Serien-Special:
Nicktoons

von Marcel Scharrenbroich (01.2019) / Titelbild: © Viacom International

„OOOOOOOOH…“

„Wer wohnt in ‘ner Ananas ganz tief im Meer?“ Ja, genau… die Antwort kennen wohl die meisten von uns. Ein kleiner, gelber Schwamm mit Kulleraugen und langen (Fake?) Wimpern, der in kurzen Hosen durch Bikini Bottom turnt und das Burgerbraten in der „Krossen Krabbe“ debil-dauergrinsend perfektionierte. Die Rede ist natürlich von „SpongeBob Schwammkopf“, welcher in den USA noch im letzten Jahrtausend, bei uns hingegen erst im August 2002 auf Sendung ging und bis heute in Dauerrotation mit alten und neuen Abenteuern die Zuschauer unterhält. Seit Jahren ist der saugfähige kleine Kollege ein Aushängeschild des US-Senders „Nickelodeon“, welcher bereits 1977 unter dem Namen „Pinwheel“ gegründet und Mitte 2017 in das kürzere „Nick“ umgetauft wurde.

 „Nickelodeon“ brachte aber nicht nur Stephen Hillenburgs (1961 – 2018) gelbe Grinsebacke hervor… nein, unzählige Zeichentrick-Formate wie „Doug“, „Rugrats“, „CatDog“, „Cosmo und Wanda“, „Jimmy Neutron“, „Avatar – Der Herr der Elemente“, „Die Pinguine aus Madagascar“, „Kung Fu Panda“ und natürlich die modernisierte Variante der „Teenage Mutant Ninja Turtles“ stammen aus der Animations-Sparte des Networks. Mal klassisch gezeichnet, mal modern aus dem Rechner.

Auch bei den Real-Serien ging man schon früh in die Vollen. Melissa Joan Hart als namensgebender „Clarissa“ folgten „Grusel, Grauen, Gänsehaut“, „Drake & Josh“, „Unfabulous“, „Neds ultimativer Schulwahnsinn“, „Zoey 101“, „iCarly“, „Big Time Rush“, „Victorious“, „Sam & Cat“ oder „Die Thundermans“… um nur einen Teil zu nennen. Zu so manchen Serien folgten zudem noch Specials in Spielfilmlänge.

Einige Zeichentrick-Produktionen sind bereits seit längerer Zeit fürs Heimkino im Handel erhältlich und wir wollen hier mal einige Komplett-Pakete aus dem Hause TURBINE unter die Lupe nehmen. Genauer gesagt die Titel, die das Label im Rahmen seiner „Steel Collection“ kompakt und edel verpackt für das heimische Sammler-Regal in streng limitierter Auflage veröffentlicht hat.

Die Ren & Stimpy Show

Bei vielen von uns kehrte die TV-Gewalt schon in Kindheitstagen ein… in Form von „Tom & Jerry“. Lange bevor „Itchy & Scratchy“ sich zerstückelten, verbrannten, erschossen und gegenseitig in mundgerechte Häppchen portionierten, flimmerte das mehrfach oscarprämierte Katz-und-Maus-Spiel in Endlosschleifen über die Bildschirme und sogar heute noch kann man die (leider oft be- und umgeschnittenen) Kurzfilmchen noch mit einem schallenden Lachen genießen. Ein ähnlich chaotisches, tierisches Duo hielt dann 1991 Einzug im TV… nur dass es sich bei „Ren & Stimpy“ nicht um die gewohnte Maus vs. Katze-Konstellation handelt. Auch sind die beiden keine erbitterten Feinde… vielmehr verbindet den cholerischen Chihuahua und den (leicht) fettleibigen Kater eine Art… ja, nennen wir es Freundschaft. Freundschaft mit einem leichten Hauch Hassliebe. Beim hyperaktiven Kläffer mit dem klangfreudigen Asthma-Keuchen hat der gutmütige Stimpson J. Katzwinkel nämlich nicht viel zu melden, was allerdings auch an der Tatsache liegen könnte, dass er nicht das grünste Petersilien-Blättchen auf dem Whiskas-Teller ist. Kurz gesagt, Stimpy hat nicht alle Latten am Zaun… dafür aber einen guten Charakter.

