Film:
Barb Wire

Film-Kritik von Marcel Scharrenbroich (08.2018)

Hör mal, wer da ballert

Von A wie Amazone bis Z wie Zombie

Comic-Verfilmungen sind im Jahr 2018 eigentlich nichts besonderes mehr. Regelmäßig werden wir mit Action-Overkills aus Hollywood versorgt, dass uns schon langsam die Augen bluten und das MCU (Marvel Cinematic Universe) expandiert weiter und weiter und weiter… Seit zehn Jahren haut der Comic-Gigant einen Blockbuster nach dem anderen raus und hat seit dem Start mit „Iron Man“ eine akribisch durchgeplante Story vorangetrieben, deren roter Faden alle erschienenen Solo- und Team-Abenteuer verbindet. Das große Finale erwartet uns dann 2019 im noch namenlosen vierten „Avengers“-Ableger, der seinen erfolgreichen Vorgänger wohl mühelos in den Schatten stellen wird. Auch die Konkurrenz von DC war nicht untätig und hat mit Warner Brothers, zu welchem Konzern der Comic-Verlag als Tochtergesellschaft auch gehört, ein eigenes Kino-Imperium aufgebaut… nun ja, zumindest versuchen sie es. Im Gegensatz zu Marvels MCU wird hier häufig vom DCEU (DC Extended Universe) gesprochen, was aber nicht die offizielle Bezeichnung ist. Da ist man sich intern wohl ebenso uneinig, wie beim Rest des Projektes… anders kann ich mir die teils katastrophalen Produktions-Umstände nicht erklären. Mit „Wonder Woman“ hat das Studio 2017 allerdings genau das richtige Händchen gehabt, nachdem die Figur bereits ein Jahr vorher in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ erfolgreich eingeführt wurde.

Bei all dem Hype um „Wonder Woman“, dessen Fortsetzung sich aktuell noch im Dreh befindet, sollte man allerdings nicht vergessen, dass es bereits lange vor der kriegerischen Amazone weibliche Comic-Heldinnen auf die große Leinwand geschafft haben. Auch „Barb Wire“, die den Sprung ins Kino schon 1996 schaffte, war nicht die erste Powerfrau, die sich durchzusetzen wusste. Holen wir mal ein bisschen aus…

Bereits 1968 eroberte eine Heldin die Lichtspielhäuser, die zuvor nur in den Comics des französischen Zeichners Jean-Claude Forest auftauchte: „Barbarella“. Durch die erotischen Abenteuer der Titelfigur und der wegweisenden Pop-Art-Ästhetik wurde Hauptdarstellerin Jane Fonda über Nacht zum Star. Regie führte praktischerweise ihr Ehemann Roger Vadim.

1973 folgten gleich zwei Verfilmungen, die auf bebilderten Vorlagen basieren. Der japanische Action-Streifen „Lady Snowblood“ bedient sich beim gleichnamigen Manga von Kazuo Koike und Kazuo Kamimura und erzählt eine klassische Rache-Geschichte zu Zeiten der Meiji-Dynastie.

Der italienisch-französische Erotik-Film mit Horror Elementen „Foltergarten der Sinnlichkeit 2 (OT: „Baba Yaga“) hingegen basiert lose auf der Figur „Valentina“ des italienischen Comic-Zeichners Guido Crepax. Verkörpert wurde Valentina von Isabelle de Funès, der Nichte des französischen Kult-Komödianten Louis de Funès.

Zwei Jahre später ging dann zum ersten Mal „Wonder Woman“ im US-TV auf Siegeszug. Mit der bildschönen Lynda Carter - die zuvor zur „Miss USA“ gekürt wurde - in der Titelrolle, hielt sich die Serie über drei Staffeln mit insgesamt 59 Episoden plus Pilotfilm. In Deutschland sollte die Erstausstrahlung erst 1993 erfolgen.

1982 erschien dann die erste Film-Fassung des Musicals „Annie“, welches auf dem Comic „Little Orphan Annie“ von Harold Gray basiert. Mit Aileen Quinn in der Titelrolle und Albert Finney und Tim Curry in den weiteren Rollen gut besetzt, folgte 2014 eine neue Interpretation des Stoffes. Diesmal mit Jamie Foxx, Rose Byrne und Cameron Diaz.

