Film:
Crying Freeman - Der Sohn des Drachen

Film-Kritik von Marcel Scharrenbroich (07.2018)

Yo, Freeman! Heul leise…

Ein romantisches Drama… mit Killern!

Die junge Malerin Emu O’Hara (Julie Condra) wird unsanft und verhängnisvoll aus ihrem künstlerischen Schaffen gerissen. Sie wird Zeugin eines Schusswechsels, in dessen Verlauf der Auftragskiller Yo (Mark Dacascos) den Yakuza Takeshi Shimazaki (Kevan Ohtsji) exekutiert… mitsamt seiner bewaffneten Gefolgschaft. Yo - seinerseits Mitglied des Geheimbundes „Söhne des Drachen“, welcher sich im Krieg mit der japanischen Mafia befindet – fackelt in der Regel nicht lange und bringt seine Aufträge akkurat zu Ende… diesmal jedoch zögert er. Er bringt es nicht übers Herz, die Zeugin zu beseitigen und verrät ihr sogar seinen Namen. Schockiert, aber nachhaltig beeindruckt von dem mysteriösen Assassinen fertigt Emu ein Gemälde von Yo an, inklusive der Träne, die ihm während der Erfüllung seiner eigentlichen Mission über die Wange lief.

Der Vater des Getöteten - der einflussreiche Yakuza-Boss Shido Shimazaki (Mako) – nimmt den bleihaltigen Abgang seines Sohnes natürlich nicht tatenlos hin und setzt die Polizei über den „Freeman“ Yo und die Zeugin des Attentats in Kenntnis. Doch auch hier ist der „Sohn des Drachen“ seinen Gegenspielern einen Schritt voraus und fängt Shimazaki und seine Männer vor dem Polizeigebäude ab. Erneut wird die schöne Emu Augenzeugin eines blutigen Showdowns und erneut verschont sie der „Freeman“. Dieses passt seinen Auftragsgebern, die Yo einst entführten und gegen seinen Willen zu einer scheinbar erbarmungslose Killermaschine ausbildeten, natürlich gar nicht.

Emu scheint sich schon innerlich mit dem Gedanken abgefunden zu haben, bald das zeitliche zu segnen und erwartet liebestrunken ihren nächtlichen Killer. Dieser erscheint auch, hat jedoch andere Pläne mit der jungen Künstlerin. Statt seinen Auftrag auszuführen und alle Spuren zu beseitigen, wird er zu Emus Beschützer und rettet sie vor den nächtlichen Eindringlingen, die sich erhoffen, über sie an Yo heranzukommen.

Der „Freeman“ stellt sich gegen „Die Söhne des Drachen“ und wird somit zur Zielscheibe. Er und Emu stehen zudem auf der Abschussliste der Yakuza. Eine finale Konfrontation scheint für die Liebenden unausweichlich…

Vor den bewegten Bildern kamen die Gemalten

Die Geschichte vom „Crying Freeman“, dessen Markenzeichen die kullernden Tränen beim Exekutieren seiner Ziele sind, basiert auf der gleichnamigen, erfolgreichen Manga-Reihe. Erdacht wurde diese vom japanischen Autor Kazuo Koike, während Zeichner Ryōichi Ikegami die Story des Töpfers Yo, der entführt, unter Hypnose zum Killer ausgebildet und mit einem Ganzkörper-Drachen-Tattoo verziert wurde, in atmosphärische schwarz-weiß-Bilder tauchte. Erstmals erschien die Geschichte im japanischen Magazin „Big Comic Spirits“ zwischen 1986 und 1988. „Crying Freeman“-Schöpfer Koike zeichnet sich auch für das wegweisende Samaurai-Epos „Kozure Okami“ verantwortlich, das bei uns unter dem Namen „Lone Wolf & Cub“ besser bekannt ist und in 28 Bänden komplett bei Planet Manga vorliegt.

Auch die „Crying Freeman“-Saga ist in Deutschland vollständig erschienen. Zwischen 1993 und 1995 erschienen beim Schreiber & Leser Verlag alle 17 Bände als Softcover, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • Crying Freeman – Portrait eines Killers 1-4
  • Crying Freeman – Schatten des Todes 1-5
  • Crying Freeman – Spur der Rache 1-3
  • Crying Freeman – Entführt in Chinatown 1-2
  • Crying Freeman – Weg der Freiheit 1-3

Leider gelten alle Ausgaben als verlagsvergriffen und sind nur noch antiquarisch erhältlich.

