hochtouren

Das Finale zieht noch mal kräftig an. Autor Boris Koch dreht dabei gekonnt an der Spannungsschraube und schafft es, seine Leser nicht nur gut zu unterhalten, sondern auch zu überraschen. „Das Schiff der verlorenen Kinder“ wird zwar abgeschlossen, aber nur weil ein Kapitel beendet ist, heißt es nicht, dass die gesamte Geschichte vorüber sein muss. Das macht Koch auch in seinem Nachwort klar, nachdem er einen – in meinen Augen – nicht befriedigenderen Schluss hätte finden können, und mit der letzten Seite sogar noch eine weitere Tür aufstößt. Ein interessantes Gedankenspiel über das, was Freiheit wirklich bedeutet… und wo man sie finden kann. Über Monster und ihre Herkunft. Und über Möglichkeiten, unendlich viele Möglichkeiten, sollte man die erlangte Freiheit erstmal sinnvoll auskosten können.

Über Frauke Bergers markanten Stil habe ich im Laufe der Reihe wohl schon alles gesagt. Auch im abschließenden Band sind wir zwischen bedrohlicher Tiefe und klaustrophobischer Enge immer nah an den Hauptfiguren. Natürlich wird den grotesken Monstern, die in ihrer vollen Bedrohlichkeit durch die Gänge des Schiffes wabern, wieder viel Platz eingeräumt. Das sorgt für einige Highlight-Momente, die Berger (auf bizarre Weise) sehr schön eingefangen hat. Die Farbpalette – zwischen warm-rostigen und blau-wässrigen Tönen – ist erneut perfekt ausbalanciert. In Kombination mit Frauke Bergers ganz speziellen, oft nur angedeuteten oder kurz unterbrochenen Strichführung, ein Stil mit sehr hohem Wiedererkennungswert.

Medium wechsel dich

Da ein Comic in seiner Sprache immer reduziert rüberkommt, sollte man sich nicht in einer Endlos-Serie befinden, muss man als Autor natürlich sehr gut abwägen, was man seinen Lesern wie und in welchem Umfang vermittelt. So ging Boris Koch schon beim Schreiben an diese Story heran. Wer nun tiefer in diese albtraumhaft-phantastische Welt eintauchen möchte und sich nicht scheut, die passenden Bilder dazu mit seiner eigenen Fantasie zum Leben zu erwecken, wird sich vielleicht freuen, dass „Das Schiff der verlorenen Kinder“ ab dem 29.10.2025 auch als Roman erhältlich ist. Der HEYNE Verlag veröffentlich das 544 Seiten starke Werk für all jene, die sich entweder erneut oder zum ersten Mal auf die dunkle Rückseite der Wirklichkeit wagen wollen, und die „Seelenfänger“ mit Felix, Leo und ihren Wegbegleitern Schritt für Schritt erkunden möchten.

Fazit:

Das Finale bietet atemlose Spannung, hohes Tempo und ein grandios in Szene gesetztes Finale, welches ich so zwar nicht erwartet habe, anders aber nun nicht hätte haben wollen. Interessant, denn meine Erwartungen wurden nicht übertroffen, dafür wurde mir aber eine Möglichkeit eröffnet, die ich vorher gar nicht in Betracht gezogen hätte. Und das noch vollkommen logisch und nachvollziehbar. Was nicht alles passieren kann, wenn gute Geschichtenerzähler am Werk sind…

Das Schiff der verlorenen Kinder - IV. Das Ende der Welt

Boris Koch, Frauke Berger, Splitter

Das Schiff der verlorenen Kinder - IV. Das Ende der Welt

Deine Meinung zu »Das Schiff der verlorenen Kinder - IV. Das Ende der Welt«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Alita:
Battle Angel

Der „Große Krieg“ ist seit 300 Jahren vorbei. Unter der gigantischen Himmelsstadt Zalem, der letzten ihrer Art, befindet sich Iron City. Hier sind alle Strukturen zusammengebrochen, was die Straßen - speziell nach Einbruch der Dunkelheit – zum gefährlichen Pflaster werden lässt. Im Jahr 2563 sind Cyborgs keine Seltenheit mehr und viele von ihnen verdienen sich ihr Geld als Kopfgeldjäger… sogenannte Hunter-Warrior. Titelbild: © 2019 Twentieth Century Fox

mehr erfahren