Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Düster, makaber und garantiert Happy End-frei. Mal extrem kurz, mal etwas ausschweifender… aber nie das Ziel verfehlend.

Zeichnung

Ich glaube nicht, dass Chris Scheuer auch „schlecht“ bis „mittelmäßig“ kann. Jede Seite ist ein Genuss.

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Marcel Scharrenbroich
Golden Harvest

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2020

Kurzgeschichten…

…sollte man schon mögen, wenn man zu „Reiche Ernte“ greift. Jene Storys, die meist nur wenige Seiten umfassen, schnell auf den Punkt kommen, sich nicht lange mit der Einführung von Figuren aufhalten, oftmals mit deftigem Twist und Pointen daherkommen und im Idealfall noch viel länger nachhallen. Comic-Freunde früheren Baujahres werden sich vielleicht noch an die erfolgreichen „Gespenster Geschichten“ aus dem Bastei Verlag erinnern, welche seit Mitte der 1970er-Jahre regelmäßig erschienen. Neben Nachdrucken von diversen US-Verlagen steuerten – nachdem das Material aus dem Ausland zu Neige ging – auch deutsche Comic-Größen wie Hansrudi Wäscher („Sigurd“, „Akim“, „Nick“, „Tibor“, „Falk“…) und Peter Mennigen („Phantom“, „Bessy“, „Silberpfeil“ und die aktuell erfolgreiche „Malcolm Max“-Reihe) Geschichten bei, damit Horror-Fans nicht lange auf dem Trockenen sitzen mussten. Vorbilder waren dafür die US-Pendants von EC Comics. 1945 gegründet und mit Beginn des folgenden Jahrzehnts voll auf Erfolgskurs. Mit den Reihen „The Vault of Horror“, „Tales from the Crypt“ und „The Haunt of Fear“ traf man genau den Nerv der Zeit, was von der Konkurrenz natürlich nicht unbemerkt blieb. Verlage wie American Comics Group, Harvey Comics, Atlas oder Ace Comics bliesen schnell ins gleiche Horn und überschwemmten den Markt mit schnell konsumierbarem Horror-Fast Food. Aber irgendwann endete auch dieser Trend… Wer heute noch auf kurzen und knackigen Horror-Stoff steht, kann die alten EC-Geschichten von Wally Wood in einer Gesamtausgabe aus dem All-Verlag nachlesen, liest die „Horrorschocker“ von Weissblech oder greift zu den „Trauma Tales“, die allesamt auf Songs der Band Samsas Traum basieren… ODER aber, man pflückt sich ein paar makabre Schauergeschichten aus dem Panini-Garten, wo die „Reiche Ernte“ bereits darauf wartet, eingeholt zu werden…

Düstere Abgründe

In „Das Modell“ verschlägt es den Journalisten Mike in ein malerisches Dörfchen, das aus der Zeit gefallen scheint. Für seinen Artikel über verträumte Kleinstädte genau richtig. Die Tochter der Wirtin führt in durch den Ort und zeigt ihm nicht nur die architektonischen Sehenswürdigkeiten, wenn Ihr versteht… >knick-knack<. Des Nachts wird Mike allerdings von einem surrealen Albtraum heimgesucht. Ein wilder Ritt, der ihm auch noch bis in den folgenden Tag in den Knochen sitzt. Bei einem weiteren Erkundungstrip durch den Ort fühlt er sich von der Kirche des Städtchens angezogen. Mit einem komischen Gefühl im Magen sucht er das Innere des Gebäudes auf… und findet dort ein sehr interessantes Modell. Signiert mit einem Namen, der Mike irgendwie bekannt vorkommt.

