Vatermilch - Buch 1: Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss

Erschienen: Mai 2020

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Obwohl man diese Figuren verabscheuen möchte, schafft Oesterle es, sie menschlich und in gewissem Sinne auch sympathisch darzustellen. Es hätte für mich aber gereicht, wenn sich die Geschichte nur auf Victor und Rufus beschränkt hätte.

Zeichnung

Karikaturhafte Figuren, die trotzdem realistisch erscheinen, sehr detailgetreue „Kostüme“ und Bilder, die eher aussehen wie Collagen als wirklich gemalt – ich bin ein Fan von Uli Oesterles Zeichenstil.

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Nina Pimentel Lechthoff
Wie der Vater, so der Sohn?

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Jul 2020

Sex, Drugs and Münchner Schickeria

Victor Himmelstoss hat seinen Vater Rufus zwei Mal verloren – zum ersten Mal in seiner Kindheit, als der Vater die Familie verließ und dann endgültig, als er 30 Jahre später verstirbt. Mit dieser letzten Begegnung am Sarg beginnt der erste Band der mehrteiligen Reihe „Vatermilch“ von Uli Oesterle. „Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss“ heißt das erste Buch und erzählt eben genau das: das Leben vom titelgebenden Rufus Himmelstoss.

Mitte der 1970er verkauft Rufus Markisen an gut betuchte Damen in und um München herum. Die Verkaufsgespräche auf dem Sofa werden dann aber oft ins Schlafzimmer verlegt. Und so vertreibt sich Rufus den lieben langen Tag. Zwischen seinen Affären, den Pokerspielen mit seinen Kollegen und den ausgiebigen Feiereien in den Clubs der Stadt bleibt aber nicht viel Zeit für die Familie – wie auch das Geld.

Irgendwann hat Rufus Frau genug von ihrem Mann und setzt ihn vor die Tür. Auch seine Kollegen haben die Nase voll von Rufus, der mehr Geld verspielt und versäuft, als er Markisen verkaufen kann. So endet Rufus allein und ohne Dach über dem Kopf. Nur seine schicke Karre hat er noch, aber die auch nicht mehr allzu lange. Denn nach einer durchzechten Nacht wacht Rufus in seinem demolierten Wagen auf. Als er die gelbe Farbe am Auto sieht, die da eindeutig nicht hingehört, ahnt er Schlimmes.

„Everybody Was Kung Fu Fighting“

Uli Oesterles „Vatermilch“ ist zwar rein erfunden, basiert aber auf seinem eigenen Leben. Ähnlich wie bei Victor ist auch Oesterle ohne Vater aufgewachsen. Im Anhang des Comics beschreibt der Autor, was ihn dazu gebracht hat, diese Geschichte zu erzählen und wie sehr sich Victors und seine Geschichte ähneln und wo sie sich unterscheiden. Sein Ziel, „etwas Echtes [zu] schreiben […] das trotz der teils frei erfundenen Elemente glaubwürdig bleibt“ hat Oesterle meiner Meinung nach sehr gut realisiert. Denn sowohl Rufus als auch Victor sind sehr glaubwürdige Figuren, die mich trotz ihrer vielen Macken dazu gebracht haben, mit ihnen mitzufiebern und -fühlen. Als Rufus von seiner Frau vor die Tür gesetzt wird und er auf der Straße leben muss, hat mir dies einen Stich versetzt. Aber dadurch, dass er sich nie um seine Familie gekümmert hat und sie durch seine Spielsucht und die durchgefeierten Nächte vollkommen mittellos gelassen hat, versteht man die Beweggründe der Frau.

Das Gleiche gilt auch für Victor. Seine Familie ist zwar noch intakt – er lebt mit seiner schwangeren Frau und seinem Sohn zusammen. Aber wirklich glücklich ist da keiner. Er verzieht sich in sein Atelier und versucht, endlich seinen Comic zu schreiben, sie hingegen fühlt sich alleingelassen. Auch in dieser Situation fühlt man einerseits mit Victor mit, da er ganz offensichtlich überfordert ist, vor allem mit dem Sohn. Aber dass er seine Unzulänglichkeiten als Vater und Ehemann seinem Vater in die Schuhe schiebt – er habe ja schließlich nie ein väterliches Vorbild gehabt –, ist eine etwas fadenscheinige Ausrede.

