Text: Reinhard Kleist   Zeichner: Reinhard Kleist

Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years
Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years
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Marcel Scharrenbroich
10

Comic-Couch Rezension von Marcel Scharrenbroich Mär 2022

Story

Ein fast schon intimer Blick in Bowies Ziggy Stardust-Zeit. Für Fans ein Muss!

Zeichnung

Bowies Geist in der Feder von Kleist. Ein Wahnsinn, wie ein Künstler den anderen portraitiert.

Bowie, wie er leibt und (weiter)lebt

Schöpfung einer Ikone

Er war schon immer da… der Traum von den Sternen. Schwerelos, neue Welten entdecken. Der junge David Robert Jones, geboren in einfachen Verhältnissen im Londoner Stadtteil Brixton, steht auf Science-Fiction, ahnt zu dieser Zeit aber noch nicht, dass sein Stern einmal der hellste am Himmel sein wird. Nach einem Umzug in den Vorort Bromley entwickelt sich auch seine Liebe zur Musik. Maßgeblich beeinflusst von seinem älteren Halbbruder Terry, der David mit der Musik des Jazzmusikers John Coltrane vertraut macht. Obwohl er noch zu jung ist, nimmt Terry ihn mit in die angesagtesten Clubs der Stadt. David ist derart angetan, dass er fortan Saxofonist werden möchte.

So kam es dann auch. Bereits im Teenager-Alter spielt und singt David in der Band The Kon-Rads. Großartige Bekanntheit erlangten sie allerdings nicht. Davids Ambitionen sind größer als die, nur auf Schulbällen zu spielen. Groß rauskommen, das ist sein erklärtes Ziel. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung macht er, als er das Interesse des Managers Kenneth Pitt auf sich zieht. Und nach einigen Irrungen und Wirrungen kommt David Robert Jones auch zu dem Künstlernamen, mit dem er in die Musikgeschichte eingehen wird: David Bowie.

Doch aller Anfang ist schwer. Als Solokünstler verkauft sich sein erstes Album nur schleppend. Doch Bowies Karriere nimmt schlagartig an Fahrt auf, als er an den Produzenten Tony Visconti gerät, der ihm unter die Arme greift. Inspiriert von der Apollo 8-Mission, dem ersten bemannten Flug zum Mond, und Stanley Kubricks Sci-Fi-Epos „2001: Odyssee im Weltraum“, schreibt er den Song „Space Oddity“. Ein Werk für die Ewigkeit, das seiner Zeit weit voraus ist. Mit der Zeit entwickelt Bowie seine Vorliebe für exzentrische Outfits, was auf der Bühne für reichlich Aufmerksamkeit sorgt. So erschafft er sein Alien-Alter-Ego Ziggy Stardust. Ein schillerndes Abbild seiner selbst. Ein androgynes Wesen, dessen Aufstieg und Fall er mit seiner Band im Konzeptalbum „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ zelebriert. Beim Abschlusskonzert der erfolgreichen Welttournee, am 3. Juli 1973 im Londoner Hammersmith Odeon Theatre, fasst Bowie einen schweren Entschluss. Ziggy Stardust kratzt immer tiefer an der Wand zur Realität. Bowie fällt es zunehmend schwerer, seine Kunstfigur in Zaum zu halten. Sie verlässt den gewohnten Rahmen der Weltbühnen und folgt ihm wie ein Schatten. Nun ist es an der Zeit, dies zu ändern…

Unser Mann vom Fach

Mit Reinhard Kleist hat sich einer der wohl besten Künstler Deutschlands der schillernden Rock- & Pop-Ikone angenommen. Nur recht so, denn alles andere würde der Lichtgestalt Bowie nicht im Ansatz gerecht. Mit Mike Allred hat sich 2020 schon einmal ein Top-Künstler vor dem im Januar 2016 viel zu früh verstorbenem Musiker verbeugt, was allgemein allerdings zwiespältig bis ablehnend aufgenommen wurde. Nicht von mir, denn ich stehe zu meiner Meinung, dass der toll illustrierte Trip einen gelungenen Querschnitt durch David Bowies Ziggy Stardust-Jahre darstellt. Reinhard Kleist geht da allerdings anders zu Werke. Er arbeitet sich zwar auch durch Bowies wohl prägnanteste Phase, legt aber deutlich mehr den Fokus auf das Erzählerische. Von der Schöpfung des Starman bis zu seiner Demontage. Kleist beleuchtet zudem detailliert das Privatleben des Künstlers. In Sepia-Rückblenden sehen wir Davids Kindheit und Jugend. Prägende Momente sowie kleine Erfolge und Rückschläge. So bekommt man Einblicke in das Verhältnis von David zu seinem psychisch labilen Halbbruder Terry, das Kennenlernen seiner späteren Frau Angela Barnett und ihren Einfluss auf die extravaganten Outfits des Stars, und darf Blicke hinter die Kulissen des knallharten Musikgeschäfts werfen.

Die Kunstfigur Ziggy Stardust darf sich dann farbenprächtig auf der Bühne austoben. Ganz starke Momente, die Kleist wunderbar und voller Energie eingefangen hat. Jede Mimik sitzt, jede Pose ausdrucksstark und typisch Bowie. Der wandlungsfähige Musiker scheint dem Mann an der Feder regelrecht in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Die poppige Kolorierung geht auf die Zusammenarbeit mit Thomas Gilke zurück. Die gesamte Farbgebung schreit förmlich nach den 70ern. Mal geerdet und gedämpft, dann wild und entfesselt psychedelisch.

Der CARLSEN Verlag hat neben der regulären Hardcover-Ausgabe (in schrillem Pink mit gelber Spotlack-Schrift) noch eine limitierte Vorzugsausgabe auf den Markt gebracht. Die Luxusausgabe verfügt über einen Schutzumschlag, gelbem Farbschnitt und ist auf 1972 Exemplare limitiert. Als besonderes Highlight liegt der Ausgabe ein signierter Farbdruck von Reinhard Kleist bei. Und die beste Nachricht kommt zum Schluss: Mit „Stardust“ legt Kleist David Bowie nicht etwa zu den Akten, nein. Er arbeitet bereits an einer Fortsetzung. „LOW - David Bowie’s Berlin Years“ wird sich mit der prägenden Zeit befassen, die der Künstler zwischen 1976 und 1978 in Deutschland verbrachte.

Fazit:

Reinhard Kleists sicherer und unverwechselbar markanter Strich sollte schon Kaufargument genug sein. Das bewies er bereits mit der Wahnsinns-„Nick Cave“-Biografie „Mercy on me“ und weiteren Werken. Wenn man dann noch Bowie-affin ist oder sich ansatzweise für wegweisende Popkultur interessiert, führt kein Weg an diesem Comic vorbei.

Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

Reinhard Kleist, Reinhard Kleist, Carlsen

Starman - David Bowie's Ziggy Stardust Years

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