Die zweite Geschichte, „Reiche Ernte“, führt uns dann an einen komplett gegenteiligen Ort. Einen Ort des Grauens. Zwei simple Buchstaben, die in ihrer Kombination für die grausamsten Verbrechen stehen, zu denen Menschen je im Stande waren… ein KZ. Hier herrscht Obersturmbannführer Wilhelm Jäger mit gnadenloser Hand. Besser gesagt… herrschte. Die letzten Tage des Krieges sind angebrochen, die Russen sind im Anmarsch und Lager VII gilt als verloren. Alle Spuren der Endlösung werden akribisch beseitigt. Nur einen Gefangenen verschonte der skrupellose Jäger bisher. Einen Priester. Irgendwas hielt ihn davon ab, den Geistlichen, dessen Gott in Lager VII nicht den Hauch einer Rolle spielte, zu exekutieren. Aber Befehl ist Befehl… und keine Spuren dürfen zurückgelassen werden. Also läuft es auf ein letztes Gespräch hinaus… zwischen dem Obersturmbannführer und Insasse 443556.

Cathy und Steve sitzen in der „Falle“. Eine Besichtigungstour in einer stillgelegten Mine endete jäh, als ein Einsturz dafür sorgte, dass sie nun in der Dunkelheit festsitzen. Draußen setzt bereits die Dämmerung ein und das Ehepaar kann nur hoffen, dass sich ein Suchtrupp bereits zu ihnen durchgräbt. Anfangs noch voller Hoffnung, sinnieren die beiden über ihre Beziehung, denken an ihr Kennenlernen zurück. Doch die Stimmung kippt, als Steve Geräusche aus der Finsternis der Höhle vernimmt…

Der Titel „Nicht mehr lange“, den die inhaltlich kürzeste der insgesamt fünf Schauergeschichten trägt, ist dann auch Programm. Ein namenloser, desillusionierter Protagonist streift durch die Straßen einer ebenso namenlosen Stadt. Schritt für Schritt dem Unausweichlichen entgegen. Woher er gekommen ist? Das wissen wir nicht. Wohin er geht? Das werden wir sehen…

Ein tiefer „Schatten“ lag über der Beziehung von Viktor und Sara. Der Frau, an dessen Grab er nun steht. Zusammen mit einer Hand voll Trauernden, die sich an diesem grauen, verregneten Tag auf dem abgelegenen Friedhof eingefunden haben. Dabei waren sie anfangs so glücklich, als sie sich damals an der Universität kennenlernten. Liebe auf den ersten Blick, Hochzeit und glückliche, gemeinsame Jahre. Auch beruflich standen beide nach ihrem Abschluss auf der Sonnenseite. Sara arbeitete im städtischen Museum und Viktor am Institut. Er veröffentlichte sogar einen Bestseller über religiöse Kultstätten. Doch dann zogen die Schatten auf… Viktor fühlte sich zunehmend erdrückt von der Stadt. Ihrem Lärm, ihrer Enge und ihrem Dreck. Er wurde paranoid, misstrauisch. Zu Papier brachte er nichts mehr. Ein Freund empfahl Viktor ein idyllisches Fleckchen in der Natur. Er kaufte ein Häuschen und genoss es, endlich wieder durchatmen zu können. Sara blieb derweil in der Stadt und schaffte es Job-bedingt nur sporadisch ins abgelegene Tal. Und wenn sie am Wochenende zu ihm kam, kamen die Schatten mit… und sie blieben.

Comeback

So plötzlich, wie Comic-Zeichner Chris Scheuer einst von der Bildfläche verschwand, so plötzlich ist er jetzt, nach langer Abstinenz, wieder da. Der Österreicher, der 1982 seinen Einstand im Comic-Magazin „Schwermetall“ gab und nur zwei Jahre später mit dem renommierten Max und Moritz-Preis auf dem allerersten Comic-Salon in Erlangen ausgezeichnet wurde, begeisterte damals mit Comics wie „Marie Jade“ oder „Sir Ballantine“. Sein sicherer Strich hatte hohen Wiedererkennungswert, was auch die Werbebranche schnell bemerkte, für die Scheuer zahlreiche Beiträge beisteuerte. „Reiche Ernte“ beweist aber, dass er diese stilistische Sicherheit während seiner Abstinenz auf der großen Bühne der Neunten Kunst nicht verlernt hat.

