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Story
Zeichnung

Story

Simon Roussin hat ein durchaus hintergründiges und emotionales Werk geschaffen, dessen einzelne Aspekte dramaturgisch nicht ganz optimal zusammengefügt werden.

Zeichnung

Insgesamt gefällt mir der durch seine Farbgebung auffällige Stil, der in dunklen Szenen seine Stärke ausspielen kann. Orange- und Ockertöne durchbrechen dann beinahe leuchtend tiefes Schwarz.

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André C. Schmechta
Schicksal, Liebe, Freundschaft, Sehnsucht, Tod, Mythologie und südamerikanische Luftpostgeschichte...

Comic-Rezension von André C. Schmechta Jan 2020

... sind alles Bestandteile im Comic von Simon Roussin. Zu viele? Möglich, denn beinahe macht es den Eindruck, als wenn sich nicht nur André (damit meine ich die Hauptfigur ebenso wie den Rezensenten) etwas im dichten Dschungel des Amazonas verloren haben könnte. Aber der Reihe nach.

Wir schreiben das Jahr 1931. André Tonnerre ist Pilot bei einer venezolanischen Tochtergesellschaft der Aéropostale. Um das Luftpostunternehmen ist es wirtschaftlich nicht gerade gut bestellt. Andrés amerikanischer Freund und Piloten-Kollege Eddie genießt das Leben und schöne Frauen. Immer wenn sich die beiden mal wieder begegnen, unternehmen sie etwas gemeinsam, treiben sich in Bars herum. Auch Passagiere nehmen die Piloten gelegentlich auf ihren Flügen mit. So lernen sie die seltsamen Gebrüder GUS oder Trudy Blum, eine Ethnologin, kennen.

Als Eddie überraschend stirbt, sind nicht nur dessen Geliebte Paloma und André tief betroffen. Paloma wünscht, dass der Leichnam von Eddie nach Arizona überführt wird. Obwohl der Flugbetrieb zwischenzeitlich eingestellt werden sollte, unternimmt André dennoch einen weiteren Flug, der auch die oben genannten Passagiere befördert. Als für einen kurzen Moment einer der Gebrüder das Steuer übernimmt, geschieht das Unglück: Die Maschine stürzt ab...

Verloren im Dschungel von Chiapas

Eigentlich bringen die Figuren durch die besondere Ausgangssituation und ihren unterschiedlichen Charakter viel Potential mit. Doch André und die weiteren Wegbegleiter - tot wie lebendig - wollen anfangs noch nicht wirklich zueinander finden. Das liegt auch daran, dass Roussin seine Erzählung stark strafft und viele Handlungsbestandteile noch lose und vage bleiben. Erst wenn nach und nach Details und die verbindenden Elemente und Ereignisse offenbar werden, werden auch die Figuren greifbarer. Und schon bald soll die Vergangenheit André Tonnerre einholen...

„An diesem Ort können wir unsere Toten wiedersehen“

Der titelgebende „Ort der Angst“ (so lt. Einleitung die Übersetzung des Wortes XIBALBA, das seinen Ursprung in der Mythologie der Maya hat) entpuppt sich als weniger furchteinflößend, dafür aber mehr als sonderbar.

Nach dem Absturz, bei dem es einen weiteren Toten zu beklagen gilt, werden die Überlebenden von Einheimischen in eine Ruinenstadt gebracht und dort von einem gewissen James und seiner Freundin Mrs. Robinson versorgt. Sie leben schon seit langer Zeit hier im Dschungel, unweit der Grenze zu Guatemala. Beide wissen um ein besonderes Geheimnis, dessen alle nach und nach gewahr werden. Hier, abseits der Zivilisation, ist es offenbar möglich, verstorbenen Menschen, die einem nahestanden, zu begegnen, mit ihnen zu sprechen und Zeit miteinander zu verbringen.

Gerade in diesem mystischen Umfeld in wilder Natur mit üppiger Vegetation hat der Comic dann auch seine starken und intensiven Momente, da Roussin die Handlung nun deutlicher fokussiert und ihr zudem insgesamt mehr Raum und Zeit gibt.

Auch grafisch überzeugen vor allem die Szenen im tiefen Dschungel. Insgesamt gefällt mir der durch seine Farbgebung auffällige Stil von Roussin, der in dunklen Szenen seine Stärke ausspielen kann. Orange- und Ockertöne durchbrechen dann beinahe leuchtend tiefes Schwarz.

Roussin variiert die Ausgestaltung seiner Bilder. Sein Strich ist einfach und klar, gelegentlich beinahe flüchtig und skizzenartig. Dann wiederum spielt er mit weicheren Strukturen die etwa dem Urwald Tiefe verleihen, auf vereinzelten doppelseitigen Bildern wirkt das besonders eindringlich. Häufig erzählen über längere Sequenzen Bilder alleine. Und das schafft stets eine besondere Stimmung, vor allem im mehr als 30 Seiten dauernden Abspann, bei dem wir André auf den Spuren der vergangenen Ereignisse begleiten.

Fazit:

„Xibalba“ ist mit seinem großzügigen Format und der prägnanten Farbgebung zunächst einmal ein imposanter Hingucker. Der Inhalt ist dann doch sperriger und schwieriger zugänglich, als ich auf den ersten Blick erwartet hätte. Simon Roussin hat ein durchaus hintergründiges und emotionales Werk geschaffen, dessen einzelne Aspekte dramaturgisch nicht ganz optimal zusammengefügt werden. Das führt dazu, dass mich „Xibalba“ nicht auf Anhieb in die Geschichte ziehen kann, im weiteren Verlauf aber mitreißender wird und dann auch seine besondere Faszination entfalten kann. Alle, die immer mal wieder nach etwas ungewöhnlicherer Comic-Kost Ausschau halten, sollten daher durchaus einen Blick auf „Xibalba“ werfen.

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