Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Ein vielversprechender Auftakt der antiken Western-Saga aus China, für dessen Fortsetzung ich noch etwas Luft nach oben lassen möchte. Die Richtung stimmt aber bereits…

Zeichnung

In ruhigen Passagen solide, während die Seiten beben, wenn es zur Sache geht. Durchaus gelungen und stylish, mit leichten Abzügen durch die Proportions-Problematik.

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Marcel Scharrenbroich
1½ Ritter

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2020

I’m A Poor Lonesome… Biaoren

Biaoren bezeichnet einen Kopfgeldjäger und Geleitwächter in Personalunion. Zu dieser kampferprobten Zunft umherreisender Ritter gehört auch Daoma. Zusammen mit seinem kleinen Sohn Xiaoqi (Gesundheit!) streift er durch die westlichen Wüstengebiete des Jahres 607 (n. Chr.). Stets auf der Suche nach dem schnellen Geld. Mit großer Klappe – und nicht minderem Mut – gesegnet, geht Daoma selten einer Konfrontation aus dem Weg. Sollte er auch nicht, wenn er fleißig auf Verbrecher ausgesetztes Kopfgeld sammeln will. Bei seinem Auftraggeber, dem alten Mo, steht er nämlich noch in der Kreide. Dies hört sich schlimmer an als es ist, denn Mo würde dem ehrenhaften Biaoren gerne seine Schulden erlassen, da dieser schon reichlich Geld in die Kassen seines Abnehmers gespült hat… aber Daoma steht zu seinem Wort… und seinen Schulden.

Sein nächster Auftrag sollte diese Ehrenschuld allerdings begleichen: Satte 6.000 Geldmünzen sind auf den gefährlichen Mörder, den man die doppelköpfige Schlange nennt, ausgesetzt. Dieser Name kommt nicht von ungefähr, da den Gesuchten eine Tätowierung einer ebensolchen Schlange ziert, die sich in Form einer liegenden 8 (oder dem Zeichen für Unendlichkeit, wie man möchte…) über dessen Bauch schlängelt. Rund 500 Meilen ostwärts müssen Daoma und Xiaoqi zurücklegen, um an den Ort zu gelangen, der sich Stadt des roten Sandes nennt.

Der Empfang könnte ausladender nicht sein, da direkt über der Pforte der Stadt drei aufgeknüpfte Leichen baumeln. Gastfreundschaft sieht anders aus… Zumindest in der örtlichen Herberge werden die Neuankömmlinge angemessen aufgenommen. Der lasche und untertänige Gastwirt, der dort ebenfalls mit seiner Gattin und seinem Sohn lebt, welcher seinen Vater für den größten Waschlappen unter der Sonne hält, bietet den beiden Unterkunft. Da das Örtchen für seine heißen Quellen berühmt ist, führt der Gastwirt Daoma in eines dieser feinen Etablissements. Es dauert nicht lange, bis der frisch Eingetroffene sich mit den Einheimischen anlegt und so auf den tyrannischen Herrn Chang trifft, der in der Stadt alle Fäden zieht und zudem die Existenz des freundlichen Gastwirts und seiner Familie bedroht. Genau das richtige für den heißblütigen Biaoren…

Um das eigentliche Ziel dieser Reise nicht zu vergessen: Die doppelköpfige Schlange hat ihre Giftzähne schon in Lauerstellung gebracht und alles riecht nach einem flotten Dreier auf Leben und Tod, zwischen Daoma, Chang und dem eiskalten Killer.

PLUMPS! ZISCH! KLATSCH!

Ein Auftakt, der nicht lange fackelt und direkt auf den ersten Seiten die Marschroute vorgibt. Actionlastig, gewitzt und knallhart. Wenn Daoma die Schwerter sprechen lässt, fliegen nicht selten Körperteile quer durch die Panels. Der chinesische Manhuajia (so werden die Zeichner dieser Comics genannt) Xu Xianzhe, der mit „Die Klingen der Wächter“ sein beeindruckendes Manhua-Debüt ablieferte, stürmte in seinem Heimatland die Bestseller-Listen und sorgte damit auch außerhalb Chinas für Furore.