In den 80ern ging es dann launig weiter mit „Sheena – Königin des Dschungels“ (1984) mit Tanya Roberts. Hier wurde ein junges Mädchen von einer Schamanin aufgezogen, nachdem ihre Eltern bei einer gemeinsamen Afrika-Reise tödlich verunglückten. Dem Film ging eine schwarz-weiß-Serie Mitte der 50er Jahre voran, die ebenso wie der Abenteuer-Film von John Guillermin auf den Strips der Comic-Pioniere Will Eisner („The Spirit“) und Jerry Iger beruht.

Im gleichen Jahr landete auch Kara Zor-El erstmalig auf unserem Planeten. Besser bekannt als „Supergirl“, durfte die bezaubernde Helen Slater ins rot-blaue Kostüm schlüpfen und konnte so ihrem Cousin „Superman“ mal zeigen, wie man an der Kinokasse eine ordentliche Bruchlandung hinlegt. An dieser Tatsache konnten auch Co-Stars wie Faye Dunaway, Peter O’Toole und Mia Farrow nichts ändern und die britische Produktion spielte nicht mal die Hälfte ihrer Kosten ein. Dafür konnte der bombastische Score von Jerry Goldsmith voll überzeugen.

1985 durfte sich der „Conan“-Charakter „Red Sonja“ dann durch eine wilde Barbaren-Welt schnetzeln. Brigitte Nielsen debütierte hier neben Arnold Schwarzenegger, der hier aus lizenzrechtlichen Gründen nicht als „Conan“, sondern „Kalidor“ agiert. Herausgekommen ist ein unterhaltsames Fantasy-Spektakel, das sich selber nicht ganz ernst nimmt und augenzwinkernd-trashig unterhält.

Neben „Barb Wire“ erschien in den 90er-Jahren noch eine ähnlich angelegte, endzeitliche Comic-Verfilmung. „Tank Girl“ von 1995 blieb allerdings deutlich hinter den Erwartungen des Studios (und des Publikums) zurück. Die punkige Titelheldin, die in einer postapokalyptischen Wüstenwelt im zerstörten Australien des Jahres 2033 umherstreift, war in ihrer gedruckten, britischen Vorlage deutlich erfolgreicher, so dass der amerikanische DC-Imprint Vertigo auch pünktlich zum Kino-Start einige Titel in den USA publizierte. Ziemlich zeitgleich erfolgte auch eine deutsche Veröffentlichung. In Rachel Talalays „Tank Girl“-Verfilmung stand neben Lori Petty und Ice-T übrigens auch die mehrfach oscarnominierte Naomi Watts in einer Nebenrolle vor der Kamera… geholfen hat dies allerdings auch nicht.

Ein Jahr darauf flimmerte dann Teenie-Hexe „Sabrina“ regelmäßig über die TV-Bildschirme. Neben einigen TV-Filmen, von denen der Erste den Start der langlebigen Serie markierte, brachte die Show es immerhin auf stolze sieben Staffeln. Aktuell ist beim Streaming-Riesen Netflix eine Neuausrichtung in Arbeit, die deutlich düsterer daherkommen soll als sein Sitcom-Vorgänger. Man orientiert sich an klassischen Horrorfilmen und setzt auf Mystery-Elemente. In die Fußstapfen von Melissa Joan Hart tritt dort die junge Kiernan Shipka. Erstmalig trat „Sabrina, the Teenage Witch“ 1962 in den „Archie“-Comics auf, deren Charaktere auch Vorlage für die aktuell erfolgreiche Serie „Riverdale“ sind.

„Vampirella“ legte die Messlatte dann 1996 erschreckend tief, als die gleichnamige Verfilmung von Jim Wynorski die Videotheken enterte. Produziert hat den blutarmen Quatsch der B-Movie-Papst Roger Corman… und B-Movie ist hier noch schmeichelhaft ausgedrückt.

