Text: Richard Marazano   Zeichner: Ingo Römling

Die Chroniken des Universums - 2. Die Zeitesser

Die Chroniken des Universums - 2. Die Zeitesser
Die Chroniken des Universums - 2. Die Zeitesser
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Marcel Scharrenbroich
8

Comic-Couch Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2022

Story

Der zweite Band legt eine Schüppe drauf und macht Lust auf mehr. Eine Spaceopera, die ihr volles Potential noch zu entfalten scheint. Der eingeschlagene Weg ist schonmal der Richtige… bleiben Sie auf Kurs, Captain!

Zeichnung

So macht Science-Fiction Spaß! Farbenfroher Zeichentrick-Look und beeindruckende Umgebungen.

Wir haben doch keine Zeit! Oder… vielleicht doch?

Gestrandet im Nirgendwo

Die junge Besatzung des Schiffes Thukydides hatte es ordentlich durchgeschüttelt, als sie während eines Erkundungstrips mit ihrem Dekan in einen Sternenstrudel gesaugt wurde. Sie strandeten dort auf einem verlassenen, unbekannten Planeten, auf dem sie einen alten Tempel vorfanden. Sie taten, was sie am besten können: Erkunden. Und innerhalb des Tempels stießen sie auf die Chroniken des Universums.

Seitdem kreuzen die Studierenden mehr oder weniger planlos durchs All. Unwissend, wo und in welcher Zeit sie sich befinden, sind sie auf sich allein gestellt. Sie erhoffen sich, mit der Entschlüsselung der Chroniken einen Weg zu finden, wieder nach Hause zu gelangen… doch dieses Unterfangen erweist sich als äußerst komplex, wissen sie doch nicht ansatzweise, welche Geheimnisse die Schriftrollen verbergen. Neben dem mittlerweile seines Amtes enthobenen Dekan könnte Pearl, ein eigentlich als Gefangener mitreisender Außerirdischer mit Psy-Kräften, bei der Entschlüsselung hilfreich sein. Doch bevor sich in aller Ruhe den Chroniken gewidmet werden kann, will ein weiteres Phänomen untersucht werden:

Die Thukydides rumpelt mit gedrosselter Geschwindigkeit durch scharfkantigen Schrott, der in rauen Mengen durchs Weltall treibt. Das hätte auch schnell ins Auge gehen und der eh schon aus dem Ruder gelaufenen Mission ein vorschnelles Ende bereiten können. Polly und Mark beschließen, sich das Chaos außerhalb des Schiffes einmal genauer anzuschauen. Zwischen dem Weltraumschrott stoßen sie auf ein in arge Mitleidenschaft gezogenes Schiffswrack. Getrieben vom Forscher-Drang - immerhin studieren sie an der „Akademie der universellen Geschichtswissenschaft“ -, betreten die beiden das scheinbar verlassene Schiff… man könnte allerdings auch sagen, dass es pure Neugier und Abenteuerlust ist. Die dunklen Gänge führen Polly und Mark in einen größeren Raum. Was sie dort entdecken, verschlägt den eigentlich nicht auf den Mund gefallenen Studenten fast die Sprache. Inmitten eines geometrischen Gestells schwebt ein Raumanzug. Vollkommen intakt. Was aber noch wichtiger ist… der Raumanzug ist nicht leer!

Die beiden bringen ihren Fund vorsichtig an Bord der Thukydides. Dort stellt Qsi schnell fest, dass es sich bei dem Inhalt um einen Menschen handelt. Ein Botschafter. Ausgesandt von der Erde, um zu einem fernen Planeten zu reisen und dort die völlige Kapitulation der Menschheit vor dem Volk Tlaxcaltas zu verkünden…

Da waren sie wieder, meine 598 Probleme…

Es wird nicht einfacher für die Crew der Thukydides. Ganz im Gegenteil. Wenn es kommt, dann kommt es richtig… und bevor ein Problem erfolgreich gelöst wurde, klopfen schon drei weitere an die Tür. Polly, Mark, Adya, Qsi, Oot-Jah, der Dekan und Pearl mögen mir da vielleicht nicht zustimmen, aber für uns Leser wird die zunehmend komplexer werdende Mission nur noch interessanter. Autor Richard Marazano füttert uns mit Grenzen sprengenden Zeit-und-Raum-Fragen, führt uns an entlegene Orte zwischen Hier und Nirgendwo und bringt uns die Charaktere näher, was ich im ersten Band „Der Sternenstrudel“ noch etwas bemängeln musste. In „Die Zeitesser“ erfahren wir mehr über die ungewollten Weltraum-Vagabunden, was sich auch auf das Liebesleben der Reisenden bezieht. Hier geht es ebenso humor- wie gefühlvoll zu, inklusive einiger Irrungen und Wirrungen. Marazano kann dabei nicht nur auf seine Kenntnisse aus dem Physik- und Astrophysik-Studium zurückgreifen, sondern auch auf seine bisherige Erfahrung als Sci-Fi-Autor. Von ihm stammen beispielsweise die Titel „Pelikan Protokoll“, „S.A.M.“, „Absolute Zero“, „Der Schimpansenkomplex“ und „Die drei Geister von Tesla“, welche ebenfalls als Alben-Reihen bei SPLITTER veröffentlicht wurden.

Für die hervorragenden Zeichnungen ist erneut Ingo Römling verantwortlich, dessen langerwarteter fünfter „Malcolm Max“-Band „Die Schwesternschaft der Nacht“ (erneut zusammen mit Autor Peter Mennigen) gerade erst erschienen ist. Der „Star Wars“-Zeichner tobt sich hier richtig aus, was besonders in der grandiosen Kolorierung zum Tragen kommt. Römlings Stil erinnerte mich immer wieder an die unterschätzte Zeichentrick-Perle „Titan A.E.“ der Regisseure Don Bluth („Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH“, „Feivel, der Mauswanderer“) und Gary Goldman („Charlie - Alle Hunde kommen in den Himmel“, „Anastasia“) aus dem Jahr 2000. In Sachen Action hält man sich zwar gediegen zurück, was Ingo Römling jedoch nicht daran hindert, in einigen imposanten Panels ordentlich aufzufahren. Viele Details, denen man erst auf den zweiten Blick Aufmerksamkeit schenkt, sorgen dafür, dass selbst ein karger Wüsten-ähnlicher Planet in bester Mœbius-Tradition lebhaft wirkt.

Fazit:

„Die Chroniken des Universums“ ist eine abenteuerliche Spaceopera, die dank der optischen Präsentation ganz oben mitspielt. Mit dem zweiten Band geht es mehr in die Tiefe, was die interessanten Charaktere betrifft, und das Zeit/Raum-Wirrwarr sorgt für eine angenehm komplexe Note, ohne unnötig zu verwirren. So darf es gerne weitergehen!

Die Chroniken des Universums - 2. Die Zeitesser

Richard Marazano, Ingo Römling, Splitter

Die Chroniken des Universums - 2. Die Zeitesser

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