Auftakt des zweiten Zyklus – künstlerisch brillant, erzählerisch ambitionierter.
Lange hat es gedauert – über sieben Jahre mussten wir auf die Fortsetzung von Myre warten. Doch nun kehrt Claudya Schmidt mit dem ersten Band des zweiten Zyklus zurück – und das wie zu erwarten eindrucksvoll.
Neue Herausforderungen
Im Schatten der Wanderer führt die Reise der titelgebenden Heldin weiter, diesmal jedoch ohne ihren vertrauten Drachenbegleiter Varug. Und gerade ihn hätte sie nur zu gut gebrauchen können. Myre kreuzt den Weg der gefürchteten und zerstörerischen Wanderer. Die Begegnung mit einer Anführerin der Stromer endet für Myre mit einer schweren Verletzung, die sie außer Gefecht setzt.
Was Claudya Schmidt erneut großartig gelingt, ist die visuelle Inszenierung. Gleich die ersten Panels demonstrieren ihre künstlerische Klasse. Jedes Panel ist lebendig, atmosphärisch dicht und voller Energie, das Charakterdesign markant und detailreich. Die Farbgebung ist kraftvoll und nuanciert, das hervorragende Spiel mit Licht und Schatten verleiht den Szenen Tiefe und Dynamik. Virtuos spielt sie mit Format und Perspektive. Yria gerät prachtvoller als je zuvor.
Dialoge und Text sind weiterhin eher spärlich eingesetzt, aber nicht ganz so zurückhaltend. Denn erzählerisch wagt Claudy Schmidt diesmal etwas mehr und weicht im Vergleich zum ersten Zyklus von der schlichteren Geradlinigkeit ab. Sie verleiht vor allem ihrer selbstbewussten, draufgängerischen und eher abgeklärten Hauptfigur mehr emotionale Tiefe, öffnet spirituellere Ebenen und bettet Myre in einen größeren, symbolischeren Kontext ein. So gerät Myres Kampf ums Überleben auch zu einer Reise zu sich selbst. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Nur Varug bleibt verschwunden.
Fazit:
Mit Myre – Im Schatten der Wanderer, Buch 1 gelingt Claudya Schmidt ein großartiger Auftakt des zweiten Zyklus. Während sie erzählerisch ambitionierter ihrer Hauptfigur neue Facetten verleiht, entwickelt Sie ihre Welt bildgewaltig weiter. Die visuelle Exzellenz ist dabei keine bloße Kulisse, sondern besonderes Stilmittel. Claudya Schmidt schafft Emotionen dort, wo Worte fehlen – und setzt mit Myre einmal mehr ein großes Ausrufezeichen in der Comic-Landschaft. Buch 2 ist ebenfalls bereits erschienen.

Nico Janssen, Claudya Schmidt, Claudya Schmidt, Splitter





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