Wo wir gerade schon mal im „Archie“-Universum waren, begeben wir uns direkt nochmal in die augenscheinlich heile Welt. Von dort stammen nämlich auch „Josie and the Pussycats“ (2001). Mit Rachael Leigh Cook, Tara Reid und Rosario Dawson auch recht prominent besetzt, wird hier die Karriere einer Mädels-Band verfolgt und offenbart einen kritischen und sarkastischen Blick hinter die Kulissen der Musik-Industrie. Ganz nett, aber harmlos und zu seicht.

Eine ganz andere Nummer ist da schon Terry Zwigoffs „Ghost World“, basierend auf der Graphic Novel von Daniel Clowes. Das stark gespielte Coming-of-Age-Drama und seine Hauptdarsteller Thora Birch, Steve Buscemi und Scarlett Johansson wurden für etliche Preise nominiert und konnten auch einige davon abräumen. Das Drehbuch ging sogar ins Rennen um den Oscar.

Apropos Oscar: Ein Begriff, mit dem der nächste Film so gut wie gar nichts zu tun hat… bis auf die Tatsache, dass seine Hauptdarstellerin mal einen gewonnen hat… den sie für dieses Machwerk am besten wieder zurückgeben sollte. Die Rede ist natürlich vom unsäglichen „Catwoman“ mit Halle Berry, der einem nicht nur den Tag, sondern auch das ganze Kinojahr 2004 verhageln konnte… und JA, er ist wirklich so schlecht, wie alle sagen. Miese Story, miese Effekte und ein Kostüm, das aussieht, als wäre es nach der letzten Hinterhof-Swinger-Party in die Altkleider-Tonne gepfeffert worden. Wenn Frau Berry dann noch ein cooles „Miau“ in die Kamera quietscht, gehen bei mir alle Lichter aus und ich denke wehmütig an die grandiose Michelle Pfeiffer in „Batmans Rückkehr“ zurück.

Ein ähnlich vernichtendes Urteil erhielt 2005 Jennifer Garner für „Elektra“. Ein Charakter, der schon in der oft gescholtenen „Daredevil“-Verfilmung mit Ben Affleck eingeführt wurde und auch im Solo-Film keinen Blumentopf gewinnen konnte… daran änderte auch ein später veröffentlichter Director’s Cut nichts, da der Krampf sich somit nur um drei zähe Minuten verlängerte.

Mit „Painkiller Jane“ taten sich die Verantwortlichen im gleichen Jahr auch keinen Gefallen. Die Adaption der Comics von Jimmy Palmiotti und Joe Quesada zog zwar noch eine (mit einer Staffel sehr kurzlebige) TV-Serie nach sich, in der der Hauptcharakter nicht mehr von Emmanuelle Vaugier, sondern von Kristanna Loken verkörpert wurde, verschwand aber recht unspektakulär und schnell wieder von der Bildfläche.

Dass es in diesem Jahr aber auch einen Lichtblick gab, ist „V wie Vendetta“ zu verdanken. Mit James McTeigue auf dem Regiestuhl, produzierten die Wachowski-Geschwister (damals waren es noch Brüder) direkt nach ihrer „Matrix“-Trilogie den futuristischen Polit-Action-Thriller, nach einer Vorlage von Alan Moore. Neben weiteren hochkarätigen Schauspielern sticht hier besonders Hauptdarstellerin Natalie Portman hervor, die für ihre Rolle als rebellische Evey Hammond mehrfach ausgezeichnet wurde.

Andere Gefilde betrat 2009 der packende Thriller „Whiteout“. In einer entlegenen Südpol-Station entbrennt ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel mit einem Killer, der das anwesende Personal dezimiert… mittendrin Powerfrau Kate Beckinsale, Tom Skerritt und Gabriel Macht. Die eisige Vorlage, in Form einer Comic-Mini-Serie, lieferten hierzu Greg Rucka und Steve Lieber.

Zombies dürfen natürlich in dieser Aufzählung auch nicht fehlen und da trifft es sich gut, dass Schauspielerin Rose McIver seit 2015 als Untote in „iZombie“ unterwegs ist. Die Mischung aus Krimi und Horror lief bislang über vier Staffeln und wurde bereits um eine fünfte und abschließende Staffel verlängert.

