Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Ein selbsttherapeutischer Umgang mit der eigenen Sucht. Für Außenstehende vielleicht etwas schwer zu greifen, da künstlerisch viel zwischen den Zeilen und Panels zu finden ist.

Zeichnung

Die roten Farb-Akzente sind ein gelungener Kniff, um das überall lauernde Sexmonster hervorzuheben. Ansonsten solide und experimentell, was auch die unterschiedlichen Zeichenstile betrifft.

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Marcel Scharrenbroich
!XES tuoba klat s‘teL

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Nov 2020

eXzEsSiv

Sprechen wir über Sexsucht. Nein, nicht weil es mir ein persönliches Verlangen wäre… aber vielleicht den grob geschätzten 500.000 Menschen, die in Deutschland darunter leiden. Wobei die tatsächliche Zahl anhand des brisanten Themas wohl deutlich höher liegen dürfte. Klar, keine Diagnose mit der man gerne hausieren geht, obwohl ein offener Umgang wohl der erste Schritt in die richtige Richtung wäre. Vor allem die Einsicht sich selbst gegenüber. Erst wenn ich begreife, dass ich ein Problem habe, kann ich aktiv an Sache heran gehen. Dazu gehört natürlich auch Mut, denn wer gibt schon gerne zu, dass er sich ungewollt und Stück für Stück in eine Lage manövriert hat, die ihm nun über den Kopf wächst und keinen leichten Ausweg bietet. Keinen Schalter, der alles wieder auf null setzt. Natürlich ist man hinterher immer schlauer… und würde es mit dem jetzigen Wissen nicht mehr so weit kommen lassen, aber das sind Sprüche, die jedem Betroffenem in dieser Lage selber klar und von außerhalb kommend nicht wirklich förderlich sind. Doch wie die meisten Suchterkrankungen, lässt sich eine diagnostizierte Sexsucht auch gut therapieren. Zwar haben betroffene nicht mit körperlichen Entzugserscheinungen zu kämpfen, wie beispielsweise Alkoholiker oder Drogenkonsumenten, die psychischen Begleitumstande, wie Nervosität, innere Unruhe und Gereiztheit, sollten aber dennoch nicht unterschätzt werden.

Sexsucht kann dabei schleichend jeden treffen und ist weiß Gott kein Hollywood-gemachtes Phänomen, bei dem die Schönen und Reichen in ihrem exzessiven Lifestyle frivol-frohlockend durch die Betten turnen. Vielleicht mag man dies denken, da Stars wie Michael Douglas, Jack Nicholson, David Duchovny, Charlie Sheen (ach ne…!) oder Golf-Profi Tiger Woods sich öffentlich und teils medienwirksam dazu bekannten, doch die Hypersexualität kann durchaus belastend sein, woran nicht selten Ehen oder Partnerschaften zerbrechen. Tatsächlich treibt Betroffene diese Krankheit immer weiter in die Einsamkeit. Wenn die Begierde zum Hauptbestandteil des Tages wird, die drei Buchstaben S, E und X alles andere weit überstrahlen, der Drang nach der erlösenden Befriedigung nicht mehr ignoriert werden kann und die Lust zur Last wird, dann… ja, dann wäre der richtige Zeitpunkt, um sich selbst zu fragen „Habe ich vielleicht ein Problem?“

JA!

Florian Winter, Autor und Zeichner von „XES“, konnte sich diese Frage selbst beantworten. Sein Comic-gewordenes Alter Ego, Flo, hat schon diverse Therapien hinter sich. Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Hypnose… und aktuell besucht er eine Selbsthilfegruppe, die sich bei regelmäßigen Meetings austauscht. Flo war schon in seiner Kindheit ein Einzelgänger. Hatte weder Freunde, noch eine männliche Bezugsperson, da sein Vater die Familie sitzenließ. Da war nur sein Onkel… und selbst der war fast nie da, sodass Flo sich, schon fast zur Routine geworden, mit den Damen aus dessen Hochglanzmagazinen die Zeit vertrieb. Dabei blieb es freilich nicht, sonst wäre Flo nicht in der Situation, in der er heute ist. Zeitschriften, Pornos, Befriedigung in der Sex-Anlaufstelle Nr.1, dem Internet, all dies stellte schnell alle anderen Interessen in den Schatten… fall es diese je wirklich gegeben hatte. Hinzu kamen Bordell-Besuche. Käufliche Liebe, um den Drang zu stillen. Zumindest kurzzeitig, denn die dort heimlich gefilmten Aufnahmen dienen in den einsamen vier Wänden gleich wieder als Stimulanz. Flo war und ist ständig unter Strom. Nie erfüllt. Nie befriedigt.

