The Spider King

The Spider King
The Spider King
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Marcel Scharrenbroich
10

Comic-Couch Rezension vonJan 2023

Story

Wikinger-Action und Schlachtgetümmel mit Stil, Charme und flockigem Humor. Ein großer Spaß!!!

Zeichnung

Simone D'Armini lässt es ordentlich krachen! Ein moderner Anstrich, der das Wikinger-Setting richtig durchstylt. Gast-Zeichner und eine bärenstarke Cover-Galerie sorgen für Vielfalt.

Eine Genre-Crossover, das einfach glücklich macht

Ja was haben wir denn da???

Eigentlich war es nur das stylishe Cover, welches mich sofort auf „The Spider King“ aufmerksam machte. Abgebildet ist lediglich ein kantiger Krieger, der scheinbar mit grober Kelle aus einem Hauklotz gemeißelt wurde. Ausgestattet mit Schild und einem ungewöhnlichen Schwert, von dem ein mysteriöses Leuchten ausgeht. Alle Zeichen standen auf Fantasy… vielleicht irgendwas mit Wikingern? Oder gar Barbaren? Mir egal…, denn wenn die eigentlichen Zeichnungen so aussähen, wie es das Cover-Motiv suggeriert, wollte ich sowas von an Bord! Gesagt, getan. Und sofort bekam ich, was ich erhofft hatte: Ein grandios-modernes Artwork und düstere Fantasy-Action. Mit handfestem Wikinger-Spektakel lag ich gar nicht falsch. Was sich mir jedoch dann offenbarte, hätte ich wohl als Letztes auf dem Zettel gehabt…

Wer sich ebenfalls komplett unvorbereitet in dieses Abenteuer stürzen und überraschen lassen möchte, sollte unbedingt den Text auf der Rückseite des großformatigen Hardcovers meiden. Ebenfalls empfehle ich, diese Rezension nach dem folgenden Absatz – Anführer wider Willen – abzubrechen, da ich anschließend etwas genauer darauf eingehen werde, was Autor Josh Vann hier so in den Topf geworfen hat. Zuerst folgt aber eine spoilerfreie(!) Inhaltsbeschreibung, die Euch vielleicht neugierig macht. Noch mal: Für den optimalen Überraschungseffekt sollten Vorschauen und zu in die Tiefe gehende Inhaltsangaben unbedingt gemieden werden!

Anführer wider Willen

Wir schreiben das Jahr 956 n. Chr. und der Anführer des Laxdalen-Clans befindet sich mit seinem treuen Gefolge mitten im Krieg. Diese Rolle hat Hrolf sich aber nicht ausgesucht. Nachdem sein Vater, König Hallvard, im Kampf gegen die verhassten Rhund-Krieger fiel, blieb dem einzigen Spross nichts anderes übrig, als sein Erbe widerwillig anzutreten. Als neuer König sollte er sein Gefolge in eine ruhmreiche Zukunft führen. Bislang gelang dies nicht wirklich. Noch immer führen die Laxdalen heftige Gefechte um Land und Grund mit dem Feind. Dieser wird angeführt vom feigen Verräter Aarek, der nicht nur der Mörder von Hrolf Hallvardsons Vater ist…, sondern auch sein Onkel.

Als es auf dem Schlachtfeld mal wieder ordentlich blutig zur Sache geht, nachdem die Kontrahenten ungebremst aufeinanderprallten, wird es plötzlich ruhig auf dem blutdurchtränkten Acker. Der Nachthimmel erstrahlt in unnatürlichem Grün und es scheppert, dass jedem gestandenen Wikinger der Bart vom Kinn fällt. Bei allen Göttern… Ragnarök???

Crossover-Level: 100+

Lassen wir die arme Katze endlich aus dem Sack: „The Spider King“ ist ein wild-abgedrehtes Genre-Mash-up aus brachialer Fantasy und waschechter Science-Fiction, mit Allem was dazugehört. Ja, wir hatten schon „Cowboys vs. Aliens“, „Alien vs. Predator“ in allen Farben und Formen oder gar „Batman vs. Aliens“. Im Film hatten wir 2008 mit „Outlander“ sogar schon einmal ein Treffen zwischen Wikingern und gestrandeten Außerirdischen, aber so viel Fun wie „The Spider King“ brachte bislang kein Besuch aus dem All mit… abgesehen vielleicht von „ALF“, womit wir wieder bei der armen Katze wären. Jedenfalls geht mit dem unerwarteten Auftauchen der Aliens, die da Knall auf Fall auf unsere Erde krachen, die Gaudi erst so richtig los. Der machtbesessene und schier unsterbliche Spinnenkönig nistet sich in bester Parasiten-Manier in Aarek ein, doch die Laxdalen unter Hrolfs Führung sind nicht untätig. Um das außerirdische Gesocks vom Planeten zu fegen, benötigen sie jedoch ordentlich Feuerkraft…

Auf dem Papier mag die Story vielleicht keinen Innovationspreis gewinnen, es sind jedoch die liebevollen Feinheiten, die mich jubeln lassen. Das ist besonders den Charakteren zu verdanken, die nicht glattgebügelt und strahlend aus der Masse herausstechen. Unser Held ähnelt sogar eher einem Dödel von der letzten Bank, der vom Lehrer zu oft den Schlüsselbund vor den Kanisterkopp geknallt bekommen hat. Kein Strahlemann, dafür irgendwie sympathisch. Der Culture-Clash der dritten Art bringt dann zusätzlich noch Würze rein. Ein drolliges Alien, das sich neben einer undefinierbaren Sprache lediglich mit Händen und Füßen verständigen kann, steht im Kontrast zur schleimigen Brut auf der Gegenseite, die sich machthungrig und erbarmungslos alles einverleibt, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Aufgelockert wird die ganze Nummer immer wieder durch das knuffige Bauernmädchen Helga, deren Kommentare durch ihr niedliches Äußeres noch komischer erscheinen.

Hat man die aus vier Kapiteln bestehende Hauptstory durch, ist aber noch lange nicht Schluss. Vor einer granatenmäßigen Cover-Galerie (unter anderem mit Arbeiten von Skottie Young, Afu Chan, Jakub Rebelka und David Rubin) sowie einem kurzen Skizzen-Part, gibt es noch eine feine Sammlung mit Kurzgeschichten. Die vier Backup-Storys (darunter auch die Erzählung „Frostgrimm“, welche der US-Verlag IDW 2019 als One-Shot „The Spider King: Frostbite“ veröffentlichte) wurden ebenfalls von Autor Josh Vann geschrieben, allerdings kommen neben Simone D’Armini auch noch andere Zeichner dazu, ihre jeweiligen Stile einzubringen. Nicht jeder Stil zündet, aber die künstlerische Vielfalt ist insgesamt begrüßenswert. D’Armini hat aber allein durch die Hauptgeschichte meinen vollen Segen, da der Italiener mit Wohnsitz in Schottland seinen kantig-klobigen Strich brachial aufs dicke Papier hämmert.

Fazit:

So muss ein Genre-Mix aussehen, um zu begeistern! Müsste ich etwas beanstanden, wären es ein paar Rechtschreibfehler, die hätten vermieden werden können. Ansonsten lässt „The Spider King“ mit seiner Genre-Vielfalt und dem feinen Quäntchen Humor absolut keine Wünsche offen. Da die Qualität von CROSS CULT ebenfalls stimmt, bekommen Comic-Liebhaber mit Vorliebe für skurrile Stoffe, handfester Action und einer angemessenen Portion Wikinger-Gewalt - neben einer verdammt guten Zeit - eine ganze Menge für ihr Geld geboten.

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