Ebenfalls seit 2015 ist „Jessica Jones“ auf Sendung. Die Serie mit Krysten Ritter in der Titelrolle ist im MCU angesiedelt und zählt zu den Netflix-Marvel-Serien, wie „Daredevil“, „Luke Cage“, „Iron Fist“, „Punisher“ und „The Defenders“. In Letzterer traten dann alle Solo-Charaktere (bis auf den „Punisher“, der erst nach seinem erfolgreichen Einstand in der zweiten Season von „Daredevil“ eine eigene Serie bekam) gemeinsam als Team auf.

Wie man nun an der recht umfangreichen Auflistung von weiblichen Comic-Charaktere und deren Verfilmungen sehen kann, besitzt „Wonder Woman“ – trotz ihres letztjährigen, völlig verdienten Erfolges – nicht das alleinige Recht auf den Thron der Powerfrauen. Es gab sie vor ihr und es wird sie auch nach ihr geben. „Black Widow“ ist für einen ersten Solo-Einsatz schon in Planung, Carol Danvers wird 2019 als „Captain Marvel“ durchstarten und kurz vor Jahresende dürfen wir uns auf „Alita – Battle Angel“ von Robert Rodriguez freuen. Also mächtig was los bei den Comic-Damen… Lässt man den Comic-Aspekt dann mal außen vor und bezieht noch Charaktere wie Ripley aus „Alien“, Lara Croft, Alice aus der „Resident Evil“-Reihe, Rey und die unvergessliche Leia aus „Star Wars“, Uma Thurman als „Braut“ in „Kill Bill“, Selene in „Underworld“ und unzählige weitere ein, dann schauen die Herren der Schöpfung im Action-Genre aber ordentlich in die Röhre…

„Niemand nennt mich Babe!“

Trotz dieser Jahrzehnte-umfassenden Schnellübersicht wollen wir nicht den Blick aufs Wesentliche verlieren. Der Fokus soll hier im speziellen auf Barbara Kopetski liegen. Barbara wer? Ja… Kopetski. Vielleicht besser bekannt als „Barb Wire“. Geht auch flüssiger über die Lippen…

Amerika ist in der Zukunft durch den zweiten Bürgerkrieg vollkommen verwüstet und in den rauen Straßen von Steel Harbor regiert das Chaos. In diesem apokalyptischen Kaff betreibt Barb den Nachtclub „Hammerhead“, an dem sich regelmäßig die finstersten und zwielichtigsten Gesellen tummeln. Zusätzlich zu diesem Job bringt die kampferprobte Blondine mit militärischer Vergangenheit noch üble Burschen als Kopfgeldjägerin zur Strecke. Dabei scheut sie handfeste Auseinandersetzungen genau so wenig, wie großkalibrige Feuergefechte. Ein bleihaltiger und abenteuerlicher Nebenjob… als Ausgleich zum „entspannten“ Nachtleben, quasi.

Erdacht wurde die Endzeit-Action vom Autor Chris Warner, der neben diversen „Star Wars“- und „Predator“-Titeln auch für unzählige Veröffentlichungen als Zeichner und Editor verantwortlich ist. Erstmalig trat die handfeste Nachtclubbetreiberin/Kopfgeldjägerin 1993 in „Comics‘ Greatest World: Barb Wire“ in Erscheinung. Zwischen April 1994 und Februar 1995 folgte dann ihre erste Solo-Serie im amerikanischen Dark Horse Verlag. Nach der neunteiligen Hauptreihe ging es dann im Mai 1996 mit der vierteiligen Mini-Serie „Barb Wire: Ace of Spades“ weiter, welche im September des gleichen Jahres abgeschlossen wurde. Danach war es sehr lange Zeit ruhig um die gute Barb. 2008 erschien noch einmal eine Gesamtausgabe ihrer bisherigen Abenteuer, die sowohl Hauptreihe und Mini-Serie beinhaltete, bevor für 2015 eine komplett neue Reihe angekündigt wurde. Von Juli 2015 bis Februar 2016 erschienen bei Dark Horse insgesamt acht Ausgaben aus der Feder des Schöpfers Chris Warner, gezeichnet von Patrick Olliffe. Die beeindruckenden Cover-Artworks stammen von keinem geringerem als Comic-Künstler Adam Hughes, der mit seinen Designs im Pin-Up-Stil die Leser weltweit begeistert und bereits 2003 mit dem renommierten „Eisner Award“ als „Best Cover Artist“ ausgezeichnet wurde.

