Das Goldene Zeitalter - Zweiter Teil

Erschienen: August 2021

Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Zum Ende hin konsequent, wenn auch ohne große Überraschungen. Eine runde Fantasy-Saga, die ohne nennenswerte Längen auskommt und im Regal jedes Genre-Fans stehen sollte.

Zeichnung

Eine bildgewaltige Wucht! Pedrosa knüpft nahtlos – und manchmal etwas finsterer – an den tollen Vorgänger an. Dazu ein wunderbares Charakter-Design mit hohem Wiedererkennungswert.

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Marcel Scharrenbroich
Kampf um den Thron

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Sep 2021

Nicht gesucht, trotzdem gefunden

Vor etwas mehr als zwei Jahren zog mich der erste Band von „Das Goldene Zeitalter“ aus dem Loch, welches das oft gescholtene „Game of Thrones“-Finale in meiner privaten Fantasy-Landschaft hinterlassen hatte. Es war zwar nicht so, dass der Phantastik-Markt keine Alternativen geboten hätte, doch war ich bereit, mich schon wieder auf ausufernde Storys, komplexe Welten und auf eine schier unüberschaubare Palette an Charakteren einzulassen? Eher nicht. Etwas kurzes sollte es sein. Etwas mit überschaubarem Ende. Da kam eine zweibändige Graphic Novel gerade richtig. Gut… dass Cyril Pedrosa und Roxanne Moreil zwei Jahre brauchen würden, um die Geschichte zu beenden, konnte ja auch keiner ahnen. Außer George R. R. Martin vielleicht. Der weiß, wie man die Leserschaft auf die Folter spannt, muss sich aber nicht um eine bombastische optische Präsentation sorgen. Hier haben wir dann schon den Grund für die lange Wartezeit, denn Pedrosas Bilder sind aufwändig und zugleich imposant. Und das Endergebnis spricht für sich… was die Durststrecke zum abschließenden Band rückblickend wie einen launigen Spaziergang erscheinen lässt.

Eine zermürbende Schlacht

Prinzessin Tildas Visionen haben sich bewahrheitet. Wurde ihre Welt nach dem Tod ihres Vaters gleich mehrfach auf den Kopf gestellt, nachdem sie von ihrem Bruder um die Thronfolge betrogen wurde und ins Exil flüchtete, war sie nun – schwierige Zeiten später – die tapfere Anführerin, die einst in lebhaften Erscheinungen vor ihr aufblitzte. Tilda ist fest entschlossen, den ihr rechtmäßig zustehenden Thron zu erobern und ihren tyrannischen Bruder zu stürzen.

Die Belagerung des Schlosses dauert nun schon Monate an, doch die königlichen Mauern halten den ständigen Angriffen stand. Tilda ist weit davon entfernt aufzugeben, aber langsam macht sich Unmut in ihren Reihen breit. Die Söldner-Armee geht auf dem Zahnfleisch. Lebensmittel gehen zu neige und Bezahlungen an die Krieger stehen noch aus. Tilda jedoch bleibt eisern und lehnt Verhandlungen mit potentiell verstärkenden Truppen ab. Noch hält der König mit seinem Gefolge die Stellung, aber die rachsüchtige Erbin ist sich sicher, dass der nächste Angriff auf die vermeintliche Schwachstelle des Schlosses den erwünschten Durchbruch bringt. Was Tilda jedoch nicht weiß, ist, dass ihr treu ergebener Freund Bertil im Kerker des Königs vor sich hinvegetiert und im Morgengrauen gehängt werden soll. Auch nicht, dass sich das Artefakt, welches die Zukunft der Welt zu ändern vermag, bereits in ihrem Besitz befindet. Ausgerechnet die wohl unschuldigste Person dieses Krieges scheint in der Lage, Tildas Weg in die entscheidenden Bahnen zu lenken…

Ein Look, den man nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt

Was hat mich Cyril Pedrosas einzigartiger Stil 2019 im ersten Band umgeblasen… und was soll ich sagen? 2021 schafft er es erneut. Der französisch-portugiesische Zeichner hat Disney-Wurzeln, die sich nicht verleugnen lassen. Imposant und äußerst aufwändig in der Inszenierung. Nicht nur das detaillierte und aparte Charakter-Design besitzt Zeichentrick-Qualität. Auch die Umgebungen sind einladend. Dabei nutzt Pedrosa gerne mal großformatige Panels oder füllt gleich ganze Seiten bzw. Doppelseiten mit einer Szene. Stilistisch lassen sich Bilder des Künstlers schwer unter einen Hut pressen, denn er nutzt sowohl moderne Mittel als auch klassisch angehauchte Motive. Die satte Farbgebung unterstreicht den fast schon märchenhaften Phantastik-Aspekt, der jedoch nie auf die Spitze getrieben wird. Diesen haben die Macher auf ein Minimum reduziert, was in dem mittelalterlichen Fantasy-Epos wiederum die Kernaussage von sozialer Gerechtigkeit in den Vordergrund stellt.

Fazit:

Für opulente Fantasy sehr geerdet, beweisen Roxanne Moreil und Cyril Pedrosa, dass es nicht immer Orks und feuerspeiende Drachen sein müssen, um ein bildgewaltiges Abenteuer zu präsentieren. Ein gelungener Abschluss und zudem ein Fest für die Augen, welches Fans des Genres nicht enttäuschen wird.

Das Goldene Zeitalter - Zweiter Teil

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