Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Der Einstieg ist ein etwas holpriger Vorgeschmack auf all das, was noch folgen wird – doch bereits hier scheinen Intelligenz und Ideenreichtum durch.

Zeichnung

Der Stil ist nicht leicht gefällig und eher etwas unausgewogen anstatt konstant ansprechend, kann aber auch mit einigen gekonnten Höhepunkten aufwarten.

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Yannic Niehr
„Man darf nicht vergessen, dass die amerikanische Geschichte eine Fiktion ist“

Comic-Rezension von Yannic Niehr Jul 2019

Shadow hat nicht gerade einen guten Tag: Zwar wird er nach drei Jahren aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er nur einmal auf die schiefe Bahn geraten ist – doch wird ihm direkt vor seiner Entlassung mitgeteilt, dass seine Frau Laura bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, und das auch noch (wie sich später herausstellen wird), während sie ihn mit einem gemeinsamen Freund betrogen hat. Nun gibt es für Shadow nicht mehr viel in der Welt. Da wird er im Flieger von einem eigenartigen älteren Herrn mit einem Glasauge angesprochen, der sich selbst Wednesday nennt. Er bietet Shadow einen Job als persönlicher Leibwächter und Handlanger für nicht näher spezifizierte Projekte an. Und da Shadow ja nicht mehr viel zu verlieren und auch nichts Besseres zu tun hat – warum nicht?

Schnell merkt er, dass er sich auf mehr eingelassen hat, als ihm lieb ist. Wednesday schlägt sich dank Trickbetrügereien durch und kurvt mit Shadow quer durch Amerika, um alte Bekannte zu besuchen, die er für ein bestimmtes Ziel gewinnen will. Von da an geschehen am laufenden Band Dinge, die Shadow sich nicht erklären kann: ein rothaariger Raufbold namens Mad Sweeney pflückt Münzen aus der Luft, ein seltsamer Typ entführt Shadow für ein Gespräch über die Zukunft in seine Limousine, und plötzlich sitzt auch noch Laura auf dem Hotelbett, ohne zu wissen, wie und warum sie sich aus ihrem Grab erhoben hat, doch mit dem Versprechen, auf Shadow achtzugeben. Schritt für Schritt macht Shadow neue Entdeckungen und ihm wird klar, dass es hier um etwas gehen muss, was seine Gehaltsklasse wohl gehörig übersteigt – und dass er sich mit leibhaftigen Göttern eingelassen hat…

„Götter sterben, und wenn sie sterben, werden sie nicht betrauert, sondern vergessen. Ideen sind schwerer zu töten als Menschen, aber auch sie können getötet werden“

Neil Gaiman ist aus dem Fantasygenre nicht mehr wegzudenken. Seine Mischung aus Mythischem und Modernem, oft gepaart mit leisem Humor, macht ihn zu einem Unikat mit Wiedererkennungswert.  American Gods ist eine Verarbeitung der Eindrücke, die der gebürtige Brite beim Bereisen der USA, diesem Land der Extreme, gesammelt hat. Dieser vergleichsweise junge Kontinent beherbergt nicht nur seine eigenen, uralten Götter, sondern brachten auch all die Menschen aus unterschiedlichsten Ecken der Welt, die heute den Schmelztiegel Amerika ausmachen, ihre eigenen Legenden und Ikonen mit. Die Story zeigt zum einen die vielen paradoxen Wahrheiten, welche die USA in sich vereinen, auf; gleichzeitig geht es aber auch darum, wie große Ideen und Ideologien an sich entstehen, leben, wachsen oder verderben können. Die Comicadaption orientiert sich sehr nah am Originaltext – eine gute Entscheidung, denn der Teppich an Einfällen, den Gaiman in American Gods webt, regt zum Nachdenken (und Nachrecherchieren!) an und ist geprägt von seinem markanten Stil.

„Wenn du überleben willst, musst du glauben.“ - „Glauben? Was soll ich glauben?“ - „Alles!“

Ähnlich wie Neil Gaiman hat sich auch Scott Hampton in seinem Berufsfeld, dem Comiczeichnen, längst einen Namen gemacht. Und die Romanvorlage bietet mit ihren Roadtrip-Vibes gepaart mit Gastauftritten einer Unmenge an bekannten wie obskuren Gottheiten sowie einer Merkwürdigkeit nach der anderen, die Shadow verarbeiten muss, beste Voraussetzungen für eine visuelle Umsetzung.

Hampton schafft einen dynamischen Erzählfluss, dem als Leser leicht zu folgen ist. Das Spiel mit – wie passend – Schatten sowie Kontrasten dürfte noch ausgefeilter sein, schafft aber einige ansprechende Stimmungen. Die Hintergründe erinnern oftmals an wahre Gemälde, und es blitzen immer wieder gelungene, originelle Ideen durch. Interessant sind z.B. die Stilwechsel, die für die Zwischenspiele („Irgendwo in Amerika“ bzw. „Unterwegs nach Amerika“, ebenfalls aus dem Buch übernommen) zum Einsatz kommen, welche darauf eingehen, wie es einige Götter der Alten Welt es in die Neue geschafft haben. Eine tragikomische Anekdote mit Wurzeln in der altirischen Folklore ist z.B. wie ein Bilderbuch gehalten. Und das Innere der Limousine von Shadows mysteriösem Entführer (der sich selbst für die Zukunft und Wednesday für Schnee von gestern hält) mutet auf einmal fast wie ein surrealistisches Gemälde an.

Insgesamt ist Hamptons Zeichenstil allerdings gewöhnungsbedürftig. Zwar lassen seine Liebe zum Detail sowohl die stereotypen USA als auch die abstrakteren, esoterischen Momente lebendig werden, das Figurendesign aber lässt zu wünschen übrig. In seiner kantigen Ästhetik klingen sowohl die Simplizität alter Heldendarstellungen als auch die der pulpigen Früh-Comics an, was jedoch leider keine dynamische Einheit zu schaffen vermag. Die Charaktere wirken eher abweisend. Nicht zuletzt sollten die am Ende mit enthaltenen, künstlerisch hochwertigen Variantcover erwähnt werden – von deren Look hätte ruhig auch ein bisschen in den Comic selbst einfließen dürfen.

Fazit:

Die Graphic Novel hat einiges zu bieten, bleibt aber gerade zeichnerisch leider etwas hinter dem Potenzial zurück. Allerdings hat Shadows Reise auch gerade erst begonnen, und die wirklich abgefahrenen Szenen stehen noch bevor. Es bleibt zu hoffen, dass der nächste Band die Balance zwischen Humor, lyrischen Passagen und der epischen Bandbreite der Buchvorlage besser zu treffen vermag, um eine durchweg gelungene Alternative und/oder Ergänzung der Romanvorlage zu werden. Trotzdem sollte auch dieser Einstieg in keiner Graphic Novel-Sammlung fehlen.

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