Tausche Badeanzug gegen Moped-Kluft

Als Regisseur David Hogan, der zuvor nur Musik-Videos inszenierte und als Second Unit Director an Joel Schumachers „Batman Forever“ mitwerkelte, „Barb Wire“ 1996 in die Kinos brachte, war die Erwartung groß… allerdings nicht wegen dessen Vorerfahrung oder der Popularität der Vorlage. Nein, die meisten Leute (Männer) wussten bis zur Ankündigung nicht mal, dass es sich um eine Comic-Verfilmung handelt. Ihr Interesse wurde geweckt durch zwei Worte. Zwei Worte, die bei so manchem für Schnappatmung, weiche Knie und ein leichtes Ziehen im Lendenbereich sorgten (letzteres konnte auch mal schwerer auftreten… vor allem, wenn die Ehefrau es mitbekam)… „Pamela“ und „Anderson“.

Pamela Denise Anderson kann man als DIE Kult-Ikone der 90er bezeichnen. Und wo eine Anna-Nicole Smith durch ihre Dessous-Plakate für Auffahr-Unfälle im Straßenverkehr sorgte und bei Veronas „Blubb“ der Spinat freiwillig wieder in die Packung sprang, war Pam für plattgedrückte Männernasen am TV-Bildschirm verantwortlich. Entdeckt wurde sie 1989 bei einem Footballspiel und die Biermarke, dessen Logo sie auf dem Shirt trug, engagierte sie vom Fleck weg für eine Kampagne. Schnell wurde auch der Mann, der den Bademantel ausgehfähig machte – Hugh Hefner – auf die hübsche Blondine aus British Columbia in Kanada aufmerksam. Bislang schaffte sie es 14mal auf das Cover des US-„Playboy“ und ganze 8mal auf die deutsche Ausgabe (ich habe mir mal die Mühe gemacht und das sorgfältig recherchiert…). Ein einsamer Rekord, den ihr so schnell kein Playmate nachmacht.

Im TV hatte Pamela Anderson ihre erste fortlaufende Rolle – nach einigen Kurzauftritten in anderen Serien – in der US-Sitcom „Hör mal, wer da hämmert“ als Assistentin Lisa, an der Seite von Tim Allen. 1992 wurde sie dann Mitglied in der „Baywatch“-Familie, nachdem die bisherige Vorzeige-Blondine Erika Eleniak den roten Badeanzug an den Nagel hängte und sich von Steven Seagal in „Alarmstufe: Rot“ retten ließ. Ein wahrer Glücksgriff für die Produzenten, denn Anderson sorgte für bleibenden Eindruck bei den Zuschauern. Niemand konnte so schön in Zeitlupe am Strand entlangrennen wie C.J. Parker… diverse Großaufnahmen, säuselnde Musik und zweitrangige Handlung inklusive. Für Aufsehen sorgte zudem Pams Privatleben. Vor allem ihre Hochzeit mit Tommy Lee, dem Drummer der Rockband „Mötley Crüe“, sorgte 1995 für skandalträchtige Schlagzeilen. Skandalträchtig deshalb, weil ein eindeutig zweideutiges „Hochzeits-Video“ den Weg ins Internet fand. Die Details lasse ich an dieser Stelle lieber aus… (sonst müsste ich noch mal schnell recherchieren gehen). So wurden bereits die Dreharbeiten zu ihrer ersten „großen“ Hauptrolle in „Barb Wire“ medienwirksam verfolgt.

