Witchblade - Band Eins

Witchblade - Band Eins
Witchblade - Band Eins
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Marcel Scharrenbroich
8101

Comic-Couch Rezension vonMär 2026

Story

Hier und da etwas holprig. Aber interessant genug, dass ich sehen will, was als Nächstes passiert.

Zeichnung

Splash-Pages, ausufernde Action und purer Retro-Bombast. Die Comic-90er im modernen Gewand.

Fluch oder Segen?

Hartes Pflaster New York

Sara Pezzini ist durch und durch ein Cop. In der kochenden Metropole, wo es an allen Ecken und Enden Gewalt und Korruption im Überfluss gibt, hat sie sich zumindest nach moralischen Vorstellungen als eine der Wenigen eine weiße Weste bewahrt. Zumindest nach ihren moralischen Vorstellungen. Um Recht und Gesetz durchzusetzen, muss man halt in diverse Grauzonen grätschen, um das Übel an der Wurzel zu packen. Gründe genug gibt es. Saras Antrieb ist simpel… Rache! Rache für den Tod ihres Vaters, der sich einst gegen seine Kollegen stellte. Korrupte Polizisten, die er mutig und pflichtbewusst überführen wollte. Das bezahlte er mit dem Leben. Und nun hat Sara es sich zur Aufgabe gemacht, diesen tiefen Sumpf von innen heraus trockenzulegen. Vertrauen tut sie nur einer kleinen Auswahl von Leuten. Zu groß ist die Gefahr, unvorbereitet in ein Wespennest zu stechen. So ist sie auch auf alles vorbereitet, als sie in New York City einen Ring von Menschenhändlern ausheben will… zumindest auf fast alles. Denn was in dieser Nacht passiert, wird ihr Leben für immer verändern.

Nur kurze Zeit zuvor wurde bei einer Ausgrabung in Berlin ein seltenes Artefakt freigelegt. Im Auftrag des zwielichtigen Geschäfts-Moguls Kenneth Irons konnte ein mystischer Armreif geborgen werden, der über übernatürliche Kräfte verfügt. Getragen werden kann er nur von Frauen, sucht sich seine Trägerin jedoch selbst aus. Eigenmächtig springt der Armreif kurzzeitig von Wirt zu Wirt und macht sich auf… über den großen Teich.

Zurück in New York, sieht sich Sara Pezzini Auge in Auge mit den brutalen Menschenhändlern, als das Artefakt sich an sie heftet. Eine nie gekannte Macht durchströmt Sara und verleiht ihr Kräfte, jenseits aller rationalen Erklärungen. Die Witchblade ummantelt sie mit einer undurchdringlichen Rüstung, schärft jeden ihrer Sinne. Bewaffnete Gangster sind da ein leichtes Spiel. In dieser Nacht zwar lebensrettend, fragt Sara sich jedoch schon bald, ob ihr Körper überhaupt noch ihr gehört. Umgehen mit dieser neuen Macht, geschweige denn, sie kontrollieren, kann sie diese nämlich noch nicht. Ob dieser Umstand, in Anbetracht ihrer eigentlichen Mission, Segen oder Fluch ist, muss sie erst noch herausfinden. Außerdem ahnt sie nicht, dass Kenneth Irons bereits jeden ihrer Schritte verfolgt…

Ein verhextes Durcheinander

Alte Serie, neue Serie, Sammelbände, Crossover, Events, Spin-offs, Sonderhefte, Manga-Ableger, diverse Zensuren, Presse- und Buchhandelsausgaben und eine Handvoll unterschiedlicher Verlage. „Witchblade“ machte es Comic-Sammlern in der Vergangenheit nicht leicht, die Übersicht zu behalten.

1996 begann der alte(!) SPLITTER Verlag mit der Heft-Serie, die im Herbst 1995 in den Staaten über IMAGE an den Start ging und es in 20 Jahren auf satte 185 Ausgaben brachte. Nach Heft 29 ging es auf dem deutschen Markt von SPLITTER zu INFINITY, wo man 2001 nach 19 Ausgaben mit der sogenannten „neuen Serie“ anknüpfte. Erneut begann man mit einer frischen Nummer 1, obwohl wir uns nach der US-Nummerierung mittlerweile bei #40 befanden. Bei INFINITY war nach Heft 74 Schicht im Schacht, woraufhin PANINI zwischen 2009 und 2012 mit sieben Paperbacks übernahm. Diese deckten die US-Hefte #113 bis #150 ab. Mit dem Titel „Witchblade: Rebirth“ versehen, ging es 2013 wieder mit einem weiteren Nummer-1-Paperback weiter. Band 6 enthielt 2016 die US-Ausgaben #180 bis #185… und damit das große „Finale“. So viel zur Hauptreihe, die nicht zuletzt wegen der Zeichnungen von Michael Turner (1971 – 2008), der der Serie zu Beginn seinen künstlerischen Stempel aufdrückte, schnell zur Kultserie wurde.

