Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Ein brisantes und aktuelles Thema auf humorvolle Weise umgesetzt. Die Gag-Dichte ist enorm, trifft aber nicht immer ins Schwarze. Die gelungene Übersetzung kann jedoch punkten.

Zeichnung

Wie der Vater, so der Sohn. Nicolas Tabary zeichnet nah am Niveau seines Vaters und fängt den Humor weitestgehend gelungen ein. Allerdings wäre weniger manchmal mehr und etwas „aufgeräumtere“ Panels hätten eine angenehmere Atmosphäre erzeugen können. So bleibt es etwas anstrengend.

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Marcel Scharrenbroich
Ein ganz Großer… unter den Kleinen

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Aug 2018

„Ich will Feuerwehrma… äh, KALIF werden!!!“

Mit dem Namen René Goscinny verbinden Comic-Freunde wohl unweigerlich die Abenteuer von „Asterix“ und seinen gallischen Kollegen, die die armen Römer seit Jahrzehnten bei jeder möglichen Gelegenheit erfolgreich aus den Sandalen dreschen. Neben dem frankobelgischen Dauerbrenner, der erst kürzlich in die 37. Runde ging, war der berühmte Comic-Autor zu Lebzeiten aber auch an weiteren beliebten Comics beteiligt. Vor „Asterix“ textete Goscinny ab 1955 für den Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten: „Lucky Luke“. Auch der indianische Muskelprotz „Umpah-Pah“, vom Stamm der Wascha-Wascha, geht auf das Konto des französischen Autors. Den größenwahnsinnigen Großwesir „Isnogud“ kreierte er dann 1962 in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Jean Tabary für die französische Zeitung „Record“.

Im Gegensatz zu Goscinnys anderen Comic-Kreationen handelt es sich bei seinem zu kurz geratenen Großwesir allerdings nicht gerade um eine Figur mit Vorbild-Charakter. Der hinterlistige Tunichtgut verfolgt nämlich nur ein Ziel: „Kalif werden anstelle des Kalifen“.

Um den amtierenden Kalifen Harun al-Pussah zu stürzen, ist dem Wüterich mit der boshaften Ganoven-Visage so ziemlich jedes Mittel recht. Kein Plan scheint ihm dabei zu diabolisch zu sein, um die Macht im märchenhaften Kalifat zu Bagdad, der Prächtigen an sich zu reißen. Dass dieses Unterfangen regelmäßig im arabischen Sande verläuft, dürfte kein Geheimnis sein. Der gutmütige (und leichtgläubige) Harun al-Pussah scheint in dieser Hinsicht auf beiden Augen blind zu sein, da er das Treiben seines Großwesirs nicht mal im Ansatz durchschaut. Gut… eigentlich braucht der Kalif sich auch keine Sorgen machen, da Isnogud sich – trotz seiner geringen Körpergröße – meist selbst im Wege steht.

DIESMAL allerdings… DIESMAL könnte es tatsächlich klappen!

MAKE BAGDAD GREAT AGAIN!

Wer dachte, dass der Wahlkampf „Trump vs. Clinton“ schmutzig war, hat aber kräftig auf Kies gefur… öhm… liegt aber kräftig daneben. Mit dem Auftauchen eines mysteriösen Fremden herrscht schon bald heilloses Chaos in Bagdad. Der selbsternannte Magier Freut verspricht jedem, den er therapiert, die Erfüllung seiner Wünsche. Treffersicher analysiert er seine Kundschaft (für läppische 60 Piaster!) und kitzelt so deren innigste Träume an die Oberfläche. Schon bald ist Bagdad um einen Henker und einen Vorkoster ärmer… doch dabei bleibt es nicht. Auf den Straßen ist eine Revolution im Gange und schon bald rappelt es im Kalifat!

Da zufälligerweise die Kalifatswahlen anstehen, die laut Verfassung alle zehn Jahre stattfinden und durch die Tatsache, dass der einzig Wahlberechtigte der amtierende Kalif ist, eh nur Formsache sind, beschließt Harun al-Pussah dem katastrophalen Treiben in seiner Stadt entgegenzuwirken. Er überträgt kurzerhand seinem Volk die Macht. Er gibt jedem Bürger eine Stimme und veranstaltet die erste „Demokratische Wahl“ Bagdads. Doch ohne Opposition keine Wahl. Der ahnungslose Kalif setzt vollstes Vertrauen in seinen Großwesir und wählt Isnogud als seinen Gegner… natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der Kalif seinen Posten behält. Dass der machthungrige, abgebrochene Choleriker sich NICHT an diesen Plan hält, dürfte die Wenigsten überraschen… doch wie bringt der verhasste Isnogud Bagdads Bürger dazu ihn zu wählen, ohne den drohenden Nachdruck eines amtsausübenden Henkers?

