Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Große Höhen wechseln sich mit Phasen der Stagnation ab. Dies ist der Vorlage geschuldet, an die man sich hier nicht so sklavisch hätte halten müssen. Trotzdem ist offensichtlich, dass noch Einiges auf Shadow – und den Leser – warten wird, und man bleibt gespannt.

Zeichnung

Wie zuvor hat Hamptons Stil zwar seine Stärken, ist aber insgesamt etwas unausgegoren und wird nicht jedem Auge gefallen. Seine Dynamik und Abwechslungsreichtum sowie die Gastzeichner machen dennoch auch diesen Band lesenswert.

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Yannic Niehr
„Nun gibt es neue Götter in Amerika“

Comic-Rezension von Yannic Niehr Aug 2019

Eingecheckt im House on the Rock, einem der wahrhaft mythischen Orte Amerikas, wird Shadow ein für alle Mal klar, dass er es zweifelsfrei mit Göttern zu tun hat. Ein wilder Trip führt in eine der heiligen Hallen Valhallas, wo sein Auftraggeber Mr. Wednesday sich ihm endlich als der zu erkennen gibt, der er wirklich ist: Allvater Odin. Shadow wohnt einem spärlich besuchten Kriegsrat bei: scheinbar möchte Odin die alten Götter zum Kampf gegen neue Gottheiten gewinnen, welche ihnen die Huldigung der Menschen in immer rasanterem Tempo streitig machen. Anscheinend ist dazu aber noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten - kaum einberufen, scheint die Runde bereits wieder aufgelöst. Und gerade als Shadow die Eindrücke zu verarbeiten versucht, wird er abermals entführt – diesmal von einem mysteriösen Mr. Stone sowie einem gewissen Mr. Wood, die ihm Informationen zu entlocken versuchen, die er nicht hat. Nur dem beherzten – und tödlichen – Eingreifen seiner nach wie vor verstorbenen Frau Laura verdankt Shadow sein Entkommen.

Nach so viel Trubel wird es etwas ruhiger, wenn auch nicht weniger wunderlich. Eine Krähe flüstert ihm, er solle sich in das Städtchen Cairo begeben. Auf dem Weg begegnet er der unkonventionellen jungen Studentin Sam, mit der er sich überraschend nüchtern über all das austauscht, was ihm widerfahren ist. In Cairo schließlich findet er Zuflucht im Begräbnisinstitut von Mr. Ibis und Jacquel, die Wednesday eigener Aussage nach noch einen Gefallen schuldig sind und aufgrund dessen kein Problem damit haben, Shadow auf unbestimmte Zeit wie ihren Gast zu behandeln. Ein weiteres – und wohl finales – Zusammentreffen mit dem verrückten Kobold Mad Sweeney scheint allerdings das Omen darzustellen, dass es mit der Verschnaufpause vorbei ist: denn schon sucht Wednesday Shadow wieder auf und hat Arbeit für ihn. Nun wird es wohl so langsam ernst…

„Ich glaube, ein echter Sturm zieht auf…“

Auch der zweite Band der Comicadaption von Neil Gaimans Fantasy-Epos orientiert sich nah an dem Originaltext und wimmelt dementsprechend von kryptischen Vorkommnissen und spirituellen Erfahrungen, die an abgefahrene Drogentrips erinnern. Die Identität so manch einer der Gestalten, denen Shadow nun begegnet ist und noch begegnen wird, ist endlich offenbar, und die Karten – zumindest teilweise – auf dem Tisch: ein großer Konflikt bahnt sich an zwischen den Göttern der Alten Welt, die sich auf diesem Kontinent niedergelassen haben, und den noch eher aus dem Verborgenen agierenden Neuen Göttern eines sich im Zeitalter der Globalisierung und Technologisierung rasant wandelnden Planeten. So versucht in einer Szene Lucille Ball in Gestalt der Hauptfigur ihres 50er-Jahre-Serienhits I Love Lucy durch die Mattscheibe hindurch, Shadow zur Meuterei zu bewegen und bei ihr anzuheuern – dieser Auftritt der Verkörperung der Massenmedien und des Fernsehens als moderner Schrein der Huldigung ist ein gutes Beispiel für Gaimans Fingerspitzengefühl bei der Mischung von Wirklichkeitsbeobachtungen, Mythen und Humor.

