The Old Guard - 2. Konzentrierte Kräfte

Erschienen: September 2020

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Der Konflikt zwischen Nile und Andy beherrscht die Geschichte in diesem Band. Dabei webt der Autor den Streit zwischen Neu und Alt sehr gut in die übergeordnete Story ein. Hintenüber fallen aber leider die anderen Figuren des Teams, die dadurch sehr eindimensional bleiben.

Zeichnung

Zeichner Fernández und Koloristin Daniela Miwa liefern im Verbund tolle Bilder, an denen ich mich nicht sattsehen kann. Miwas monochromatische Farbpalette passt wunderbar zu Fernández minimalistischem Stil.

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Nina Pimentel Lechthoff
Die ganz, ganz alte Schule

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Jan 2021

Achtung, Spoiler

Andy und ihr Team sind Söldner. Sie legen sich mit dem schlimmsten Abschaum der Welt an, um diese wenigstens ein bisschen besser zu machen. Andy und ihr Team sind furchtlos und können ihre Gegner mit einem Löffel töten, falls nötig. Doch nicht nur das macht sie zu einer mächtigen Truppe: Andy und die restlichen „Old Guards“ können nicht sterben. Das heißt nicht, dass sie unverwundbar sind. Immer und immer wieder sterben Andy und ihre Kameraden, sie stehen aber jedes Mal von den Toten wieder auf.

Nachdem die Mannschaft um Söldnerin Andy sich durch ein Hochhaus voller bis auf die Zähne bewaffneten Schergen kämpfen musste und dabei nicht nur das eine oder andere Mal einen gewaltsamen Tod gestorben und wieder auferstanden sind, stehen die „Old Guards“ vor einem neuen Problem. Während die alte Andy von jahrtausendealten Sünden ihrer Vergangenheit eingeholt wird, tut sich die Jüngste im Bunde, Nile, schwer, ihr neues Leben als unsterbliche Kriegerin anzunehmen. Aber auch die anderen „Old Guards“ stellen die Zukunft ihres Teams in Frage. Dabei ist Zusammenhalt jetzt wichtiger denn je, denn im Verborgenen arbeiten unbekannte Kräfte daran, Andy und ihre Kameraden ein für alle Mal auszulöschen...

„Highlander“ meets „The Expendables“

So fasst der Splitter Verlag, der die „The Old Guard“-Reihe in Deutschland veröffentlicht, die Geschichte zusammen – und besser hätte man es nicht machen können. Die Söldnertruppe um Andy und Nile ist hartgesotten und arbeitet im Kampf als eine gut funktionierende Maschine. Dass es aber innerhalb des Teams anfängt zu bröckeln, macht diesen zweiten Band umso spannender.

Im ersten Teil hat die „Old Guard“ gegen eine Gefahr von außen kämpfen müssen, doch nun liegt der Konflikt im zweiten Teil eindeutig in der Beziehung zwischen den Figuren, allen voran Andy und Nile. Klar gibt es auch in „The Old Guard 2: Konzentrierte Kräfte“ einen Antagonisten, dessen Rolle es ist, das Team an die Grenzen zu bringen. Dieser Kampf ist aber im Grunde nur ein Brandbeschleuniger, der die Konflikte zwischen den Figuren noch zusätzlich befeuert.

Einerseits sieht Andy, die bereits seit über 7000 Jahren auf der Erde wandelt, keinen Sinn darin, für eine Menschheit zu kämpfen, die sich immer wieder selbst zu zerstören versucht. Auf der anderen Seite steht Nile, das Nesthäkchen. Sie hat gerade erst damit angefangen und steckt voller Elan. Greg Rucka schafft es sehr gut, diesen Konflikt zwischen Neu und Alt, zwischen Resignation und Überzeugung, über den ganzen Band hinweg aufzubauen und zu einem überzeugenden Ende zu bringen.

Durch den Fokus auf Nile und Andy bleiben die anderen Teammitglieder der „Old Guard“ leider etwas im Hintergrund. Meistens liefern sie lediglich ein paar One-Liner und treten den Schergen des Antagonisten gehörig auf den Hintern. Mehr ist für sie leider nicht drin. Ähnlich erging es ihnen im ersten Band, wo sie vom damaligen Antagonisten gefangen genommen wurden. Da hatten sie aber, anders als im zweiten Band, wenigstens die Chance, im Dialog mit dem Big Bad etwas von ihrer Persönlichkeit zum Vorschein zu bringen.

Minimalistisches, artsy-fartsy Kunst-Feuerwerk

Der Zeichenstil von Leandro Fernández ist – ich kann es bei bestem Willen nicht anders sagen – der Hammer. Er hat einen sehr minimalistischen Stil, sodass die Figuren sehr markant aussehen. Auch wenn die Figuren nicht allzu „echt“ aussehen, schafft Fernández es immer, dass man genau weiß, was die Figuren gerade denken und fühlen. Denn selbst wenn die Gesichter oder Körper sehr einfach gehalten sind, gibt der Zeichner ihnen trotzdem viel Mimik und Gestik.

Was mir an den Zeichenstil von Fernández am meisten gefallen hat, sind die grafischen Elemente. In vielen Panels bekommt man die Figuren als Schatten oder in einem sehr reduzierten Stil zu sehen. Zusammen mit den sehr satten Farben von Daniela Miwa ist das ein rundes Gesamtwerk und der Name Graphic Novel bekommt eine neue Bedeutung. Allein schon das Cover – sowohl des ersten als auch des zweiten Bands – gibt dem Leser schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Kunst innerhalb des Comics. Der Hintergrund ist türkisblau, was die in Brauntöne gehaltenen Figuren hervorstechen lässt. Dabei ist Nile vorne komplett zu sehen, während Andy mehr im Schatten steht. Wobei „komplett sehen“ auch ein bisschen übertrieben ist, denn durch den sehr tiefen Winkel, aus denen man die Figuren von unten aus betrachtet, sind ihre Köpfe etwas abgeschnitten. Diese wenigen Elemente ziehen sich durch den gesamten Band – extreme Winkel, satte monochromatische Hintergründe und hervorstechende Elemente. Was für eine Wohltat für die Augen!

Fazit:

„The Old Guard 2: Konzentrierte Kräfte“ ist eine sehr gelungene Fortsetzung. Die Art und Weise, wie Greg Rucka die äußeren Gefahren mit den inneren Konflikten der Truppe um Andy und Nile zusammenbringt, finde ich sehr spannend. Aber das eindeutige Highlight der Serie liegt für mich ganz eindeutig im Artwork. Das Zusammenspiel zwischen dem minimalistischen, sehr grafischen Zeichenstil von Fernández und die satte Farbpalette von Miwa ergeben einen Augenschmaus, an dem ich mich nicht satt sehen konnte.

The Old Guard - 2. Konzentrierte Kräfte

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