Vom Jenseits und andere Erzählungen

Erschienen: November 2013

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Lovecrafts Gesamtwerk ist unantastbar und auch Erik Krieks Bearbeitung der Geschichten erscheint logisch und sinnvoll. Subtiler Horror, der auch ohne Splatter-Einlagen unter die Haut geht.

Zeichnung

Klare schwarz-weiß-Illustrationen, die durch tolles Schattenspiel überzeugen. Der klassische Stil ist angemessen und überzeugt auf ganzer (dicker) Linie.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn *

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mär 2018

Später Ruhm

Wer beim Namens-Kürzel „H.P.“ zuerst an einen blond-gebleichten Musikanten denkt, der die Welt um Zeilen wie „Respect to the Man in the Ice Cream Van“ und „How much is the Fish?“ bereicherte, sollte dringend Buße tun, zehn „Dagon Unser“ beten und sich vorsehen, nicht mit brennenden Fackeln und Heugabeln durch Innsmouth getrieben zu werden. Nein, mit dem allseits beliebten Bumm-Bumm-Barden hat der hier gemeinte „H.P.“ herzlich wenig zu tun. Wir reden hier über einen der einflussreichsten Autoren der phantastischen Literatur, dessen Werke auch nach fast einhundert Jahren nichts von ihrer erschreckenden Faszination eingebüßt haben und andere namhafte Schriftsteller, Regisseure, Spieleentwickler, Comic-Künstler – und vor allem deren Konsumenten – weiterhin inspirieren und begeistern: Howard Phillips Lovecraft.

Die Familiengeschichte der Lovecrafts liest sich sehr tragisch, denn wie bereits seine Eltern litt der junge Howard ebenfalls schon in frühen Jahren an psychischen Erkrankungen. Durch diese verpasste er einen nicht unerheblichen Anteil seiner Schulstunden und der High-School-Abschluss blieb ihm außerdem verwehrt. 1914 trat Howard Lovecraft einer Vereinigung von amerikanischen Hobbyautoren bei, der UAPA, deren Präsident auf einen Leserbrief aufmerksam wurde, den der junge H.P. zuvor an ein Magazin sendete. Die war ein wichtiger Wendepunkt in seinem Leben, denn der Beitritt in die Vereinigung verschaffte Lovecraft die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. Zu dieser Zeit wurden auch seine ersten Kurzgeschichten in diversen amerikanischen Fantasy-Magazinen veröffentlicht. Zudem begann der aufstrebende Autor ausufernde Brieffreundschaften mit anderen jungen Schriftstellern, unter ihnen auch Robert E. Howard, der geistige Vater von „Conan“, „Kull“ und „Solomon Kane“. Nach einer kurzen Ehe mit der Journalistin und Verlegerin Sonia Greene, die er auf einer Journalisten-Tagung kennenlernte, verschlug es den von Tiefschlägen geplagten Lovecraft, der Zeit seines Lebens oft am Existenzminimum lebte, zurück nach Providence, Rhode Island, wo er, bis zu seinem frühen Tod, bei seinen Tanten lebte. In diesem Lebensabschnitt entstanden einige seiner bedeutendsten Werke, wie „Berge des Wahnsinns“ (1931) und „Der Fall Charles Dexter Ward“ (1927), der allerdings erst vier Jahre nach seinem Ableben publiziert wurde.

Wie ein roter Faden durch H.P. Lovecrafts Werke, ziehen sich die Motive des von ihm erdachten „Cthulhu“-Mythos, in dem es um die sogenannten „Großen Alten“ geht. Gottgleiche Wesen aus einem fremden Universum. Cthulhu, der Mächtigste unter ihnen, wartet im versunkenen Reich R’lyeh auf seine Erweckung, um die Menschheit ins Chaos zu stürzen. In der Kurzgeschichte „Cthulhu’s Ruf“, 1926 verfasst und 1928 im amerikanischen „Weird Tales“-Magazin veröffentlicht, tritt die monströse, Tintenfisch-ähnliche Gottheit zum einzigen Mal selbst in Erscheinung, während in weiteren Geschichten, die dem Mythos zugeordnet werden, andere Kreaturen, sowie Anhänger des Kultes in den Vordergrund rücken. Auch die 1936 erstmals veröffentlichte Erzählung „Schatten über Innsmouth“ atmet die Lovecraft-typische Cthulhu-Luft. Hier gerät ein junger Mann bei seiner Reise durch Neuengland in die entlegene Hafenstadt Innsmouth, dessen Einwohner dem „Esoterischen Orden von Dagon“ angehören und die gleichnamige Gottheit anbeten. Die Fisch-Mensch-Hybriden nehmen den neugierigen Neuankömmling schnell ins Visier und er soll die Macht der „Großen Alten“ bald am eigenen Leib erfahren.

