Die Campbells 1: Inferno

Die Campbells 1: Inferno
Die Campbells 1: Inferno
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Marcel Scharrenbroich
8101

Comic-Couch Rezension vonJan 1970

Story

Ein gelungener Start, der zuerst mal die Fronten klärt und mit den Figuren vertraut macht. Hier lasse ich vorsichtshalber noch etwas Luft nach oben, da sich bereits erahnen lässt, dass die Story noch an Fahrt aufnehmen wird.

Zeichnung

Ein vertrauter Stil, der ein frisches Setting bietet und dieses genüsslich auskostet. Karibik-Flair in klaren und ausdrucksstarken Bildern. Der nächste Segeltörn mit Familie Campbell kann gerne kommen… so lange es nicht nach Bakalaoo geht.

Der Herr des Hauses… und der Sieben Weltmeere

Piraten - Ein Haufen merkwürdiger Typen

Arrrrr, das Piratenleben ist nicht einfach, ay? Plündern. Brandschatzen. Kielholen. All dies will unter einen Hut (vornehmlich schwarz und mit breiter Krempe) gebracht werden. Und dann auch noch das lästige Vergraben der frisch zu Unrecht erworbenen Habseligkeiten! Vor dieser schweren Aufgabe steht auch der Pirat Carapepino – nicht die hellste Kerze auf der Torte und noch meilenweit davon entfernt, in die versoffenen Fußstapfen eines Jack Sparrow zu passen. Gerade noch sinniert er darüber, wie viele Piraten schon vergessen hätten, wo sie ihre geraubten Wertgegenstände vergraben haben, als er sich sicher ist, DEN perfekten Platz gefunden zu haben. Schnell wird von der nicht minder minderbemittelten Crew das passende Löchlein ausgehoben, als man erstaunt feststellen muss, dass schon vor ihnen jemand auf diesen Ort gestoßen ist. An besagter Stelle wurde bereits ein Schatz vergraben und während Carapepino schon überlegt, was man nun mit ZWEI Schätzen anstellen könnte, wird er unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt… Der Möchtegern-Freibeuter ist nämlich in die Falle einer wahren Piraten-LEGENDE getappt: Campbell.

Campbell ist alleinerziehender Vater und seit mittlerweile fünf Jahren im „offiziellen“ Piraten-Ruhestand. Er kümmert sich seit dem Tod seiner geliebten Frau liebevoll um die beiden Töchter Itaca und Genova. Da Pubertät und kindlicher Leichtsinn auch vor Teenagern in Piraten-Familien keinen Halt machen, ist immer was los im Hause Campbell. Zickereien, Schwärmereien und der übliche Zoff zwischen Schwestern. Was man halt so kennt.

So richtig ins Rollen kommt die Geschichte, als der gebeutelte Carapepino aus der Gefangenschaft eines gerade erst geenterten Schiffes befreit wird. Befehlshaber der angreifenden Piraten ist nämlich der grausame Kapitän Inferno, aus dessen Dienst sich Carapepino erst vor wenigen Monaten losgesagt hatte, da er annahm, auf eigenen Beinen stehen zu können. Aber, wie bereits gesagt: hellste Kerze, große Fußstapfen etc.. Hellhörig wird Inferno allerdings, als Schmeißfliege Carapepino ihm von der Rückkehr Campbells berichtet. Die beiden teilen nämlich eine gemeinsame Vergangenheit und sind verfeindet bis aufs Blut… welches ja bekanntlich dicker als Wasser ist, ay?

Familien-Liebe unter schwarzen Segeln

Obwohl bereits für junge Leserinnen und Leser ab 6 Jahren empfohlen, ist der Piraten-Funny von José Luis Munuera gar nicht soooo „funny“, wie er auf den ersten Blick erscheinen mag. Natürlich steht der Humor an vorderster Stelle, jedoch kommen auch ernste Themen zum Tragen, wenn es beispielsweise um Verrat, Mord, Familien-Dramen und eindeutige Zweideutigkeiten geht. Wahrscheinlich nichts, was einen sechsjährigen heute noch schocken könnte, aber ich wollte es wenigstens mal erwähnt haben.

Erzählt wird hier in kurzen Episoden, die jeweils mit weißen Seiten mit Charakter-Zeichnungen voneinander abgetrennt werden. Im Laufe der einzelnen Geschichten nimmt die Gesamt-Story an Form an und man sieht den roten Faden. Die Kürze ermöglicht es, dass man schnell warm mit den Charakteren wird und die Figuren direkt von ihrer besten (respektive schlechtesten) Seite kennenlernt. So sind die Eckpfeiler der Piraten-/Familien-Geschichte schnell geklärt und es kann Stück für Stück ans Eingemachte gehen, was wendungsreich, spannend und zugleich sympathisch und amüsant vonstattengeht. Der Familien-Fokus sticht dabei klar hervor und steht im Vordergrund, was erfrischend neu ist. Dabei geht die Historie der Campbells tiefer, als es zunächst den Anschein macht, was die Neugier auf die Folgebände wachsen lässt.

