Zur Seite, Kerl

Erschienen: April 2021

Couch-Wertung

5
Story
Zeichnung

Story

Geschichts-Experten werden wohl mehr Freude an dem Sammelband haben, als Laien auf diesem Gebiet. Deshalb nur bedingt zu empfehlen und lieber vorher mal einen Blick reinwerfen.

Zeichnung

Tut mir leid, aber da gibt es wenig, was hervorzuheben wäre. Schlicht und ohne großen Wiedererkennungswert.

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Marcel Scharrenbroich
Am Puls der Zeit

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Dez 2021

Stolperpfad durch die Geschichte

Ein wilder Streifzug durch die unterschiedlichsten geschichtlichen Epochen, durch Literatur-Klassiker und natürlich zu wichtigen Persönlichkeiten der Pop-Kultur. Kurz und knapp verweilen wir mal für einen dann wieder für mehrere Strips an verschiedenen Stationen, bevor der wilde Ritt durch die Zeitgeschichte beim nächsten mehr oder weniger relevanten Zwischenstopp haltmacht. So treffen wir direkt zu Beginn im frühen 19. Jahrhundert auf die berühmten Komponisten Frédéric Chopin und Franz Liszt. In gleich mehreren Strips treten deren enorme Egos gegeneinander an, bevor es nach einem Schlenker ins alte Rom zu den populären Superhelden geht. Diese verlieren bei genauerer Betrachtung jedoch einiges an Strahlkraft. Hier zeigt sich, dass die Reporterin Lois Lane ganz gut auf eigenen Beinen stehen kann und sich in ihrem Alltag nicht zwingend alles um den heroischen (Über-)Mann aus Stahl dreht. Zwischen Emily Brontës „Sturmhöhe“, Carolyn Keenes klassischen „Nancy Drew“ Abenteuern und den kleinen Abenteuern des kurzen Napoleon Bonaparte ist immer noch Platz für ein wenig „Top Gun“, „Akte X“ und dem Alltag der geschrumpften Hermine Granger. Stets kritisch, reflektierend und augenzwinkernd in die heutige Zeit transportiert.

Schwerer Zugang

Kate Beaton hat sich ungefähr zehn Jahre mit den Strips beschäftigt, die nun gesammelt in „Zur Seite, Kerl“ vorliegen. Nach „Obacht! Lumpenpack“ ist dies der zweite Sammelband der Kanadierin, den der ZWERCHFELL Verlag herausgebracht hat. Beaton studierte in ihrer Heimat Geschichte und Kulturanthropologie, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass sie sich auf historische Themen eingeschossen hat. Jedoch nicht, ohne diese in ihren Cartoons gelegentlich mit modernen Einschüben zu vermischen. Sei es eine komplette Modernisierung geschichtlicher Stoffe oder lediglich durch moderne Jugendsprache. Das funktioniert hin und wieder erstaunlich gut und sorgt für einige der lautesten Lacher. Leider bilden solche Highlight-Momente die Ausnahme. Ein Großteil der Pointen plätschert so dahin oder verläuft gänzlich im Sande. Das mag am speziellen Humor der Künstlerin liegen. Vielleicht aber auch daran, dass ich, der sich nicht unbedingt als Geschichts-Crack bezeichnen würde, in vielen Epochen einfach nicht tief genug in der Materie stecke. Berührungspunkte mit Katherine Sui Fun Cheung (1904 – 2003; die erste Chinesin, die eine Fluglizenz erhielt) oder Benito Pablo Juárez García (1806 – 1872; ehemaliger Präsident und Reformer Mexikos) hatte ich bislang persönlich eher weniger, weshalb Pointen in den Kurz-Strips eher verpuffen. Stärken sehe ich vor allem in den popkulturellen Referenzen und in den Cartoons, in denen Kate Beaton klassische Buch-Cover oder alte Bänkelbilder aufs Korn nimmt. Da diese vorab im Original abgebildet werden, ist die pointierte Trefferquote in diesen Einzelfällen am höchsten.

Zeichnerisch konnte mich Beaton aber kaum abholen. Talent sehe ich hier leider keines… lediglich den Versuch, den Inhalt der Strips mit Mühe und Not zu visualisieren. Das ist mir einfach viel zu wenig, um auch nur ansatzweise ins Schwärmen zu geraten. Da die Strips nicht wirklich einer Kontinuität folgen, ist eine Lernkurve auch nur schwer erkennbar. Es scheint, als wären die Geschichten nicht chronologisch erzählt, weshalb die Qualität der Zeichnungen trotz des eh schon niedrigen Niveaus zwischenzeitlich nochmals nach unten ausbricht.

Fazit:

Mal ein anderer Blick auf historische Ereignisse, die durchs Schlüsselloch betrachtet gar nicht mehr so spektakulär wirken, wie sie uns in Geschichtsbüchern verkauft werden. Kate Beaton kommentiert einen ausgewählten Kreis an historischen Persönlichkeiten und Schöpfungen der Pop-Kultur auf ihre ganz eigene Weise. Nicht immer treffsicher, aber in Teilen amüsant… was man leider nicht von der künstlerischen Umsetzung behaupten kann. Die ist lediglich Mittel zum Zweck.

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