Zehn Schüsse, sieben Treffer

Beim Wahl-Thema in „Präsident Isnogud“ konnten die beiden Autoren Nicolas Canteloup und Laurent Vassilian natürlich aus dem Vollen schöpfen. In Frankreich erschien der Band zwar schon 2012 und Donald Trump im Weißen Haus erschien zu dieser Zeit noch wie ein abwegig-wirrer Fiebertraum eines Alejandro Jodorowsky, der sich wilde Acid-Trips mit David Lynch teilt, doch politische Schmutz-Kampagnen gab es auch schon vor 2016. Neben den Politik-Aspekten halten aber noch andere uns bekannte Einflüsse Einzug in den ersten Band von Isnoguds neuen Abenteuern. So wird beispielsweise fröhlich zu „Die Karawane zieht weiter“ polonaisiert (hmm… das Wort sollte ich mir patentieren lassen), ein bekannter, italienischer Klempner, der seine rote Mütze gegen einen schmucken Turban getauscht hat, schaut vorbei und Pop-Star Prince darf noch mal seinen Hit „Purple Rain“ schmettern. Auch die sozialen Medien finden mit „Kwieker“ und „Fes-Bock“ Platz in der Welt aus Tausendundeiner Nacht… gefällt mir! Der schönste Moment ist aber, als ein erschöpfter Isnogud durch die heiße Wüste kriecht und um himmlischen Beistand bittet… Da erscheinen ihm seine geistigen Väter, René Goscinny und Jean Tabary, und teilen ihm mit, dass er nicht mehr in ihrer Zuständigkeit liegt. Herrlich.

Wie sich bereits an diesen Beispielen erkennen lässt, ist die Gag-Dichte extrem hoch. Dennoch zündet nicht jeder Witz. Oftmals kratzt der überdrehte Humor gefährlich am Kalauer- und Rohrkrepierer-Niveau und so manche Zote lässt sich auf Grund der textlastigen Story erst auf den zweiten Blick erkennen. Hin und wieder fühlte ich mich durch die Slapstick-Elemente, die aus den vollgepackten Panels sprangen, an Francisco Ibáñez‘ „Clever & Smart“-Comics erinnert… was im Grunde nichts schlechtes ist, aber die Übersicht über die Geschichte auf eine harte Probe stellen kann. Hier hätten sowohl die Autoren, als auch der Zeichner, zwischenzeitlich mal vom Gaspedal steigen können.

Wort-Akrobatik

Lobend muss man hier unbedingt den deutschen Übersetzer Klaus Jöken hervorheben, dem anhand der Wortspiele bestimmt mehr als einmal der Kopf geraucht haben dürfte. Wie man es bereits aus unzähligen „Asterix“-Abenteuern kennt, wird auch in den „Isnogud“-Geschichten fleißig mit kreativen Wort- und Namens-Schöpfungen jongliert. So hört Freuts persönlicher Kerzenständer… ich meine Fackelträger… auf den wunderschönen Namen „Wat Ir Volt“ und Ex-Henker „Dikhör“ eröffnet sein Stand-Up-Comedy-Programm in der „Allah Ak’Bar“ mit den bekannten Worten „Hallo erst mal… ich weiß gar nicht, ob ihr’s wusstet…“.

Da wird eine Menge kreativer Schweiß geflossen sein, um den kompletten Inhalt auf ein deutsches Publikum zuzuschneiden. Das französische Original dürfte freilich kaum weniger humorvoll sein, denn beim Autoren-Duo Canteloup und Vassilian handelt es sich um einen französischen Komiker und seinen Sketch-Autoren.

Als Zeichner tritt erneut Nicolas Tabary in die großen Fußstapfen seines 2011 verstorbenen Vaters Jean. Er zeichnete bereits 2008 eine neue „Isnogud“-Geschichte, die aus der Feder seiner Geschwister Muriel und Stéphane stammte. Nachdem sich der Erfolg in Grenzen hielt, verkaufte die Familie die Rechte 2011 an den Verlag IMAV éditions, welcher Anne Goscinny gehört… der Tochter des Schöpfers René Goscinny. So schließt sich der Kreis und seit 2012 darf der giftige „Isnogud“ in neuen Abenteuern  - und unter neuer Autoren-Betreuung - wieder nach dem Thron gieren.

2015 erschien mit „Präsident Isnogud“ der erste Band von „Die neuen Abenteuer des Großwesirs Isnogud“ auch in Deutschland. Dani Books veröffentlichte mittlerweile zwei Bände als hochwertige Hardcover im Alben-Format. Isnoguds insgesamt 30. Abenteuer „Wie der Vater, so der Sohn!“ erschien im Mai 2017.

Fazit:

Der hinterlistige Knöterich, der wie ein wutschnaubendes Rumpelstilzchen durch Bagdad stampft, bringt durchaus Spaß und sorgt für kurzweiliges Lese-Vergnügen. Dass nicht jeder Gag sitzt, sei dem cholerischen Hutzelmännchen verziehen. Leser der alten „Isnogud“-Geschichten werden sich heimisch fühlen und neue Leser kommen auch auf ihre Kosten. Ich hatte meine Spaß und werde bald den zweiten Band analysieren… macht 60 Piaster!

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