Head Lopper - 1. Die Insel... und eine Bestienplage

Head Lopper - 1. Die Insel... und eine Bestienplage
Head Lopper - 1. Die Insel... und eine Bestienplage
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Marcel Scharrenbroich
7

Comic-Couch Rezension vonJul 2022

Story

Ein flott erzähltes Intrigenspiel mit reichlich Action… und viel umherfliegenden Köpfen.

Zeichnung

Simpel, clean und irgendwie gar nicht Fantasy-like. Muss man schon mögen, um im Minimalismus nicht verloren zu gehen.

Modernes Metzeln mit dem rustikalen Köpfer vom Dienst

Schnipp-schnapp, Rübe ab!

„Köpfer, Sir Kopf-ab, Vollstrecker, Sohn des Minotauren… ich habe viele Namen. Aber nennt mich einfach Norgal. Ja, Norgal ist gut, schließlich wurde mir dieser Name vor langer Zeit ungefragt gegeben. Was ich so mache? Nun, ich verbringe den lieben langen Tag damit, Ungeheuer, Diebe und jeden, der meinen Weg mit niederen Absichten kreuzt, einen Kopf kürzer zu machen. Für Geld, Gold und jegliche andere Bezahlung, versteht sich… ein umherziehender Single mittleren Alters mit schickem Rauschebart in mausgrau will seine Dienste schließlich entlohnt wissen. Was? Eigenbrötler? Ich??? Nein, ganz und gar nicht. Eigentlich bin ich ein ganz geselliges Kerlchen… man darf mir nur nicht auf den Sack gehen. Wenn doch, dann ZACK!!!, ihr versteht? So erging’s auch der elenden Blauhexe Agatha. Nur zu dumm, dass ihr dämlicher Schädel noch mehr plapperte, nachdem ich ihn von ihren Schultern getrennt hatte. Tja, seitdem schleppe ich ihn in einem Sack mit mir herum. Ach kommt, was sollte ich denn sonst machen? Zeugen zurücklassen??? Geht sie mir zu sehr auf den Pinsel, kicke ich ihre Rüber gerne mal ein wenig durch die Gegend. Das hält fit und reguliert den Blutdruck. Solche Sachen sind im Alter nicht zu unterschätzen, das sage ich euch!

Jedenfalls war ich kürzlich wieder mit dem beschäftigt, was ich am besten kann, als die Gattin des verstorbenen Herrschers des Inselreichs Barra an mich herantrat. Das überschaubare Dörfchen Castlebay wird ordentlich von Ungeheuern gebeutelt. Riesige Wölfe, Seeschlangen und andere Bestien. Ein paar von denen sind mir schon zufällig ins Schwert gerannt, doch in offiziellem Auftrag macht das Meucheln bei rollendem Rubel gleicht noch mehr Spaß…, ich meine Sinn! Es macht mehr Sinn. So sollte ich mich also ins schwarze Moor aufmachen, wo ein angeblich ach so mächtiger Zauberer haust, der seine wilden Bestien über das Land schickt und damit Angst und Schrecken verbreitet, sowie Leid und Tod verursacht. Eigentlich ganz einfach. Was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ahnen konnte, war, dass der schmierige Landvogt von Barra einen Deal mit dem nicht minder schmantigen Zauberer hat. Der will doch tatsächlich den ollen Schädel der lästigen Agatha! Angeblich geht von dem verlausten Ding eine ordentliche Portion Macht aus, die es dem garstigen Herrn Zauberer ermöglichen soll, endlich dem schwarzen Moor, in dem er magisch festgehalten wird, zu entfliehen. Da hat der gegen den Strich gebürstete Landvogt der feinen Milady mal schnell den Floh ins Ohr gesetzt, dass ich mit dem Talent des Kopfabschlagens-in-drei-Zügen gesegnet bin, und wohl der Richtige für die Beseitigung der Bestienplage wäre. Was er wohl unter den Tisch fallen ließ, ist, dass ich praktischerweise Agatha mit mir herumtrage. Und ich Idiot latsche direkt in die Falle… und damit in die bereits gierig wartenden Arme des Zauberers. Scheiße… hätte so ein schöner Tag werden können…“

Eine Frage des Stils

Der Stil, in dem „Head Lopper“ von Andrew MacLean gezeichnet ist, ist durchaus… sagen wir „gewöhnungsbedürftig“. Ich brauchte sehr lange, bis ich mich damit zumindest halbwegs arrangieren konnte. Und letztendlich muss ich sagen, dass der äußerst reduzierte Look mich auch nach Ende des ersten Bandes nicht wirklich überzeugt. Es mag daran liegen, dass die sehr stilisierten Charaktere kaum Nähe zulassen. Sieht man Norgal mal frontal ins Gesicht, sieht man Bart und Augen. Gefühlsregungen fehlen meist komplett. Außerdem empfinde ich den Stil von MacLean als zu modern, um in einem Fantasy-Setting mit Wikinger-Kriegern, Magiern und Ungeheuern bestehen zu können. Zu oft fühlte ich mich an - vom künstlerischen Anspruch eher fragwürdige – „Rick and Morty“- oder „Adventure Time“-Figuren erinnert. Obendrauf kommt aber noch ein ordentliches Einfluss-Häubchen von „Hellboy“-Schöpfer Mike Mignola. Trotz Stil-Merkmalen des Minimalismus, können dessen Bilder - dank großzügigem Einsatz von tiefschwarzen Schattierungen – Tiefe und dementsprechend Atmosphäre erzeugen. Das geht den cleanen Illustrationen von Andrew MacLean leider weitestgehend ab.

So ist die Bewertung der Zeichnungen für mich ein zweischneidiges Schwert (*Ba-dum – tss*), denn obwohl Stil und Setting schwer unter einen Hut zu bringen sind, schafft es MacLean, die Story selbst in textfreien Passagen schlüssig und flüssig durch Bilder zu erzählen. Deshalb bleibe ich in diesem Punkt neutral, muss aber unbedingt den tollen Bonusteil des Hardcover-Bandes loben. Einige Seiten aus MacLeans Skizzenbuch geben interessante Einblicke in die Entstehung der Figuren, während in der Artwork-Galerie bombastische, ganzseitige Bilder unterschiedlicher Künstler folgen. Max Fiumara, Tradd Moore, Tyler Jenkins und Mike Mignola & Dave Stewart, um nur ein paar zu nennen. In der Cover-Galerie der IMAGE-Einzelhefte geht es nahtlos weiter. Neben den Motiven von MacLean finden sich Variant-Artworks von Rafael Grampá, Mike & Laura Allred, James Stokoe und „The Umbrella Academy“-Zeichner Gabriel Bá.

Fazit:

Der Epilog des ersten Bandes kündigt bereits die Rückkehr von Norgal und Agatha an. „Head Lopper … und der blutrote Turm“ wird dann im Oktober 2022 die US-Hefte #5 bis 8 und somit die abgeschlossene Story „The Crimson Tower“ - inklusive Epilog - beinhalten. Trotz Startschwierigkeiten werde ich, dank angeborener Neugier, ins zweite Abenteuer reinschauen. Allein schon, um den handfesten und ebenso witzigen Wortgefechten zwischen Agatha und Sir Kopf-ab beizuwohnen.

Head Lopper - 1. Die Insel... und eine Bestienplage

, Andrew MacLean, Cross Cult

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