Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Sympathisch, witzig und mit schöner Botschaft. Eine kleine Perle, die ich nur empfehlen kann!

Zeichnung

Einfach, aber effektiv. Der schlichte Stil trägt mehr zur Wohlfühl-Atmosphäre bei, als fein ausgearbeitete Charaktere und mit dem Lineal gezogene Linien. Einen Punkt Abzug für die extrem dunklen Passagen.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Second Life

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Sep 2019

„Die einzige Möglichkeit, etwas vom Leben zu haben, ist, sich mit aller Macht hineinzustürzen.“
- Angelina Jolie

Es bricht bereits die Dämmerung herein und mutterseelenallein sitzt eine junge Frau auf einer Bank in der Innenstadt, während der Wind ihr das Herbstlaub um die Nase weht. In einem Moment noch scheinbar tief in Gedanken versunken, ist sie im nächsten Augenblick wieder voll im Hier und Jetzt. Aber… wo ist das Hier? Und wann ist das Jetzt? Vollkommen das Zeitgefühl verloren zu haben, beschließt sie nach Hause zu gehen, als die Dunkelheit einsetzt und die aufblinkenden Straßenlaternen ihr den einzigen zeitlichen Anhaltspunkt liefern. Diese Entscheidung wird aber schnell wieder revidiert, denn… wo ist Zuhause?

Was machte sie hier? Wie ist sie hier hergekommen? Und… wie lange saß sie schon auf der Bank? Sie wusste es nicht mehr. Weg. Alles weg. Wie ausgelöscht. Auf der Bank liegt jedoch noch eine Handtasche. Mhhh, vielleicht war es ihre? Einen Versuch ist es wert. Ja, tatsächlich… die Tasche scheint ihr zu gehören. Sogar ein Personalausweis findet sich im Inneren. Sie scheint in Paris zu wohnen und ihr Name ist… Eloïse Pinson? Eloïse also… hm, sagt ihr nix. Kein plötzlicher Geistesblitz, der ihr ihre Erinnerungen wieder zurückbringt und die spontane Amnesie mit einem leichten Schreck verpuffen lässt. Völlig desorientiert macht Eloïse sich auf, um ihre Heimreise ins Ungewisse anzutreten. Schließlich weiß sie nicht, ob sie daheim jemand erwartet? Ob sie einen Partner hat oder sogar verheiratet ist? Vielleicht lebt sie sogar in einer Wohngemeinschaft und muss mit Erschrecken feststellen, dass sie in die Gesichter von Fremden blickt, sobald sie den Schlüssel in der Haustür umdreht? Eloïse malt sich die unterschiedlichsten Szenarien aus und lässt dabei keine bizarre Möglichkeit aus. Glücklicherweise stellt sie fest, dass sie allein zu leben scheint. Nun ja, zumindest fast… ein vierbeiniger Mitbewohner, in Form einer Katze, hat sie schon sehnlichst erwartet.

Immer noch schwer mit der neuen Situation überfordert und ohne jegliche Erinnerung an ihr bisheriges Leben, ist jedoch Eloïses detektivischer Ehrgeiz geweckt. Schließlich bringt es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Das hilft ihr auch nicht, den Schleier, der über ihrem bisherigen Leben liegt, auch nur ansatzweise zu lüften. Also geht die Suche nach Anhaltspunkten, Kontakten, Informationen über ihren Arbeitsplatz und allem, was vor dem Erwachen auf der Bank war, los… und Eloïse wird während ihrer akribischen Suche mehr über sich erfahren, als sie je für möglich gehalten hätte.

Feelgood-Lektüre für graue Herbsttage

Die Ausgangslage ist eigentlich simpel und schnell zusammengefasst, was das Autoren-/Künstler-Gespann Boulet und Pénélope Bagieu daraus machen, umso faszinierender. Wir begegnen in „Wie ein leeres Blatt“ einer jungen Frau (in deren Situation die meisten von uns wohl in Panik verfallen würden), die sich aber nicht unterkriegen lässt und quasi bei Null beginnt. Dabei beweist sie eine Menge Geschick, um das Leben einer vermeintlich Fremden möglichst unbemerkt fortzuführen. Aber reicht das, um mit sich selbst im Reinen zu leben? Den Menschen zu imitieren, der sie einmal war? Nicht mehr ist und… vielleicht auch gar nicht mehr sein möchte?

Das Szenario stammt vom französischen Autor Gilles Roussel, der auch hier unter seinem Künstlernamen Boulet schreibt. Seit 2004 betreibt er einen erfolgreichen Comic-Blog, dessen Beiträge durch die Zusammenarbeit mit Lewis Trondheim auch in Buchform veröffentlich werden. Außerdem zeichnete Boulet zwei Episoden von Trondheims Reihe „Donjon“. „Wie ein leeres Blatt“ wurde bereits 2013 im Carlsen Verlag veröffentlicht und im Folgejahr (verdient) für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Da ich kürzlich erst das neue Werk von Bastien Vivès, „Die Bluse“, las und es dort ebenfalls um einen Selbstfindungstrip der weiblichen Hauptperson ging, drängen sich mir natürlich Vergleiche auf… obwohl der Plot ein anderes Hauptziel verfolgt. Vivès‘ Zeichnungen orientieren sich (trotz reduzierter Skizzierung) mehr am Realismus, schaffen es aber dennoch nicht, Wort und Bild in eine Harmonie zu bringen, wie sie „Wie ein leeres Blatt“ auf jeder seiner 208 Seiten versprüht. Die Nähe zur Hauptfigur ist hier das A und O, was Eloïse in Handumdrehen zum Sympathieträger und das Comic-Buch zur Feelgood-Empfehlung werden lässt.

Umgesetzt wurde die Geschichte von der Künstlerin Pénélope Bagieu. Die Tochter korsischer und baskischer Eltern bediente sich dabei eines augenscheinlich schlichten Stils, den man aber bereits nach wenigen Seiten nicht mehr missen möchte. Die geometrische Darstellung scheint dabei aus dem Handgelenk zu stammen und viele Zeichnungen wirken wie aus der Hüfte geschossen. Geschenkt! Ich finde es großartig!!! Denn Bagieus Figuren wirken dabei so liebevoll umgesetzt, dass man als Leser jede Gefühlsregung und jeden Ausdruck sofort in den simplen Gesichtern lesen kann. Allein Eloïses Tick, sich regelmäßig eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht zu pusten, ist derart sympathisch umgesetzt, dass man sofort mit ihr auf einer Wellenlänge ist. Lediglich die Kolorierung muss ich zum Teil bemängeln. Dunkle Szenen sind hier wirklich DUNKEL… und wenn ich DUNKEL sage, meine ich ZU dunkel. Diese halten sich zwar in Grenzen, trüben den positiven Gesamteindruck aber ein wenig, da man wirklich nur schemenhaft und mit Mühe und Not am Geschehen im Schatten teilhaben kann.

Fazit:

Mit der charmanten Eloïse auf Augenhöhe, gehen wir auf eine sympathische Entdeckungsreise, deren Ausgang für alle Beteiligten überraschend kommt. Überraschend, aber auf eine zufriedenstellende Art sehr stimmig und rund. Außerdem regt die tolle Geschichte zum Nachdenken an und verschickt mit ihrer Botschaft Gratis-Einladungen zur Selbstreflexion.

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