Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Eine gelungene Einführung, die sich nur anfänglich nach „Mary Poppins“ anhört. Die weitere Reise sollte reichlich düsterer und beschwerlicher ausfallen, als in P. L. Travers‘ magischer Kinderbuchreihe.

Zeichnung

Bedrückend und finster, dann strahlend und zauberhaft. Gegensätzlicher könnte das Frankreich im frühen 20. Jahrhundert nicht dargestellt sein. Ein insgesamt klassischer Stil, der der gebotenen Thematik gut zu Gesicht steht.

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Marcel Scharrenbroich
Granny Poppins

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2020

Es war einmal…

Ebenso wie unzählige Märchen, beginnt auch diese Geschichte, die im Frankreich des beginnenden 20. Jahrhunderts angesiedelt ist. So richtig märchenhaft sieht es hier auf den ersten Blick allerdings nicht aus. Auch nicht auf den zweiten… oder dritten. Es waren düstere Zeiten, vor allem für die Familie von Clément Francoeur. Obwohl der Vater von drei kleinen Kindern und Ehemann einer liebenden Frau so gut wie möglich versuchte, ihnen ein Leben knapp oberhalb der Armutsgrenze zu ermöglichen, holte ihn die Vergangenheit ein. Ein Geheimnis, welches er vor seiner Familie verbarg, seine Feinde aber nicht von seiner Spur abbrachte.

Als Clément nach einem weiteren harten Arbeitstag in der Fabrik von einer feinen Dame fortgeschrittenen Alters aufgesucht wird, wird während der Unterhaltung der beiden schnell klar, dass sie sich nicht fremd sind. Noch undurchsichtig, reden sie über einen dunklen Hof und dessen Herrscher, den verbannten König. Im Auftrag der Gegenseite, angeführt von einer nicht näher definierten Königin, war Clément nach der sagenumwobenen und gleichsam mysteriösen Morgenrot-Quelle. Da man an höherer Stelle scheinbar nicht mehr an den Erfolg von Cléments Mission glaubt und zudem die Lakaien des verbannten Königs schon seine Spur aufgenommen haben, soll der überraschte Familienvater Marseille verlassen… und das möglichst schnell.

Schnell, schneller, am schnellsten wäre allerdings noch zu langsam, denn noch während des Gesprächs stellt sich ein hünenhafter Fremder dem Gefährt in den Weg, in dem Clément und die alte Dame unterwegs sind. Schnell wird klar, dass es sich beim dunklen Hof nicht um irgendeine Sekte handelt, die im Auftrag eines selbsternannten Führers agiert. Nein, hier sind ganz andere Mächte im Spiel, die weit über die Grenzen rationalen Denkens hinausgehen. In dieser Nacht lässt Clément sein Leben… und hinterlässt eine trauernde Ehefrau, zwei Söhne und eine Tochter.

Kurz darauf sucht die feine Dame, die den nächtlichen Anschlag dank Cléments Hilfe überlebt hat, dessen Witwe Adèle und ihre Kinder auf. Sie rät ihnen Marseille unverzüglich zu verlassen und erklärt, dass sie in der Schuld des Verstorbenen steht. Als Geschenk überreicht sie dem ältesten Jungen, Basile, einen Würfel. Aber nicht irgendeinen Würfel, sondern einen magischen Würfel. Sollten Basile und seine Geschwister, Calixte und Victor, jemals Hilfe brauchen, solle er diesen in tiefes, klares Wasser werfen.

