Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Gelungener Grusel mit Nostalgie-Effekt. Die Kurzgeschichten machen ihrem Namen zwar alle Ehre, treffen den inhaltlichen Nagel jedoch auf den Kopf.

Zeichnung

Klassische Zeichnungen, angelehnt an die alte EC-Comics und ähnliche Genre-Vertreter… allerdings mit einer deutlich stimmigeren Kolorierung.

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Marcel Scharrenbroich
Und sie lebten glücklich, bis… zum traumatischen Ende.

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2019

Flashback

Da werden Erinnerungen wach… Was habe ich in der Kindheit und frühen Jugend die „Gespenster Geschichten“ geliebt! Die düsteren Kurzgeschichten mit Holzhammer-Ende, die seit 1974 mit großem Erfolg im Bastei Verlag erschienen, füllten meine Regale in allen möglichen Formaten… Hefte, Taschenbücher, Sonderbände und Alben. Auch die 1995 eingestellten „Spuk Geschichten“ schlugen mit fast 500 Ausgaben in die gleiche Kerbe und lasen sich nicht minder interessant. Der Erfolg der Comic-Reihen öffnete die Tür für weitere Horror-Ableger, wie „Alan Dark“, „Axel F. – Der Hexer von Bonn“ oder „Vanessa – Die Freundin der Geister“.

Der Comic-„Meister“ Hansrudi Wäscher (1928 – 2016), den man getrost als Pionier der deutschsprachigen Panel-Landschaft bezeichnen kann, steuerte in den 80er-Jahren selbst einige Beiträge zu den „Gespenster Geschichten“ bei… was Liebhabern der kleinen Piccolo-Hefte aus den frühen 1950ern aber nicht neu sein dürfte. Immerhin schuf Wäscher die langlebigen Serien „Falk“, „Sigurd“, „Akim“ und „Nick“, deren zeitlose Abenteuer seit Jahrzehnten in den unterschiedlichsten Formaten nachgedruckt werden.

Da die gruseligen Geschichten anfangs noch auf amerikanischem Ausgangsmaterial basierten, bevor europäische Autoren und Zeichner eigene Stories beisteuerten, mussten diese natürlich für den deutschen Markt angepasst werden. Dies übernahm der deutsche Autor Peter Mennigen, der in Zusammenarbeit mit Zeichner Ingo Römling für die international erfolgreiche „Malcolm Max“-Reihe verantwortlich ist. Nachdem das US-Material knapp wurde, übernahm Mennigen den Autoren-Job für die Horror-Serie und steuerte auch Geschichten für die Ableger bei, sodass die „Gespenster Geschichten“ auflagenstark weiterproduziert werden konnten.

So viel zu den deutschen Publikationen. Die amerikanischen Pendants, auf denen „unsere“ Geschichten ja zuerst basierten, haben da natürlich eine deutlich umfangreichere Historie. Diese gänzlich zu überliefern, würde aber jeglichen Rahmen sprengen, deswegen nur ein paar Randnotizen: Der Startschuss für den Hype um Horror-Kurzgeschichten lieferte wohl der Comic „Eerie“ von Avon Publications. Dies war im Jahr 1947 und von da an ging es Schlag auf Schlag… es folgten „Adventures into the Unknown“, „Amazing Mysteries“ und der EC Verlag ging mit „Zombie Terror“ an den Start. EC Comics dominierte mit „The Vault of Horror“, „Tales from the Crypt“, „The Haunt of Fear“ und vielen weiteren Crime-, Horror- und Suspense-Stories den hartumkämpften Markt. Mitte der 50er gründeten die Verleger – durch den massiven Druck der Öffentlichkeit, die in Comics mit erwachsenen Inhalten den Untergang der Zivilisation sah - die „Comics Magazine Association of America“ (CMAA), deren Vorgaben-Katalog jeder neu veröffentlichte Comic standhalten musste… quasi eine Selbstzensur, um die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen und Eltern in Sicherheit zu wiegen, dass ihre Kinderlein nach der Lektüre nicht mit Vollgas in die Hölle fahren würden. Leser von US-Heften erinnern sich vielleicht noch an den Briefmarken-ähnlichen Aufdruck „Approved by the Comics Code Authority“ auf jedem frisch erworbenen Schmöker… was seit 2011 aber auch wieder hinfällig ist, da die Verlage der Zensur-Gemeinschaft nach und nach den Rücken gekehrt haben. Und womit? Mit Recht… denn auch nach 2011 sind (meines Wissens nach) bisher keinem Konsumenten Hörner aus der Rübe gewachsen.

