Hinges - Band 2: Papiertiger

Erschienen: Oktober 2016

Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Eine mysteriöse Story, die weiterhin Fragen aufwirft, durch ihren gesellschaftskritischen Subtext aber zum Nachdenken anregt.

Zeichnung

Wie gehabt: Reduziert, atmosphärisch und dynamisch. Leider versperren viele ungünstige Perspektiven den vollen Durchblick.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Die drei ??? und der ratlose Rezensent

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2018

Kein bisschen schlauer…

…bin ich nach dem zweiten Band von „Hinges“… so viel sei jetzt schon mal verraten. Bereits mit „Uhrwerk Stadt“ hatte ich einen etwas holprigen Start und brauchte zwei Anläufe, um mich auf die Geschichte einzulassen. Band 1 warf viele Fragen auf, die unbeantwortet blieben (woran sich auch jetzt nichts ändert) und warf den Leser genauso unvorbereitet in die rätselhafte Welt, wie seine Hauptprotagonistin.

Das Porzellan-Mädchen Orio erwachte in der Puppen- und Marionetten-Stadt Cobble, wo sie von der Oberkrankenwärterin Margo empfangen und eingekleidet wurde. Jeder Bewohner von Cobble ist im Besitz eines kleinen Begleiters, eines Kauzes, den er sich aussuchen muss. Im Falle von Orio war es eher umgekehrt, denn der quirlige Bauble überließ Orios Wahl nicht dem Zufall und folgt ihr seitdem auf Schritt und Tritt. Bei der anschließenden Jobsuche sorgte er für ein heilloses Durcheinander, sollte sich bei einer Konfrontation mit einer Metall-Bestie – einem sogenannten Papiertiger – aber als treuer Gefährte erweisen. Der Beginn einer ungewöhnlichen, aber innigen Freundschaft.

Iiiiiiieh, ein Kobold!

Mehrere Monate sind seit den Ereignissen in „Uhrwerk Stadt“ ins Land gezogen und Orio geht ihrer Arbeit/Bestimmung nach, indem sie defekte Puppen flickt und repariert. Der Magistrat von Cobble hat währenddessen genaue Untersuchungen des Vorfalls mit dem Papiertiger und der damit zusammenhängenden Zerstörung des örtlichen Theaters angeordnet, was die Aufmerksamkeit auf den kleinen Bauble lenkt. Es kommt heraus, dass Orios knuffiger Begleiter gar kein Kauz ist und auch nicht aus Cobble stammt. Er ist somit ein Fremder und wird nicht länger in der Stadt geduldet. Sich einen neuen Kauz auszusuchen kommt für das Porzellan-Mädchen nicht in Frage. Zu sehr hat sie sich an den liebgewonnenen Freund gewöhnt. Sie beschließt Bauble zu befreien, mit ihm zu fliehen und somit die Mauern, die Cobble fest umschließen, hinter sich zu lassen.

Bei ihrer Reise ins Ungewisse treffen die Beiden auf die defekte Puppe Abernathy. Ein Reisender, der von Orio in Handumdrehen wieder flott gemacht wird. Von ihm erfährt sie, dass Abernathy aus einer Stadt namens Perelles stammt, der er freiwillig den Rücken gekehrt hat. Er erzählt Orio, dass das Tor von Perelles jedermann offenstand. Fremde wurden willkommen geheißen, doch sie brachten Veränderung in die Stadt und begannen ihre Bewohner zu zerlegen. Dieses Verhalten blieb nicht ungestraft und die Fremden wurden exekutiert. Das Tor wurde zugemauert und Perelles schottete sich ab. Ein Zustand, den Abernathy nicht ertragen konnte und den Weg ins Exil wählte. Zudem offeriert er Orio, dass es sich bei ihrem kleinen Begleiter nicht um einen Kauz, sondern um einen Kobold handelt. Angeblich meist mies gelaunte Querulanten, was… so einiges erklärt.

Von nun an bahnen sich Orio und Bauble gemeinsam mit Abernathy den Weg durch die Außenwelt. In einer mysteriösen, verlassenen Stadt angekommen, macht Orio eine Entdeckung. Sie findet Aufzeichnungen, deren Abbildungen seltsam vertraut erscheinen… sehr vertraut…

Innerlicher Zwiespalt

Ähnlich wie nach dem Erstling bin ich auch nach „Papiertiger“ hin- und hergerissen…

Auf der einen Seite macht die Geschichte keine Quantensprünge nach vorne und tritt gelegentlich sogar auf der Stelle. Antworten, die man sich schon nach dem ersten Band gewünscht hätte, bleibt die Fortsetzung auch weiterhin schuldig. Die Fragen-Liste wird nach „Papiertiger“ eher noch länger und ich lege all meine Hoffnungen in den dritten und finalen Band von „Hinges“ (voraussichtlich im Juni 2018 bei Popcom).

Dem reduzierten Zeichen-Stil und der blassen Kolorierung bleibt Meredith McClaren auch diesmal treu, was mir in Verbindung mit den markanten Konturen eigentlich sehr gut gefällt. Leider werden aber auch die Schwächen von „Uhrwerk Stadt“ übernommen. Viele Perspektiven sind derart ungünstig, dass man das Buch dreht und wendet, um den Panel-Inhalt erahnen zu können. Zudem sind einige Illustrationen schlichtweg zu dunkel geraten, sodass sie den Inhalt geradezu verschlucken. Textlich wird in „Papiertiger“ nun etwas mehr geboten, als im Vorgänger. Orio spricht! Jaaa, sie spricht… was sich auf der letzten Seite von „Uhrwerk Stadt“ schon angedeutet hat. Allerdings… von einer Plaudertasche ist sie noch meilenweit entfernt.

Auf der anderen Seite gefällt mir der sozialkritische Unterton, der sich vielleicht nicht sofort offenbart. Die Angst und Ablehnung vor dem „Fremden“, wie zum Beispiel Bauble sie erfährt… oder Abernathy, nachdem seine einstige Heimatstadt sich verängstigt abgeschottet hat, als Neuankömmlinge Veränderung brachten und die Oberhand zu gewinnen schienen… all dies weist Parallelen zu unserer Welt auf, die „Hinges“ flüsternd durchschimmern lässt.

Fazit:

Meredith McClaren macht es mir verdammt nochmal nicht einfach. Ich wollte „Hinges“ von Anfang an mögen. Wahrscheinlich so sehr, dass mir die negativen Aspekte (die zweifelsohne vorhanden sind) förmlich ins Gesicht sprangen und mich vom eigentlichen Geschehen ablenkten. Nachdem ich auch den aktuellen Band zweimal gelesen habe (und den ersten ein drittes Mal überflog), muss ich mir eingestehen, dass mich „Hinges“ irgendwie fasziniert und ich extrem gespannt auf den Abschluss bin.

Ganz ehrlich: Am Anfang dieser Rezension fiel meine Bewertung negativer aus. Während des Schreibens griff ich immer wieder zum Buch, um in vereinzelte Passagen zu blicken und irgendwie hat es >KLICK< gemacht. Ich werde das Gefühl nicht los, einen Rohdiamanten in Händen zu halten, der zwar einige Makel hat, aber trotzdem seinen Zweck erfüllt und funkelnd strahlt. Verdammt… jetzt will ich auch ‘nen Kobold.

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