Kill or be Killed - Bd. 1

Erschienen: November 2017

Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Atmosphärisch erzählt. Die Ich-Perspektive verstärkt die Wirkung der persönlichen Gedankengänge und Überlegungen des Hauptcharakters.

Zeichnung

Die Zeichnungen von Sean Phillips verpassen der Geschichte den perfekten Look! Die einzigartige Intensität erhalten die Bilder aber erst durch die Kolorierung von Elizabeth Breitweiser.

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André C. Schmechta
Psychogramm eines Killers oder Selbstjustiz im Schatten eines Dämons?

Comic-Rezension von André C. Schmechta Jan 2018

Der 28-jährige Student Dylan hat bereits mehrere Suizidversuche hinter sich, als er erneut beschließt, sich das Leben zu nehmen. Doch auch dieser Versuch missglückt. Die Erkenntnis, dass er immer noch leben will, hat nicht lange Zeit in ihm zu reifen, denn noch in der gleichen Nacht wird er von einem Dämon heimgesucht. Dieser macht ihm mit Nachdruck deutlich, dass Dylan fortan Menschen töten muss, wenn er selber am Leben bleiben will. Und es soll Menschen treffen, die es „verdient“ haben.
„Kill or be killed“ beginnt dann auch - passend zum plakativen Titel - mit einer gnadenlosen Tötungs-Serie und wir erfahren, dass nachfolgend die Geschichte in Rückblenden bis eben zu diesen Taten erzählt wird.

Trostlose Realität

Die Begegnung mit dem Dämon ändert das Leben von Dylan radikal. Die anfängliche Skepsis, was die tatsächliche Existenz des Dämons anbelangt, weicht nicht zuletzt durch einen brutalen Überfall auf Dylan, den dieser als Zeichen des Dämons annimmt, Akzeptanz. Er besorgt sich also eine Waffe und sucht sich sein erstes Opfer.

Autor Ed Brubaker wirft den Leser in eine trostlose Realität, die Dylan umgibt. Stück für Stück offenbart er dem Leser Einblicke in das Seelenleben und die Vergangenheit eines jungen Menschen, der seinen Platz in der Gesellschafft offenbar nicht gefunden hat.

Wir erfahren von Dylans Liebe für Kira, einer jungen Frau und offenbar die Einzige, bei der er das Gefühl hat, verstanden zu werden. Unglücklicherweise ist diese eine Beziehung mit seinem Mitbewohner Mason eingegangen. Dennoch treffen sich Dylan und Kira, tauschen sogar heimlich Zärtlichkeiten aus. Dass ihm diese aber von Kira möglicherweise nur aus Mitleid zukommen, wirft ihn umgehend aus der Bahn und führt zu seinem eingangs erwähnten Entschluss, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Gefangen in einem moralisch fragwürdigen Spannungsfeld

Auch wenn Dylan die Existenz seines Dämons letztlich akzeptiert, wird der Leser diese weiterhin in Frage stellen und das Schattenwesen vielmehr als Personifizierung der inneren Zerrissenheit und der fragilen Psyche Dylans sehen, die in der offensichtlichen Bedrohungslage eine nachvollziehbare Erklärung für sein Handeln liefert. Geschickt baut Brubaker darum seine Geschichte auf und wirft den Leser in ein moralisch fragwürdiges Spannungsfeld. Reicht ein Dämon aus, um die Taten von Dylan zu rechtfertigen? Nein! Aber auch dem Leser fällt es entsprechend leicht, diese zumindest nachvollziehen zu können. Mit den Opfern trifft es zudem auch nur Menschen, die anderen Leid angetan haben. Dylans Leid und sein deprimierender Gemütszustand hingegen tragen dazu bei, dass wir durchweg Sympathie für den Studenten entwickeln.

Die Erzählung aus Ich-Perspektive verstärkt die Wirkung der persönlichen Gedankengänge und nachvollziehbaren Überlegungen, die tiefere Einblicke in den Gemütszustand von Dylan gewähren.

So schlägt auch Dylans Vergangenheit gnadenlos zu, als ihm bewusst wird, dass ein Freund von ihm im Kindesalter bereits das Opfer sexueller Gewalt durch dessen Vater wurde. Führen nur eigene Schuldgefühle dazu, dass Dylan sich unmittelbar in die eigentlich ungeliebten sozialen Medien begibt, um den Vater ausfindig zu machen? Wer das erste Opfer von Dylan werden soll, ist jedenfalls sofort klar.

Auch Kira hat eine offenbar nicht ganz einfache Kindheit erlebt. Diese war von wechselnden Vätern geprägt, wobei der letzte von ihnen ein ausgesprochener Freund von Sex-Orgien war, die auch an Kira nicht ganz spurlos vorübergingen.

Schonungslose,  packende Inszenierung

Für einen Moment scheint dieser Mix aus Sex, Pädophilie und Gewalt – später gesellt sich noch die russische Mafia hinzu - ein wenig zu offensichtlich und konstruiert zu sein. Doch nicht alles läuft ganz so glatt, wie Dylan es sich vielleicht wünscht und so verkommt „Kill or be Killed“ glückicherweise nicht zu einem simplen Selbstjustiz-Drama.

Dazu tragen auch die Zeichnungen von Sean Phillips bei, die der Geschichte den perfekten Look verpassen. Abwechslungsreiche Settings, dynamische Perspektivwechsel, ausdrucksstarke Mimik und Gestik der Protagonisten motivieren beim Lesen auf jeder Seite. Die einzigartige Intensität erhalten die Bilder aber erst durch die Kolorierung von Elizabeth Breitweiser. Kräftiges Schattenspiel durchbricht die eher gedeckten Farben und untermauert die düstere und bedrückende Atmosphäre. Umso effektvoller erscheinen Lichteffekte wie z.B. Leuchtreklame oder Mündungsfeuer.

Schonungslos sind auch die visuellen Ausführungen von Tod und Gewalt. Philips spart nicht an Details, da werden etwa Finger oder gleich ein ganzes Gesicht weggeschossen und es fließt viel Blut. Im Gegensatz dazu wird der Dämon mit flüchtigem Schatten und naiver Strichführung – aber dadurch nicht minder bedrohlicher Erscheinung - umgesetzt, entrückt diesen damit auch optisch von der Realität Dylans.

Fazit:

„Kill or be Killed“ ist ein atmosphärisch dichtes Psychogramm eines gesellschaftlich gestrandeten, desillusionierten jungen Mannes, der zum Killer wird. Ist Dylan psychisch krank? Hat er seinen eigenen Dämon heraufbeschworen, als Ventil für seine trostlose Seele, die nun in Selbstjustiz Gerechtigkeit sucht? Oder gibt es das schwarze Wesen am Ende doch? Diese Frage wird nicht beantwortet. Der Fluch ist zumindest nicht gebrochen und demnach wird Dylan wohl weiter morden (müssen).

Nach dem Lesen erscheint das Cover in einem neuen Licht. In dem Blick, der uns finster entgegenschaut, liegt auch etwas Getriebenes und es liegt die Vermutung nahe, dass es für Dylan kein einfacher Weg wird, seinen Dämon zu bekämpfen und das Morden zu beenden. Ob es ihm gelingt? Ich jedenfalls möchte nun unbedingt wissen, wie es weitergeht.

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