Gemeinsam erlebt das ungleiche Gespann die irrwitzigsten und wildesten Abenteuer, die keinerlei Kontinuität folgen und sie an die unterschiedlichsten Orte verfrachten. Dort schlüpfen die zwei Chaoten in die verschiedensten Rollen und treffen auf haufenweise illustre Charaktere, die hier und da immer mal wieder auftauchen. Im Sherwood Forest beispielsweise schlüpft Ren Hoëk (so der volle Name des klapprigen Rüden, der wahrscheinlich einem europäischen Wurf entstammt) in die engen Hosen von Robin Hood. Im All schlagen die beiden sich als Space-Kadetten durch, bevor sie sich durch ein Geisterhaus gruseln und im Wilden Westen behaupten müssen. Jedes Abenteuer ist anders und haarsträubender als das vorige.

Für Abwechslung ist während der gesamten 52 Folgen also gesorgt. Diese verfehlen auch nach knapp 30 Jahren nicht ihre Wirkung. Der Stil ist überdreht und kennt keine Grenzen. Übelster Slapstick-Humor wechselt sich ab mit anwidernden Ekel-Szenen… die Serie ist nämlich bekannt für ihre ausschmückenden Großaufnahmen, in denen vornehmlich eitrige Pickel, haarige Warzen, verkrustete Augen und sämtliche Körperflüssigkeiten dem geneigten Zuschauer in aller Pracht präsentiert werden. Essen wäre also während des „Ren & Stimpy“-Konsums nur bedingt empfehlenswert… es sei denn, rangezoomter Rotz, garniert mit Nasenhaaren, wird nicht als störend empfunden.

„Die Ren & Stimpy Show“ befindet sich komplett und ungekürzt (im Gegensatz zu früheren TV-Ausstrahlungen) in DVD-Qualität auf zwei Blu-Ray-Discs. So finden alle fünf Staffeln Platz in einer schicken Ummantelung. Das hochwertig gestaltete FuturePak ist auf 1000 Exemplare limitiert und auf dem beiliegenden Backpaper nummeriert. Zu der rund 21(!) Stunden-Dröhnung mit Wahnsinns-Garantie gesellen sich noch gut 50 Minuten an Bonusmaterial. So gibt es zum Beispiel 32 Audiokommentare zu ausgesuchten Folgen und auch die im TV nicht ausgestrahlte Episode „Man’s best friend“ ist nun enthalten… allerdings im Original-Ton mit optionalen Untertiteln.

Ende 1991 nahm sich sogar Marvel „Ren & Stimpy“ an und veröffentlichte bis Mitte 1996 in den USA 44 Ausgaben des Comics. Auch hier tauchten alle Charaktere der TV-Serie auf und sogar die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft schaute mal rein… jubel-jubel-freu-freu!

Rockos modernes Leben

 „…manchmal voll daneben.“ Das fanden auch einige Kritiker und warfen der Show vor, eine dreiste Kopie von „Ren & Stimpy“ zu sein. Würde ich so nicht unterschreiben, obwohl es sich um eine ähnliche Kombo handelt. Auch ist der Humor in gewissen Szenen etwas derber, was ebenfalls zu Vergleichen der ansonsten gänzlich verschiedenen Serien führen könnte. Aber sonst…? Nö.