Dream-Team vor und hinter der Kamera

Die Verfilmung aus dem Jahr 1995 ist nicht die erste Adaption der gezeichneten Vorlage. Neben einer sechsteiligen OVA (Original Video Animation)-Reihe, die von Toei Animation für den japanischen Videomarkt produziert wurde und es nicht bis zur deutschen Synchronisation brachte, existieren bereits zwei Real-Verfilmungen.
1990 erschien der chinesische Martial Arts-Streifen „Dragon from Russia“ mit Sam Hui („Aces Go Places“) und Maggie Cheung („Police Story“, „Twin Dragons“, „Hero“) in den Hauptrollen. Regie führte hier Clarence Fok („Naked Killer“).
Im gleichen Jahr entstand der ebenfalls nur lose an den Stoff angelehnte „Killer’s Romance“ von Regisseur Phillip Ko. Hier agierten Simon Yam („Ip Man“, „Man of Tai Chi“) und Joey Wong („A Chinese Ghost Story“, „City Hunter“) vor der Kamera.

Fünf Jahre später setzte der französische Filmemacher Christophe Gans die Manga-Vorlage adäquater um, nachdem er vom gezeichneten Original hellauf begeistert war. Obwohl er eine japanische Ausgabe in Händen hielt, verzauberte ihn die Bildsprache der Geschichte und so sollte „Crying Freeman“ sein Regiedebüt werden. Der 1960 geborene Regisseur, Produzent und Drehbuchautor begeisterte sich bereits seit jungen Jahren für Kung-Fu und so schien dies ein idealer Ausgangspunkt. Er inszenierte auch die gleichnamige Umsetzung des Horror-Games „Silent Hill“, die für viele Fans (mich eingeschlossen) als bisher beste Videospiel-Verfilmung gilt.

Mit Mark Dacascos konnte man auch einen Hauptdarsteller verpflichten, der ebenso in den leisen Momenten überzeugte, als auch den physischen Herausforderungen der Darstellung des „Freeman“ gewachsen war. Der sympathische Darsteller, der hauptsächlich in B-Movies („Only the Strong“, „Drive“, „The Base“, „I Am Omega“) und TV-Serien („The Crow: Stairway to Heaven“, „Hawaii Five-0“, „Agents of S.H.I.E.L.D.“) zu sehen ist, konnte nur noch im ebenfalls von Christophe Gans inszenierten „Pakt der Wölfe“ auf der großen Leinwand auftrumpfen.

An Dacascos‘ Seite tritt die amerikanische Schauspielerin Julie Condra in die Fußstapfen der verträumten Emu O’Hara. Die attraktive Texanerin, die zuvor nur in Werbespots und Nebenrollen in diversen TV-Serien („Eine schrecklich nette Familie“, „Wunderbare Jahre“, „Parker Lewis“) in Erscheinung trat, verguckte sich auch im realen Leben in ihren Co-Star und so führte sie dieser 1998 zum Traualtar. Die Funken, die auf dem Bildschirm fliegen sind also real und das Paar ist auch heute noch glücklich verheiratet… jedenfalls bis „Die Söhne des Drachen“ sie finden… oder die Yakuza…

Einmal Index und zurück

Wie kann es sein, dass ein Film, der 1997 in Deutschland veröffentlicht wurde und im Laufe der Jahre mehrfach ungekürzt im TV ausgestrahlt wurde, plötzlich ZEHN Jahre später auf der Indizierungsliste landet? Sie wissen es nicht? Gut… ich nämlich auch nicht. Ist aber genau so passiert. Ja ja… die Wege der Prüfstellen sind manchmal unergründlich... zumal „Crying Freeman“ noch 2013 – also sechs Jahre nach seiner Indizierung – unbeschnitten gesendet wurde, was die ganze Sache nur noch absurder macht. Sei’s drum. Vorbei sind die Zeiten von rund sechs Minuten gekürzten FSK 16-DVDs und Uncut-Scheiben mit falschem Bildformat, denn das Münsteraner Label TURBINE hat sich der Action-Perle angenommen und hat es nicht nur geschafft, dass die Indizierung aufgehoben wurde… nein, auch ist „Crying Freeman“ nun vollkommen ungeschnitten mit einer FSK 16-Freigabe erhältlich. Und zwar gestochen scharf in HD!

