Valhalla Hotel - #1: Bite the Bullet

Valhalla Hotel - #1: Bite the Bullet
Valhalla Hotel - #1: Bite the Bullet
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Marcel Scharrenbroich
9

Comic-Couch Rezension vonDez 2022

Story

Da soll noch mal einer sagen, dass man es als Tischtennis-Trainer leicht hätte. Die Chaos-Tage in Flatstone sind eröffnet.

Zeichnung

Clean, übersichtlich und hochexplosiv. Nicht so stylish wie ein „Shooting Rami-rez“, aber durchaus sehenswert.

Ping-Pong Fiction

Hilfe, die Deutschen kommen!

Wie abgefuckt kann eine Story werden, in der ein wortkarger Tischtennisspieler und sein schmantiger Trainer in einem klapprigen Fiat 500 durch die Einöde von New Mexico tuckern? Ich verrate es Euch: SEHR abgefuckt.

We‘re on the road to nowhere… besser gesagt auf der Straße nach Albuquerque. Coach Malone hat seinen schweigsamen Schützling Lemmy im Gepäck, der dort an den Ping-Pong-Qualifikationsspielen für Olympia teilnehmen soll. Um ihn ausreichend zu schleifen, lauschen sie während der Fahrt Aufnahmen legendärer Tischtennis-Turniere. Hier ein >PIK<, dort ein >POK<… der Profi wird’s schon raushören. Die meditative Phase endet jedoch urplötzlich, als die Möhre mitten in der Pampa den Geist aufgibt. Ein Glück, dass der Sheriff des Kaffs Flatstone die beiden Gestrandeten aufgabelt. Als sehr hilfreich erweist dieser sich allerdings nicht, hält er das ungewöhnliche Duo doch für Sodomiten. Außerdem herrscht am Straßenrand striktes Parkverbot, weshalb gleich mal ein aus der Hüfte geschossener Strafzettel fällig ist. Jegliche Erklärungsversuche scheitern und der homophobe Sheriff schaltet auf stur. Da fährt der gute Malone mal kurz aus der Haut, was der unaufgeregte Gesetzeshüter mit einer Festnahme quittiert. Naja, immerhin kommen Malone und Lemmy so schon mal einen Schritt weiter in Richtung Zivilisation. Oder was man in Flatstone so Zivilisation nennen kann.

Nachdem die Beiden eine Nacht gesiebte Luft geatmet haben, checken sie im „Valhalla Hotel“ ein. Es könnte ein längerer Aufenthalt werden, denn Ersatzteile für ihren Hobel sind schwer zu beschaffen. Unter der Leitung von Frau Winkler, einer von vielen Deutschen, die sich in dem Nest angesiedelt haben, beziehen sie die Räumlichkeiten. Während Lemmy die Tochter der Hausherrin anschmachtet, bemüht sich Malone telefonisch um Schadensbegrenzung. Tja, es nützt ja alles nichts… und so versucht Malone das Beste aus der verzwickten Situation zu machen, indem er sich am Abend im lokalen Pub zu Blasmusik einen anlötet. Dort wird er erstmals Zeuge, wie eine deutsche Eiche mit vorlauten Einheimischen verfährt, die ihr ans Bein pissen. Das hat Folgen, denn es bahnt sich ein Kleinkrieg zwischen den stolzen Hardcore-Rednecks und dem zugezogenen Nazi-Haufen an, der sich gewaschen hat. Als wäre das nicht brisant genug, verschwindet auch noch Lemmy spurlos aus ihrem Zimmer im gottverdammten „Valhalla Hotel“, wo merkwürdige Dinge geschehen…

That escalated quickly…

Nach einem gediegenen Einstieg wird schnell klar, dass „Valhalla Hotel“ keine halben Sachen macht. Dialoge über abstruse Nebensächlichkeiten lassen an Tarantino-Streifen erinnern, während eine haarsträubende Situation die nächste jagt. Schon beim unangenehm drangsalierenden Sheriff musste ich an „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“, dem Remake von Tobe Hoopers Terror-Klassiker, denken… und damit liegt man gar nicht so falsch. Im Hotel geht ein ziemlich schräger Scheiß ab, während Autor Patrice Perna die Spannungsschraube langsam anzieht. Dann mutiert der Band zum großen Finale zu einer bleihaltigen Action-Orgie, bei der Zeichner Fabien Bedouel tonnenweise scheppernde Soundwords/Klangworte durch die Panels peitscht. Dann ist der unerwartet skurrile Spaß auch schon vorbei… und damit wird die Wartezeit auf den zweiten Band, den SPLITTER erfreulicherweise schon für Februar 2023 angekündigt hat, trotzdem zur Geduldsprobe.

Die Zeichnungen sind angenehm clean und die Panelanordnung ist stets übersichtlich. So verliert man auch in den Action-Passagen nicht den Fokus. Übersicht ist auch deshalb gegeben, weil sich der Großteil der Handlung unter der sengenden Sonne New Mexicos abspielt. Stimmungsvolle Schattierungen treten nur dort auf, wo sie auch angemessen sind. Zur Schlachtplatte wird „Bite the Bullet“, das erste von insgesamt drei Hardcover-Alben, trotz diverser Genre-Zutaten aber zu keiner Zeit. Zwar knallt und rappelt es ordentlich, aber Tarantino’esque Gewaltspitzen bleiben (noch?) aus. Sehr gut gefällt mir außerdem die perspektivische Vielfalt der Blech-Boliden.

Fazit:

Wer einen überzogenen Fun-Comic voller Absurditäten und schräger Ideen sucht, wird mit „Valhalla Hotel“ fündig. Es sind noch reichlich Zimmer frei… aber ich rate Euch, mit offenen Augen zu schlafen.

Valhalla Hotel - #1: Bite the Bullet

, Fabien Bedouel, Splitter

Valhalla Hotel - #1: Bite the Bullet

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