Inhaltlich folgen wir dem namensgebenden, jungen Wallaby (einer kleinen Art der Familie der Kängurus) Rocko bei seinen Abenteuern in der großen Stadt. Den zwanzigjährigen Australier trieb es unfreiwillig in die große, weite Welt und im amerikanischen O-Town, wo er im Comic-Laden „Kind of a Lot o‘ Comics“ arbeitet, versucht er nun mit den Tücken des Alltags klarzukommen. Gar nicht so leicht für den stets freundlichen und fast schon eingeschüchtert wirkenden kleinen Kerl, denn nicht nur seine Nachbarn – das ungleiche Kröten-Ehepaar Ed (mag Rocko nicht) und Bev (sie dafür umso mehr) Bighead – machen ihm zu schaffen… Das gesamte Alltags-Chaos unserer hochtechnisierten Welt, welches uns selbst häufig überfordert, bricht wie ein Tsunami über Rocko herein und eskaliert nicht selten in einen total überzogenen und überdrehten Wahnsinn. Gut, dass der arme Bursche – neben seinem Hund Spunky - ein paar Freunde hat, die ihm zur Seite stehen… und nicht selten für das ausufernde Chaos verantwortlich sind. Stichwort: Heffer.

Heffer Wolfe ist eigentlich ein Stier, wurde aber von Wölfen adoptiert und großgezogen. Er hat zwar das Herz am rechten Fleck, ist aber ebenso wie Kollege Stimpy… nennen wir es „limitiert“ in seinen geistigen Fähigkeiten. Heff wohnt noch bei seinen Eltern und gehört eher zur gemütlichen Sorte Stier… sprich, er ist faul. Ist Not am Mann… bzw. am Wallaby… kann Rocko aber auf ihn zählen. Geteiltes Chaos ist schließlich halbes Chaos… oder so ähnlich. Im Ernstfall holt man eben noch die neurotische Schildkröte Filburt ins wackelige Boot, die ebenfalls zu Rockos besten Freunden gehört.

„Rockos modernes Leben“ wendet sich mit seiner markanten Optik, die den inhaltlich überdrehten Irrsinn schon stilistisch darstellt, nicht ausschließlich an ein junges Publikum, was man auf den ersten Blick vielleicht vermuten könnte. Viele der Gags und angeschnittenen Themen sind deutlich für erwachsene Zuschauer konzipiert. Im Idealfall gehen die zweideutigen Momente an Kinderohren vorbei, dass keine unangenehme Fragen aufkommen könnten. Eine Tatsache, die die selbsternannten Sittenwächter einst bemängelten, von der breiten Masse aber dennoch positiv aufgenommen wurde. Auch die angeprangerte Brutalität liest sich schlimmer, als sie eigentlich ist, da solche Szenen ausschließlich auf der Slapstick-Welle surfen. Übergroße Augen, die bei drohender Gefahr aus den Höhlen treten, sind nicht neu und kennt man bereits aus „Bugs Bunny“- oder den bereits angesprochenen „Tom & Jerry“-Cartoons. Wenn Rocko mal die Pelle vom Skelett rutscht, ist dies auch nicht in Splatter-Gefilden zu verorten, sondern sorgt höchstens für schallendes Gelächter… und zwar bei ALLEN Altersgruppen.

Die von Joe Murray erdachte Serie umfasst insgesamt 52 Episoden, aufgeteilt auf vier Staffeln. Diese passen dank des platzsparenden „SD on Blu-ray“-Formats auch bequem auf zwei Scheiben. TURBINE spendiert auch „Rockos modernes Leben“ eine FuturePak-Veröffentlichung, die ebenfalls auf 1000 Stück limitiert ist. Abgerundet von gut 95 Minuten Bonusmaterial (Original-Pilotfolge, Making-of der Figuren, Hinter den Kulissen der dritten Staffel etc.) bleibt noch ein satter Haufen von ca. 20 Stunden ausufernden Irrsinns mit Rocko und seinen durchgeknallten Freunden.

Zwischen Juni und Dezember 1994 erschienen bei Marvel Comics sieben Ausgaben von „Rocko’s Modern Life“… allerdings nur im amerikanisch-sprachigen Raum. Hier legte Schöpfer Murray sogar teilweise selbst Hand an. BOOM! Studios veröffentlichte seit Dezember 2017 insgesamt acht Ausgaben einer neuen „Rocko“-Comic-Reihe. Dies war nach „Rugrats“ die zweite Zusammenarbeit des hauseigenen kaboom!-Imprints und dem Network Nickelodeon.