Scharfe Klinge, scharfe Bilder

Schon im September 2017 erfolgte eine erste Auswertung des Films seitens TURBINE. Die vier verschiedenen, limitierten Mediabooks verfügten neben der Blu-ray auch über die DVD-Fassung und wurden noch ohne FSK-Siegel veröffentlicht, da die Indizierung zu diesem Zeitpunkt noch galt. Aus diesem Grund war „Crying Freeman“ auch nur bei speziellen Händlern gelistet und der öffentliche Handel hatte erstmal das Nachsehen. Doch bereits mit „The Texas Chainsaw Massacre“ und „Hellraiser“ haben die Mädels und Jungs aus Münster bewiesen, dass sie sich „nur“ mit einer De-Indizierung nicht zufrieden geben. Nachdem dieses leidige Thema abgehakt war entschloss man sich, den Titel erneut in seiner ungekürzten Fassung bei der FSK vorzulegen. In der heutigen Zeit, wo Jason unbescholten im Free-TV mordet, das „Titty Twister“ rund um die Uhr für jedermann geöffnet hat und Ash die Kettensäge im örtlichen Elektro-Markt kreisen lässt, war die blaue FSK 16-Plakette nur Formsache… alles andere wäre schwer verwunderlich gewesen.

Frisch rehabilitiert schickt TURBINE den „Freeman“ nun in die nächste Runde und lässt die breite Masse an der Jagd auf den weinenden Assassinen teilhaben. Im Rahmen der „TURBINE STEEL COLLECTION“ machen Yo und Emu nun alle gängigen Händlerregale unsicher… zumindest solange der Vorrat reicht, denn die Edition mit dem wunderschönen Artwork von Jean-Baptiste Chuat ist auf nur 4.000 Einheiten limitiert. Jedes Exemplar ist dabei auf dem umliegenden Beiblatt nummeriert. Entgegen den meisten Veröffentlichungen der „STEEL COLLECTION“ setzt TURBINE – nach „Leatherface“ – nun zum zweiten Mal auf ein Steelbook. Alle weitern Filme und Serien dieser Kollektion erschienen im FuturePack, welches im Gegensatz zum Steelbook in kleineren Auflagen produziert werden kann. Ein heiß ersehnter Titel wie „Crying Freeman“ dürfte aber auch mit einer Auflage von 4.000 Stück recht schnell wieder aus den Regalen verschwunden sein, denn neben dem sehenswerten Action-Drama ist auch das Drumherum sehr gelungen.

Das HD-würdige Bild liegt nun endlich im richtigen Format (2.35:1) vor und lässt keine Wunsche offen. Allein in der Titelsequenz, in der sich ein animierter Drache um den Körper des Hauptdarstellers schlängelt, kommen die Vorteile der hochauflösenden Blu-ray zum Tragen. Der Ton erstrahlt auf dts-HD Master Audio 5.1 & 2.0 Stereo-Spuren, wahlweise in Deutsch oder Englisch. Die jeweiligen Untertitel lassen sich auf Wunsch zuschalten. Neben dem ungekürzten, 102-minütigen Hauptfilm finden sich satte 165 Minuten im komplett untertitelten Bonusmaterial. Dieses setzt sich im Einzelnen so zusammen:

  • Audiokommentar mit Regisseur Christophe Gans
  • Retrospektive Interviews mit Christophe Gans und Mark Dacascos
  • Interviews mit Christophe Gans zu Ursprung, Ausstattung und Storyboards
  • Zwei entfernte Szenen
  • Featurette über den Schnitt
  • Making-of-Featurettes
  • Hinter den Kulissen
  • Promo-Featurettes
  • Teaser & Trailer

Fazit:

Action-Fans werden mit Sicherheit schon Bekanntschaft mit dem „Freeman“ gemacht haben. Aber auch allen Freunden von stylischen, bleihaltigen Ballereien, bei der die bösen Jungs nach dem Einschlag einer Kugel sofort einen Salto aus dem Stand machen, sei dieses explosive – und Explosionen gibt es eine Menge – Action-Drama mit romantischem Touch ans Herz gelegt.

Wertung: 9  (Film: 8  |  Blu-ray: 9)
 


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Alle Fotos copyright: Turbine Medien GmbH

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