Leider stellt dieser Band insgesamt aber einen noch größeren Durchhänger dar als der etwas behäbig ins Rollen kommende erste Teil, da hier die Exkursionen auf dem Pfad zum eigentlichen Plot überhand nehmen. Der Reiz von American Gods liegt zwar nicht gerade in einer einfachen, geradlinigen Handlung sondern eher in den Feinheiten, die sich zwischen den Zeilen verstecken, jedoch hätte es der visuellen Umsetzung in Comicform gut getan, den Plot hier und da ein wenig zu straffen.

„Ich erfülle keine Wünsche…“

Wie im Vorgänger zeichnet sich auch in diesem Teil Scott Hampton für den Großteil der Bilder verantwortlich, und nach wie vor sind diese gewöhnungsbedürftig. Sein kantiger, hektischer Stil erschwert es manchmal, sich einen abschließenden Eindruck über das tatsächliche Aussehen der Figuren machen zu können, und wirkt leider zu oft etwas farblos und wenig ansprechend. Punkten kann Hampton jedoch mit seinen Einfällen zur Umsetzung der wahnwitzigeren Sequenzen – z.B. gleich zu Beginn, als sich das Karussell im House on the Rock in einen Flug durch die Nacht verwandelt und Shadow für einen Augenblick jede der unterschiedlichen Gestalten der Götter, die ihn begleiten, erkennen kann. An dieser Stelle wirkt die Panelverteilung wie zersplittertes Glas, die Farbgebung ist kräftig und lebendig, und den urtümlichen Formen von Anansi, Odin oder Kali sind Hamptons Zeichnungen angemessen, da sie ihnen etwas Ehrfurchtgebietendes und Altertümliches verleihen. So wird stellenweise die Unwirklichkeit der Szenerien visuell eindrucksvoll wiedergegeben. Es wäre wünschenswert, dass diese Dynamik eine Konstante wäre, anstatt sich nur ab und zu flüchtig aus einem unerwarteten, plötzlich funktionierenden Zusammenspiel von Plot, Text und Zeichnungen zu ergeben.

Positiv zu erwähnen ist dann auch in diesem Band wieder der gelegentlich stattfindende Stilwechsel, den Hampton nutzt, um unterschiedliche Erzählebenen voneinander abzugrenzen – wenn z.B. Mad Sweeneys Herkunftsgeschichte erzählt wird, erinnern die Panels an verwaschene Aquarelle. Die kontrastreiche Sequenz mit der schwarz-weißen (und wirklich gut getroffenen) Lucille Ball, die sich aus dem Fernseher an Shadow richtet, ist ebenfalls gelungen. Noch spannender wird es im Zwischenspiel „Ankunft in Amerika“ (im Original werden diese Abschnitte, welche sich, losgelöst von der Handlung, um Menschen und ihre Götter in Amerika drehen, im Laufe des Buches vereinzelter und sporadischer; so enthält der vorliegende Band der Adaption nur diesen einen), denn hier durften Glenn Fabry und Adam Brown, welche auch die Cover entwerfen, als Gastzeichner Hand anlegen. Die Episode schildert das schicksalsschwere Zusammentreffen eines jungen Vertreters aus Oman namens Salim mit einem New Yorker Taxifahrer, der in Wahrheit ein Djinn ist. Hier zeigt sich das ungenutzte Potenzial, das zeichnerisch in diesem Stoff noch verborgen ist: zwar sind Browns und Fabrys Panels ein wenig zu aufgeregt und konfus, doch ist ihr Figurendesign und besonders ihr Spiel mit Farben genial. Vielleicht sollten sich die beteiligten Künstler noch mehr gegenseitige Einflussnahme einräumen – die Graphic Novel würde davon profitieren.

Fazit:

Auch dieser Band lädt mit den vielen Göttern und Sagengestalten, die darin vorgestellt oder erwähnt werden, zum ausgiebigen Googeln ein. Gaimans American Gods ist ein besonderes Werk und auch in visueller Form (obwohl nicht ganz rund) zu empfehlen. Allerdings bleibt zu hoffen, dass die Adaption in den Folgebänden etwas mehr an Fahrt aufnehmen wird.

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