Die Biber Brüder

Es bleibt tierisch! Nach Hund, Katze, Wallaby, Stier und Schildkröte kommt logischerweise was? Richtig… Biber! Naja… zumindest nach meiner Logik.

Die beiden Brüder Daggett und Norbert sind von ihrer Mentalität wohl am ehesten mit Disneys Ahörnchen und Behörnchen (im Original: Chip ‘n‘ Dale) zu vergleichen. Die Rollenverteilung bei den Bibern ist so ziemlich die gleiche, wie bei den bekannten Backenhörnchen. Der ältere Norbert (immerhin vier Minuten!) hat den bedachteren Part inne, der ruhiger und… ja, intelligenter durchs Leben geht, während bei seinem aufgekratzten, hyperaktiven Bruder Daggett das kindliche Gemüt dominiert. Also genug Potenzial für Reibereien und chaotische Abenteuer… was auch den Originaltitel „The Angry Beavers“ erklärt.

Davon erlebt das ungleiche Brüder-Paar auch so einige, nachdem sie nach der Geburt ihrer Schwesterchen mit Sack und Pack vor die Tür gesetzt werden. Auf sich alleine gestellt, gründen die beiden Nager zweckmäßig eine Wohngemeinschaft. Besser gesagt, sie bewohnen fortan ihren eigenen Damm. Angefangen von Alltagsproblemen bis hin zu skurrilen Ereignissen, die aus ihrer gewohnten Umgebung treiben, ist bei Norb und Dag so ziemlich alles möglich…

Ähnlich wie bei „Rockos modernes Leben“ gibt es auch hier wieder Dialoge und Situationen, die eher an ein erwachseneres Publikum gerichtet sind. Kinder erfreuen sich am bunten und putzigen Slapstick-Spaß, während die Älteren über die zahlreichen Pop-Kultur-Verweise schmunzeln. Nicht selten werden Filme und Serien offen als Referenz verwendet und als kleine Hommage an alte „Klassiker“ kann es auch schon mal vorkommen, dass ein Mikro im Bild hängt. Insgesamt fallen „Die Biber Brüder“ aber recht handzahm aus, was auch zu der Altersfreigabe ab 6 Jahren geführt haben dürfte. „Rockos modernes Leben“ erhielt zwar die gleiche FSK-Plakette, fällt aber doppeldeutiger aus… was einem 6-Jährigen heutzutage aber auch nicht mehr die Kippe aus dem Mundwinkel haut.

Insgesamt 62 Episoden wurden zwischen 1997 und 2001 produziert. Es existierte sogar ein Drehbuch für eine abschließende 63. Folge, in der die Brüder darüber informiert würden, dass sie in einer Zeichentrick-Serie mitspielten, die nun abgesetzt werden sollte. Dass diese Idee bei Nickelodeon nicht auf viel Gegenliebe gestoßen ist, dürfte selbstverständlich sein. So kam es, dass die von Mitch Schauer kreierten Charaktere nach vier Staffeln von der Bildfläche verschwanden.

Alle Folgen der „sputteligen“ Serie sind nun in der „TURBINE Steel Collection“ erhältlich. So bekommt der Zuschauer 24 Stunden Comedy-Unterhaltung mit Kindheitserinnerungs-Garantie. Das Label legt aber noch einen drauf und packt die in Deutschland bisher unveröffentlichte Pilot-Episode „Snowbound“ (O-Ton mit optionalen deutschen Untertiteln) gleich noch mit auf die beiden Discs. Erneut bekommen wir hier eine DVD-Qualität im 4:3 Vollbild-Format und erneut ist diese Kollektion auf 1000 Exemplare limitiert.

Hey Arnold!

