Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Eine stimmig erzählte Geschichte, die Hektik und Action nicht nötig hat und erfreulicherweise darauf verzichtet. Die Stärken liegen in den leisen Tönen, die gekonnt tatsächliche Begebenheiten mit einer Krimi-Note ergänzen.

Zeichnung

Wunderschön und detailverliebt. In warmen Erdtönen wird dem 19. Jahrhundert melancholisches Leben eingehaucht. Aufwendig und mit einem genauen Auge auf korrekt-historische Architektur.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Die Geister, die ich rief

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Sep 2019

„Wird die Grenze des Leidens überschritten, gerät die unerschütterlichste Tugend auf Abwege.“
- Victor Hugo (1802 – 1885)

Im September des Jahres 1853 trauert der französische Schriftsteller und Dichter Victor Hugo noch immer dem tragischen Verlust seiner geliebten Tochter Leopoldine nach. Nach kurzer Haft aus seiner Heimat verbannt, weil er sich gegen den Staatsstreich, der Charles Louis Napoléon Bonaparte zum Präsidenten mit diktatorischen Vollmachten aufsteigen ließ, auflehnte. Nur ein Jahr später sorgte eine Volksabstimmung dafür, dass das Kaisertum wiederhergestellt und Bonaparte zum Kaiser Napoléon III. gekrönt wurde. Zu diesem Zeitpunkt befand Hugo sich bereits auf der Kanalinsel Jersey, rund 150 Kilometer von der Küste Großbritanniens entfernt… im Exil.

Dem Übernatürlichen zugetan, trifft sich Hugo häufig mit Gleichgesinnten, um spirituellen Sitzungen beizuwohnen. Verbindungen mit dem Totenreich herzustellen scheiterten jedoch immer kläglich… bis jetzt. Während einer Séance erscheint den Anwesenden der Geist von Leopoldine, die ihren Vater fragt, wieso einst vier Unschuldige ertrinken mussten. Eine Frage, auf die Victor Hugo keine Antwort kennt, war er doch an jenem schicksalshaften Tag vor zehn Jahren auf Reisen und erfuhr von Leopoldines Tod erst aus der Zeitung. Weitere Kontaktversuche mit dem Jenseits schlagen fehl und Hugo bleibt ratlos zurück.

Innerlich zerrissen, lässt ihm die Unwissenheit keine Ruhe. Er beschließt, zurück nach Frankreich zu gehen. Zurück an den Ort des Geschehens… auch wenn es ihn ins Straflager bringen würde, sollte er entdeckt werden, oder es ihn gar das Leben kostete. Durch hartnäckige Überzeugungsarbeit gelingt es ihm, seinen alten Freund Auguste als Begleitung für die gefährliche Reise zu gewinnen. Immerhin sollte dieser auch an der Aufklärung des vermeintlichen Unfalls interessiert sein, da sein eigener Bruder, sein Cousin, sowie dessen Vater zusammen mit Leopoldine ihre Leben ließen.

Akribisch und mit detektivischem Gespür begibt sich Victor Hugo auf die Suche nach der Wahrheit. Angetrieben von dem Wunsch, endlich inneren Frieden zu finden. Dabei erhält er Antworten, nach denen bisher nicht gefragt wurde… und erlangt Erkenntnisse, die sein weiteres Leben beeinflussen sollen.

Inspirationsquelle

Autorin Esther Gil lässt den berühmten Schriftsteller, der bereits 1831 mit „Der Glöckner von Notre-Dame“ einen Klassiker der Weltliteratur zu Papier brachte, auf den Spuren von Sherlock Holmes wandeln und mischt so gekonnt Realität und Fiktion. Die Handlung ist zwar fiktiv, jedoch beruhen die Geschehnisse auf wahren Begebenheiten. Hugos Exil, der tragische Unfalltod seiner Tochter und auch die Nebenhandlung , die sich mit dem Schicksal von John Charles Tapner (1823 – 1854) beschäftigt, der des Mordes angeklagt und dessen Freilassung durch eine Petition von Victor Hugo und 600 Einheimischen gefordert wurde, trugen sich tatsächlich wie geschildert zu.

Während Hugo sein Exil verließ und nach Frankreich zurückkehrte, wurde er durch das „Elend“ und Leid der Bevölkerung, welche er dort erblickte, zu seinem Klassiker „Les Misérables“ („Die Elenden“) inspiriert, der 1862 veröffentlicht wurde. Als Musical und in zahlreichen Filmen adaptiert, genießt das Werk aus der Epoche der Romantik auch nach mehr als 150 Jahren noch großes Ansehen.

Trotz des Krimi-Charakters der Graphic Novel, und auch dem Ansatz des Übernatürlichen, der aber nur als Aufhänger dient und die Handlung nicht weiter in den Bereich der Phantastik zieht, überschlägt sich Esther Gil nicht in ihrer Erzählweise. Die Geschichte bleibt somit bodenständig und zu jedem Zeitpunkt gut nachvollziehbar. Die übersichtliche, eher klassische Panel-Aufteilung trägt dazu weitgehend bei. Dennoch werden viele Aspekte aus Victor Hugos Leben in diese Rahmenhandlung einbezogen, was auch für das lasterhafte Liebesleben des Schriftstellers gilt.

In Gemälde gefasste Melancholie

Visuell ist „Victor Hugo – Im Exil“ ein Traum. Meisterhaft färbt Künstler Laurent Paturaud seine Zeichnungen in wunderschönen Erdtönen ein und verleiht ihnen somit eine gewisse Schwere. Seine Charaktere überzeugen durch realistische Darstellungen und auch der enorm hohe Detailgrad ist lobend hervorzuheben. Gebäude und Einrichtungen scheinen wirklich dem 19. Jahrhundert entsprungen und Paturauds Landschaften besitzen Gemälde-Charakter.

Im seitenstarken Anhang des Hardcover-Buches findet sich noch ein grafisches Dossier, welches sich mit den Unterschieden zu den realen Ereignissen befasst und auch die Nebencharaktere John Tapner und Eugène François Vidocq (1775 – 1857), der Hugo zum Charakter des Jean Valjean in „Les Misérables“ inspirierte, genauer beleuchtet. Des weiteren bietet das Bonusmaterial noch zahlreiche Skizzen, Zeichnungen und Malereien von Laurent Paturaud, was das großformatige Splitter-Album würdig abrundet.

Fazit:

Eine visuell extrem ansprechende Zeitreise, die Fakten und Fiktion mischt. Victor Hugos Suche nach der Wahrheit ist packend und mitreißend erzählt, nicht nur für Freunde der Romantik. Eine leise Kriminalgeschichte, gepaart mit historischen und dramatischen Einflüssen, die in Wort und Bild harmoniert und stets den richtigen Ton trifft.

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