Film:
Your Name.

Film-Kritik von André C. Schmechta (05.2018)

Romantische Coming-of-Age Liebesgeschichte und aufwühlendes Drama mit Fantasy-Elementen

Nach gleichnamigen Manga und Roman musste ich mir unbedingt auch den Film von Schöpfer Makoto Shinkai anschauen. Zu neugierig war ich, ob seine romantisch mystische Körpertausch-Geschichte auch hier überzeugt. Ich muss zugeben meine Erwartungen waren hoch. Aber um es gleich vorwegzunehmen, ich wurde nicht enttäuscht. Doch erst einmal zur Geschichte. 

Jugend. Idylle. Großstadt.

In dem japanischen Bergdorf Itomori lebt die 17-jährige Oberschülerin Mitsuha. Sie ist unzufrieden und unglücklich. Im Ort gibt es keine Geschäfte und das einzige Café ist eigentlich nur ein Getränkeautomat. Ihre Familie ist für den örtlichen Shinto-Schrein verantwortlich, ihr Vater steckt im Bürgermeister-Wahlkampf. Traditionen und Pflichten engen das gemeinsame Leben mit Schwester und Großmutter zusätzlich ein.

Mitsuha wünscht sich daher nichts sehnlicher, als ein Leben als attraktiver Junge in der pulsierenden Großstadt Tokio. Und Taki ist ein solcher Junge. Nach der Schule jobbt er in einem italienischen Nobel-Restaurant in Japans Metropole. In der letzten Zeit hat er sehr real erscheinende Träume. Darin lebt er als Mädchen in einem Dorf in den Bergen. Ist das wirklich nur ein Traum?

Mitsuha findet sich eines Morgens tatsächlich im Körper von Taki wieder und umgekehrt. Mit der Zeit realisieren beide, dass sie regelmäßig im Körper des anderen aufwachen. Aber die Erinnerungen an die Zeit während des Rollentausches verblassen sofort nach dem Aufwachen im eigenen Körper. Über das Smartphone dokumentieren Mitsuha und Taki daher die Ereignisse des Tages und koordinieren darüber Begegnungen und Abläufe. Denn bei Freunden und Verwandten entstehen Irritationen und Verwunderung. Schließlich sind beide nicht vertraut mit den jeweiligen Lebensgewohnheiten des anderen. So ergeben sich viele interessante und amüsante Situationen und Begegnungen – natürlich auch im Hinblick auf die körperlichen Aspekte. Und das gelingt humorvoll und augenzwinkernd ohne große Scham.

Taki und Mitsuha lernen sich mit der Zeit über den Körpertausch immer besser kennen, die Neugierde aufeinander wächst. Doch plötzlich bricht die Verbindung ab und Taki begibt sich auf die Suche nach Mitsuha.

Manga. Roman. Film.

»your name.« kann als Film - im Vergleich zu Manga und Roman - natürlich seine ganze visuelle Kraft entfalten. Die Zeichnungen sind beeindruckend. Insbesondere der sehr intensive Umgang mit Licht betont die leuchtenden nuancierten Farben.
Die Hauptfiguren nun agieren zu sehen, ihre Stimmen zu hören, die wunderbaren Landschaften und das städtische Umfeld entdecken zu können, nimmt den Zuschauer von Minute für Minute mehr ein. Aber auch im Film braucht es anfangs ein wenig, bis man sich Charakteren und Handlungsfäden vollends hingeben kann.
Die Synchronisation ist stimmig. Der Soundtrack kommt von der hierzulande wohl weniger bekannten japanischen Rockband „Radwimps“ und ist manchmal ein wenig gewöhnungsbedürftig aber insgesamt passend.

Makoto Shinkai lässt sich glücklicherweise nicht verleiten, die Handlung mit schnellen Schnitten unnötig rasant voranzutreiben oder übertrieben effektvoll zu inszenieren. Er sucht immer wieder Ruhephasen, die Konzentration auf einzelne Momente oder Gegenstände und natürlich seine Figuren. Und so gibt es viele Szenen ganz ohne Hintergrundmusik oder markante Geräuschkulisse. Natürlich beherrscht Shinkai die Dramaturgie seiner Erzählung, weiss im richtigen Moment emotionale Akzente zu setzen, das Tempo anzuziehen und den Zuschauer mitzureissen.

Romance. Drama. Fantasy.

Taki erfährt von einer tragischen Naturkatastrophe, welche das Bergdorf Itomori ereilt hat. Ein Kometeneinschlag hat zahlreiche Menschenleben gekostet. Taki wird bewusst, welche Bedeutung das für die letzten Ereignisse und das plötzliche Abreißen der Verbindung haben könnte. Damit verändern sich Stimmung und Intensität der Geschichte. Die Gegensätze zwischen dem modernen Stadtleben Japans und dem Leben auf dem Land treten in den Hintergrund. Und aus einer humorvollen Körpertausch-Romanze wird ein emotionales Drama mit Fantasy-Elementen. Der Kometeneinschlag liegt bereits Jahre zurück. Taki ist bewusst, dass sein und Mitsuahs Leben verknüpft sind und so versucht er zusammen mit seinen Freunden das Schicksal zu verändern …

„Your Name“ erscheint als DVD und Blu-Ray in unterschiedlichen Editionen. Highlight ist dabei ganz sicher die eindrucksvolle limitierte Collector´s Edition der Blu-Ray mit viel zusätzlichem Bonus-Material, wie z.B.: Original Soundtrack, Armband oder Artcards.

Fazit:

Es bleibt dabei! »your name.« überzeugt auch auf der Leinwand oder dem Bildschirm als romantische Coming-of-Age Liebesgeschichte und aufwühlendes Drama mit Fantasy-Elementen. Im Film jedoch erreicht die Erzählung von Mitsuha und Taki aus meiner Sicht ihren Höhepunkt. Denn die zugleich kraftvolle und bedachte Inszenierung schafft eine besondere Atmosphäre und ist emotional ergreifend.

Makoto Shinkai erzählt von der Suche nach dem einen Menschen, dem wir uns verbunden fühlen, und der Suche nach uns selbst. Mitsuha und Taki sind schlicht liebenswerte Menschen, die sich jeder Jugendliche an seiner Seite wünschen dürfte und dementsprechend mit jeder Minute mitfiebert – bis zum packende Finale.

Wertung: 9 


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Alle Fotos copyright: Universum Film

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