Film:
Captain Marvel

Film-Kritik von Nina Pimentel Lechthoff (08.2019) / Titelbild: © Marvel

Die erste Avenger

Back to the 90’s

Vers ist eine mächtige Kriegerin und Teil der Kree-Elite-Einheit Starforce. Die hochentwickelte außerirdische Nation befindet sich in einem langjährigen Krieg gegen die Skrull, die ihre Gestalt wandeln können. Bei einem Kampf der Elite-Einheit gegen ein Spionage-Trupp der Skrull wird Vers gefangen genommen. Sie kann zwar fliehen, landet aber ganz alleine auf der Erde. Weil die Skrull hinter ihr her sind, muss sie widerwillig eine Partnerschaft mit Nick Fury, einem Agenten der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., eingehen. Beim Versuch, die Pläne der Skrull zu vereiteln, kommen Vers immer mehr Erinnerungen an ihr altes Leben zurück – ein Leben, welches sie auf der Erde geführt hat. Kann sie den Kree wirklich vertrauen?

MCU in Reinform

Captain Marvel ist der 21. Film des Marvel Cinematic Universe. Am Anfang waren da Iron Man, Hulk, Captain America und Thor. Während die ersten Filme alle sehr ähnlich aufgebaut waren (typische Superhelden-Filme eben) haben sich die späteren Filmen etwas mehr abgehoben und andere Genres wie Polit-Thriller oder Space Opera in sich aufgenommen. Captain Marvel ist zwar genauso bombastisch und groß wie etwa ein Thor Ragnarok, ordnet sich aber mehr den anfänglichen Marvel-Filmen unter: Es wird eine typische Heldengeschichte erzählt, die ganz fest in der MCU-Formel drin ist. Das ist vielleicht der Grund, warum viele Fans Captain Marvel als Film kritisiert haben, er sei nicht innovativ genug. Und tatsächlich, das Rad erfindet der 21. MCU-Film nicht gerade neu. Es gibt viele Kampfszenen, den obligatorischen Stan-Lee-Cameo und sehr, sehr viel CGI.

Tolles Popcorn-Kino

Meiner Meinung bietet Captain Marvel alles, was Superhelden- und Marvel-Fans von solchen Filmen erwarten. Es gibt viel Humor, aber auch dramatische Momente sind erlaubt.

Vor allem die Szenen zwischen Carol und ihrer alten Freundin Maria Rambeau sind großartig geschauspielert. Hier wechseln sich freundschaftlich-leichte Momente mit Augenblicken, wo sich die lange Abwesenheit Carols bemerkbar macht.  Brie Larson und Lashana Lynch haben eine sehr tolle Chemie und können diese komplexe Beziehung sehr gut rüberbringen.

Generell sind die schauspielerischen Leistung auf einem sehr hohen Niveau. Samuel L. Jackson als Nick Fury hatte zehn Jahre, um seine Figur zu entwickeln. Man erkennt den Nick Fury aus Captain Marvel zwar wieder, aber man merkt trotzdem, dass er jünger und etwas unbeschwerter ist als der spätere, zynische Direktor von S.H.I.E.L.D..

Das aber meiner Meinung nach Beste an dem Film – und was ihn für mich auch ein bisschen von den anderen Filmen des MCU abhebt – ist seine Struktur. Wie Vers zu Carol Danvers und zum Schluss dann zu Captain Marvel wird, finde ich großartig. Zwar weiß man von Anfang an, dass Vers die menschliche Carol Danvers ist und keine Kree-Kriegerin, trotzdem haben mich die Wendungen sehr positiv überrascht.

Auch negative MCU-Charakteristika übernommen

Aber weil Captain Marvel ein typischer MCU-Film ist, sind nicht nur die positiven Aspekte übernommen worden. Teilweise wird der Humor etwas zu oft eingesetzt, vor allem eine Figur – ich werde nicht spoilern, welche – verwandelt sich von einem stoischen Kämpfer zum Ende hin ein bisschen zu einem lustigen Sidekick. Auch das MCU-Problem mit Eintagsfliegen-Bösewichten ist in Captain Marvel präsent. Allein das CGI habe ich nicht als allzu problematisch empfunden. Ich finde die Spezialeffekte einiger Marvel-Filme echt nicht gut und da hat Captain Marvel – vor allem was die „Verjüngung“ der Figuren Coulson und Fury angeht  – meiner Meinung nach ganz gute Arbeit geleistet.

Blu-ray ganz cool, DVD reicht aber auch

Ich bin ein großer Fan von Extras. Zu sehen, wie der Film entstanden ist und zuzuhören, was die Filmemacher sich gedacht haben, finde ich unglaublich interessant. Die Blu-ray von Captain Marvel bietet zwar einige Extras, wie etwa zusätzliche Szenen, Pannen vom Dreh oder einen Audiokommentar mit dem Regie-Duo Anna Boden und Ryan Fleck. Es ist ganz interessant zu hören, wie die Filmemacher ihre Indie-Wurzeln und ihre Einflüsse – beispielsweise ist die Verfolgungsjagd auf und in der Straßenbahn sehr stark vom Film Brennpunkt Brooklyn mit Gene Hackman inspiriert – in den Blockbuster umgesetzt haben.

Leider haben mir die Featurettes überhaupt nicht gefallen bzw. haben mir nichts Neues geboten. Diese sind nur ein Zusammenschnitt aus Promo-Interviews und kurze Blicke hinter die Kulissen. Dabei wiederholen sich die Interviews sehr oft.

 

Fazit:

Mir gefällt Captain Marvel richtig gut, ich bin aber auch generell ein großer Fan der MCU-Filme. Wer nichts mit diesen Superhelden-Streifen anfangen kann, dem wird dieser hier nicht besser oder schlechter gefallen. Captain Marvel ist nämlich durch und durch ein MCU-Film. Dabei sind die Schauspieler sehr gut und der Wechsel zwischen Humor und Drama klappt oft (aber nicht immer). Aber weil Captain Marvel die MCU-Formel befolgt sind auch ein paar Minuspunkte im Film zu erkennen. Trotzdem finde ich Captain Marvel sehr gut, nur die Blu-ray muss nicht unbedingt sein.

Wertung: 8

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Bilder & Cover: © The Walt Disney Company Germany, Marvel