Oljanna Haus

12.2021 Wir haben Zeichnerin Oljanna Haus ein paar Fragen zu ihrer bei hanserblau erschienenen Graphic Novel "Sonne und Beton" (Autor: Felix Lobrechts) gestellt.

Die erste Seite habe ich auf Twitter gepostet und Felix markiert. Paar Minuten später hat er es geliked und reposted, er war total begeistert.

Comic-Couch:
Hallo Oljanna, kannst du uns zunächst ein wenig über deinen Werdegang verraten? Welche (zeichnerischen) Projekte gab es vor diesem?

Oljanna Haus:
Tatsächlich war Sonne und Beton meine erste große Arbeit. Ich habe schon immer gerne gemalt und gezeichnet, es aber nie beruflich versucht. In der Schule mussten wir einmal eine Zusammenfassung zu „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach schreiben, darauf hatte ich keine Lust und habe stattdessen die Geschichte als Comic gezeichnet, die Lehrerin war sehr begeistert davon. Im Moment bin ich gerade in den letzten Zügen meiner Ausbildung zur Zimmerin.

Comic-Couch:
Wie wurde das Projekt dann konkret ins Leben gerufen?

Oljanna Haus:
Die erste Seite „Sonne und Beton für Lesefaule“ habe ich ohne Hintergedanken auf Twitter gepostet und Felix markiert. Paar Minuten später hat er es geliked und reposted, er war total begeistert. Nachdem ich ihm die nächsten Seiten geschickt habe war er überzeugt, das sei zu gut für Twitter und da müsse mehr draus werden. Kurze Zeit später hatte ich den Vertrag mit hanserblau und eineinhalb Jahre später steht unsere Graphic Novel in Buchhandlungen in ganz Deutschland!

Comic-Couch:
War der Schaffensprozess eine Zusammenarbeit mit Felix Lobrecht, oder hattest du in der Umsetzung komplett freie Hand?

Oljanna Haus:
Felix hat mir komplette Freiheit gegeben. Er hat gesehen was ich kann und mir vertraut. Das ist echt total Wahnsinn, wenn man sich heute die erste Seite auf Twitter anschaut, sieht man, wie sehr ich mich verbessert habe.

Comic-Couch:
Das Neuköllner Setting ist entscheidend für das Funktionieren der Geschichte. Hast du eine persönliche Beziehung zu der Gegend? Hast du Recherchen anstellen müssen, um den Look authentisch einzufangen?

Oljanna Haus:
Während des Lockdowns habe ich viel mit Google Maps gearbeitet, so konnte ich die genauen Orte virtuell sehen. Später war ich natürlich auch dort und habe mir die Orte angeschaut. Viel Inspiration zur Gegend und zur Mode kam auch aus altem Musikvideomaterial von Royal Bunker oder alten Sido-Tracks. Neukölln ist architektonisch bestimmt einzigartig, aber die vier Jungs und ihre Erlebnisse gibt es sicherlich auch in anderen Städten Deutschlands, das ist nicht Neukölln spezifisch.

Comic-Couch:
Was sind für dich die zentralen Themen von „Sonne und Beton“, und wie hast du versucht, diese in deinen Bildern zu repräsentieren?

Oljanna Haus:
Ich finde die Geschichte - und wie Lukas sie aus seiner Sicht beschreibt - total melancholisch. Auch wenn ich anders aufgewachsen bin, kann ich mich mit ihm identifizieren. Es geht vor allem um die Perspektivlosigkeit von Jugendlichen, die in der Schule und in der Gesellschaft keinen richtigen Halt finden. Die Jungs kommen alle aus zerrütteten Familien und haben keine oder die falschen Vorbilder. Diese Probleme und die Perspektivlosigkeit spiegeln sich in den Grautönen der Gropiusstadt und in meinen Zeichnungen wider.

Das Interview führte Yannic Niehr im November 2021.
Foto Oljanna Haus: © Max Schmieder
Zeichnungen: © hanserblau

"Sonne und Beton" auf Comic-Couch.de:

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