„GLOTZ NICHT SO, FOOTBALLSCHÄDEL!“ Diese netten Worte hört der arme Arnold fast täglich. Gut, er hat auch eine Rübe, für die Breitbild-Fernseher quasi erfunden wurden, aber kein Grund gleich unhöflich zu werden…

Arnold ist 9, lebt bei seinen Großeltern, die eine Pension besitzen und geht in die vierte Klasse der örtlichen Grundschule. Die Beleidigungen, die der Junge sich regelmäßig anhören darf, stammen aus dem Mund von Helga. Diese ist allerdings nur so ätzend, weil sie heimlich bis über beide Ohren verknallt in den Footballschä… äh, in Arnold ist. Ihre Beschimpfungen dienen also nur der Tarnung… was zugegebenermaßen ganz gut funktioniert. Arnold hängt währenddessen am liebsten mit seinem besten Freund Gerald Johanssen ab. Gemeinsam machen die beiden die Nachbarschaft unsicher, wobei ihnen weitere Freunde und Schulkameraden zur Seite stehen.

Mal gehen Arnold und Gerald detektivisch auf Spurensuche, um das verschwundene Kuscheltier von Geralds kleiner Schwester Timberly aufzuspüren, dann muss Großvater Phil sich mit lästigen Mietern rumschlagen. Des Weiteren hadert Arnold mit sich selbst, weil er beim Baseball ständig andere Mitspieler unfreiwillig verletzt und will deshalb seinen Schläger an den Nagel hängen, während Gerald an anderer Stelle eine Mandel-Operation bevorsteht.

Wie man an diesen Beispielen bereits sieht, haben wir es bei „Hey Arnold!“ mit einer sehr bodenständigen Serie zu tun, die sich aber auch nicht scheut, sozialkritische Themen aufzugreifen. Besuche beim Psychiater werden ebenso offen und behutsam behandelt, wie das Thema Krieg. Geralds Vater ist nämlich Vietnam-Veteran. Dass Arnolds Eltern vor langer Zeit bei einer Forschungsreise verschollen sind, Geschichten über den Krieg an einer Veteranen-Gedenkstätte erzählt werden, unerfüllte Liebe und Eifersucht auf dem Sendeplan stehen… klingt so gar nicht nach den typischen Themen einer Serie für Kinder. Doch der Schein trügt und „Hey Arnold!“ gelingt der Spagat zwischen Humor und realen Problemen hervorragend. Mit seinen spannenden, lustigen und Werte-vermittelnden Geschichten ist die Serie ein wahres Juwel am Zeichentrick-Himmel!

Ganze 100 Folgen wurden ab 1996 produziert und es folgten noch der Kinofilm „Hey Arnold: The Movie“ (2002) und der TV-Film „Hey Arnold!: Der Dschungelfilm“ (2017), welcher unseren „Footballschädel“ auf die Spuren seiner verschollenen Eltern führte. Die komplette Serie (1996 – 2004) findet sich nun auf zwei Blu-rays wieder. Auch hier gibt es eine nie ausgestrahlte Pilotfolge mit Original-Ton im Bonusmaterial. Das hochwertige FuturePak ist wieder auf 1000 Einheiten begrenzt und bietet ca. 40 Stunden hervorragende Unterhaltung, was diese Kollektion auch zu meinem persönlichen Favoriten unter den „Nicktoons“-Serien macht.

Invader Zim

Tja, mit dem Alien-Bürschchen Zim konnte ich bisher leider am wenigsten anfangen, was aber der Tatsache geschuldet ist, dass ich der zwischen 2002 und 2003 produzierten Serie altersmäßig entwachsen war und andere Interessen verfolgte. Da dies aber nicht die Schuld des kleinen Knöterichs vom Volk der Irken sein soll, konnte ich diese Erfahrung dank TURBINE ja jetzt nachholen. Da die gesamte Serie mit ihren 27 produzierten Folgen recht überschaubar ist, flimmerten die kurzweiligen Episoden auch recht schnell über den Bildschirm.

