Couch-Wertung

6
Story
Zeichnung

Story

Obszön, respektlos und knallhart. Wer sich an der ausufernden Gewalt und der Fäkalsprache nicht stört, bekommt einen wendungsreichen Agenten-Thriller mit reichlich Vollgas und schlechtem Geschmack.

Zeichnung

Näää, Burnhams Charaktere sind der größte und unproportionierte Kritik-punkt, während die Action rasant, überzeichnet und solide über die Bühne geschaukelt wird. Optisch aber mehr „Comic“ als dem Thema angemessen.

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Marcel Scharrenbroich
„Ich sehe tote Menschen…“ - Cole Sear

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mär 2020

Bond, Hunt und Bourne…

… in einer Person… x 3. So ungefähr könnte man die Brüder John, Paul und George beschreiben. Nein, es handelt sich nicht um die Beatles, sondern um drei höchstgefährliche Killer. Bereits in der Kindheit von ihrem Vater – ebenfalls Auftragsmörder – ausgebildet, gingen die Drillinge irgendwann eigene Wege. Während Paul im Dienste der Regierung die (tödliche) Drecksarbeit erledigt, die unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen darf, arbeitet George skrupellos auf eigene Rechnung. John hat sich hingegen in die abgelegene Wildnis zurückgezogen und führt ein Einsiedlerleben.

Als Paul, das beste Pferd im ultra-geheimen Stall von Senatorin Connie Lipshitz, in die Hände der Feinde fällt und diese ein Präsent in Form einer abgeschnittenen Nase an die Leiterin der Kabale schicken, wird ein weiterer Hochkaräter aktiviert: Der bullige Sprengstoffexperte mit Herz und Familiensinn Nate, der John aus dem selbstgewählten Ruhestand holen soll, um seinen Bruder zu retten. Dieses hat auch George ins Auge gefasst… allerdings hat dieser ganz andere Beweggründe.

John lässt sich widerwillig überreden und die Rettungsmission gelingt… zumindest vermeintlich. Denn ein wichtiges Detail haben wir Nate, John und der Kabale voraus: Wir wissen, was WIRKLICH bei Pauls Befreiung geschah…

Zeitgleich spielt sich ein interner Machtkampf auf Regierungsebene ab, dessen Ausgang die Welt, wie wir sie kennen, für immer verändern könnte. Verschwörung, Verrat, Intrigen, Präsidentenmord… das ganze dreckige Schlammschlacht-Programm. Fehlt nur noch, dass jemand auf den roten Knopf drückt… oder?

Der Gott des Gemetzels

Der Titel des gleichnamigen Theaterstücks der französischen Schriftstellerin Yasmina Reza könnte irgendwann mal auf Robert Kirkmans letzter Ruhestätte stehen, denn neben der blutgetränkten Schlachtplatte „DIE! DIE! DIE!“ ist der amerikanische Comic- und Drehbuchautor auch für die kürzlich vollendete Comic-Reihe „The Walking Dead“ verantwortlich.

Diese hielt sich bekanntlich ebenfalls nicht zurück, was den Härtegrad anbelangt, und ließ sowohl im gedruckten Original sowie in der langlebigen TV-Adaption gleich reihenweise beliebte Charaktere über die Klinge springen. Hat man im Comic, der im Juli 2019 mit der US-Ausgabe #193 die letzte Runde einläutete, noch einen Absprung gefunden, steht die AMC-Serie in der aktuell 10. Staffel noch einigermaßen im Saft… obwohl die stetig sinkenden Zuschauerzahlen schon seit gefühlt 6 Seasons den drohenden Untergang ankündigen. Ex-Showrunner und „DIE! DIE! DIE!“-Co-Autor Scott M. Gimple hat bereits eine 11. Staffel angedeutet und den Fans sei es gegönnt, dass die Verantwortlichen den „latschenden Schlaftabletten“ nicht irgendwann ohne zufriedenstellenden Abschluss endgültig den Stecker ziehen. Vorerst scheint die Zukunft noch gesichert, da bereits mehrere Filme mit dem ehemaligen Hauptdarsteller Andrew Lincoln angeteast wurden und die Schwester-Serie „Fear the Walking Dead“ ebenfalls noch auf dem Sendeplan steht.