Dass man mit Victor und Rufus mitfühlt, diese aber gleichzeitig unfassbar unsympathischen Figuren immer wieder mit offenen Augen in selbst verursachten Katastrophen rennen, macht „Vatermilch“ für mich sehr lesenswert.

Das Einzige, was für mich etwas fehl am Platz wirkte, ist die Geschichte mit dem Unfall von Rufus Himmelstoss. Nachdem er im Suff frontal in ein anderes Auto gefahren ist und dann Fahrerflucht begeht, nimmt eine Polizistin die Ermittlungen gegen ihn auf. Bei dem Unfall sind nämlich eine junge Mutter und ihre beiden Kinder getötet worden. Der Fokuswechsel auf die Polizistin hat für mich den Fluss der Geschichte durchbrochen, denn bis dahin waren die beiden Zeitstränge 1975 und 2005 ganz und gar auf die beiden Protagonisten Rufus und Victor fokussiert. Dadurch, dass aber innerhalb von Rufus‘ Geschichte der Fokus zwischen ihm und der Polizistin hier und da wechselt, wird es etwas verwirrend.

„Papa Was A Rolling Stone“

So gut auch Oesterles Erzählung sein mag, seine Kunst ist ein Tacken besser. Mir gefällt der schmutzige Look seiner Zeichnungen. Die Figuren sind sehr kantig gezeichnet, sie haben markante Gesichter, die aber etwas zu übertrieben wirken. Rufus‘ Nase sieht aus wie eine dicke Kartoffel, Victor hat ein sehr langes Gesicht, die Polizistin erinnert an eine Figur von einem Film-Noir-Plakat. Die Bilder wirken eher wie Collagen als gezeichnet. Manchmal sieht es aus, als wären ein paar der Oberflächen, wie etwa der Küchentisch in Rufus‘ Wohnung oder die Tür zu Victors Wohnhaus, nachträglich hinzugefügt worden. An anderen Stellen stechen die Figuren sehr hervor. Wie z.B. im Nachtclub Yellow Submarine, wo fast das gesamte Bild in einem Grauton gehalten ist, nur Rufus und seine Begleiterinnen sind komplett in Weiß gehüllt. Dieser Stil unterstützt die sehr harte Geschichte, die Oesterle erzählt.

Dabei ist der ganze Comic im Grunde schwarz-weiß, bzw. violett-weiß. Das hilft sehr, die beiden Zeitebenen auch auf visueller Hinsicht voneinander zu unterscheiden. Diese sehr monochromatische Farbpalette wird aber hier und da von zwei Farben unterbrochen: orange-gelb und giftgrün. Das erste Mal taucht die Farbe giftgrün auf, als Victor sich eine leere Wohnung anschaut und darüber nachdenkt, wie einfacher sein Leben ohne seine Familie wäre. Als eine Art Teufel auf der Schulter erscheint ihm eine kleine Gestalt namens Ulrich, die ganz in grün ausgemalt ist, sowie auch dessen Sprachblase. Die Kombination aus diesem ekligen Grün und dem Violett sieht fürchterlich aus, aber auf erzählerischer Ebene passen sie perfekt zueinander. Ulrich ist in gewissem Sinne das „Es“ des Protagonisten, eine Figur, die die egoistischen Bedürfnisse und niedere Instinkte von Victor ausspricht. In Rufus‘ Zeitstrahl blitzen orange-gelbe Akzente hier und da auf. Die sehr warme Farbe steht in Verbindung zum Autounfall und den damit einhergehenden Schuldgefühlen, die immer wieder in Rufus aufkeimen, die er aber – mit Alkohol – immer wieder unterdrückt.

Fazit:

„Vatermilch: Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss“ von Uli Oesterle hat mich umgehauen. Nicht nur wegen der schwierigen Vater-Sohn-Beziehung und den Figuren - mit denen man trotz ihrer Makel eigentlich mitfiebern möchte -, um die der Comic sich dreht. Mich hat „Vatermilch“ als Gesamtpaket überzeugt. Denn der schmutzige Zeichenstil passt perfekt zur harten Geschichte. Nur der Handlungsstrang mit der Polizistin, die den Unfall aufklären möchte, ist für mich nicht ganz aufgegangen.

Vatermilch - Buch 1: Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss

Vatermilch - Buch 1: Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss

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