Auch wenn zeichnerisch noch Luft nach oben wäre, bin ich mit meiner persönlichen Manhua-Premiere sehr zufrieden. Der etwas steif geratene Stil wird aber durch rasende Action wieder wettgemacht. Wenn es in den Kampf geht, deuten zischende Schraffuren die temporeiche Dynamik an und die Ritter posieren äußerst stylish, während sie rau und skizzenhaft einen Angriff beenden oder zum nächsten, schmetternden Hieb ansetzen. Auf Farbe wurde gänzlich verzichtet, da der übermäßige Verbrauch von Rot wohl sonst schnell zu Engpässen im Atelier geführt hätte. An die Altersempfehlung ab 16 Jahren sollte sich demnach auch gehalten werden.

Mit Proportionen hat Xu Xianzhe anscheinend auch nicht so viel am Hut, da der angeblich drei- bis vierjährige Sohn des Hauptprotagonisten ihm gerade einmal bis zu Kniescheibe reicht, während der bullige Herr Chang nur mit Ach und Krach auf eine ganze Seite passt. Dies mag durchaus beabsichtigt sein, um den Beschützerinstinkt bei dem vorlauten Bengel zu wecken und die schützende Hand, die Daoma über seinen Sohn hält, optisch zu verstärken, während am Beispiel von Chang dessen einschüchternde Macht demonstriert werden soll. Verständlich… aber komisch sieht es trotzdem aus.

Manhu… Man… Man… WAS?

Manhua. So werden sie schlicht und einfach genannt, die Comics aus China… dem Reich der Mitte. Dieser Begriff geht zurück auf den Maler und Karikaturisten Feng Zikai (1898 – 1975). Als dessen Karikaturen 1925 erstmals unter dem Namen Zikai manhua in der chinesischen Literaturzeitschrift Wenxuezhoubao abgedruckt wurden, behielt man diesen Begriff für das graphische Medium einfach bei. Wohl auch angelehnt an das bereits etablierte Pendant aus Japan: Manga.

Die Verwandtschaft von Manga und Manhua ist nicht von der Hand zu weisen, unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten. Manhua, meist produziert in Taiwan und Hongkong, orientieren hauptsächlich an der chinesischen Antike, wie auch „Die Klingen der Wächter“ zeigt. In diesem konkreten Beispiel während der Sui- (581 - 618) und Tang- (618 – 907) Dynastien. Manga bedienten und bedienen sich zwar auch dieser Quellen, sind aber seit den 1920er- bis 30er-Jahren eher westlich geprägt, da Comic-Strips aus den USA zu dieser Zeit auch nach Japan schwappten. Ebenso wie bei den Amerikanern, nutzte man die Karikaturen auch zu Propagandazwecken. Beispielsweise zu Kriegszeiten. Zudem gab es Unterschiede in der Panelstruktur, wobei Manga meist sortierter erschienen und Manhua künstlerischer anmuteten. Doch auch hier gibt es je nach Geschichte und je nach Künstler Überschneidungen. Die Kreativität folgt halt keinen Regeln und lässt sich in kein Korsett zwängen.

Zur Vervollständigung seien hier auch noch die koreanischen Manhwa erwähnt. Diese werden in westlicher Leserichtung gelesen, während der geneigte Leser Manhua und Manga von hinten nach vorne und innerhalb der Seiten von oben rechts nach unten links konsumiert.

Fazit:

Der Cheflektor von Xinmanhua, Kazuji Kurihara, verspricht im Vorwort nicht zu viel, wenn er die Reihe über den Klee lobt und einen schnellen und rauscherregenden Einstieg prophezeit. Ich las Band 1 in einem Rutsch und bin extrem neugierig auf die Folgebände, die zum Teil schon von Chinabooks veröffentlicht wurden. Regelmäßige Manga-Leser sollten sich diesen Titel unbedingt auf ihren Einkaufszettel schreiben… und Liebhaber fernöstlicher Kultur sowieso.

Die Klingen der Wächter - Band 1

Die Klingen der Wächter - Band 1

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