Der Humor, der viele der frankobelgischen Vorbilder ausmacht, findet sich auch in „Die Campbells“ wieder. Wenn beispielsweise ein ungleichmäßig großes Gangster-Quartett angeheuert wird, welches den Campbell-Schwestern im Freihafen Bahia Cambalache auflauert und zudem noch im schwarz-gelb gestreiften Einheitsdress aufläuft, haben wir es nicht mit der Reservebank des BVB zu tun, sondern mit einer augenzwinkernden Hommage an die Dalton-Sippe aus „Lucky Luke“. Auch sind lustige Charakternamen vorhanden, die sich schon in den Abenteuern von „Asterix“ oder in René Goscinnys und Jean Tabarys Geschichten des Großwesirs „Isnogud“ zuhauf finden. Bei einem nachdenklich stimmenden Besuch einer Leprakolonie, auf der Insel Bakalaoo, wo die „Aussätzigen“ sich mit ihrer Situation arrangiert haben und sich ihr eigenes kleines Paradies geschaffen haben, stoßen wir beispielsweise auf Charaktere wie Koolasihro und Neskwikk… wobei es bei Ersterem ein wenig gedauert hat, bis die Golddublone fiel. Spätestens bei der Bakalaoo-Einheimischen Nutel-La haben wir dann aber das halbe Sortiment des örtlichen Discounters durchgeackert.

Der bunte Korsar

José Luis Munuera, der hier neben seiner Autoren-Tätigkeit auch als Zeichner von „Die Campbells“ in Erscheinung tritt, startete seine Abenteuer um die sympathische Piraten-Familie bereits 2010 im „Spirou“-Magazin, bevor sie in der französischen Heimat ab 2014 ins Album-Format übersiedelten. Dort sind auch bereits alle fünf Bände von „Les Campbell“ erschienen. Pünktlich zur Weihnachtszeit 2019 wird der Carlsen Verlag uns mit „Der berüchtigte Pirat Morgan“ auch den zweiten Band in heimischen Gewässern präsentieren. Auch bei uns erfolgt die Veröffentlichung im Softcover-Album, welches aus ähnlichen Reihen bekannt sein dürfte und sich schon seit den ersten Bänden eines bekannten Gallier-Duos etabliert hat.

Seine Funny-Herkunft kann Munuera bei „Die Campbells“ kaum verbergen, lassen sich stilistisch doch durchaus Parallelen zu europäischen Klassikern wie „Asterix“, „Lucky Luke“ oder „Spirou und Fantasio“ erkennen. Kein Wunder, hat Munuera doch einige Zeit (2005 – 2008) mit seinem langjährigen Partner Jean-David Morvan am frankobelgischen Kulturgut „Spirou“ gearbeitet. Dieser Linie blieb er auch nach seinem Ausscheiden an der Hauptreihe treu und verfasste den „Zyklotrop“-Band „Die Tochter des Z“, über einen langjährigen Gegenspieler des pfiffigen Hotel-Pagen, in dem es ebenfalls um eine Vater/Tochter-Beziehung geht.

„Die Campbells“ bewegen sich künstlerisch also in vertrauten Gewässern. Lediglich das karibische Setting ist neu und sorgt für eine frische Brise. Passend dazu, bekommen wir die Story in satten Farben präsentiert, die nicht ZU viel Südsee-Flair versprühen, sondern den Situationen angemessen erstrahlen. Mal düster und bedrohlich, mal in erdigen Sandfarben, dann wieder in grün-brauner Dschungel-Atmosphäre.

Farrrrrzit:

„Die Campbells“ stechen in See und sind bei ihrer Jungfernfahrt voll auf Kurs. Ernster als zuerst angenommen, sollte man sich von der Funny-Optik nicht abschrecken lassen. Dennoch kommen auch jüngere Leser voll auf ihre Kosten, was vor allem dem cartoonigen Look und der spritzigen Situationskomik zu verdanken ist. So dürfte der Auftaktband alle Altersschichten ansprechen und hoffentlich auch begeistern. Ich wurde sehr gut unterhalten und hab immer noch die fischige Seeluft in der Nase… könnte aber auch die „Kochkunst“ meiner Nachbarn sein.

Die Campbells 1: Inferno

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