Hinges - Band 1: Uhrwerk Stadt

Erschienen: November 2015

Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Ein märchenhaft-mysteriöser Auftakt, der neugierig macht, aber (noch) mit Antworten spart. Interessante Ansätze mit gesellschaftlichen Parallelen.

Zeichnung

Reduzierter, aber atmosphärischer Look. Dynamischer Stil mit Manga-Einfluss, der leider oft durch ungünstige Perspektiven eine flüssige Handlung blockiert.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Wieso? Weshalb? Warum?

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2018

Was…

…macht einen Comic (oder eine Graphic Novel) zu etwas Besonderem? Zu einem speziellen Erlebnis, das den Leser auch Stunden… Tage… ja, vielleicht sogar noch Wochen nach Beendigung des Buches freudig an die mit ihm verbrachte Zeit zurückdenken lässt? Ein außergewöhnlicher, mitreißender Zeichen-Stil? Eine tiefgründige, packende Geschichte? Vielleicht eine Botschaft, die sich erst später erschließt und den Leser zum Mitdenken animiert? Es kann jeder dieser Punkte sein… oder auch keiner. Aber der Reihe nach:

Wer…

…weiß, wie man sich am besten die Zeit vertreibt, wenn die alljährliche Erkältungswelle auch vor der eigenen Haustür nicht Halt macht und einen ordentlich aus dem Anzug stößt? Richtig… man parkt sich selbst mit Kissen, Decken, genügend Rotzfahnen, diversen Heißgetränken und einem schönen Schmöker auf der Couch und suhlt sich bemitleidenswert durchs Wochenende. So schnappte ich mir den ersten Band von „Hinges“ und war… enttäuscht! Ich wollte was Spannendes, was Reißerisches, etwas das… das… mich ablenkt von meinem dröhnenden Schädel, meiner triefenden Nase und meinem klappernden Unterkiefer (bevor jemand fragt: JA, es war die Männergrippe!). Und was bekam ich? Eine weitestgehend textlose Bildergeschichte in tristen Farben, deren Story ich auf den Klebestreifen meiner mittlerweile leeren Tempo-Packung kritzeln könnte. Ungefähr dreißig Minuten (und zwei kurze Erholungs-Nickerchen) später war das Ding auch durchgekaut und wurde (unter großer Anstrengung und aus dem letzten Loch pfeifend) zur Seite gelegt. Hm… toll. War wohl nix. *HATSCHI!*

Wieso…

…ich mir „Hinges“ am nächsten Tag nochmal zur Brust nahm, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht ahnte ich, dass ich vorschnell geurteilt hatte… oder es war der Fieberwahn. Egal… jedenfalls beschäftigte mich die auf den ersten Blick dünne Geschichte und siehe da: Es war eine gute Entscheidung!

Der erste Band von Meredith McClarens „Hinges“, mit dem Titel „Uhrwerk Stadt“, beginnt damit, dass ein junges Mädchen hinter einem gigantischen Ziffernblatt in einem Uhrenturm erwacht. Doch sie ist kein gewöhnliches Mädchen, eher… eine Puppe. Eine zierliche Puppe aus Porzellan. Ohne jegliche Erinnerung wer, oder wo sie ist. Ihr einziger Besitz – eine Taschenuhr – weist eine verschnörkelte Gravur auf: „ORIO“. Das musste ihr Name sein… Orio (Nein, nicht der Keks). Bevor Orio weiß, wie ihr geschieht, wird sie von Oberkrankenwärterin Margo gemustert. Margo ist ebenfalls eine Puppe… eher eine Marionette, die an dünnen Fäden hangt. Sie führt Orio erst in einen Ankleidezimmer und anschließend in einen Raum, in dem sie sich einen kleinen Gefährten – einen sogenannten „Kauz“ – aussuchen soll. Jeder Bürger besitzt solch einen stofftierähnlichen Kauz, doch anders als bei den Meisten, sucht sich der Kauz in diesem Fall seinen Besitzer aus. Der quirlige Bauble drängt sich der jungen Orio praktisch auf und soll ihr von nun an nicht mehr von der Seite weichen. Nachdem dieser Punkt auch abgehakt ist, gibt es einen freundlichen Schubs von Margo und schon steht das Püppchen, samt Kauz, vor der Türe: Willkommen in Cobble!

Wem…

…Orio jetzt in dieser ihr fremden Welt vertrauen, oder wo sie hin soll, weiß sie nicht. Doch allzu lange ist sie nicht allein. Die ihr zugeteilte Einweiserin Alluet nimmt sich des Neuankömmlings an und soll ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen. Alluet wird zeitgleich auch Orios Mitbewohnerin und soll ihr das Einleben in Cobble erleichtern… wozu auch die Hilfe bei der Jobsuche gehört. Diese gestaltet sich allerdings nicht ganz einfach, denn der überdrehte Bauble sorgt bei jedem potentiellen Vorgesetzten für heilloses Chaos und so landet Orio – mitsamt dem kleinen Unruhestifter – schneller vor der Tür, als sie „Mindestlohn“ sagen kann. Ach ja, mit dem Sprechen hat es Orio nicht so und verständigt sich hauptsächlich durch Mimik und Gestik. Dass ihr kleiner, neuer Begleiter aber mehr auf dem Kasten hat, als ihr die steile Karriere in Cobble zu versauen, soll sich schon bald zeigen. Orio und ihr putziger Quälgeist müssen gegen eine drohende Gefahr an einem Strang ziehen und so kristallisiert sich heraus, was im Leben wirklich zählt…

