Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Ohne große Umwege katapultiert die Geschichte den Leser in eine detaillierte Fantasy-Welt, die ohne turmhohe Monster und Drachen auskommt, dafür aber mit politischen und gesellschaftskritischen Tönen überrascht.

Zeichnung

Ein visuelles Highlight in berauschenden Farben. Der Disney-Look ist unverkennbar, kommt der erwachsenen Story aber nicht in die Quere. Ganz im Gegenteil… er bereichert sie ungemein!

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Marcel Scharrenbroich
Ein visuell aufreizendes Fundament für ein güldenes Epos

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2019

Ein Mann braucht sich keinen Strick nehmen, …

…nur weil „Game of Thrones“ vorüber ist… denn ein Mann hat „Das Goldene Zeitalter“ für sich entdeckt! Auch wenn HBOs Mammut-Serie - (zumindest teilweise) nach den Romanen von George R. R. Martin – zu Ende erzählt ist, mich durchaus sehr zufrieden zurücklässt und in der fünften Episode der achten Staffel die wohl grandioseste Inszenierung abfeuert, die ich jemals auf dem heimischen TV bewundern durfte, braucht man als Fantasy-Freund nicht den Kopf in den Sand der roten Wüste von Essos stecken oder Entzugserscheinungen befürchten. Bevor die Prequel-Serie(n) an den Start gehen, dürfte noch einige Zeit in die Königslande ziehen und auch die von Amazon angekündigte „Der Herr der Ringe“-TV-Vorgeschichte wird noch ein wenig auf sich warten lassen. Wie gut, dass es außer Tolkien und Martin (welcher ja nun nicht gerade für seine flinken Finger bekannt ist) noch eifrige Autoren gibt, die uns regelmäßig in neue Königreiche entführen und uns zu aufregenden Abenteuern, angesiedelt irgendwo zwischen High-, Low-, Epic- und Dark-Fantasy, einladen. Egal, ob in Roman- oder auch in Comic-Form…

Wo Arya Stark zur kleinen Ein-Frau-Armee heranwächst und ihre große Schwester Sansa eher ihr diplomatisches Geschick unter Beweis stellt, muss die junge Prinzessin Tilda sich gleich beide Schuhe anziehen. Ihre wohlbehütete Zeit endet jäh und die Reise ins Ungewisse steckt voller Gefahren.

Eine unerwartete (Ab)reise

Der König ist tot, lang lebe… die Königin? Fast, denn obwohl Tilda nach dem Tode ihres Vaters zur neuen Herrscherin gekrönt werden soll, wird sie Opfer einer Intrige. Einer Intrige, die ausgerechnet von ihrem jüngeren Bruder eingefädelt wird. Der hagere Milchbart mit dem klassischen Burschen-Schnitt (Topf drauf und alles , was rausguckt wegflexen) erinnert nicht von ungefähr an ein gewisses Ätz-Balg namens Joffrey Baratheon und steht diesem in seiner Skrupellosigkeit von daher auch in Nichts nach. Er schart die Vasallen des Reiches um sich und lässt diese die Treue schwören, womit er seine Schwester - die rechtmäßige Amtsträgerin – kurzerhand aus dem Rennen kickt. Auf ihre heimtückische Giftspritze von Mutter kann die arme Tilda auch nicht zählen und es ist nur der Gnade ihres kleinen Arschloch-Bruders zu verdanken, dass der Scheißer sie NUR ins Exil schickt… und nicht zum Tode verurteilt. Eine Bilderbuch-Familie, nicht wahr?

GANZ allein steht die überrumpelte Tilda jedoch nicht da. Während ihrer bewachten Deportation aus dem Königreich, die sie auf die Insel Malefosse führen soll, starten ihre treuen Verbündeten eine Befreiungsaktion. Der bullige, weise Tankred und sein loyaler Begleiter, der schmalbrüstige Bertil… quasi die mittelalterlichen Fantasy-Pendants zu Bud Spencer & Terence Hill… Asterix & Obelix… oder Batman & Robin. Jedenfalls rettet das dynamische Duo die Prinzessin vorm Exil und man flüchtet gemeinsam in die Wälder. Jedoch wird Tilda während des Trubels verwundet und mit Visionen konfrontiert, die sie hoch zu Ross in einer strahlenden Rüstung zeigen. Vorboten einer möglichen Zukunft? Die junge Frau ist jedenfalls fest entschlossen, das schwer angeschlagene Königreich, in dem Armut und Hungersnot regieren, wieder in bessere Zeiten zu lenken. Es wird kein leichter Weg, doch Tilda ist stark und kann zudem auf ihre treuen Freunde Tankred und Bertil zählen. Zudem schwebt die alte Legende über ein fast vergessenes Buch über ihren Köpfen, welches die Macht besitzt, die gesamte Welt für immer zu verändern… „Das Goldene Königreich“.

Disney-Kunst im Martin-Setting

Schlägt man „Das Goldene Zeitalter“ zum ersten Mal unvorbereitet auf - und kam zuvor nicht in den Genuss, einen ersten Einblick beim „Gratis Comic Tag 2019“ zu erhaschen – wird man von der Wucht der Bilder fast erschlagen. Der französisch-portugiesische Künstler Cyril Pedrosa bedient sich eines einzigartigen visuellen Stils, der jede Seite, jedes Panel wie ein Kunstwerk aussehen lässt. Der ehemalige Disney-Zeichner, der an den modernen Animations-Klassikern „Hercules“ und „Der Glöckner von Notre Dame“ mitwirkte, packt all seine Erfahrungen in das bildgewaltige Werk und deckt damit optisch die gesamte Disney-Palette von „Dornröschen“, über „Die Hexe und der Zauberer“ bis hin zu „Cinderella“ ab. Markant und extrem kräftig, werden die Szenen in die entsprechende Farb-Stimmung getaucht, was den phantastischen Aspekt kreativ und künstlerisch unterstreicht. Ein wahres Fest für die Augen, welches man als Comic-Freund nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt. Schon im liebevollen schwarz-weiß-Drama „Drei Schatten“, dem Selbstfindungstrip „Portugal“  oder den poetischen Alltagsgeschichten in „Jäger und Sammler“ konnte Pedrosa unter Beweis stellen, dass er zu den wandlungsfähigsten Künstlern seines Faches zählt. Mit „Das Goldene Zeitalter“ übertrifft er sich allerdings selbst und lässt bunte Bilderwelten auf den geneigten Leser los, die absolut berauschend wirken.

Dieser Traum einer Utopie wurde gemeinsam von Pedrosa und der Szenaristin Roxanne Moreil geschaffen, denen es hervorragend gelingt, politische und gesellschaftliche Aspekte in dieses Fantasy-Epos einzuknüpfen. Die erwachsene, nicht immer unblutige Story funktioniert vorbildlich und langweilt auf keiner einzigen Seite. Ein eindrucksvolles Debüt der Französin Moreil und ein grandioser Strich von Cyril Pedrosa.

Fazit:

Ein Gesamtkunstwerk, das in allen Punkten überzeugen kann. Die Geschichte gewinnt schnell an Fahrt, führt Charaktere ohne unnötige Längen ein und nimmt das Tempo an den richtigen Stellen raus, um allein auf visueller Erzählebene zu wirken. Absolut harmonisch und jeden Cent wert, da auch die Qualität seitens Reprodukt vorbildlich ist. Ein schweres und hochwertiges Hardcover, das auf 232 Seiten in eine andere Welt entführt.

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