Markant wie eh und je schwingt Chris Scheuer in „Reiche Ernte“ die Feder und liefert atmosphärische und zugleich stylishe Tusche-Zeichnungen, die sich gewaschen haben. Auf farbige Akzente wird bis auf ein paar dezente Ausnahmen verzichtet, was die düstere Stimmung und das gelungene Spiel mit den Schatten nur mehr unterstreicht und in den Vordergrund rückt. Trotz des satten Schwarzanteils hat Scheuer viel Wert auf Details gelegt und schafft es selbst in einem komplett dunklen Szenario - wie in der Kurzgeschichte „Falle“ -, welches fast nur aus Sprechblasen besteht, die klaustrophobische Grundstimmung herauszuarbeiten… beziehungsweise herauszuzeichnen. Hier muss man auch ganz klar den Panini Verlag loben, die das einzig richtige gemacht und „Reiche Ernte“ in ihr Alben-Programm aufgenommen haben. In der angemessenen, überformatigen Größe wirken die handgeletterten Seiten einfach phänomenal.

Wie so eine Seite entsteht, zeigt uns das Making of im Bonusteil des ersten von insgesamt drei „Reiche Ernte“-Alben. Sehr schön lässt sich hier die Entwicklung von der ersten groben Skizze bis zur filigran ausgearbeiteten Seite, wie wir sie Buch vorfinden, nachverfolgen. Außerdem gibt es noch ein paar Eckdaten zu den Machern.

Dreamteam

Dabei dürfen wir - bei aller Freude über das Comeback von Chris Scheuer - auf keinen Fall den Autoren von „Reiche Ernte“ vernachlässigen. Der ebenfalls österreichische Schriftsteller Matthias Bauer hat die fünf vorhandenen Kurzgeschichten nämlich erdacht und konnte sich mit der Umsetzung in Comic-Form einen kleinen Traum erfüllen. Zuerst erschienen diese Storys nämlich in reiner Textform in „Reiche Ernte und andere makabre Geschichten“, erhältlich im Blitz Verlag. Basierend auf den Geschichten, die Bauer bereits während seiner Studienzeit schrieb. Allerdings wurden die Texte damals noch von Verlagen abgelehnt, was anhand ihrer Qualität schon erstaunlich ist.

Zusammen mit seinem Autoren-Kollegen Bastian Zach schuf Matthias Bauer die „Morbus Die“-Trilogie, die historische „Tränen der Erde“-Saga, von der Ende 2020 mit „Das Reich der zwei Kreuze“ der zweite Teil erscheint, und die dreiteilige Saga „Das Blut der Pikten“. „Reiche Ernte“ stellte 2018 Bauers erste Solo-Veröffentlichung dar, der 2019 die Storysammlung „Das Tor“ folgte.

Man merkt „Reiche Ernte“ sofort an, wie gut sich Autor und Künstler hier ergänzen. Die makabren Geschichten mit dem besonderen Twist eignen sich hervorragend für eine Comic-Umsetzung, was aber nicht heißt, dass es jeder Künstler so gelungen und aussagekräftig aufs Papier gebracht hätte. Dies schafft wohl nur jemand, der eine ähnliche Denkweise hat, wie der Autor hinter den Storys. Nun, dies ging hier vollkommen auf.

Fazit:

Die nächste „Ernte“ kommt bestimmt… besser gesagt, ist „Reiche Ernte II“ bereits erhältlich. Ob die finale „Ernte“ wie geplant im Sommer 2020 eingeholt werden kann, wird die Zeit zeigen… Im Kasten ist sie allerdings schon, wie man bei Panini schon hat verlauten lassen. Horror- und Mystery-Fans, die auf knackige - jedoch nachhaltige - Schauer-Lektüre stehen, dürfen sich dann eine ganz besondere Trilogie ins Regal stellen, da ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon ausgehe, dass die Reihe qualitativ einbrechen wird.

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