Multimedialer Horror

Die Geschichten aus H.P. Lovecrafts Gesamtwerk, die Zeit seines Lebens nicht ansatzweise die Aufmerksamkeit bekamen, die sie heute erfahren, inspirierten nicht nur viele namhafte Schriftsteller der aktuellen Literatur. Bereits Anfang der 80er-Jahre kam ein Pen-&-Paper-Rollenspiel namens „Call of Cthulhu“ auf den Markt, dem ein paar Jahre später das Brettspiel „Arkham Horror“ folgte. Auch auf dem PC- und Konsolen-Markt durfte sich schon wohliges Gruseln einstellen. So erschien 1995 das Point-&-Click-Adventure „Prisoner of Ice“ und auch die seit 1992 erschienene Spielereihe „Alone in the Dark“ befasste sich in unregelmäßigen Abständen mit der Lovecraftschen Thematik, die durch einen gewissen Dr. Uwe Boll auch schon ihren Weg auf die große Leinwand fand… allerdings orientierte man sich für die Verfilmung an den vierten Teil der Spielereihe und nicht an einer Lovecraft-Vorlage. In „Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth“ durften Horrorfreunde dann das virtuelle Innsmouth in der Ego-Perspektive erkunden und den leibhaftigen Horror eindrucksvoll live erleben. Dieser Titel erschien bereits 2005, doch 2018 soll es erneut in die tiefen Abgründe des Lovecraft-Kosmos gehen und erste bewegte Bilder lassen schon Großes erahnen und die Vorfreude erheblich steigen.

Nichtsdestotrotz schafften es auch einige Stoffe des Autors aufs Zelluloid, wenn auch nicht in die großen Lichtspielhäuser dieser Welt. „Re-Animator“ basiert beispielsweise auf der Kurzgeschichte „Herbert West – Der Wiedererwecker“  und wurde 1985 von Regisseur Stuart Gordon inszeniert. Dem heutigen Kult-Film folgten mit „Bride of Re-Animator“ und „Beyond Re-Animator“ noch zwei Fortsetzungen, die auf das Konto von Brian Yuzna gehen, der das Original bereits produzierte. Für den schleimigen Ekel-Horror „From Beyond“, der die Erzählung „Aus dem Jenseits“ adaptiert, zeichnet dich das Regisseur/Produzenten-Duo ebenfalls verantwortlich. 1994 entstand mit „H.P. Lovecraft’s Necronomicon“ noch ein Anthologie-Horrorfilm, der drei Kurzgeschichten des Schriftstellers thematisiert und in eine Rahmenhandlung presst. Der 2001 gedrehte „Dagon“ verband die gleichnamige Kurzgeschichte mit der Novelle „Schatten über Innsmouth“. Eine hochkarätige Verfilmung, die dem Werk des Autors gerecht werden würde, lässt leider weiterhin auf sich warten, denn eine angedachte Adaption von „Berge des Wahnsinns“, vom frischgebackenen Oscar-Preisträger Guillermo del Toro, liegt mittlerweile leider auf Eis… obwohl dieser in „Hellboy“ und „Shape of Water“ bewiesen hat, dass er mit Fisch-Mensch-Mutationen ein ganz gutes Händchen hat.

Hohe Kunst aus niederen Landen

Aus ungewohnten Gefilden kommt mit „H.P. Lovecraft – Vom Jenseits und andere Erzählungen“ nun eine Comic-Adaption, die sich mit fünf abwechslungsreichen Geschichten dem Werk des Horror-Meisters widmet. Aus Frankreich? Belgien? Den Vereinigten Staaten? Nein… nicht ganz.

Der niederländische Autor und Zeichner Erik Kriek, der Illustration und Graphische Künste an der Amsterdamer Rietveld Akademie für Kunst und Design studierte, erfüllt sich als Bewunderer von Lovecrafts Arbeit einen lang gehegten Wunsch und fasst die Erzählungen „Der Außenseiter“, „Die Farbe aus dem All“, „Dagon“, „Vom Jenseits“ und „Schatten über Innsmouth“ in beeindruckende schwarz-weiß-Bilder. Das bemerkenswerte Schattenspiel in seinen klassisch anmutenden Zeichnungen trägt viel zur gelungenen Atmosphäre bei. Mit dickem, konturreichen Strich formt er H.P. Lovecrafts Texte in aussagekräftige Bilder, bei denen das Grauen schleichend aus den Panels kriecht. Kriek erzählt ohne unnötige Längen und liefert den Horror auf den Punkt.

Für seine Comic-Serie „Gutsman“ bekam der 1966 geborene Niederländer bereits internationale Anerkennung und wurde 2008 in seiner Heimat mit dem „Stripschapprijs“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. In Deutschland erschien „H.P. Lovecraft – Vom Jenseits und andere Erzählungen“ bereits Ende 2013 im Avant-Verlag. Das toll gestaltete Hardcover, welches matte und Hochglanz-Elemente vermischt, stimmt bereits mit dem bizarren Front-Motiv auf die unheilvollen Begegnungen im Inneren ein. Neben dem schönen Vorwort von Drehbuchautor Gerard Soeteman bekommt der Leser auch noch ein umfangreiches Nachwort von Milan Hulsing.

Erik Krieks aktuelles Werk, „In the Pines – 5 Murder Ballads“, erschien 2016 ebenfalls im Avant-Verlag und bedient sich, ähnlich wie seine Lovecraft-Adaption, auch der Anthologie-Form.

Fazit:

Howard Phillips Lovecrafts Schaffen hat die Horror-Landschaft nachhaltig geprägt, diese Tatsache steht außer Frage. Die bizarr-phantastischen Auswüchse, die seinen verdrehten Hirnwindungen entsprangen, können in ihrer Erzählung selbst heute noch die wildesten Albträume verursachen. Wenn ein talentierter Künstler wie Erik Kriek diese grauenerregenden Welten dann auch noch greifbar macht, indem er unheilschwangere Bilder über Lovecrafts kosmische Ergüsse legt, ist das Horrorerlebnis mit klassischem Touch perfekt.

( * In seinem Haus zu R’lyeh wartet der tote Cthulhu träumend. )

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