„Schau mir in die Augen, Kleiner… Hallo? In die AUGEN!“

Auch im Film befinden wir uns in einem Amerika im Ausnahmezustand. Wir schreiben das Jahr 2017 und es tobt der Bürgerkrieg (ob die 1996 schon ahnten, dass Trump mal Präsident wird?). Steel Harbor ist die letzte freie Stadt, während die Mächtigen – hier der „Amerikanische Kongress“ - mit faschistoiden Methoden das ganze Land regieren. Die Einzigen, die Barb noch etwas bedeuten, sind ihr blinder Bruder Charlie (Jack Noseworthy), Rottweiler-Hündin Camille und ihr Assistent Curly (Udo Kier), der das „Hammerhead“ während ihrer Abwesenheit (wir erinnern uns: Zweit-Job als Kopfgeldjägerin) leitet. Ein notwendiges Übel, da die Einnahmen vorne und hinten nicht reichen und zudem der korrupte Cop Willis (Xander Berkeley) noch geschmiert werden will.  Eines Tages taucht Barbs Ex-Liebhaber Axel (Temuera Morrison) in ihrer Bar auf… inklusive seiner neuen Frau, Dr. Corrina Devonshire (Victoria Rowell). Axel gehört – ebenso wie „Cora D.“ – zum Widerstand und soll seine Frau über die Grenze schmuggeln… rüber, ins sichere Kanada. Diese trägt nämlich Antikörper in ihrer DNA, die eine mächtige Bio-Waffe der Regierung ausschalten könnten. Für den Grenzübergang werden allerdings spezielle Kontaktlinsen benötigt, die die Retina-Scanner überlisten können… und da kommt Barb ins Spiel.

Eines sollte jedem natürlich klar sein: die Story ist wirklich so platt und konstruiert, wie sie sich auf den ersten Blick anhört. Etwaige Parallelen zu „Casablanca“ sind ebenso beabsichtigt, wie der unfreiwillige, aber charmante Humor, den der Film versprüht. Momentchen… schrieb der gerade „Casablanca“? Etwa DER „Casablanca“? Der Bogart/Bergman-Meilenstein mit „Ich schau dir in die Klüsen, Kleines“-„Casablanca“? Jap… genau DER! „Barb Wire“ adaptiert genau DIESEN Klassiker, der ein weltweites Publikum begeisterte, vier Oscars einfuhr und wohl eines der berühmtesten Film-Zitate aller Zeiten hervorbrachte. Ist dies nicht anmaßend? Vielleicht sogar größenwahnsinnig? Klar ist es das… aber das macht nichts. Man kann es dem Film, der seinen trashigen Charme nicht mal versucht zu verheimlichen, einfach nicht übelnehmen.

Du hast ein begrenztes Budget. Du hast eine Hauptdarstellerin, die mit ziemlicher Sicherheit niemals einen Oscar gewinnen wird. Du hast ein Drehbuch, das auf die Rückseite eines halben Bierdeckels passt. Du hast einen Regisseur, der wahrscheinlich Stolz auf seine Arbeit an „Batman Forever“ ist. Was willst du daraus machen?

Andererseits… Du hast fu*#$!g PAMELA ANDERSON, das wohl größte Sex-Symbol der 90er. Du hast genug Kohle, um es kräftig knallen und rauchen zu lassen. Du hast einen simplen Plot, der nicht zu sehr von Fräulein Anderson ablenkt. Du hast einen Regisseur, der Video-Clip-Erfahrung hat und diese auch nutzt, um ästhetische Bilder zu produzieren. Reicht doch, oder?

JA, reicht! Zumindest reicht es, um einen kurzweiligen Action-Film abzuliefern, der sich nicht zu ernstnimmt und eine bekannte und beliebte Story trashig adaptiert, ohne sich überhaupt an ihr messen zu WOLLEN. „Barb Wire“ ist und bleibt eine One-Woman-Show, die von der Popularität von Pamela Anderson lebt und daraus auch keinen Hehl macht. Für ihre Darstellung gewann sie sogar einen Preis! Gut… es war die „Goldene Himbeere“ als schlechteste Darstellerin, aber wer wird schon so kleinlich sein? Preis ist Preis. Angelina Jolie feuerte als Lara Croft auch keine oscarverdächtige Leistung als Charakter-Darstellerin ab. Was sie abfeuerte, waren die bösen Buben, die wie Fallobst durch ihre zwei Ballermänner niedergemäht wurden. Das war es, was der damalige „Tomb Raider“-Zocker sehen wollte… Lara Croft in Fleisch und Blut. Anders verhält es sich auch nicht mit „Barb Wire“. Man hätte den Film auch „Ilse Pawalovczyk“ nennen und darunter Pams Gesicht drucken können… hätte wahrscheinlich ebenso gut funktioniert.