Die Auferstehung

Was sich nach einem reißerischen C-Schocker aus der untersten Kiste einer Videotheken-Auflösung anhört, soll in Wirklichkeit nur verdeutlichen, dass die alten Zeiten von „Tales from the Crypt“ und der „Gespenster Geschichten“ ganz und gar nicht tot und begraben sind. Liebhaber von Horror- und Mystery-Kurzgeschichten dürfen jetzt kurz im Dreieck springen,… (Danke, reicht…) denn mit Samsas „Trauma Tales“ kehren diese dunklen Erzählungen nun wieder aus den modrigen Tiefen zurück, um die Bücherregale der gruselgeneigten Kundschaft heimzusuchen und ihr mehrere Schauer pro Band über den Rücken laufen zu lassen. Alexander Kaschte, seines Zeichens Gründer und Frontmann der Band „Samsas Traum“, verwandelt als Autor den kriechenden Horror in bildgewordene Musik. Unterstützt wird er dabei von der russischen Comic-Zeichnerin Julia Zhuravleva, die die passenden Illustrationen liefert, und der atmosphärischen Kolorierung von Studio Konstantin Vavilov. Die Künstler lassen optisch ein dunkel-warmes Grusel-Flair entstehen, dass an die klassischen Heftchen der damaligen Zeiten erinnert. Um Heftchen handelt es sich bei den „Trauma Tales“ allerdings nicht, sondern eher um formschöne, stabile Hardcover-Bände. Wie es sich für eine gute Horror-Kurzgeschichtensammlung gehört, darf auch ein angemessener Gastgeber nicht fehlen… in diesem Fall in der Gestalt von „The Pussy of Death“. Was es mit diesem einäugigen, leicht abgehangenen Gesellen auf sich hat, kann man direkt im Vorwort von Alexander Kaschte erfahren.

Seltsam? Aber so steht es geschrieben…

Das Haupmahl dieses poetisch angehauchten Grusel-Gaumenschmauses besteht aus gleich fünf Gängen, die in ihrer Länge zwar mundgerecht serviert werden, dafür aber eine bittere Note im Abgang mit sich bringen… was sie zeitgleich schwer zu verdauen macht… und das ist durchaus positiv gemeint!

„Ode an Epiphanie“ handelt von einem Mann, der seine Freunde zu einer abenteuerlichen Expedition einlädt. Durch einen lukrativen Deal an Geld gekommen, will er sich seinen Lebenstraum erfüllen. In „Mein Versprechen“ würde der liebestolle Timothy für seine Angebetete quasi ALLES tun und scheut sich nicht, zu drastischen Maßnahmen zu greifen. Ein junges Mädchen bemerkt in „Ich, dein Wolfsblut“ Veränderungen an sich, was im Teenager-Alter ja erstmal nichts Weltbewegendes ist… wenn diese Veränderungen aber weit über Pickel und das Interesse am anderen Geschlecht hinausgehen, steckt Größeres dahinter, das es herauszufinden gilt. „Die Zärtlichkeit der Verdammten“ bringt dann den immer gerne gesehen „Mad Scientist“ zum Vorschein, dessen Experimente natürlich nicht den gewünschten Effekt vorweisen, bevor in „Schlaf in den Flammen“ einem Arschloch von Familienvater und Ehemann die Hölle heißgemacht wird.

Drei Bände sind von Alexander Kaschtes „Trauma Tales“ bisher erschienen, doch die nächsten Veröffentlichungen sind bereits angekündigt. Sechs weitere Ausgaben sollen noch kommen und dürften somit für weitere Grusel-Stunden sorgen. Zudem ist noch das melancholische Märchen „Der Junge lebt im Brunnen“ aus Kaschtes Feder erhältlich, welches auf dem gleichnamigen Song von „Samsas Traum“ basiert, mit wunderschönem Artwork von Jaroslaw Gach gesegnet und zudem uneingeschränkt empfehlenswert ist.

Fazit, ihr Zuckermäuschen:

„Trauma Tales – Vol. I“ ist im besten Sinne eine liebevolle Hommage an die klassischen Kurzgeschichten der 1940er- und 50er-Jahre und liefert alles, was einen guten Horror-Comic ausmachen sollte. Die Stories sind kreativ, abwechslungsreich und unvorhersehbar… und manchmal auch unausweichlich und konsequent. Mit „Happy“ und „End“ haben Alexander Kaschtes Erzählungen nicht gemein… naja, zumindest nichts mit ersterem.

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