Cruella

von Nina Pimentel Lechthoff (05.2020) / Titelbild: © Disney

Der Teufel trägt Dalmatiner

Cruella vor Cruella

Cruella DeVil ist eine der furchteinflößendsten Bösewichtinnen, die Disney jemals geschaffen hat. Sowohl im Zeichentrickfilm „101 Dalmatiner“ als auch im gleichnamigen Realfilm, von der genialen Glenn Close verkörpert, hat Cruella mich aufs äußerste traumatisiert. Zum Glück ist sie im neuen Disney-Film „Cruella“ noch nicht ganz so fürchterlich. Der Film erzählt nämlich ihre Origin-Story, wie aus dem Waisenkind Estella die Hunde tötende Mode-Designerin Cruella wurde.

Prequel meets Origin-Story

Nachdem ihre Mutter bei einem Unfall ums Leben kommt, muss sich Estella ganz allein durchschlagen. Naja, allein ist sie nicht, denn neben ihrem Hund und treuen Begleiter Buddy findet sie schnell zwei Freunde, mit denen sie zusammen auf den Straßen Londons überleben kann: Jasper, Horace und deren Chihuahua Wink. Um über die Runden zu kommen, klaut die Bande alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Die passenden Verkleidungen kommen von Estella, die schon immer ein Faible für außergewöhnliche Kleidung hatte. Eines Tages wird ihr Talent von der gefeierten Mode-Designerin Baronesse entdeckt.

Auch wenn die Baronesse ihre Mitarbeitenden wie Dreck behandelt, ist Estella froh, dass sie ihre Talente als Designerin ausleben kann. Doch dann erfährt Estella, dass der Tod ihrer Mutter vielleicht doch kein Zufall war und die Baronesse dabei ihre Finger am Spiel hatte.

So entwickelt Estella einen Plan, um der Baronesse alles zu nehmen, was ihr wichtig ist. Dabei spielt Estellas Alter Ego Cruella eine wichtige Rolle. Doch was als Kunstfigur begonnen hat, übernimmt immer mehr die Überhand.

Joker, aber FSK 6

Der neue Disney-Film „Cruella“ ist weder eine Realfilmversion der „101 Dalmatiner“-Filmereihe noch ein Remake im Stil von „Maleficent“. Man könnte „Cruella“ als eine Art Prequel zu der bekannten Filmreihe „101 Dalmatiner“ beschreiben. Viele bekannte Figuren kommen vor, nur in ein bisschen abgewandelter Form. Horace und Jasper sind noch nicht Cruellas Handlanger, sondern die Freunde von Estella. Auch Anita und Roger kommen vor. Denen gehören die Dalmatiner, die Cruella in „101 Dalmatiner“ entführen lässt. Aber auch wenn man die früheren Filme nicht kennt, kann man gut und gerne „Cruella“ anschauen. Die Handlung steht im Grunde für sich und man benötigt keine Vorkenntnisse, um die Figuren und die Handlung zu verstehen.

Der Showdown der Emmas

Besonders gut haben mir die SchauspielerInnen gefallen, allen voran die beiden Gegenspielerinnen Emma Stone als Cruella und Emma Thompson als Baronesse. Sowohl die Beziehung zwischen Lehrling und Mentorin als auch die Rivalität zwischen Cruella und der älteren Mode-Designerin kommen sehr gut rüber.

Was auch sehr schön getroffen ist, ist die Balance zwischen Humor und Drama. Der Wandel von Estella zu Cruella hat sehr viele lustige Momente, viele davon sehr Slapstick-haft mit Hinfallen oder Torten, die durch die Gegend fliegen. Aber um von der gutherzigen Estella zur grauenvollen Cruella zu kommen, sind auch viele dramatische Szenen vonnöten.

Emma Stone, die mit Komödien in Hollywood eingestiegen ist und dann mit dramatischen Filmen unter anderem den Oscar als beste Hauptdarstellerin bekommen hat, schafft es sehr gut, beide Seiten in „Cruella“ zu zeigen.

Das Disney-Realverfilmungen-Problem: Die Laufzeit

Nur bei der Länge hat der Film sich ein bisschen verschätzt. Das ist meiner Meinung nach ein grundsätzliches Problem der ganzen Realverfilmungen, die Disney in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat. Die meisten haben eine Laufzeit von knapp über zwei Stunden, wobei die Vorlagen meist unter 90 Minuten laufen. „Cruella“ ist zwar ein Prequel und basiert nicht direkt auf eine Vorlage, trotzdem sind die 134 Minuten Laufzeit eindeutig zu lang. Es gibt viele Wiederholungen und sich streckende Szenen, die im Kino wahrscheinlich nicht aufgefallen wären, auf dem heimischen Sofa hingegen schon.

Fazit:

Auch wenn der Film für mich eindeutig kürzer hätte sein können, ist „Cruella“ eine der wenigen Disney-Realverfilmungen, die mir richtig gut gefallen haben. Vor allem das Zusammenspiel der beiden Emmas - Stone und Thompson - ist hervorragend. Beide schaffen es, sowohl unfassbar lustig zu sein, im nächsten Augenblick aber auch dramatische Szenen herzzerreißend zu spielen. „Cruella“ bekommt von mir eine eindeutige Guck-Empfehlung – aber man kann auch darauf warten, bis der Film im „normalen“ Disney+-Abo am 27. August zur Verfügung steht.

Alita:
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