Die Irken wollen sich die Herrschaft über die ganze Galaxis sichern und die finale Operation ist in vollem Gange… wäre da nicht Zim. Dieser verbockt die Mission „Drohender Untergang“ nämlich im Alleingang und wird zur Strafe verbannt. Als er in seinem Exil von einer zweiten Mission erfährt, will er natürlich wieder ganz vorne dabei sein. Den „Allmächtigen Allergrößten“ ist der zu kurz geratene Quälgeist allerdings ein Dorn im Auge, sehen sie doch auch die neue Operation in Gefahr. Um ihn aus der Gefahrenzone zu bringen und ihn dahin zu verfrachten, wo er möglichst wenig Schaden anrichten kann, wird Zim in den entlegensten Winkel des Universums geschickt. Und wohin führt ihn das? Zur Erde… natürlich.

Ausgestattet mit dem notdürftig aus Schrott zusammengebastelten Roboter G.I.R. wird sich erstmal häuslich eingerichtet in der neuen Heimat, bevor es an die Tarnung geht. Eine Tarnung, die eigentlich nur Blinde täuschen könnte. G.I.R. wird einfach in ein grünes Hundekostüm gesteckt und Zim drückt, als Schüler getarnt, ab sofort die Schulbank. Dort will der Außerirdische an Informationen über die Verteidigungssysteme der Erdlinge kommen, glaubt er sich doch immer noch auf einer wichtigen Mission für sein Volk. Dumm nur, dass Dib, ein Mitschüler und Sohn eines berühmten Wissenschaftlers, die dilettantische Verkleidung des größenwahnsinnigen Irken sofort durchschaut. Glück im Unglück: Dib wird von den meisten Schülern als Spinner abgetan, da er schon einen Aufenthalt in der Klapse auf seiner Haben-Seite verbuchen kann. Also freie Bahn für Zim und G.I.R.?

Den eigenwilligen Look von „Invader Zim“ kann man mögen, muss man aber nicht. An Kreativität hat es den Machern definitiv nicht gemangelt, doch der kantige, moderne Stil mit seinen dicken, schwarzen Umrandungen ist definitiv Geschmacksache. Gelegentlich wird es hektisch und die abgedrehte Handlung überschlägt sich. Macht aber nix, da man mit absolut skurrilen Charakteren belohnt wird und mit zynischen Sprüchen schwarzhumorig unterhalten wird. Unter Fans genießt „Invader Zim“ Kult-Status, was ich zwar nicht zu 100% teile, aber nachvollziehen kann. Hätte ich die Serie damals schon gesehen, würde ich vermutlich ähnlich denken.

Im TURBINE-Steel befinden sich abermals zwei blaue Scheiben, die trotz der verhältnismäßig wenigen Episoden dennoch randvoll gefüllt sind. Neben den 27 Folgen (Laufzeit: über 10 Stunden) der beiden Staffeln – eine geplante Dritte wurde nie realisiert, da die Serie vorher vom Sender abgesetzt wurde – gibt es umfangreiches Bonusmaterial, das sich auf über 12 Stunden beläuft… wenn man die Storyboard-Episoden mit einbezieht. Neben diesen gibt es Interviews mit den Produzenten, Autoren und Sprechern, ein Feature zum Sounddesign, unveröffentlichtes Audio-Material zu 7 Folgen, Audiokommentare, sowie die Original-Pilotfolge und die ungeschnittene Version von „The Most Horrible X-Mas Ever“… beides allerdings im O-Ton mit anwählbaren deutschen Untertiteln. Die knallig farbenfrohe Gestaltung des FuturePaks ist hervorragend und das feine Sammlerstück ist abermals limitiert auf 1000 Exemplare.

Seit Juli 2015 erscheinen im amerikanischen Comic-Verlag Oni Press monatlich neue Abenteuer mit dem glücklosen „Invasoren“ aus dem All. An den bisher erschienenen 38 Ausgaben arbeiteten fast ausschließlich Schreiber und Künstler, die auch am Entstehen der TV-Serie beteiligt waren. „Zim“-Schöpfer Jhonen Vasquez ist ebenfalls involviert und steuerte bereits Stories als Autor und Bleistiftzeichnungen zu Cover-Artworks bei.

 


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Bilder: copyright Viacom International
Cover: copyright Turbine Medien