Ganz anders erging es der Serie „Outcast“, die ihre Wurzeln auch in einer Kirkman-Comic-Vorlage hatte. Nach nur zwei Staffeln war schon wieder Schluss mit dem Spuk, nachdem bereits Season 1 deutlich hinter den Erwartungen des produzierenden US-Senders Cinemax blieb. Da war es dann auch nicht förderlich, dass die Folgestaffel ganze zwei Jahre auf ihre Ausstrahlung warten musste. Das Publikum war längst weitergezogen und weinte dem subtilen Horror um dämonische Besessenheit und Vergangenheitsbewältigung keine Träne nach… was eigentlich schade ist, da durchaus Potential vorhanden war und auch das bebilderte Pendant mit viel Atmosphäre punkten konnte.

Aktuell erscheint zudem Robert Kirkmans gefeierte und Eisner Award-nominierte Superhelden Saga „Invincible“ in wuchtigen Sammelbänden. Ebenso wie „The Walking Dead“ und „Outcast“, wird auch „Invincible“ vom Cross Cult Verlag in die Regale der Händler gebracht. Da darf es kaum verwundern, dass auch Kirkmans neustes Werk von den Ludwigsburgern veröffentlicht wird. Und zwar im hochwertigen Hardcover, dessen saftiges Frontmotiv den potentiellen Leser schon mal mit Holzhammer darauf einstimmt, was ihn erwartet: GEWALT! GEWALT! GEWALT!

„Nein, das ist Deutsch und heißt „Die Bart, Die“….“
- Robert Underdunk Terwilliger Jr.

DIE! DIE! DIE! ist in „DIE! DIE! DIE!“ Programm und somit wörtlich zu nehmen, denn gestorben wird hier viel… quasi am Fließband. Es werden Nasen abgeschnippelt, Visagen weggeschossen, Weichteile zu Matsch getreten und es wird sich in die Buxe geschissen, bis es im eigenen Höschen qualmt. Außerdem wird geflucht, dass sich die Balken biegen. Vom bösen F-Wort (und ich meine damit nicht „Ficken“) bis hin zu Beleidigungen jenseits jeglicher Gürtellinien, sodass es selbst mir als Ruhrpottler noch einen rosigen Teint auf die Bäckchen zaubert, wird die ganze Palette an verbalen Tiefschlägen aufgefahren. Wer sich an so einem Best-of aus dem Anti-Knigge nicht stört, darf gerne einen Blick riskieren, denn die Story ist für eine augenscheinlich platte Schlachtplatte sogar ganz gut geraten. Auf der Thriller-Ebene funktioniert das Obszönitäten- und Brutalitäts-Sammelsurium mit „Mission: Impossible“-Anleihen mit einigen Wendungen und flotter Inszenierung. Auf der Rückseite mit einer Altersempfehlung 16+ gekennzeichnet, würde ich diese allerdings sogar noch höher ansetzen… aber dies ist nur mein subjektives Empfinden.

Stilistisch kann ich den Zeichnungen von Chris Burnham leider nicht so viel abgewinnen. Seine dicken Outlines störten mich bereits in „Officer Downe“ und zum Teil auch in Grant Morrisons „Nameless“. Darüber könnte ich noch hinwegsehen, wenn seine Charaktere wenigstens über eine halbwegs glaubwürdige Physiognomie verfügen würden, aber davon sind sie weit entfernt. Verzerrte Gesichter, übergroße Köpfe und Körperhaltungen, dass es jedem Orthopäden die Tränen in die Augen treibt. Dafür ist die Action brachial und temporeich in Szene gesetzt, was für einen Comic, der sich „DIE! DIE! DIE!“ nennt auch unverzichtbar ist. Hier gibt es also Pluspunkte. Ebenso für die solide Kolorierung von Nathan Fairbairn, die besonders in dunklen und Schatten-lastigen Passagen überzeugt. Die Cover-Galerie im Anhang zeigt dann noch mal ein paar Motiv-Highlights der Gore-Parade.

Fazit:

Bad-Taste der unterhaltsamen Art: Der Fun-Faktor in „DIE! DIE! DIE!“ ist erschreckend hoch, was vielleicht mehr über mich aussagt als ich eigentlich wissen wollte… egal. Jedenfalls sollte man nicht zartbesaitet sein, wenn man sich zum Kauf dieser Action-Orgie entscheidet. Wen das blutbesudelte Cover anspricht, wird auch vom Inhalt nicht enttäuscht werden. Aber seid gewarnt: Guter Geschmack geht definitiv anders… GANZ anders.

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