Selbst Flos Job stand schon ordentlich auf der Kippe, da er im Büro einen nicht unerheblichen Teil des Werktages auf Pornoseiten verbrachte… was dem Vorgesetzten nicht verborgen blieb. Das Sexmonster, das Flo auch bildlich beschreibt, hatte ihn immer mehr im Griff. Noch schlimmer, es hat sich irgendwann gegen ihn gewendet…

Rotlicht-Drittel

So real und fokussiert das Thema der Graphic Novel auch ist, so sehr entfernt sich Florian Winter künstlerisch von dieser Realität. Im schnellen, kurvigen Cartoon-Stil nimmt er sich alle Freiheiten, um auch surreale Episoden einzuschieben, die sich gerne mal stilistisch vom eigentlichen Kern der Geschichte abheben. So beginnt es beinahe dokumentarisch, wenn unterschiedliche Zielgruppen - respektive unsere Gesellschaft - zu ihrer Einstellung zum Thema Sexsucht befragt werden, die offensichtlich zeigen, wie wenig sie bisher darüber aufgeklärt sind. Dann die vier Phasen der Sexsucht, dargestellt als Elektrokardiogramm. Oder die zwölf Stufen der Therapie, die Flo letztendlich Heilung verschaffen sollen, und pro Seite als alte, an Gebotstafeln erinnernde Schriften abgebildet sind. Als Eyecatcher fungiert dabei die Farbe Rot, die sich wie ein ebensolcher Faden durch das gesamte Buch zieht. Quasi als Signalfarbe für die überall auftretenden Reize, die Flo in seinem schwarz-grauen Alltag wie Schatten folgen.

Obwohl die Zeichnungen nicht durch ihre Schönheit oder einem ihnen anzusehenden Aufwand bestechen, scheint sich Florian Winter (übrigens ein Pseudonym) viele Gedanken gemacht zu haben. Dabei muss man auch bedenken, dass der Berliner Künstler sein Comic-Debüt während seiner eigenen Therapie begann und die Bilderfolgen, die auch als Aneinanderreihung einzelner Episoden gesehen werden können, in sehr intimen Momenten entstanden und somit die ehrliche Gefühlswelt Winters wiederspiegeln.

Es ist sehr löblich, dass der Avant-Verlag diesem Tabuthema eine Bühne (in Form eines gebundenen Buches mit Flex-Einband) bereitstellt und die Sexsucht aus einer Schmuddelecke zieht, in die sie nicht gehört. Süchte begegnen uns überall. Täglich. Wir sind permanent irgendwelchen Reizen ausgesetzt, was durch die rasante Schnelligkeit unseres heutigen Konsums von Informationen nur noch befeuert wird. Wie kann man es uns da verdenken, dass wir mal bestimmten Reizen erliegen?

Fazit:

Festzuhalten ist, dass Lustempfinden und ein aktives Sexualleben per se keine oder keinen Sexsüchtigen hervorbringen MÜSSEN. Wird das Verlangen jedoch unstillbar und zur obersten Priorität, sollte man sich früh genug hinterfragen, bevor die Spirale in vollem Gange ist. Florian Winter geht in „XES“ erstaunlich offen mit dem Krankheitsbild Sexsucht um, was durchaus interessant und auch kreativ von ihm umgesetzt wurde. Keine Holzhammer-Dramatik, sondern eine sich selbst-suchende und -reflektierende Reise… mit ungewissem Ausgang.

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