Womit…

…“Hinges“ sofort punkten kann, ist der wundervolle, reduzierte Stil. Meredith McClaren konzentriert sich in ihren äußerst schwungvollen Zeichnungen auf das Wesentliche und setzt voll auf eine blasse, kaum wahrnehmbare Farbgebung, die ihren liebevollen Charakteren eine zusätzliche Fragilität verleiht… neben der Tatsache, dass es sich um Puppen handelt. Speziell die mysteriöse, porzellanhäutige Orio, die in ihrer naiven Unschuld besonders zerbrechlich wirkt, weckt beim Leser den Beschützerinstinkt. Der knuffige Kauz Bauble dürfte auch so manches Herz im Sturm erobern. So könnte der kleine Racker, mit Hang zur grundlosen Zerstörung, doch glatt ein entfernter Verwandter eines gewissen Herrn Pikachu sein… vielleicht kennt den ja jemand. Meredith McClarens Manga-Einflüsse sind jedenfalls nicht von der Hand zu weisen, was der Geschichte aber sehr gut zu Gesicht steht. „Hinges“ wurde übrigens zuerst als Webcomic veröffentlicht, bevor eine Kickstarter-Kampagne der Geschichte zu einer physischen Publikation verhalf. Zwischen 2015 und 2017 brachte der amerikanische Image-Verlag drei Paperbacks auf den Markt, mit denen die Story auch zu Ende erzählt ist.

Wo…

…viel Licht, ist auch viel Schatten: Eine Geschichte, die äußerst sparsam mit textlichen Informationen umgeht, sollte die Handlung dann wenigstens optisch klar und schlüssig transportieren können. Leider hakt es da in „Uhrwerk Stadt“ etwas. Häufig werden von der Künstlerin unvorteilhafte Perspektiven gewählt, die den Panel-Inhalt nur erahnen lassen und so den Lesefluss bremsen. Ein wenig mehr Struktur hätte hier gutgetan. Zudem tappt der Leser sehr lange im Dunkeln… und wird es auch noch etwas länger tun, denn der erste Band wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Da die Geschichte auf drei Bände ausgelegt ist und der Finalband, der voraussichtlich im Juni 2018 erscheinen wird, wohl erst die komplette Auflösung offenbart, kommt man sich hier vor, als hätte man nur einen überlangen Prolog gelesen. Interessante Ansätze sind definitiv vorhanden und meine Neugier ist auch geweckt, dennoch bin ich etwas zwiegespalten. Die positiven Eindrücke überwiegen aber und der nächste Ausflug nach Cobble wird mit Sicherheit mehr Licht in die Story um Orio und Bauble bringen.

Die deutsche Ausgabe von „Hinges, Band 1: Uhrwerk Stadt“ wurde vom Popcom-Verlag herausgebracht und besticht schon rein äußerlich durch ein tolles Design. Das stabile, wertige Hardcover zeigt ein stimmiges und atmosphärisches Front-Motiv und wird durch einen weißen Glanzlack-Schriftzug veredelt. Druck und Papierqualität bestätigen den positiven Ersteindruck. Der günstige Preis ist vorbildlich und entschädigt die leider recht kurze Lesedauer.

Wie…

…lautet die Moral von dieser Rezension?

Punkt 1: Auch wer morgens Nägel frisst, mit Tabasco gurgelt und mit der Handkante Bäume fällt, darf bei einer tödlichen Männergrippe mal leiden.
Punkt 2: Urteile nicht vorschnell… so manche Geschichte entfaltet ihr Potenzial erst auf den zweiten Blick.
Punkt 3: Hab ich das mit der unfassbar tödlichen Männergrippe schon erwähnt?

Fazit:

Auch wenn ich mich anfangs schwertat, bin ich im Endeffekt zufrieden mit „Hinges“. Nach dem ersten Band ist zwar deutlich Luft nach oben, aber der Anfang ist gemacht und das mysteriöse Cobble, mit seinen liebenswerten Charakteren, hat mich mehr verzaubert, als ich anfänglich wahrhaben wollte. Die Geschichte weist sogar starke Parallelen zu unserer Welt auf, in der unzählige Menschen ebenfalls noch auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft sind. Vorgegebene Pfade und bürokratische Prozesse, die jegliche Individualität und Kreativität einschränken, dürfte es auch nicht nur in Cobble geben.
Ein warmes Gefühl in der Magengegend sagt mir, dass dort noch Spannendes passieren wird und Kauz Bauble noch für einige Überraschungen sorgt… vielleicht sind es aber auch nur die drei Liter Bronchien-Tee, die langsam anklopfen.

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