Schärfer als Stacheldraht

War die alte DVD zu „Barb Wire“ (engl.: barbed wire = Stacheldraht) noch für eine FSK 16-Freigabe beschnitten worden, dauerte es bis zum Jahr 2010, als eine Neuprüfung der unzensierten R-Rated-Fassung anstand, welche letztendlich auch das blaue Siegel mit der 16 bekam. So war der Film bisher auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Das Label TURBINE setzt jetzt allerdings noch einen drauf und veröffentlicht erstmals die Unrated-Langfassung in hochauflösendem HD. Die Unterschiede zur vorherigen Fassung sind mit zwei Minuten Laufzeitunterschied nicht gerade gering, da in manchen Filmen schon einige fehlende Sekunden auf die Goldwaage gelegt werden, bieten jedoch nicht sonderlich viel neues Material. Hauptsächlich wurde die Anfangs-Sequenz, in der Barb/Pam an einer Stange tanzt und mit Wasser berieselt wird, während sie sich lasziv auf dem Boden räkelt, um einige Szenen ergänzt und alternativ geschnitten. Dazu gibt es im Bonusmaterial übrigens ein Special namens „Sexy Outtakes“, in dem sie sich 9 ½ Wochen… äh, 9 ½ Minuten räkelt (ich hab mal kurz reingelünkert… Recherche… Ihr wisst schon).

Bei der Bildqualität wurde mächtig geklotzt und die kräftigen Farben kommen gut zur Geltung, was besonders bei deftigen Explosionen heraussticht. Speziell die hervorragende Bildschärfe stellt selbst manch aktuelle Produktion mühelos in den Schatten. Jedes noch so feine Härchen lässt sich mühelos erkennen, ohne in einem gefilterten und verwaschenen Matsch unterzugehen. Für einen B-Movie, der schon 22 Jahre auf dem Buckel hat, wirklich bemerkenswert!

Den Ton gibt es in DTS-HD Master Audio 5.1 und 2.0, wahlweise in Deutsch oder Englisch. Für beide Sprachen sind auch Untertitel auf Wunsch einblendbar. Das insgesamt 35minütige Bonusmaterial, bestehend aus „Making-of“, „Promo-Featurette“, „Trailer“ und den bereits erwähnten „Sexy Outtakes“, ist ebenfalls untertitelt. Zusätzlich lässt sich „Barb Wire“ noch in einer „4:3-Retrofassung“ (Open Matte) anschauen.

TURBINE spendiert „Barb Wire“ einen Platz in der „Steel Collection“, mit der fortlaufenden Nummer 21. Das großartig designte und wertig verarbeitete FuturePak punktet zudem mit knalligen Farben und einem stylischen Innendruck. Limitiert und nummeriert ist das schöne Sammlerstück auf 1.500 Exemplare. Alle nötigen Informationen – inklusive individueller Limitierungsnummer – sind auf der umliegenden J-Card untergebracht. Ein Mediabook mit dem Original-VHS-Motiv ist ab dem 21. September 2018 verfügbar und auf 500 Einheiten limitiert.

Fazit:

„Barb Wire“ will als Film nicht mehr sein, als er ist. Ein trashiges Action-Vehikel, wie es die 90er-Jahre am Fließband ausgespuckt haben und welches von der damaligen Popularität seiner Hauptdarstellerin lebt. Dünne Story und ebenso dünne Dialoge. Dafür aber eine charmante „Casablanca“-Variante, die bisweilen gute Action liefert und Pamela Anderson aufreizend, spärlich, bis gänzlich unbekleidet durch die launige (im ersten Drittel etwas stockende) Handlung jagt.

Die Blu-ray von TURBINE ist dafür tadellos und kann besonders beim Bild voll überzeugen. Das tolle Design des hochwertigen FuturePaks macht die 100minütige Unrated-Langfassung zum Pflichtkauf für Comic- und Trash-Fans.

Wertung: 8  (Film: 7  |  Blu-ray: 9)
 


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Alle Fotos copyright: Turbine Medien GmbH

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