Die Jahre vergehen… neun Jahre, um genau zu sein. In ärmlichsten Verhältnissen, lebte Familie Francoeur mittlerweile in Gennevilliers, direkt am Ufer der Seine. Basile ist trotz seines jugendlichen Alters in die Fußstapfen seines Vaters getreten und schuftet in der Fabrik, während seine jüngeren Geschwister noch die Schulbank drücken. Als Adèle und ihre Kollegen nach einer Explosion an deren Arbeitsplatz in den Streik ziehen, werden Schläger angeheuert, die auch noch von der korrupten Polizei geschützt werden. Diese zerstören den Deich, der die die notdürftigen Behausungen vor dem Hochwasser schützt. Als - im Eifer des handgreiflichen Gefechts – Adèle wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt festgenommen wird und sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern kann, sieht Basile nur noch eine verzweifelte Möglichkeit: Er wirft den Würfel, den die alte Dame ihm damals gab, ins tiefste und klarste Gewässer, das er finden kann…

Fantasy (noch) auf Sparflamme

Was allerdings keineswegs negativ zu verstehen ist! Vielmehr wird die Neugier so auf einem konstant hohen Level gehalten. Ohne den kompletten Plot direkt auf dem Silbertablett zu servieren, nimmt sich der Auftaktband von „Aristophania“ genügend Zeit, um das gesamte Menü in Häppchen aufzutischen. Vorzeitiger Übersättigung ist so schon mal entgegengewirkt. Die Figuren – besonders die, der offensichtlich magisch veranlagten Aristophania Bolt – werden mit Genügend Zeit eingeführt, sodass sich zwar von Leserseite eine Beziehung aufbauen kann, ohne jedoch den mysteriösen Aspekt vollkommen zu offenbaren. Selten sind wir schlauer als die handelnden Charaktere… bis auf die Tatsache, dass wir bereits den Mörder von Clément Francoeur kennen und ebenso vom dunklen Hof und dem verbannten König wissen. Die zauberhafte Welt, die Aristophania Bolt ihren Schützlingen offenbart, sollte aber jeder Leser für sich entdecken.

Auf Bonusmaterial wurde weitestgehend verzichtet. Dafür sieht man im Anhang eine Abbildung der Postkarte „Aix-en-Provence. – Park des Schlossen von Lanfant. – Das Wasserbecken“. Eine Fotografie von Guittard, um 1900, und offensichtlich die Inspiration für das einprägsame Cover-Motiv.

Auf Regen folgt der Sonnenschein

Sind die ärmlichen Verhältnisse, der trostlose Alltag und die unkomfortablen Verhältnisse, in denen die Francoeur-Kinder aufwachsen, noch entsprechend und passend düster dargestellt, erstrahlen die Seiten in heller Farbenpracht, sobald das Reich Azur seine magischen Pforten öffnet. Die blassen Erdtöne, die sich mit dem Tiefe gebendem Schwarz die ungemütliche Hand reichen, machen so nach und nach Platz für freundliches und warmes Grün, das die Atmosphäre zwischenzeitlich wirkungsvoll aufhellt.

Der 1973 in Frankreich geborene Künstler Joël Parnotte folgt damit einem klassisch angehauchten frankobelgischen Stil, der sich durchweg richtig anfühlt. Mit gutem Blick für Details und blühenden Landschaften beweist er das optimale Gespür, um den ersten Band von „Aristophania“ zu einer genreübergreifenden Leseempfehlung werden zu lassen.

Übrigens nicht die erste Zusammenarbeit von Parnotte und Autor Xavier Dorison. Schrieb Dorison zuvor bereits erfolgreiche Comics wie „Das dritte Testament“, „Undertaker“, „Heiligtum“, „Prophet“, „W.E.S.T.“, „Red Skin“, „Ulysses 1781“, „Asgard“ oder für die bekannte Reihe „Thorgal“, die ihm mit Band 35 anvertraut wurde, arbeitete er mit Parnotte bereits an beim mörderischen und ebenso verschneiten Abenteuer „Der Waffenmeister“ Hand in Hand.

Fazit:

Auf insgesamt vier Bände angelegt, hat der Splitter Verlag hier wieder ein ganz heißes Eisen im Feuer, das sehr gut ins Programm der Bielefelder passt. „Das Reich Azur“ legt bereits den Grundstein für eine vielversprechende Fantasy-Saga mit reichlich sozialkritischen Untertönen.

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