In diese Timeline spielen noch Mini-Serien und One-Shots rein, was an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen würde. Zwischen 2017 und 2020 bekam „Witchblade“ über 18 Hefte noch eine neue Trägerin, doch deren Geschichte wurde in Deutschland nie veröffentlicht.

Was es aber nach Deutschland schaffte, war die TV-Serie „Witchblade - Die Waffe der Götter“, deren beide Staffeln ab 2004 im Privatfernsehen ausgestrahlt wurden. Zuvor erreichte uns ein gleichnamiger Fernsehfilm, welcher im Jahr 2000 fürs US-TV gedreht wurde, in den Videotheken. Die Hauptfigur Sara Pezzini wurde von Yancy Butler, bekannt aus „Harte Ziele“, „Drop Zone“ oder „Kick-Ass“, verkörpert.

Reboot

2021 wurde mit dem Kickstarter-exklusiven One-Shot „Witchblade“ #1/2 der Startpunkt für die Wiederbelebung der Marke gesetzt. Dieses ist im ersten Band von SKINLESS CROW ebenso enthalten, wie die ersten sechs US-Hefte des 2024 gestarteten Reboots. Außerdem gibt es eine dreiseitige Einführung, die die Bühne für eine weitere Größe des TOP-COW-Universums bereitet: „The Darkness“. Eine umfangreiche Cover-Galerie (inklusive diverser Arbeitsschritte der dort vertretenen Künstler) findet sich dann im Anhang.

SKINLESS CROW veröffentlichte neben der regulären Softcover-Variante noch drei limitierte Hardcover von Band Eins, die erstaunlich schnell ausverkauft waren. Selbst als Softcover neigt sich der Bestand dem Ende entgegen. Es wurde aber bereits verkündet, dass der Band in den Nachdruck geht und zeitgleich mit der Fortführung verfügbar sein wird. Auch Hardcover-Fans bekommen eine weitere Chance, diesmal nicht leer auszugehen. So kann man erfreulich berichten, dass der „Witchblade“-Reboot auch auf dem deutschsprachigen Markt geglückt scheint.

Reboot-federführend ist die erfahrene Autorin Marguerite Bennett („The Lot“, „Mommy Blog“, „DC Bombshells“, „Animosity“, „Josie and the Pussycats“, „Red Sonja“), die der bekannten Story frischen Wind und neue Impulse einhaucht. Auf der erzählerischen Ebene bin ich noch etwas zwiegespalten, da der Zugang durch die sprunghafte Handlung nicht ganz einfach ist. Ebenso bin ich noch etwas auf Distanz zu Sara Pezzini, was sich in folgenden Bänden hoffentlich ändern wird. Unterhaltsam ist die Neuausrichtung nämlich allemal, was nicht zuletzt am explosiven Artwork von Giuseppe Cafaro („Catwoman“, „Soulfire“, „Fathom“) liegt. Wenn Saras neugewonnene Kräfte ausbrechen, gibt es kein Halten mehr. Purer 90’s-Overkill, was aber auch Schattenseiten mit sich bringt. Nicht selten übernimmt das Artwork das Ruder, weshalb man sich als Leser immer wieder neu orientieren muss.

Fazit:

Ein durchaus solider (Neu-)Start mit Schwächen. Rein zeichnerisch gibt es wenig zu beanstanden, doch Cafaro geht derart wild zur Sache, dass die Übersicht im Kontext der erzählten Geschichte manchmal arg leidet. Der Stil der Backup-Story („Witchblade“ #1/2), gezeichnet von Ariela Kristantina, liegt mir persönlich noch ein wenig mehr, da dieser erfrischend anders ist, aber das ist Geschmackssache. Rechnet man die Cover-Galerie ein, kann man sich über Artwork-Vielfalt jedenfalls nicht beschweren.

Witchblade - Band Eins

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